Prologue - Ahats erster Sucher
Vor 100 Elfenjahren, in Sekeshio - der Kristallwelt - auf dem Danketsu no ba, dem Platz der Einheit.
Der Platz der Einheit ist voller Menschen.
Könige, Adlige, Priester und Götter stehen auf dem Danketsu no Ba. Tausende Augen richten sich auf den gewaltigen Weltenbaum Shinra, dessen silberne Blätter im Wind rascheln. Selbst die Herrscher der vier Reiche schweigen, als zwischen den Wurzeln des Baumes ein silbernes Licht aufleuchtet.
Die Dryade Shanri tritt hervor. „Götter und Herrscher der vier Reiche“, sagte sie mit fester Stimme. „Die Zeit ist gekommen, die Sucher zu wählen. Seine Aufgabe wird es sein, die sechs Splitter des Weltenkristalles wieder zu vereinen."
Die Dryade, die im Namen Shinras spricht, blickt ernst in die Runde und fährt dann mit klarer Stimme fort: „Die auserwählten Familien werden über Generationen hinweg an diese Aufgabe gebunden sein. Stirbt ein Sucher oder ist er zu schwer verletzt, um die Reise fortzusetzen, tritt der nächste Angehörige an seine Stelle - sobald das 18. Lebensjahr erreicht wird. Geschätzte Königsfamilien, trefft eure Wahl mit Bedacht. Bis zur Morgendämmerung in zwei Tagen." Nachdem die Versammlung endet, kehren wir in unsere Paläste zurück.
Während die anderen Herrscher über ihre Wahl nachdenken, kreisen meine Gedanken bereits um die Prüfung.
„Liebling, wie wirst du den Sucher auswählen?“
Die Frage meiner Frau ist berechtigt. Seit Stunden suche ich nach einer Antwort, die unserem Reich gerecht wird.
„Mach dir keine Sorgen, mein Herz. Ich werde eine gute Lösung finden. Kümmere dich gut um unsere beiden Schätze. Du stehst kurz vor der Geburt - du solltest dich ausruhen." Meine Frau und ich steigen in die Kutsche und fahren gemeinsam nach Hause.
Ashat
„Euer Gnaden, die Familien, die für die Position des Suchers infrage kommen, haben sich im Thronsaal versammelt." Das Spiegelbild meines treuen Dieners Arum, der mich bereits seit meiner Kindheit begleitet, erscheint in der Fensterscheibe, vor der ich stehe. „Danke, Arum. Bitte richte ihnen aus, dass ich bald eintreffen werde." Als ich mich umdrehe, sehe ich meine Frau - erschöpft, aber lächelnd - an der Tür lehnen. „Schatz, was machst du hier? Du solltest doch im Bett liegen. Die Geburt war anstrengend - ruh dich aus!"
„Ich kann bei dieser wichtigen Entscheidung nicht ruhigbleiben. Keine Sorge, die Zwillinge schlafen. Aber du zerbrichst dir seit gestern den Kopf über die Prüfung. Ich mache mir Sorgen. Du weißt, dass zu viel Stress nicht gut für dein Herz ist." Ich stütze sie sanft und wir setzen uns gemeinsam aufs Bett. „Willst du mir deinen Plan verraten?"
„Ich denke, dieses Mal werde ich das Schicksal entscheiden lassen, wer würdig ist." Ich helfe ihr aufzustehen und bitte ihre Zofe, sie in ihr Gemach zurückzubringen. Ich gebe ihr einen sanften Kuss auf die Stirn und mache mich auf den Weg in den Thronsaal - dort, wo die auserwählten Familien warten, die bereits viele Prüfungen bestanden haben. „Meine lieben Prüflinge, dies wird eure letzte Aufgabe." Ich blicke in die Gesichter der drei Kandidaten und beginne mit ruhiger Stimme:
„Es schreit ohne Stimme,
Fliegt ohne Schwinge,
Beißt ohne Zähne,
Man spürt es, doch keiner sieht es."
Sofort legt sich Stille über den Saal.
Die drei Prüflinge senken die Köpfe. Einer trommelt nervös mit den Fingern auf die Armlehne, während ein anderer die Augen schließt und über die Lösung nachdenkt. „Ihr habt eine Stunde Zeit." Ich lasse mich auf den Thron sinken. Einer der Prüflinge wirkt zunehmend nervös, rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Schließlich steht er auf, murmelt eine hastige Entschuldigung und verlässt den Saal fluchtartig. Meine Wachen wollen ihm folgen, doch ich halte sie mit einer Handbewegung auf. „Schenkt euch die Mühe. Er besitzt nicht die Willenskraft, um diese Suche zu bestehen." Die restliche Stunde verstreicht in angespannter Stille. Als der Sand in meiner Uhr zum Stehen kommt, erhebe ich mich. „So, liebe Prüflinge - nennt mir eure Antworten."
„Euer Gnaden, ist es... der Blick?" Ich sehe den jungen Mann an und schüttle nur den Kopf. „Leider falsch. Und was ist eure Lösung?" Einige Sekunden vergehen in stiller Erwartung. Dann tritt der dritte Kandidat vor. „Euer Gnaden - ich denke, es ist der Wind. Er schreit, wenn er durch ein Fenster rauscht, fliegt ohne Flügel, beißt, wenn er uns ins Gesicht weht... man spürt ihn auf der Haut, doch sieht man ihn nie - es sei denn, man beobachtet, wie er die Bäume bewegt oder das Wasser kräuselt." Einen Moment lang bin ich sprachlos. „Korrekt. Du hast bestanden. Sag mir - wer bist du?" Der Junge verneigt sich tief, wagt es nicht, mir in die Augen zu sehen. „Euer Gnaden, ich bin ein Bauernjunge aus einem Vorort von Ashat. Ich bitte um Verzeihung, dass ich die Regel gebrochen habe - denn nur Adlige und Gelehrte dürfen teilnehmen." Zitternd senkt er sein Haupt, bis er den Boden berührt. Ich trete zu ihm und lege ihm die Hand auf die Schulter „Erhebe dich, mein Junge. Ja, diese Regel existiert - aber ich musste eine schnelle Entscheidung treffen. Ich erkenne deinen Mut, was dich noch geeigneter für das macht, was dir bevorsteht. Ich bin beeindruckt. Wer war dein Vater?"
„Meine Eltern starben vor fünf Jahren an einer Krankheit. Ich bin allein."
„Arum - richte ein Zimmer im Nebengebäude ein. Er wird von nun an bei uns leben."
„Jawohl, Euer Gnaden."
„Ich danke Euch... für diese Güte." Er fällt erneut auf die Knie - so tief, dass sein Kopf hörbar den Boden berührt. Ich greife nach seinem Arm und helfe ihm auf. „Bedanken kannst du dich später. Jetzt bereite dich vor - wir brechen bald auf. Lasst die Kutsche anspannen. Die Sonne steht bereits am Horizont. Sag mir - wie ist dein Name und wie alt bist du?"
„Ikazu Kanto, ich bin 18 Jahre alt, Euer Gnaden." Ich nicke anerkennend. „Ein würdiger Name - für einen würdigen Sucher."
Zurück am Platz der Einheit.
Die Spannung liegt schwer in der Luft - so dicht, dass sie einem den Atem zu nehmen scheint. Alle Blicke richten sich auf den gewaltigen Weltenbaum in der Mitte des Platzes. Endlich erscheint die heilige Dryade Shinra. „Verehrte Königsfamilien der vier Reiche - habt ihr eure Entscheidung getroffen? Dann bringt eure Auserwählten vor." König Lumia tritt vor und verkündet mit fester Stimme: „Für das Reich Ashat wird mein treuer Untertan Ikazu Kanto als Sucher reisen. Ich wünsche ihm Mut, Weisheit - und Erfolg."
Ikazu tritt vor. Seine Knie wirken unsicher, seine Hände zittern leicht. Dennoch hebt er den Kopf und begegnet dem Weltenbaum mit einer Entschlossenheit, die selbst mich beeindruckt. „Da nun alle Reiche ihre Sucher gewählt haben, werden die Elementargötter einen Teil ihrer Kraft auf diese Auserwählten übertragen, um ihnen einen würdigen Beginn zu ermöglichen. Mögen die Götter euch führen, euch segnen und euch bei eurer Suche nach dem Sekai Kesshō beistehen. Die Zeremonie ist beendet. Bereitet euch auf eure Reise vor. Ich wünsche allen viel Erfolg."