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SERAPH - Erwachen der Schatten

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Summary

Manchmal beginnt alles mit einem Blick. Als sie eines Abends auf dem Heimweg einen mysteriösen Unfall beobachtet, sieht sie etwas, das nicht existieren dürfte: Einen Mann aus Licht. Niemand außer ihr nimmt ihn wahr. Kurz darauf begegnet sie ihm wieder – und mit ihm einer Wahrheit, die ihr gesamtes Leben infrage stellt. Denn plötzlich ist sie nicht mehr nur Beobachterin… sondern Ziel. Zwischen einem geheimnisvollen Beschützer, der ihr Leben um jeden Preis sichern will, und einem Jungen, der mehr über sie weiß, als er sollte, gerät sie in einen gefährlichen Konflikt. Beide warnen sie. Beide wollen sie auf ihre Seite ziehen. Und beide verschweigen ihr die Wahrheit. Doch je näher sie der Antwort kommt, desto deutlicher wird: Sie ist nicht nur Teil dieser Welt. Sie ist der Grund dafür. Und manche Wahrheiten… sollten niemals ans Licht kommen.

Genre
Fantasy
Author
Sabrina
Status
7mo ago
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Der Wind peitscht mir ins Gesicht, kalt und unerbittlich, während ich durch die dunklen Straßen eile. Meine Schritte hallen auf dem nassen Asphalt wider, vermischen sich mit dem gleichmäßigen Trommeln des Regens. Überall sind Menschen unterwegs, hasten an mir vorbei, den Blick gesenkt, als gäbe es nichts Wichtigeres, als diesem Wetter zu entkommen.

Der Winter kündigt sich an.

Ich hasse ihn.

Die Welt wirkt in dieser Jahreszeit wie ausgebleicht – grau, kalt, leblos. Klar, frisch gefallener Schnee kann schön sein. Fast magisch. Doch dieser Moment vergeht viel zu schnell, wird zu matschigem Chaos, das alles verschlingt. Und Regen… Regen ist noch schlimmer.

Heute ist einer dieser Tage.

Einer, an denen einfach alles schiefläuft.

Das Wasser sickert längst durch meine Kleidung, kriecht eisig über meine Haut. Ich beschleunige meine Schritte. Nicht mehr weit. Die Bibliothek ist schon in Sicht, ihr warmes Licht ein Versprechen auf Trockenheit.

Dann zerreißt ein Schrei die Nacht.

Quietschende Reifen. Hupen.

Ich bleibe abrupt stehen.

Ein Taxi steht schräg auf der Straße, der Fahrer reißt die Tür auf und läuft fluchend um sein Auto. Ein anderes Fahrzeug ist ihm hinten aufgefahren. Vor ihm steht eine Frau mit Kinderwagen, starr vor Schreck.

Ein Unfall. Nichts Ungewöhnliches.

Und doch… ist da etwas.

Mein Blick bleibt hängen.

Neben der Frau steht ein Mann.

Zuerst denke ich, es liegt am Regen, an den verschwommenen Lichtern, die sich auf dem Asphalt spiegeln. Doch dann sehe ich es klarer.

Er… leuchtet.

Nicht grell. Nicht blendend.

Eher wie ein sanfter Schimmer, der seinen ganzen Körper umgibt. Unnatürlich. Falsch.

Mein Atem stockt.

Das kann nicht sein.

Ich blinzle, reibe mir über die Augen. Noch einmal.

Doch er ist immer noch da.

Was zum…?

Der Taxifahrer kommt näher, gestikuliert wild – und läuft direkt durch ihn hindurch.

Ich zucke zusammen.

Mein Herz schlägt plötzlich viel zu schnell.

Nein.

Nein, das ist nicht passiert.

Oder?

Meine Finger krallen sich in den Stoff meiner Jacke, während ich versuche zu begreifen, was ich da gerade gesehen habe. Niemand reagiert. Niemand schaut ihn an. Für alle anderen existiert er nicht.

Nur für mich.

Kälte breitet sich in mir aus, kriecht tiefer als der Regen, der meine Haut durchdringt. Meine Zähne beginnen zu klappern – nicht nur wegen der Temperatur.

Ich sollte gehen.

Jetzt.

Ohne den Blick von der Stelle zu lösen, zwinge ich mich schließlich, mich abzuwenden. Meine Beine setzen sich in Bewegung, erst zögerlich, dann schneller.

Vielleicht war es Einbildung.

Schlafmangel. Zu viele Bücher. Zu viele Gedanken.

Ja. Das muss es sein.

Ich erreiche die Bibliothek, stoße die schwere Glastür auf und trete in die Wärme. Sofort schlägt mir der vertraute Geruch entgegen – Papier, Staub, Geschichten.

Mein Körper entspannt sich ein wenig.

Hier fühlt es sich… sicher an.

Leise schließe ich die Tür hinter mir. Eine ältere Bibliothekarin sitzt am Tresen, tippt lustlos auf ihrer Tastatur. Sie würdigt mich keines Blickes.

Gut so.

Ich streife durch die Regale, lasse meine Finger über die Buchrücken gleiten. Heute suche ich etwas Bestimmtes. Für den Geschichtsunterricht – Mythen und Prophezeiungen. Himmel und Hölle. Engel und Dämonen.

Unwillkürlich denke ich an den Mann.

Das Leuchten.

Das Unwirkliche.

Ein Engel?

Der Gedanke lässt mich nicht los.

Ich biege in den richtigen Gang ein, scanne die Titel, doch das Buch scheint wie vom Erdboden verschluckt. Minuten vergehen. Vielleicht zwanzig. Meine Geduld schwindet.

Gedankenverloren biege ich um die nächste Ecke – und pralle gegen jemanden.

Bücher fallen zu Boden.

„Oh—“ Ich gehe sofort in die Hocke, sammele sie hastig ein. Dabei bleibt mein Blick an einem Titel hängen.

Mythen und Legenden: Himmel und Hölle.

Genau das, was ich gesucht habe.

Langsam hebe ich den Blick.

Und sehe ihn.

Eisblaue Augen treffen meine. Kalt. Durchdringend. Für einen Moment habe ich das Gefühl, als würde die Luft um uns herum gefrieren.

Er ist ungefähr in meinem Alter. Vielleicht siebzehn. Dunkles Haar, sauber geschnitten. Markante Gesichtszüge. Zu perfekt, um unauffällig zu sein.

Und doch… ist es nicht sein Aussehen, das mich erstarren lässt.

Es ist das Gefühl.

Etwas an ihm stimmt nicht.

„Entschuldigung“, murmele ich und reiche ihm die Bücher. „Ich habe dich nicht gesehen.“

Sein Mundwinkel zuckt kaum merklich. Kein echtes Lächeln. Eher… ein Schatten davon.

Er sagt nichts.

Warum sagt er nichts?

Mein Herz schlägt schneller, aber diesmal nicht vor Angst allein.

„Wo hast du das Buch her?“, frage ich, bevor ich nachdenken kann.

Sein Blick gleitet zu dem Titel in meiner Hand. Dann wieder zu mir.

Ein richtiges Grinsen erscheint auf seinem Gesicht – und es trifft mich unvorbereitet.

„Hier“, sagt er ruhig. Seine Stimme ist tief, rau, ungewohnt ruhig. „Du kannst es haben.“

Für einen Moment vergesse ich zu antworten.

„Danke… ich habe genau danach gesucht.“

Er mustert mich noch einen Augenblick länger. Intensiv. Als würde er mehr sehen als nur mein Gesicht.

Dann lehnt er sich leicht zurück, steckt die Hände in die Taschen.

„Ich hoffe, du findest, wonach du suchst“, sagt er.

Eine Pause.

Sein Blick wird dunkler.

„Die Antworten kommen schneller, als du denkst.“

Ein Schauer läuft mir über den Rücken.

„Was meinst du—“

Doch er hat sich bereits abgewandt.

Ein Schritt. Zwei.

Und dann ist er verschwunden.

Einfach so.

Ich starre in den leeren Gang.

Mein Puls hämmert in meinen Ohren.

Das kann nicht sein.

Langsam drehe ich mich einmal um mich selbst. Niemand. Nichts. Nur Bücher. Regale. Stille.

Als wäre er nie hier gewesen.

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