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Summary

Ein Blick. Eine Nacht. Ein Geheimnis, das in Tinte geschrieben wurde. Kathlyn Tyler hätte nie gedacht, dass ihr achtzehnter Geburtstag in den Armen eines Mannes enden würde, dessen graue Augen mehr versprachen als nur eine flüchtige Begegnung. Doch am Morgen danach blieb ihr nichts als die Erinnerung an Matthew. Drei Jahre später ist aus dem Fremden ihr Boss geworden. In der kühlen Welt von Kingston Publishing ist Matthew ein unnahbarer Gott – und Kathlyn nur eine von sieben Praktikanten, die um ihre Existenz kämpfen. Er verlangt Professionalität, Distanz und Gehorsam. Er weiß nicht, dass sie die Frau aus jener Nacht ist. Auch ahnt er nichts von einem Geheimnis, dass seine Mauern zum Einsturz bringen könnte. Während sie tagsüber um ihre Karriere kämpft, liefert sie sich nachts ein anonymes Duell aus Worten mit ihm. Doch wie lange kann man ein Doppelleben führen, wenn der Jäger bereits die Fährte aufgenommen hat? „Ich habe dich in meinen Träumen gesucht, Kathlyn. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dich in meiner Realität zu finden.“

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 - der Geschmack von Freiheit mit einem Hauch von Bourbon

Los Angeles, 24. März 2018 im "Neon Passion"

Kathlyn

Meinen 18. Geburtstag wollte ich immer ganz groß feiern. Das war mein Traum, seit ich ein kleines Mädchen war. Heute ist es also so weit und doch schien alles so anders zu sein, als ich es mir je gewünscht hatte. Würden meine Eltern noch leben, hätte ich höchstwahrscheinlich diesen Tag mit ihnen verbracht. Ich gebe alles dafür her, wenn das noch möglich wäre.

Doch ich stehe hier in einem mir unbekannten Club, in den mich meine Freundinnen Chloe und Sara geschleppt hatten. Laut Chloe sei es der neueste scheiß.

Das mochte ja sein, dass sie das so empfand, aber ich war davon nicht überzeugt. Sara war offenbar ganz ihrer Meinung, sowie sie immer wieder mit ihr abrockte.

Die Luft hier drin war so dick wie der dichteste Nebel im November. Ich nippte an meinem Cocktail und beobachtete meine Freundinnen, die bereits in den Jagdmodus geschaltet hatten.

Ich fühlte mich heute selbst wie eine Fehlbesetzung in diesem Club, bis eine Gruppe von drei Typen auftauchte.

Drei Männer, die ganz und gar nicht hierher passten. Sie sahen aus, als kämen sie direkt von einer exklusiven Gala oder einem geheimen Treffen der Schönen und Reichen.

Zwei davon waren eindeutig jünger als der dritte Mann und traten beide zu uns ins Licht. „Caleb!", stellte sich der charmante Typ mit einem Colgate-Lächeln und einem halb offenen Hemd vor.

Der andere Mann neben ihm konnte fast als Bruder von ihm durchgehen, so ähnlich sah er Caleb. „Jax!", stellte er sich ebenfalls vor. Doch sein jungenhaftes Grinsen

wirkte sehr viel arroganter. Beide waren sehr sportlich und offensichtlich gewohnt, dass sie bekamen, was sie auch immer wollten.

Mich interessierte keiner der beiden auch nur ansatzweise, doch meine Freundinnen waren innerhalb von Sekunden schon in ein Gespräch mit ihnen vertieft. Sie wirkten auf mich, als hätten sie das schon lange einstudiert.

„Hey Geburtstagskind!“, rief Caleb über die laute Musik hinweg und zwinkerte mir zu. Dabei hatte er schon seinen Arm um die schlanke Taille von Chloe gelegt.

„Deine Freundinnen haben uns gerade erzählt, dass wir heute mit dir feiern können.“

Ich lächelte gezwungen, doch mein Blick glitt in die Richtung, wo ihr Begleiter stand. Am Rand des pulsierenden Lichts, fast schon verschmolzen mit der VIP Lounge, stand er wie gemeißelt.

Er bewegte sich nicht. Genauso wenig flirtete er. Er stand einfach nur da, ein Glas mit einer dunklen Flüssigkeit in der Hand, und beobachtete das Treiben wie ein König, der sein Volk im Auge behielt.

Während Caleb und Jax laut lachten und meine Freundinnen immer tiefer in die Menge auf der Tanzfläche zogen, blieb sein Blick an mir hängen.

Ich konnte sein Gesicht in der Dunkelheit nicht richtig erkennen, aber ich spürte die Intensität seiner Augen auf meiner Haut. Es war kein flüchtiges Abscannen.

Er sah mich an, als würde er jedes Detail meines Gesichts auswendig lernen. Ich konnte mir sicher sein, dass ihm nicht verborgen blieb, wie ich nervös an meiner Kette spielte und unsicher zu Boden schaute.

Sara rief mir zu, doch zu ihnen zu kommen, während sie von Jax weggezogen wurde. „Wir gehen tanzen!“

„Ich … Ich komm gleich nach!“, log ich. Stattdessen sah ich nur zu, wie meine Freundinnen im Blitzlichtgewitter verschwanden, flankiert von den beiden jungen Männern.

Plötzlich war eine entsetzliche Stille um mich herum, obwohl die Musik durch den Club dröhnte. Der Schatten, der mich fast schon hypnotisiert hatte, löste sich von der Wand und trat ins grelle Licht.

Sein Anzug saß perfekt, seine Aura war einschüchternd. Er kam nicht auf mich zu wie ein Junge, der auf einen Kuss hoffte. Nein, er kam auf mich zu wie ein Mann, der genau wusste, was er wollte.

„Sie sehen nicht so aus, als würden Sie gerne tanzen, Kathlyn“, sagte er, als er ganz nah vor mir stehen blieb. Ich hielt den Atem an. Woher kannte er meinen Namen?

Die beiden anderen Männer mussten ihn aufgeschnappt haben, aber er auch? Doch die Art, wie er meinen Namen aussprach - langsam, tief, fast wie ein Versprechen - ließ mir das Blut in den Adern gefrieren und gleichzeitig kochte es wie glühende Lava.

„Und Sie sehen nicht so aus, als würden Sie in einen Club wie diesen gehören“, konterte ich mit mehr Mut, als ich mir eigentlich zutraute.

Ein dunkles, fast unhörbares Lachen drang aus seiner Kehle. Er trat einen Schritt näher, so nah, dass ich die Hitze seines Körpers spüren konnte. „Vielleicht bin ich auch nicht wegen der Musik hier.“

Aufgeregt zwirbelte ich weiter meine Kette um meine Finger, während ich ihn intensiv musterte. Er trug ein dunkelblaues Hemd, dessen Ärmel er bis zu den Ellenbogen umgekrempelt hatte, und eine Uhr an seinem Handgelenk, die wahrscheinlich mehr kostete als mein gesamtes erstes Ausbildungsjahr. Sein kurzes dunkles Haar war perfekt geschnitten und seine Augen, ein kühles, wissendes Grau, hielten meinen Blick fest, als wäre ich das Einzige im Raum, das seine Aufmerksamkeit wert war. „Happy Birthday!“

Überrascht schaute ich ihn an. „Woher wissen Sie, dass ich Geburtstag habe?“, brachte ich heraus.

Er lächelte, aber es war kein Grinsen wie zuvor von Jax. Es war ein langsames, gefährliches Ziehen seiner Mundwinkel. Er deutete auf den kleinen, glitzernden „Birthday Girl"-Anstecker, den Sara mir ans Seiden-Top gepinnt hatte. „Ich bin Matthew“, sagte er, ignorierte meine Frage und trat einen Schritt näher, was kaum noch möglich war.

Sein Duft nach Sandelholz, Leder und sündhaft teurem Bourbon Whiskey hüllte mich ein. Ich schluckte. In diesem Moment wusste ich, dass ich ganz schnell die Beine in die Hand nehmen und nur noch die Flucht ergreifen sollte.

Aber als er die Hand ausstreckte und mit dem Daumen fast beiläufig über den Rand meines leeren Glases fuhr, fühlte ich ein elektrisches Prickeln, das tiefer ging als der Bass der Musik.

„Kathlyn!“

„Kathlyn", wiederholte er meinen Namen, als würde er ihn auf seinen Lippen schmecken. „Du siehst aus, als bräuchtest du jemanden, der dich hier herausbringt. Ich bin mir sicher, ich kann dir einen besseren Abend bieten, als dieser Club.“ Stolz sah ich ihn an. „Ist das so? Ich kenne dich doch gar nicht und ich habe die Angewohnheit, mein Glück nie in die Hände eines Fremden zu legen."

„Deine Einstellung gefällt mir sehr gut und ist nur zu verständlich. Wenn wir uns ein bisschen kennenlernen, wären wir uns vielleicht weniger fremd. Was hältst du davon, wenn du mir ein bisschen von deinem Leben erzählst? Ich verspreche dir auch, etwas von mir preiszugeben.“

Es hätte mir beinahe die Sprache verschlagen, doch ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen.

„Lass uns doch in eine ruhige Ecke der Bar gehen“, schaute er mich erwartungsvoll an.

Ich wusste nichts darauf zu antworten, deshalb nickte ich nur und folgte ihm. Auf der linken Seite der Bar saßen kaum Menschen und so nahmen wir auf zwei Barhockern Platz. Sofort kam der Barkeeper auf uns zu.

„Was kann ich denn Gutes für euch tun?“

Matthew schaute mich herausfordernd an und wartete auf meine Bestellung. Ich konnte ihm aber nicht zeigen, dass ich in puncto Alkohol so gut wie unerfahren war.

Deshalb zuckte ich nur mit den Schultern. Er lächelte mich an und fragte: „Hast du was dagegen, wenn ich für uns beide bestelle?“

Ich schüttelte etwas zurückhaltend meinen Kopf und ließ es auf mich zukommen. Als er jedoch dem Barkeeper etwas ins Ohr flüsterte, hatte ich leichte Bedenken. Schließlich kannte ich ihn erst seit wenigen Minuten und wusste ihn noch nicht richtig einzuschätzen.

„Hast du Angst?“, fragte er mich ernst. Statt ihm eine Antwort zu geben, schüttelte ich zaghaft meinen Kopf.

Er nahm meine Hand und strich sanft mit seinem Daumen über meinen Handrücken. „Das musst du auch nicht. Ich würde dir nie etwas so Starkes geben, dass es dich gleich umhaut.

„Da bin ich ja beruhigt.“ Ich konnte es kaum erwarten, zu erfahren, was er für mich bestellt hatte.

Der Barkeeper stellte kurze Zeit später ein Glas mit der gleichen dunklen Flüssigkeit vor Matthew ab, wie er es schon zuvor in seiner Hand gehalten hatte. Es handelte sich wahrscheinlich dabei um einen ganz besonderen Whisky. Vor mir stellte der junge Mann, der laut seinem Namensschild Reid hieß, einen Cocktail ab. Allein wie das Glas schon mit tropischen Früchten geschmückt war, gefiel mir sehr gut, noch besser gefiel mir aber die Farbe meines Getränks. Regenbogenfarben.

Abwartend schaute mich Matthew an, was mich leicht lächeln ließ. Er sog scharf die Luft ein und flüsterte mir ins Ohr: „Du solltest so oft lächeln, wie es nur geht. Es macht dich noch schöner, als du ohnehin schon bist.“

Ich errötete etwas bei seinem süßen Kompliment, bedankte mich aber leise dafür. Vorsichtig nippte ich an meinem Cocktail, der sehr erfrischend war. Ich spürte aber auch, dass er nur wenig Alkohol enthielt. Matthew hatte also die Wahrheit gesagt, was mich innerlich sehr freute.

„Es schmeckt wirklich großartig. Danke dafür!“

„Es war mir eine Freude. Kommen wir nun zu unserem Deal. Erzähl mir aus deinem Leben! Was oder wen liebst du? Wovon träumst du?“

Ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er mich genauestens beobachtete.

„Natürlich, Deal ist Deal! Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Normalerweise rede ich nicht so gern von mir, aber ich hab es dir zugesagt. Mein Vater hat uns verlassen, als ich noch sehr klein war, und meine Mutter zog mich allein auf. Doch mir hat es nie an irgendetwas gefehlt. Meine Mum war die Beste der ganzen Welt. Wir hatten uns beide, Geschwister gab es keine. Ich war gerade 16, da erkrankte sie an Krebs und es war eine sehr tückische Art von Krebs. Nach der ersten Heilung waren wir überglücklich und machten eine große gemeinsame Reise nach meinem Schulabschluss. Doch dann ging es ihr plötzlich immer schlechter. Was sie mir nicht gesagt hatte, Monate später hatten sich wie aus dem Nichts neue Krebszellen gebildet, die sehr viel aggressiver waren. Vor sechs Monaten schlief sie schließlich ein und wachte nicht mehr auf. Wenn ich dir eines sagen kann, falls deine Eltern noch leben, achte gut auf sie. Es geht so schnell, dass du sie verlieren kannst.“

Meine Augen sind feucht geworden, wofür ich mich schämte. „Es tut mir leid, aber das Thema geht mir immer noch sehr nah.“

„Das ist doch ganz verständlich. Komm her“, sagte er und zog mich in eine Umarmung.

Nur Sekunden später löste er, was er begonnen hatte, und ich konnte sehen, dass auch seine Augen glänzten.

„Meine Eltern sind leider auch nicht mehr unter uns. Sie kamen vor zwei Jahren bei einem Zugunglück ums Leben. Ich vermisse die beiden sehr. Weißt du, ich habe nur sehr wenigen Menschen davon erzählt, die mich gut kennen. Aber bei dir habe ich jetzt schon das Gefühl, als würde ich dich in und auswendig kennen.“

„Ich fühle mich sehr geehrt. Mein herzliches Beileid!“

Ich rede nur ungern über mich, aber es tut unfassbar gut.