The Price of Hunger

All Rights Reserved ©

Summary

Manche zĂ€hlen Zeit. Andere zĂ€hlen SĂŒnden. Mael zĂ€hlt etwas anderes. Er greift nicht ein. Er rettet niemanden. Er sieht zu. Und wenn es vorbei ist, bleibt er zurĂŒck und zĂ€hlt, was ĂŒbrig ist. Doch diesmal stimmt etwas nicht. Der Hunger hat begonnen, sich zu verĂ€ndern. Nicht im Körper. Sondern in der Seele. Und irgendwo zwischen Beobachtung und Entscheidung beginnt etwas zu kippen. The Price of Hunger ist eine dĂŒstere Geschichte ĂŒber Schuld, Wahrnehmung und den Preis, den man zahlt, wenn niemand eingreift. — đ”—đ”žđ”©đ”ąđ”° 𝔬𝔣 đ”‰đ”žđ”±đ”ą Tales that burn. Tales that bloom.

Status
Ongoing
Chapters
24
Rating
n/a
Age Rating
18+

đ•»đ–—đ–”đ–‘đ–”đ–Œ

Oakhaven 1969

Der Jahrmarkt von Oakhaven war im September 1969 verendet. Er war ein Skelett aus bunten Lichtern und rostigem Stahl, das im fahlen Mondlicht klapperte. Die Luft schmeckte nach verbranntem Diesel und dem sĂŒĂŸlichen Gestank klebriger Zuckerwatte. Ein blechernes Echo vonCanned Heatmischte sich mit dem rhythmischen Quietschen des Riesenrads.

Jake taumelte aus der Gondel. Seine Schlaghose war am Knie aufgerissen, das bunte Hemd klebte ihm am Leib. Er blinzelte gegen die GlĂŒhbirnen-Ketten an, die wie schwĂ€rende Wunden ĂŒber den staubigen Gehwegen hingen. Er wirkte verloren – ein Überbleibsel einer Party, die blutig geendet hatte.

Er bemerkte das Kaugummi an seiner Hand, fluchte und wischte es ab. Sein Blick suchte einen Ausgang aus diesem Irrgarten aus grellen Vinylbannern und schweigenden Schießbuden.

Aus dem Schatten eines leerstehenden Popcorn-Wagens trat sie hervor. Ein weißes Kleid flatternte im Wind wie die FlĂŒgel eines Nachtfalters.

„Lorie.“

„Lass uns als NĂ€chstes mit dem Riesenrad fahren, Liebling!“, rief sie. Ihre Stimme war hell, aber ohne Resonanz. Sie war eine Aufnahme aus einer besseren Zeit, die im Jahr 1969 keinen Platz mehr fand.

Jake wich zurĂŒck. Er stammelte von einem Unfall, von fĂŒnf Jahren der Qual, von einem Ende, das lĂ€ngst hĂ€tte besiegelt sein mĂŒssen. Doch Lorie lachte nur – ein hohles Kichern, das die Luft gefrieren ließ. Das Flackern der Lichter wurde wilder, ein elektrisches Gewitter, das die Schatten ĂŒber den Boden peitschte.

„Ich habe gewartet, Jake“, flĂŒsterte sie, wĂ€hrend ihr Gesicht grau wurde und die Haut wie trockenes Pergament riss. „Im Leben und im Tod.“

Es geschah zwischen zwei HerzschlĂ€gen. Ihre bleiche Hand schoss vor, durchbrach Stoff, Haut und Rippen. Das GerĂ€usch brechender Knochen war so laut wie ein Schuss aus einer Winchester. Jake keuchte, Blut quoll ĂŒber seine Lippen. Er sank auf die Knie, wĂ€hrend sie sein Herz aus der Brust riss – ein pulsierendes Opfer fĂŒr ein gebrochenes Versprechen.

„Jetzt können wir fĂŒr immer zusammen sein“, flĂŒsterte die Gestalt und zerquetschte das Fleisch mit einem nassen GerĂ€usch. Jakes Körper sackte zusammen.

Nur das Riesenrad drehte sich weiter.

Hinter der Spiegel-Bude trat ein Mann hervor. Er war groß gewachsen, die Schultern breit unter einem hellen Hemd, das im Mondlicht leuchtete. Er blieb am Rand des Scheins stehen. Sein Haar war so hellblond, dass es fast weiß wirkte.

Er hatte alles gesehen. Jeden Schrei gehört. Jeden Tropfen Blut gezÀhlt.

Ein kĂŒhles LĂ€cheln umspielte seine Lippen. Er holte eine silberne Taschenuhr hervor und knipste sie auf.

„PĂŒnktlich“, murmelte er. Seine Stimme war so unnachgiebig wie der Stahl der FahrgeschĂ€fte.

Er rĂŒckte sich den Kragen zurecht und verschwand im Labyrinth der Buden, wĂ€hrend hinter ihm die Musik des Karussells von Neuem begann.

Er war nicht hier, um zu retten. Er war hier, um zu bezeugen.