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Hold me, Mr. Vance - Zwischen Schweiß & Leidenschaft

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Summary

Der 23-jährige Liam trägt schwer an seiner Vergangenheit. Jahrelanges Mobbing und chronischer Stress haben nicht nur seelische Narben hinterlassen, sondern auch zu einem ungesunden Übergewicht geführt, das nun seine Gesundheit bedroht. Die ärztliche Anordnung ist unmissverständlich: Liam muss sein Leben ändern. Mit einer Empfehlung für eines der exklusivsten Fitnessstudios Manhattans in der Tasche, wagt er den schwersten Schritt seines Lebens. Doch schon bei der Anmeldung raubt ihm ein Anblick den Atem: Adrian Vance. Der Besitzer des Studios ist alles, was Liam nicht ist – groß, muskulös und von einer einschüchternden Perfektion. Adrian ist genau Liams Typ, doch Liam ist sich schmerzlich sicher, dass er niemals in das Beuteschema eines Mannes wie Vance passen würde. Als jedoch ein frisch eingestellter junger Trainer während einer Übung Grenzen überschreitet und Liam gegenüber übergriffig wird, eskaliert die Situation. Der darauffolgende Streit ruft Adrian auf den Plan. Sein Eingreifen markiert nicht nur das Ende der Schikane, sondern auch den Beginn einer intensiven Verbindung, die Liams Welt – und sein Herz – völlig aus den Angeln hebt.

Status
Complete
Chapters
20
Rating
5.0 10 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Kapitel 1 

Liam:

Das Ticken der Wanduhr in Dr. Webers Praxis fühlte sich plötzlich unnatürlich laut an. Mein Arzt sah mich mit einem durchdringenden Blick über den Rand seiner Brille hinweg an, und ein flaues Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus. Ich wusste, dass er gleich etwas sagen würde, das ich eigentlich schon lange wusste, aber nie laut hören wollte.

Ein tiefes, schwerfälliges Seufzen entwich Dr. Weber, während er meine Akte schloss. „Mr. Stone“, begann er mit einer Stimme, die sowohl fachlich als auch besorgt klang. „Es ist unumgänglich, dass Sie an Ihrem Gewicht arbeiten. Wenn Sie jetzt nicht handeln, wird das in naher Zukunft schwerwiegende Folgen für Ihre Gesundheit haben. Vergessen Sie nicht: Sie sind noch sehr jung. Sie haben Ihr ganzes Leben noch vor sich.“

Ich senkte den Kopf. Mein Blick blieb an meinen Fingern hängen, die ich nervös in meinem Schoß zusammengefaltet hatte. Die Scham brannte auf meinen Wangen, heißer als das grelle Deckenlicht im Raum.

„In Ordnung“, flüsterte ich und räusperte mich dann, um fester zu klingen. „Aber ... wo soll ich überhaupt anfangen? Ich weiß nicht, wo ich hin soll.“

Dr. Weber lehnte sich in seinem Stuhl zurück, und ein kleiner Funken Zuversicht blitzte in seinen Augen auf. „Keine Sorge, Mr. Stone. Ich kenne ein spezielles Studio, das sich genau Ihrer Situation annehmen wird. Ich habe schon viele Patienten mit ähnlichen Voraussetzungen dorthin überwiesen, und die Ergebnisse sprechen für sich. Dort wird man Sie nicht verurteilen, sondern Ihnen den Weg zeigen.“

Ich nickte nur stumm, unfähig, ein weiteres Wort herauszubringen. Das Gewicht der Realität fühlte sich in diesem Moment schwerer an als alles andere.

„Gut, dann mache ich direkt die Überweisung fertig. Warten Sie einen Moment hier“, sagte Dr. Weber mit einem aufmunternden, aber bestimmten Nicken, bevor er aufstand und leise aus dem Raum verschwand.

Die Tür fiel ins Schloss und ließ mich in einer drückenden Stille zurück. Plötzlich fühlte sich der Behandlungsstuhl viel zu schmal für mich an. Ich spürte das Leder unter meinen Oberschenkeln und das vertraute, unangenehme Engegefühl meines Hosenbundes, das mir jedes Mal den Atem raubte, wenn ich mich setzte.

Ich sah mich im Zimmer um. An der Wand hingen anatomische Poster, die den menschlichen Körper in perfekter, muskulöser Symmetrie zeigten. Ein stechender Neid flammte in mir auf, gefolgt von der bitteren Frage, ob ich jemals auch nur ansatzweise so aussehen könnte. Oder ob ich für immer der Junge bleiben würde, der beim Treppensteigen nach Luft rang.

Meine Hand zitterte leicht, als ich nach meinem Handy in der Hosentasche tastete, nur um mich abzulenken, doch ich ließ es bleiben. Ich musste mich dem stellen. Ein spezielles Studio, hatte er gesagt. Das klang nach Schweiß, nach Blicken von Fremden und nach Schmerzen. Aber als ich auf meine gefalteten Hände hinabsah, wusste ich: Weglaufen war keine Option mehr.

Nach kaum zwei Minuten öffnete sich die Tür erneut. Dr. Weber trat mit einem frisch ausgedruckten Dokument in der Hand herein, das noch die Wärme des Druckers auszustrahlen schien. Das Rascheln des Papiers wirkte in der Stille des Raumes wie ein Donnerschlag. Er setzte sich mit einer fließenden Bewegung zurück in seinen Lederstuhl, zückte seinen Füllfederhalter und setzte mit einem schwungvollen Kratzen seine Unterschrift unter das Schreiben.

„Hier, Mr. Stone“, sagte er und reichte mir das Blatt über den massiven Schreibtisch. „Ich habe meinen guten Bekannten Adrian Vance bereits vorab über Ihr Kommen informiert. Er leitet das Ganze.“

Ich nahm den Zettel mit leicht zitternden Fingern entgegen. Mein Blick huschte über die Zeilen, bis er an einem Namen hängen blieb, der fett gedruckt in der Kopfzeile prangte: Vanguard Athletics.

Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken und ich spürte, wie meine Augen weit wurden. Vanguard Athletics war nicht einfach nur ein Fitnessstudio; es war eine Institution. Ich kannte die Bilder aus den sozialen Medien – ein hochmoderner Industriekomplex aus Glas und Stahl, in dem die Elite der Stadt ihre Körper stählte. Profisportler, Models und wohlhabende Geschäftsleute gingen dort ein und aus.

„Aber Dr. Weber...“, stammelte ich, während die Panik in mir aufstieg. „Vanguard Athletics? Das ist... das ist eines der exklusivsten Studios der Stadt. So einen Ort kann ich mir niemals leisten. Das sprengt mein Budget um das Zehnfache!“

Dr. Weber lehnte sich entspannt zurück und ein leises, beinahe väterliches Lachen entwich ihm. Er faltete die Hände über seinem Bauch und schüttelte milde den Kopf.

„Machen Sie sich darüber keine Sorgen, Mr. Stone. In Ihrem Fall geht es nicht um Lifestyle, sondern um Ihre Gesundheit. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für das erste Jahr komplett, da ich die Maßnahme als medizinisch notwendig eingestuft habe.“ Er machte eine kurze Pause, um die Wirkung seiner Worte abzuwarten. „Und bevor Sie sich wegen der anderen Mitglieder sorgen: Vanguard hat einen speziellen, diskreten Bereich für Patienten, die ich dorthin überweise. Sie sind dort völlig abgeschirmt von den restlichen Kunden. Es ist ein geschützter Raum.“

Er beugte sich ein Stück vor und sein Blick wurde noch intensiver. „Was noch wichtiger ist: Sie werden nicht allein gelassen. Man stellt Ihnen für die gesamte Dauer einen persönlichen Trainer zur Verfügung, der Ihren Fortschritt überwacht und Sie anleitet. Sie sind in den besten Händen, Mr. Stone“

Ich starrte auf das Logo auf der Überweisung. Der Gedanke an einen eigenen Trainer und diesen abgeschirmten Bereich linderte meine Angst nur geringfügig. Vanguard Athletics klang immer noch nach einer Welt, in die ich nicht passte.

Nur eine halbe Stunde später fand ich mich tatsächlich vor den massiven Glastüren von Vanguard Athletics wieder. Mein Herz hämmerte so fest gegen meine Rippen, dass ich glaubte, es müsse jeden Moment aussetzen. Durch die makellosen Glasscheiben wirkte das Innere wie eine andere Galaxie: Überall sah man durchtrainierte Körper, Menschen in teurer Sportkleidung, deren Muskeln unter der Anstrengung spielten. Jede Bewegung dort drinnen wirkte präzise und voller Selbstvertrauen.

Mit zitternder Hand drückte ich gegen die schwere Glastür. Sobald ich eintrat, schlug mir eine Wand aus Gerüchen entgegen – eine Mischung aus hochwertigem Reinigungsmittel, dem schweren Aroma von Schweiß und einer fast greifbaren Aura von eiserner Disziplin. Es war kein unangenehmer Geruch, aber er schrie förmlich: Hier wird gearbeitet. Hier gehören Schwächlinge nicht hin.

Ich fühlte mich augenblicklich deplatziert. Mein weiter Kapuzenpullover, den ich extra gewählt hatte, um meine Kurven zu kaschieren, kam mir plötzlich vor wie ein Sack, der meine Unsicherheit nur noch deutlicher betonte. Mit hochgezogenen Schultern, als wollte ich mich in meinem eigenen Körper unsichtbar machen, schlich ich auf den minimalistisch gestalteten Empfangstresen zu.

Hinter dem Tresen stand ein junger Mann, vielleicht zwei Jahre älter als ich. Seine Schultern waren breit, sein T-Shirt spannte über den Bizeps, und er strahlte eine Gelassenheit aus, die mich noch kleiner fühlen ließ. Ohne ein Wort zu sagen – aus Angst, meine Stimme könnte versagen – reichte ich ihm das zerknitterte Überweisungsschreiben von Dr. Weber.

Er nahm das Papier entgegen, seine tätowierten Unterarme ruhten lässig auf der Tresenkante. Einen Moment lang herrschte Stille, während sein Blick über die Zeilen glitt. Ich hielt den Atem an und starrte auf meine Schuhspitzen, bereit für das spöttische Lächeln oder den abschätzigen Blick, den ich so oft von Fremden erntete.

„Warten Sie einen Moment, ich gehe eben Mr. Vance holen“, sagte er kurz angebunden. Sein Blick war sachlich, weder freundlich noch herablassend, was die Situation für mich jedoch kaum erträglicher machte. Er verschwand in einem schmalen Korridor hinter dem Tresen, an dessen Ende eine schwere Eichenholztür prangte.

Ein kurzes Klopfen ertönte, dann schlüpfte er hinein. Nur Sekunden später drang eine tiefe, dröhnende Stimme durch die geschlossene Tür, die so viel Autorität ausstrahlte, dass ich unwillkürlich zusammenzuckte.

„Wie oft denn noch, Spencer?“, grollte die Stimme durch das Büro. „Patienten von Dr. Weber, die hierher überwiesen werden, sollen direkt in den Beratungsraum geführt werden! Wir wollen nicht, dass sie sich zwischen all den Muskelprotzen hier vorn unwohl fühlen. Das gehört zum Protokoll.“ Eine kurze Pause entstand, in der ich am liebsten im Erdboden versunken wäre. „Ich werde das Gespräch jetzt selbst übernehmen. Du gehst währenddessen rüber und bereitest den privaten Trakt vor – genau den Raum, in dem er das kommende Jahr trainieren wird. Alles muss bereit sein.“

Kurz darauf schwang die Tür auf. Ein Mann trat heraus, der die gesamte Präsenz des Raumes mit einem Schlag für sich beanspruchte. Er war groß, fast schon einschüchternd, und seine Muskeln waren so extrem definiert, dass sie sich unter dem engen Stoff seines Poloshirts wie gemeißelter Stein abzeichneten. Jede Faser seines Körpers schien vor Kraft und Vitalität zu strotzen.

Doch als mein Blick von seinem Körper zu seinem Gesicht wanderte, stockte mir der Atem. Er war nicht einfach nur sportlich; er war atemberaubend attraktiv. Seine markanten Gesichtszüge, die klaren Augen und die perfekt getrimmten Bartstoppeln verliehen ihm eine Ausstrahlung, die ich bisher nur von Kinoleinwänden kannte.

Gott, ist der attraktiv, schoss es mir durch den Kopf, gefolgt von einem stechenden Schmerz der Selbsterkenntnis. Neben ihm fühlte ich mich nicht nur fehl am Platz, sondern wie ein regelrechter Unterdurchschnitt – ein formloser Schatten in einer Welt aus Licht und Perfektion. Ich musste mich mit aller Kraft zusammenreißen, damit mir nicht buchstäblich der Mund offen stehen blieb. Mein Hals fühlte sich plötzlich staubtrocken an, und ich konnte das harte, verräterische Schlucken nicht verhindern, als er seinen Blick direkt auf mich richtete.

Er löste sich aus dem Rahmen der Bürotür und kam mit langsamen, raubtierhaft geschmeidigen Schritten auf mich zu. Je näher er kam, desto mehr wurde mir bewusst, wie klein ich mich eigentlich fühlte. Er überragte mich um gut zwei Köpfe, eine massive Wand aus Muskeln und Präsenz, die die Luft im Raum regelrecht zu verdrängen schien. Um ihm in die Augen sehen zu können, musste ich den Nacken weit in den Rückbeugen – ein Gefühl, das mich noch verletzlicher machte.

Als sich unsere Blicke trafen, stockte mir erneut der Puls. Ich sah direkt in seine Augen und mein Verstand setzte für einen Moment komplett aus. Heilige Scheiße, hat der schöne Augen, hämmerte es in meinem Kopf. Sie hatten eine Tiefe, die mich völlig aus dem Konzept brachte. Sofort rügte ich mich innerlich selbst: Liam, reiß dich verdammt noch mal zusammen! Du bist hier, weil du krank bist, nicht um den Trainer anzustarren. Ich versuchte, meinen Blick zu lösen, doch es war, als wäre ich in seinem Bann gefangen.

Dann bewegte er sich. Er streckte mir seine Hand entgegen – eine Hand, die so groß und kräftig war, dass sie meine vermutlich komplett umschließen konnte. Ich zögerte einen Wimpernschlag lang, bevor ich meine verschwitzte Hand in seine legte. Der Moment, in dem sich unsere Haut berührte, traf mich wie ein elektrischer Schlag. Seine Handfläche war rau, fest und verströmte eine angenehme, fast schon beruhigende Wärme, die im krassen Gegensatz zu meiner inneren Panik stand.

„Adrian Vance mein Name“, stellte er sich vor. Seine Stimme war in der Nähe noch beeindruckender als zuvor. Sie war so unglaublich tief und resonant, dass ich das Vibrieren fast in meinem eigenen Brustkorb spüren konnte. Ein unkontrollierter Schauer lief mir über den Rücken, der nichts mit der Kühle der Klimaanlage zu tun hatte.

Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg. Ich wollte professionell wirken, wollte wie ein erwachsener Mann klingen, der sein Leben in den Griff bekommen wollte, doch mein Körper spielte nicht mit.

„Emm… Liam… Stone“, stotterte ich schließlich hervor. Meine Stimme klang in meinen Ohren dünn und brüchig, fast wie die eines kleinen Jungen, der sich verlaufen hatte. Ich schluckte hart und hoffte inständig, dass er das Zittern in meiner Hand nicht bemerkte, während er mich immer noch mit diesem intensiven, forschenden Blick betrachtete.

Er entließ meine Hand aus seinem festen Griff, doch das Gefühl seiner warmen Haut schien noch sekundenlang auf meiner Handfläche nachzubrennen. Sein Blick streifte mich ein letztes Mal prüfend, bevor er ein knappes, aber nicht unfreundliches Nicken andeutete.

„Na dann, folgen Sie mir mal, Mr. Stone“, sagte er. Seine Stimme hatte diesen dunklen, fast schon samtenen Unterton, der mir erneut eine Gänsehaut über die Arme jagte.

Er wandte sich um und schritt mit ausladenden, sicheren Bewegungen voran. Ohne zu zögern, setzte ich mich in Bewegung und folgte ihm. Ich kam mir dabei vollkommen lächerlich vor – wie ein kleines Küken, das hinter der Entenmama herwatschelte. Der Vergleich war so unpassend wie nur möglich, wenn man bedachte, dass die „Entenmama“ vor mir aus gut einhundert Kilogramm reiner Muskelmasse bestand und ich mich eher wie ein schwerfälliger Fremdkörper in dieser Welt der Ästhetik fühlte. Dennoch hängte ich mich an seine Fersen, aus Angst, in diesem Labyrinth aus spiegelnden Oberflächen und hämmernden Bässen verloren zu gehen.

Wir passierten den großen Trainingsbereich, und ich spürte die Blicke der anderen Mitglieder wie Nadelstiche auf meiner Haut. Es war wahrscheinlich nur Einbildung, aber ich hatte das Gefühl, dass jedes Klirren der Hantelscheiben und jedes Schnaufen der Läufer auf den Laufbändern mich verurteilte. Ich zog den Kopf noch tiefer zwischen die Schultern und starrte fest auf Adrians breiten Rücken, der wie ein Schutzschild vor mir herging.

Nachdem wir einen etwas ruhigeren Flur durchquert hatten, blieb er vor einer schweren, mattierten Glastür stehen. Er drückte die Klinke nach unten und bedeutete mir mit einer knappen Geste, einzutreten.

Der Raum dahinter war das krasse Gegenteil zum restlichen Studio. Es war angenehm kühl, die Wände waren in einem beruhigenden Anthrazit gehalten und es gab keine Spiegel. Ein großer, minimalistischer Schreibtisch und zwei bequeme Sessel bildeten das Zentrum des Zimmers. Das musste das Beratungszimmer sein – ein Ort, der so abgeschirmt wirkte, dass der Lärm des restlichen Fitnessstudios nur noch wie ein fernes Rauschen zu hören war.

Adrian schloss die Tür hinter uns, und das plötzliche Verstummen der Umgebungsgeräusche ließ meinen Puls nur noch lauter in meinen Ohren dröhnen. Er deutete auf einen der Sessel. „Nehmen Sie Platz, Mr. Stone. Wir müssen ein paar Dinge klären, bevor wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen.“

Ich leistete seiner Aufforderung sofort Folge und ließ mich in einen der tiefen Sessel sinken. Zu meiner Erleichterung war das Möbelstück stabil und breit genug, sodass ich nicht das Gefühl hatte, darin eingezwängt zu sein – ein kleines Detail, das mir einen Moment des Durchatmens verschaffte. Mr. Vance nahm mir gegenüber Platz. Er bewegte sich mit einer kontrollierten Kraft, die mich faszinierte und gleichzeitig einschüchterte. Er schlug ein Bein über das andere, legte seine Arme locker auf die Lehnen und fixierte mich mit einem Blick, der so intensiv war, dass ich am liebsten wieder weggesehen hätte.

„Also“, begann er, und seine tiefe Stimme schien den kleinen Raum förmlich auszufüllen. „Mein Onkel hat mir bereits am Telefon klargemacht, dass Sie ein ziemlich dringlicher Fall sind. Deshalb sind Sie ab heute für das nächste Jahr fest bei uns eingeplant, um Ihre Gesundheit wieder auf Kurs zu bringen. Es geht hier nicht um Ästhetik, Mr. Stone, es geht darum, dass Ihr Körper wieder funktioniert, wie er soll.“

Er machte eine kurze Pause und fuhr dann sachlich fort: „Spencer, der junge Mann, den Sie eben am Empfang getroffen haben, ist der Trainer, der Ihnen für dieses Jahr exklusiv zur Verfügung gestellt wird. Er ist zwar noch nicht lange Teil unseres Teams, aber er ist hochmotiviert. Ich möchte, dass auch er durch die Arbeit mit Ihnen diese Art von Erfahrung sammelt und lernt, worauf es bei einer medizinischen Transformation ankommt.“

Bei dem Wort „Onkel“ ruckte mein Kopf so ruckartig hoch, dass ich fast ein Knacken in meinem Nacken spürte. Meine Augen weiteten sich, und mein Mund klappte unwillkürlich ein Stück auf. Mein Gesichtsausdruck musste in diesem Moment die perfekte Definition von fassungsloser Dämlichkeit sein.

„Ihr... Ihr Onkel?“, brachte ich mühsam hervor.

Mr. Vance beobachtete meine Reaktion ganz genau. Ein amüsiertes Funkeln trat in seine Augen, und dann entwich ihm ein leises, kehliges Lachen, das wie ein angenehmer Bass durch den Raum vibrierte. Er schien meine Verwirrung sichtlich zu genießen.

„Ja, Dr. Weber ist mein Onkel mütterlicherseits“, erklärte er mit einem schiefen Grinsen, das sein ohnehin schon attraktives Gesicht noch charmanter wirken ließ. „Er ist der Kopfmensch in der Familie, und ich bin für das Grobe zuständig. Aber keine Sorge, er schickt mir nur Leute, bei denen er weiß, dass sie es wirklich ernst meinen. Und er vertraut mir blind, was Ihre Fortschritte angeht.“

Ich schluckte schwer. Das erklärte natürlich, warum Dr. Weber so überzeugt von diesem exklusiven Studio gewesen war. Aber der Gedanke, dass mein strenger Arzt und dieser griechische Gott von einem Trainer verwandt waren, machte die ganze Situation für mich nur noch surrealer. Und dann war da noch die Sache mit Spencer. Ein Anfänger als mein Trainer?

„Ist Spencer...“, ich zögerte kurz, „ich meine, ist er sicher, dass er mit jemandem wie mir klarkommt?“

Mr. Vance hielt inne. Er zog eine seiner dunkel geschwungenen Augenbrauen langsam nach oben, eine Geste, die sein ohnehin schon markantes Gesicht noch dominanter wirken ließ. Sein intensiver Blick bohrte sich förmlich in mich hinein, als versuchte er, hinter die Fassade meiner Unsicherheit zu blicken.

„Wie genau meinen Sie das, Mr. Stone?“, fragte er mit einer Stimme, die jetzt jede Spur von Belustigung verloren hatte und stattdessen eine gefährliche Ruhe ausstrahlte.

Die Stille im Raum wurde plötzlich so dickflüssig, dass ich das Gefühl hatte, darin zu ersticken. Adrians Blick war jetzt nicht mehr nur intensiv – er war fordernd. Er wartete nicht nur auf eine Antwort; er sezierte meine Unsicherheit.

„Ich... nun ja“, begann ich und merkte, wie ich meine Hände wieder fest in den Stoff meines Kapuzenpullovers krallte. „Sehen Sie mich doch an, Mr. Vance. Spencer sieht aus, als hätte er sein ganzes Leben in diesem Studio verbracht. Er ist... perfekt. Ich bin sicher, er ist es gewohnt, mit Leuten zu arbeiten, die ihre Muskeln nur noch ‘definieren’ müssen. Ich habe Angst, dass er bei mir schlichtweg das Interesse verliert. Oder dass er...“ Ich brach ab und starrte auf meine Knie. Dass er angewidert ist, wollte ich sagen, aber das Wort blieb mir im Hals stecken.

Adrian rührte sich nicht. Er saß da wie eine Statue aus Granit. „Dass er was, Liam?“

Das Benutzen meines Vornamens traf mich unvorbereitet. Es klang in seinem tiefen Bariton weniger wie eine Vertraulichkeit und mehr wie ein Befehl, ehrlich zu sein.

„Dass ich seine Zeit verschwende“, flüsterte ich schließlich.

Mr. Vance lehnte sich langsam vor. Sein massiver Oberkörper warf einen Schatten über den Tisch, der mich fast einhüllte. „Hören Sie mir gut zu“, sagte er, und seine Stimme war jetzt leise, aber mit einer stählernen Härte unterlegt. „In diesem Gebäude gibt es keinen Platz für Zeitverschwendung. Wenn ich oder mein Onkel glauben würden, dass Sie es nicht schaffen, wären Sie nicht hier. Spencer wird Sie nicht ‘definieren’. Er wird Sie neu aufbauen. Stein für Stein.“

Er hielt inne und ein kühles, fast raubtierhaftes Lächeln umspielte seine Lippen. „Und wenn er versagt oder die Geduld verliert... dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass er lernt, was Disziplin bedeutet. Aber glauben Sie mir: Die Frage ist nicht, ob Spencer mit Ihnen klarkommt. Die Frage ist, ob Sie bereit sind, das zu tun, was wir von Ihnen verlangen.“

Ich sah ihn an. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, und für einen Moment vergaß ich das Atmen. Da war etwas in seinem Blick – kein Mitleid, sondern eine Erwartungshaltung, die mich forderte. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich nicht wie eine Akte oder eine bloße Zahl auf einer Waage. Ich fühlte mich wie jemand, dem man tatsächlich etwas zutraute.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter, straffte so gut es ging die Schultern und sah ihm direkt in die Augen.

„Ja“, erwiderte ich, und diesmal war meine Stimme fester. „Alles. Ich bin bereit.“

Ein kaum merkliches Lächeln stahl sich auf Mr. Vances Lippen ein Ausdruck, der irgendwo zwischen Anerkennung und der Vorfreude eines Raubtiers lag, das seine Beute nun offiziell unter seine Fittiche genommen hatte.

„Gut“, sagte er knapp und stand auf. Er wirkte in dem kleinen Raum nun noch gewaltiger. „Dann lassen wir keine weitere Zeit verstreichen. Spencer wartet bereits im privaten Bereich auf Sie. Folgen Sie mir.“

Ich setzte mich in Bewegung und folgte Mr. Vance durch eine unauffällige Seitentür, die tiefer in den Gebäudekomplex führte. Mit jedem Schritt ließen wir das dumpfe Wummern der Bässe und das metallische Klirren der Hantelscheiben aus dem Hauptbereich hinter uns.

Es war merkwürdig: Obwohl mein Herz vor Angst immer noch gegen meine Brust schlug wie ein gefangener Vogel, mischte sich ein neues, völlig unbekanntes Gefühl darunter. Ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen. War es Vorfreude? Vielleicht. Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, wegzulaufen, sondern auf etwas zuzugehen – auch wenn ich noch keine Ahnung hatte, ob ich den Weg überleben würde.

Wir erreichten einen separaten Trakt. Adrian öffnete eine schwere Tür, und ich hielt unwillkürlich den Atem an. Der Raum war weitläufig, hell und wirkte durch die modernen Holz- und Anthrazit-Akzente fast schon wie ein exklusives Spa – wäre da nicht das hochmoderne Equipment gewesen, das im weichen Licht glänzte. Es gab hier keine Zuschauer, keine gaffenden Fitness-Models. Nur mich und die Stille.

„Das hier ist Bereich Vier“, erklärte Mr. Vance, ohne sich umzusehen. „Hier wird niemand reinkommen, außer Spencer, mir und dem Reinigungspersonal. Du musst dir hier keine Sorgen um Blicke machen, Liam. Hier zählt nur die Arbeit.“

In der Mitte des Raumes stand Spencer. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, doch als er uns sah, entspannte sich seine Haltung. Sein Blick war nicht mehr so kühl wie am Empfang; er wirkte konzentriert, fast schon erwartungsvoll.

Ich schluckte hart. Vielleicht war Spencer gar nicht der arrogante Typ, für den ich ihn gehalten hatte. Vielleicht war er einfach nur genauso nervös wie ich, weil er beweisen wollte, dass er diesen Job beherrschte. Der Gedanke, dass wir beide auf unterschiedliche Weise Neulinge in dieser Situation waren, beruhigte mich ein wenig.

„Bereit für den ersten Check-up?“, fragte Spencer und trat einen Schritt auf mich zu. Er lächelte zwar nicht breit, aber seine Augen wirkten offen.

Ich sah kurz zu Mr. Vance, der mich beobachtete wie ein Adler seine Beute, und dann zurück zu Spencer. „Ja“, brachte ich heraus, und diesmal musste ich mich nicht einmal räusperte. „Legen wir los.“

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Good Writing

6

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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Strong Dialog

author

Endlich hat Liam einen Ansporn sich anzustrengen

5 months
author

Ich habe deine vorherigen Bücher schon geliebt und freue mich sehr auf diese Geschichte.🥰

2 months
author

oh wie ich diese Situation kenne 😥 toll dass er es wagt💪

12 days

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