⚡Schockverliebt⚡

Summary

Satoru Gojo hat schon vieles erlebt: Flüche Bewunderung Neid und unzählige Schwärmereien. Was er noch nie erlebt hat? Eine Frau, die ihn für einen Zeitarbeiter hält, ihn „Temu-Adonis“ tauft und ihm erklärt, wie Türen funktionieren. Eigentlich hätte das die Geschichte beendet. Eigentlich...

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Aphrodite lehnt Temu-Adonis ab

🦋 Schockverliebt 🦋


Zwei Charaktere, die sich auf den ersten, zweiten und auch fünften Blick nicht ausstehen können


Vorwort & Info’s

Ein ♥liches Willkommen zu meinem Nebenprojekt im JJK-Universum

Wichtig zu wissen für dich ist, dass sie mit meiner Hauptstory ℳayu Ryomen Plot-technisch nichts zu tun hat. Ich nehme mir verständlicherweise einfach nur Mayu selbst, als Person und ihren Eigenschaften und stecke sie in ein neues Setting mit Satoru zusammen.

Was erwartet dich?

Ein;

Genre im Bereich: Dark Romantasy, ein Hauch Comedy mit triefendem Sarkasmus, Slowburn

Gespielter Zeitraum: August 2018 // Anime angelehnt – etwas abgeändert

Pairing: Satoru Gojo x Mayu Ryomen


Und jetzt – hast du dein Popcorn? Dein Getränk? Ach, nur falls es notwendig ist, hab Tücher griffbereit.

Bereit?

Komm mit.


-Aphrodite lehnt Temu-Adonis ab-

­-Aus der Sicht von Satoru Gojo-

Zwei Wochen.

Nein, gelogen. Knapp zwei Wochen, in denen Shoko mal wieder in der geheimen Jujutsu-Abteilung der Uniklinik Tokio aushelfen musste. Bereits zum dritten Mal. Und seitdem gab es erneut kein anderes Thema mehr als ihre Assistenz.

Nur Assistenz.

Keine Angaben darüber, ob ich in Zukunft einen Herrn um meine beste Freundin herumgeistern sah, der sie bei jeder Gelegenheit mit Blicken auszog, oder ob es sich um eine Frau handelte, auf die Shoko gar ein Auge geworfen hatte?!

Nicht, dass ich was dagegen gehabt hätte, aber Shoko? Und eine Frau?

Abwegig war das nicht vollends.

Aber überraschend.

Erst gestern Abend, am Esstisch in der Akademie, hievte sie die unbekannte Assistenz in den Himmel.

Wortwörtlich.

Sie schwärmte davon, wie klug sie doch war, wie präzise, herzlich und unsagbar zuvorkommend. So Shoko’s Worte.

Nicht, dass ich ihr noch mit einer Serviette den Sabber am Mundwinkel hätte wegwischen müssen.

Ich hatte schon fast Bedenken gehabt, dass sie ihre hauseigene Praxis, hier im Keller aufgab und vollends in die Klinik wanderte.

Oder wie eben angeschnitten, ihre sagenumwobene Assistenz auf die Akademie verschleppte.

Bevor das aber passiert wäre, musste ich endlich meine große Neugier befriedigen! Ich musste wissen, wer ihr derartig den Kopf verdreht hatte.

Normalerweise schwärmte man so von mir – Satoru Gojo, dem stärksten Jujuzisten, aber doch nicht von einer stinknormalen Assistenz!

Tag zwölf ihres Klinikaufenthalts und ich machte mich auf die Socken, Shoko einen unerwarteten Besuch abzustatten.

Spoiler; sie hatte ihn schon längst erwartet. Sehnsüchtig.

Zeit, es nachzuholen.

Die herbstliche Tagesluft tauschte ich sogleich gegen die sterile, desinfektionslastige Luft der Klinik ein, als ich das Uniklinikum betrat.

Mir waren die hell beleuchteten Gänge hier keineswegs unbekannt, so schritt ich automatisiert den Flur nach hinten durch, lief durch die erste Glastür hindurch, hinter der ich die besagten Treppen vorfand und stieg diese hinab, die nur für uns Jujuzisten zugänglich waren.

Die Stahltür passiert und schon befand ich mich auf dem Flur meinesgleichen.

Hier wurden zwar überwiegend Leichen obduziert, aber auch schwer verletzte Jujuzisten behandelt, die einen besonderen Krankenhausaufenthalt benötigten.

Ich schlenderte Tür an Tür vorbei und bog in mein Wunschzimmer hinein.

In jenes, in welchem ich Shoko erwartet hatte. Und da stand sie auch.

Haube. Mundschutz. Gummihandschuhe. Schneeweißer Kittel. Klein. Feminin.

Vornüber gebeugt über eine Leiche.

An den dunkelblauen Handschuhen klebte dunkelrotes Blut.

Sie schien mich noch gar nicht bemerkt zu haben.

Jedoch bemerkte ich, dass ihr lebloser Patient bedrohlich nah an der Kante des Seziertischs balancierte.

„Scheiße“, zischte meine bis eben geglaubte Freundin, „Shoko, schnell! Der rutscht mir vom Tisch!“

Sie stemmte sich gegen den massigen Körper, der tatsächlich drohte, langsam aber sicher, in die Tiefe zu segeln.

Reflexartig eilte ich an den Stahltisch heran, griff unter die kalte Schulter des Toten und half, diesen wieder zurück auf den Tisch zu stabilisieren.

„Ach du Güte“, seufzte die Unbekannte, „das war knapp. Danke dir.“

„Gern. Geschehen. Shoko“, erwiderte ich verdutzt.

Kaum, dass sie realisiert hatte, dass sie eben nicht die gewünschte Stimme vernahm, schoss ihr Blick mir entgegen.

Erschrocken. Schockiert. Und schaute mich aus ultravioletten Augen a– Moment ... Lila?!

Nicht einfach nur lila – eher so, als hätte jemand Mondlicht in eine Amethystlinse gegossen.

Geheimnisvoll, wie ich über meine Sonnenbrille hinweg ersehen konnte.

Bevor ich auch nur gescheit meine Gedanken sortieren konnte, kam sie mir zuvor.

„Sagen Sie mal, wo haben Sie ihren Kittel gelassen?!“, empörte sie sich in der Stimmfarbe tiefer und musterte mich streng, „und seit wann haben wir Praktikanten?!“

Prakti- was?!

Ich blinzelte.

Hatte sie mich gerade... Zurechtgewiesen?

„Sorry, ich bin weder Arzt noch Praktikant!“, entgegnete ich charmant sowie halb grinsend, „ich wollte eigentlich nur zu Shoko.“

Sie zog eine Augenbraue drei Stockwerke in die Höhe.

Das war definitiv nicht meine Shoko – schon gar nicht mit den Sommersprossen, die am Rand des Mundschutzes wie Sternenstaub hervorlugten.

„Aha“, tat sie unbeeindruckt, „weder Arzt noch Praktikant? Und wer sind Sie dann, dass Sie glauben könnten, einfach so hier reinspazieren zu können?“

Ihr Tonfall war derart trocken, dass sie jedem Staubkorn Konkurrenz machte.

„Ich bin Satoru Gojo. Shoko’s bester Freund. Zuständiger an der Jujutsu-Akademie. Lehrer. Weltwunder und seines Zeichens Adonis.“

Ihre Stirn legte sich in Falten, während mich ihre außergewöhnlichen Seelenspiegel musterten.

Sie verfiel mir in 3... 2... 1...

„A-adonis?!“, haspelte sie desinteressiert, „bei Temu bestellt, oder wie?! Günstig, aber mit hohen Lieferkosten?!“

…?!

Hatte sie mich gerade auf die Stufe einer Billigversion eines schönen Mannes herabgesetzt?!

Ihr fassungsloses Geflüster entzweite sogleich meine Fassungslosigkeit.

„Wann haben wir denn bitte Zeitarbeiter eingestellt?“

Sie schüttelte den Kopf, legte den Arm der Leiche wieder auf das Stahl des Seziertisches und ich? Ich war – sprachlos.

Das allererste Mal in meinem gesamten Leben.

Ihr sezierender Blick schnellte erneut zu mir hinauf.

„Also, wenn Sie nichts Besseres zu tun haben, als hier wie falsch platzierte Deko herumzustehen, dann kann ich Sie hier am wenigsten gebrauchen. Ihre Hilfe eben war nett. Danke. Aber eben einfach nur nett.“

Ich musste mich wahrlich anstrengen, dass mir nicht die Kinnlade auf den Boden krachte. Die war doch irre gewesen. Wie sprach die bitte mit mir?

Bisher hatte mir nur Shoko Paroli bieten können.

Aber die?! Die ebenfalls, ja, aber sie kippte mir gleich noch ein Glas Wasser obendrüber.

Noch bevor ich zum charmanten Gegenschlag ausholen konnte, kam sie mir erneut zuvor.

„Vielleicht können Sie mit Ihrem Wissen punkten – wofür haben Maurer ein Loch in der Wand gelassen?! Richtig, für sogenannte Türen – und wie man sie benutzt, haben Sie eben auch wundervoll demonstrieren können. Also, wenn ich bitten darf...“

Die unbekannte Freche nickte in Richtung der Tür.

… Hatte ich mich gerade verhört? Hatte sie mich gerade allen Ernstes dazu aufgefordert, wiederzugehen?!

Mich? Satoru Gojo? Schmiss sie raus?

„Interessant“, murmelte ich.

„Was? Dass es sowas wie Türen zum Heraustreten gibt? Allerdings. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden – ich habe Arbeit vor mir liegen.“

Gänzlich unbeeindruckt nahm sich diese giftige Krankenschwester eine Pinzette zur Hand und fuhr mit ihrer Arbeit unbeirrt fort.

Nicht zu fassen. Innerlich lachte ich auf.

In meinem ganzen Leben wurde ich bisweilen noch nicht einmal derartig abgeblitzt.

War die etwa allergisch gegen Männer?!

Jedenfalls imponierte mir das mehr, als es hätte sollen.

Vor der Tür setzte ich meine Suche nach Shoko fort.

Ja! Ich ließ mich galant rausschmeißen. Wobei galant sich hinter rotzfrech versteckte.

Anschließend ging es durch den weitläufigen Flur. Wurde von gefühlt jeder anderen Krankenschwester schmachtend begrüßt und mit süßlichen Stimmlagen umworben.

„Hallo, Satoru!“ „Oh, Satoru. Bist du wieder hier?“ „Ich warte immer noch auf ein Date mit dir!“ „Shoko ist im Pausenraum, falls du sie suchst, Herzensbrecher.“ „Oh, seht mal! Da ist Satoru!“

Die einen quiekten, die anderen fielen beinahe in Ohnmacht und andere wiederum sahen mir heillos verliebt hinterher.

Es nervte mich. Aber gleichermaßen fühlte ich mich auch geschmeichelt. Nur nicht heute!

Dieses Biest! Wie konnte sie nur mein Ego so vernichtend ankratzen?!

Schwungvoll stieß ich die letzte Tür im Gang auf und betrat erwartungsvoll den Pausenraum. Wurde sogleich von den herbstlichen, hineinfallenden Sonnenstrahlen geblendet. Genauso kräftig, wie ich hineinkam, ließ ich wieder die Tür ins Schloss fallen.

Die gewünschte Aufmerksamkeit? Flog binnen eines Augenaufschlags auf mich. Von Shoko, die dezent erschrocken zu mir aufsah.

„Satoru?! … Warum so stürmisch?!“, fragte sich mich sogleich mit rauchbelegter Stimme.

Noch kommentarlos beobachtete ich, wie Shoko den Rauch ausblies und ihre heiß dampfende Tasse zum Trinken ansetzte.

Mein erster Weg, den ich nach wie vor stumm bestritt, war zur Kaffeemaschine. Stellte lieblos eine Tasse darunter und drückte mir den stärksten Kaffee.

Ich hörte es förmlich. Shoko hielt hinter mir die Luft an. Blieb sogar reglos auf der Fensterbank sitzen. Kaum hatte die Kaffeemaschine mit ihrem lauten Knattern meinen Stimmungsaufheller in die Tasse entlassen, traute sich Shoko, sachlich zu fragen.

„Wie schlimm war es, beleidigter Pfau?“

Sie versuchte noch nicht einmal, ihren belustigten Unterton zu erdrosseln. Also, wenn das ihre Assistenz war, von der sie die ganze Zeit über geschwärmt hatte...

„Inkompetent. Unhöflich“, zischte ich und nahm die Tasse in die Hand, lehnte mich dabei an die Theke.

Ich schnaufte die Luft durch die Nase.

„Ach – von wegen unhöflich. Diese komische Schnalle war rotzfrech. Betitelt mich als Temu-Adonis. Und wollte mir klarmachen, wie man Türen benutzt. Von außen!“

Die Ader an meiner Schläfe pochte zum erschnellten Takt meines Pulses.

Shoko versuchte krampfhaft, einen Lacher zu unterdrücken. Nippte an ihrem Kaffee, auf welchen sie starr ihre braunen Augen richtete und konzentrierte sich auf ihren Schluck.

„Behauptete die auch“, fuhr ich in meiner ausgebrochenen Rage fort, „seit wann ihr Zeitarbeiter eingestellt hättet...“

Das war zu viel für Shoko. Sie brach in schallendes Gelächter aus. Lehnte sich zurück und ließ ihrer Belustigung freien Lauf. Also schlechter konnte ich mich heute auch nicht mehr fühlen...

„Da-as ist so“, versuchte sich Shoko vergeblich einzufangen, „so typisch Mayu.“

Mayu, also? Göre...

„Aber wenn es dich beruhigt, Toru“, holte Shoko Luft, „du bist nicht ihr erstes oder einziges Opfer.“

„Na, danke auch. Ist die lesbisch, oder was?! Ich habe noch nie erlebt, dass man so kalt mir gegenüber ist!“

Shoko kniff die Augen erneut zu und ließ ihre wackelnden Schultern für sich sprechen. Schüttelte dabei den Kopf.

Also nicht lesbisch?! Dann war sie, „gegen Männer allergisch?“

Shoko lachte lautlos weiter. Holte nach einem viel zu lang andauernden Moment Luft. Schüttelte abermals den Kopf. Jetzt verstand ich gar nichts mehr.

Nippte am noch viel zu heißen Kaffee.

Punktgenau auf die Sekunde wurde die Tür zum Pausenraum geöffnet. Da kam sie doch augenblicklich herein. Das Gör Mayu.

Ohne Haube. Ohne Mundschutz. Ohne blutverschmierte Handschuhe.

Durch den Luftschwung der Türe, wehten ein paar ihrer losen, fliederfarbenen Haarsträhnen ihrer unordentlich hochgesteckten Frisur neben ihrem Gesicht umher.

Und bei Gott – wie konnte so ein Giftzwerg derart ausgesprochen hübsch gewesen sein?! Was für eine Verschwendung.

„Oh, Shoko“, bemerkte sie indes erfreut, „ich habe dich vorhin schon gesucht. Mir wäre der Patient beinahe vom Seziertisch gefallen.“

Mayu schaute geradewegs auf meine beste Freundin. Schien mich, wie vorhin auch schon, nicht bemerkt zu haben. Gut so. Ich hätte für heute kein weiteres Wort mit ihr sprechen wollen.

„Ach du Güte?!“, antwortete die Angesprochene überrascht, „ist dir was passiert?“

„Nein. Zum Glück nicht. Ich hatte Glück im Unglück“, begann sie zu erzählen und ging an die Spinde.

„Gerade, als er zu Boden fallen wollte, dachte ich, dass du im genau richtigen Moment hereingekommen wärst. Aber das warst du gar nicht.“

Wer hätte gedacht, dass die doch eigentlich ziemlich … Freundlich klingen konnte?!

„Sondern?!“, wollte Shoko hellhörig wissen, während Mayu ihre Tasche auf den Tisch stellte.

„Ganz ehrlich?! Praktikant? Einer von einer Zeitarbeitsfirma?! Oder doch Putzkraft?! Ich weiß es nicht mehr. Ziemlich großer Kerl. Knapp zwei Meter groß“, beantwortete sie, während sie in ihrer Tasche wühlte und dann erneut zu ihr aufsah.

„Er hat sich mir gegenüber auch vorgestellt. Name, welche Funktion er hat und noch irgendwas, aber ich konnte mir von alldem nichts merken.“

„Was?!“, empörte sich Shoko, „dabei kannst du dich an so gut wie alle Namen erinnern.“

Wow! Da war ich schon so zuvorkommend, hatte ihr so gut wie alles von mir preisgegeben und sie vergaß das einfach?!

„Das ist ja das Schlimme daran. Irgendwas mit G? Keine Ahnung. Aber was hängengeblieben ist, ist, dass er sich mir als seines eigenen Zeichens Adonis vorgestellt hat.“

Shoko schlug sich die flache Hand gegen die Stirn, während Mayu fast schon enttäuscht zu Shoko blickte.

„Weißt du...“, begann sie zu nörgeln, „das wäre eigentlich genau der richtige Moment gewesen. Da kommt dieser sagenumwobene Typ auf seinem weißen Pferd zur richtigen Zeit ungebeten zur Hilfe und dann prahlt der mit seinem dämlichen … Gottkomplex?!“

Ich glaubte, so oft, wie ich Shoko gerade lachen sah, hätte ich über all die Jahre hinweg nicht beobachten können.

„U-und du wa-arst sicherlich sehr fies zu ihm, oder?!“, erriet sie ins Blaue hinein.

Ich warf ihr sogleich meinen vernichtenden Blick zu, den sie natürlich nicht sah, weil sie weiterhin Mayu zugerichtet war. Aber der Augenwinkel! Aus diesem sah sie es! Ich war mir sicher!

„Fies? Ich? Nein. Berechtigt. Ich habe dem Temu-Adonis gesagt, wie man die Türen von außen schließt. Ich mein, Shoko. Ich kann sowas echt nicht ab. Es war wirklich superlieb, dass er mir geholfen hat, sonst hätte ich wirklich ein Problem gehabt, aber Adonis?! Seh ich etwa aus, wie Aphrodite?!“

Und sie lachte weiter. Hielt sich jetzt sogar den Bauch fest und beugte sich nach vorne über.

„Mayu“, begann Shoko lachend zu tadeln, „das war nicht mehr berechtigt, das war schon unverschämt.“

Unverschämt? Das war nur die kleine Schwester von dreist und respektlos.

„Unverschämt?“, wiederholte sie und musterte sie argwöhnisch, „vielleicht. Aber sich mir als Adonis vorzustellen, grenzte schon an eine Belästigung.“

„‘Adonis’ ist bei dir also ein Warnsignal?“, klinkte ich mich nun ein, „interessant. Ich bin immer noch Satoru Gojo. Wenn du dir das nicht merken kannst, kann ich dir helfen.“

Entgeistert warf sie mir ihre Aufmerksamkeit zu.

Und wie ihr die Worte ‘der war die ganze Zeit über hier?!’ über das Gesicht rannen.

Göttlich! Das war mir schon Genugtuung, um mein Ego wieder zusammenzusetzen.

Von Shoko hingegen konnte man nuschelnd, „jetzt wird’s knallen“, hören.

„Mir dabei helfen?“, warf mir Mayu spitzzüngig zu, neigte den Kopf schief, „wie großzügig. Aber Sie, als Adonis, müssten doch wissen, dass Aphrodite nicht höflich fragt. Also, sollte ich nochmals Ihren Namen brauchen, frage ich. Oder lassen Sie sich hier eine Patientenakte anlegen. Zum Nachschlagen.“

Shoko’s Lacher setzte sich wie ein Streitschlichter zwischen uns.

„Ihr zwe-ei“, keuchte sie und hätte sich fast den Kaffee übergekippt, „braucht eine Aufsichtspflicht.“

Aufsichtspflicht?! Am Arsch die Waldfee.

„Ich bin kein Fall, sondern ein Sonderstatus. Zudem braucht Adonis keine Akte - er war der Inhalt“, entgegnete ich Mayu und wandte mich an Shoko, „sag mal - wo ist eigentlich deine sagenumwobene Assistenz, von der du so geschwärmt hast?!“

Nach wie vor out of control hob Shoko ihre Hand.

Nein. Bitte nicht.

Und streckte sie in Richtung Mayu aus.

Ich ahnte es. Und wie.

„Das nennst du kompetent?“, wiederholte ich Shoko’s Fehleinschätzung, „klug? Herzlich? Unsagbar zuvorkommend? Ich rate dir dringend, an deiner Einschätzung zu arbeiten...“

Es hätte nur noch gefehlt, dass Shoko von der Fensterbank zerflossen wäre. Sie hielt sich keineswegs mehr zurück und verfiel in ihrem Lachanfall.

„Das nennen Sie Shoko’s Fehleinschätzung? Vielleicht liegt es auch daran, dass Sie Ihre Wahrnehmung falsch einschätzen.“

Diese Konter... Anmaßend und doch ausgefallen zugleich. Das imponierte mir mehr, als es hätte sollen.

„Nein“, widersprach ich, „du verwechselst das Finale mit dem Zwischenstand. Und Wahrnehmung ist eine Auslegungssache. Götter und Sterbliche sehen selten dasselbe.“

Sie rollte die Augen.

„Ich sag ja“, murmelte sie, „Gottkomplex...“

Shoko saß inzwischen halb verstorben auf dem Stuhl am Tisch. Das Gesicht schwer in ihren Händen vergraben.

Mayu verstaute ihre Tasche wieder zurück in den Spind und steckte ihren Schlüssel zurück in die Kitteltasche. Richtete ihr seitlich gelegenes Pony, als hätte sie zu viel einstecken müssen und ging zur Türe.

„Ich machs jetzt wie Ikarus...“, nuschelte sie aufgebend, ehe sie wieder fester sprach, „ich bin im Labor, Shoko. Tschüss, Temu-Adonis. Stolpern Sie nicht. Über Ihre eigene Überheblichkeit.“

Emotionslos zwinkerte sie mir zu und zog sachte hinter sich die Tür zu.

Reglos sah ich die weiße Tür an. Shoko’s Lachkollaps hatte mit aller Wahrscheinlichkeit allmählich den Geist aufgegeben.

Sie wischte sich mühevoll ihre Tränen aus dem Augenwinkel. Ihre Wangen gerötet und schlitterte gefährlich nah daran vorbei, gleich selbst auf einem der Seziertische zu landen.

„I-ich glaub´s nicht“, kicherte sie noch restlich belustigt, „sie hat dich bodenlos zerstört, Satoru.“

„...“, kläglich versuchte ich noch etwas hervorzubringen, aber es blieb mir schlichtweg im Hals stecken.

Ich hatte schon unzählige Gegner und haufenweise Personen mir gegenüberstehen. Aber niemand, wirklich niemand ging, bevor ICH fertig war!

„Was für ein unerträgliches, faszinierendes Biest“, stellte ich entrüstet fest.

„Oh, Satoru. Das heißt nichts Gutes bei dir“, war sich Shoko sicher.

Und wenn sie das sagte, dann war sie die einzige, die sich dessen bewusst gewesen war, was das hieß!