Mittelerdekindergarten

Summary

Was haben ein Zwergenkind, ein kleiner Zauberer und ein blondes Rohirrim-Mädchen gemeinsam? Nichts – außer der Kindergartengruppe. Und einen Erzieher, der die Valar vermutlich mehr als einmal am Tag um zusätzliche Geduld oder die Erlaubnis für eine Ohrfeige bittet. Ein satirischer One-Shot, der sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Genre
Fantasy
Author
Menelda
Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Mittelerdekindergarten

“Gaaaaandalf!“, kam ein jammerndes Gekreische aus Gruppenraum B, woraufhin ein heulender 4-jähriger mit zerzausten Haaren, spitzen Ohren und roter Wange in den Flur gelaufen kam.

Mit einem seufzenden Blick gen Himmel stellte Gandalf seine “Ruhig bleiben, Tee trinken, Ork denken”-Tasse auf den Tisch und wandte sich dem weinenden Thranduil zu.

“Der ... der Throin hat mich gehauen!“, schluchzte der Junge und hielt sich die Hand an den aufgeschürften Wangenknochen.

“Aber nur, weil Thranduil mir meinen Hammer weggenommen hat!“, schrie der vor Wut putterrote Thorin, der in der Tür zum Gruppenraum stand und ebenfalls heulte.

“Ist gar nicht wahr!“, brüllte Thranduil zurück und stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf.

“Doch!“, keifte der kleine Thorin zurück, der zwar kaum ein Jahr jünger als Thranduil war, aber diesem trotzdem höchsten bis zum Bauchnabel reichte. “Und ... und du bist ein Lügner und ein Feigling! Und du bist nicht mehr mein Freund!”

Ein kurzer Moment der Stille folgte, indem Gandalf versuchte die Hand von Thranduils Wange zu bekommen um zu sehen, ob der Junger sich bei der Balgerei ernsthaft verletzt hatte. Doch kaum zwei Sekunden später stürzte das so beleidigte Kind auf seinen ehemals besten Freund zu.

Prügelnd, kartzend, beißend und hauend rauften die beiden Jungen durch den Gruppenraum, vorbei an der am Maltisch sitzenden Eowyn - die zur Strafe, dafür, dass sie sich mal wieder mit den Jungen geschlagen hatte, brav dasitzen und ein Bild malen musste - hinein in die Puppenecke, über den fein säuberlich gedeckten Teetisch - an dem Galadriel mit ihren Puppen und Stofftieren Tee getrunken hatte - weg von dem kleinen Saruman, der in der Bücherecke saß und seine Nase in einem übergroßen Such- und Wimmelbuch vergraben hatte und hinaus in den Garten.

Gandalf indess war hinter den beiden Hitzköpfen hinterher und hatte alle Hände damit zu tun, Eowyn an ihrem Platz beim Malen zu halten und Galadriel zu trösten, die die Störung ihrer Teegesellschaft doch sehr getroffen hatte.

Im Garten indess prügelten sich Thranduil und Thorin weiter durch den Sandkasten, wobei nicht nur einer von beiden die vom kleinen Aragorn gebauten Burgen als Wurfgeschosse benutzte. Sie jagten sich über die Wiese, auf der Legolas und Gimli sich gerade ein hitziges Dreirad-rennen lieferten, hinein in das kleine Gartenhäusschen, indem Radagast und Beorn gerade Sandkuchen und Matschsuppe für ihre tierischen Freunde kochten.

Im Gartenhäusschen schließlich holte Gandalf die beiden Streithähne dann auch ein und und trennte sie mit einigem Aufwand auch voneinander. Rechts Thranduil und links Thorin am Ohr packend, zog er die beiden aus dem Gartenhäusschen hinaus ins Freie.

“Donner und Moria!“, polterte Gandalf seinen Ärger auf die beiden heraus. “Was glaubt ihr, was das hier ist? Ein Schlachtfeld, auf dem ihr euch gegenseitig bis aufs Blut bekämpfen könnt?” Sowohl das aufgeschürfte Gesicht Thranduils, als auch die zerbeulte Nase Thorins zeigten beide nach unten.

“Tut uns Leid”, kam es synchron aus den beiden Kindern.

Mit ein wenig Erleichterung entspannte der Zauberer seine Schultern wieder und stützte sich auf seinen Stock. “Nun, dann entschuldigt euch bei einander, wie ehrenwerte Elben und Zwerge es tun.”

Missmutig stellten sich die beiden Jungen gegenüber auf. Keiner wollte den Anfang machen.

“Nun los doch”, ermutigte sie der alte, bärtige Mann und machte eine anschubsende Handbewegung.

Grummelnd begann der schwarzhaarige Lockenkopf: "Ich, Thorin, Sohn von Thrain, bitte dich, Thranduil, um Verzeihung." Widerwillig kickte er mit dem Fuß gegen einen Stein.

“Und weiter ...“, drängelte Gandalf, der so langsam die Geduld mit den beiden Jungen verlor.

“Und du bist kein Feigling.”

Zufrieden lächelnd nickte er Thorin zu, der er fast erleichtert dreinblickte.

“Und ich, Thranduil, Sohn von Oropher, bitte dich, Thorin, um Verzeihung. Es stand mir nicht zu deinen Hammer an mich zu nehmen.”

Zufrieden nickte Ganfdalf: “Sehr schön. Und nun geht. Geht in Manwes Namen und vertragt euch nun.”

Lachend winkte er den beiden Jungen hinterher, die bereits auf den großen Kletterbaum zurannten.

“Bei den Valar, ich werde zu alt für diesen Kindereien”, murmelte er in seinen Bart und machte sich auf den Weg zurück zu seiner heißen Tasse Tee.