Novalek

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Summary

„Novalek schweigt. Doch ich höre den Ruf.“ Der Planet Kirital – ein Ort wilder Vegetation, technologischer Wunder und flüsternder Nebel. Fernab großer Zivilisationen leben nur wenige Menschen. Auf einem Hügel steht eine uralte Sternwarte mit einer riesigen Bibliothek – Heimat von Kelis. Mit neun verlor sie ihren Großvater Elarin, einen brillanten Forscher und ihren einzigen Halt. Auslöser war ein leuchtend violetter Kristall, gefunden in Kiritals Tiefen. Die Analysen zeigten: Er stammt nicht von dort, sondern vom fernen Novalek – einem Planeten, den man nur als Licht am Himmel kennt. Besessen von dieser Entdeckung startete Elarin eine Expedition nach Novalek. Vor seinem Aufbruch schenkte er Kelis den Kristall als Halskette. Die Mission kehrte zurück. Elarin nicht. Fünf Jahre später glaubt Kelis nicht an seinen Tod. Der Kristall glüht, flüstert in Träumen und zieht sie an fremde Orte. Mit neunzehn beschließt sie, der Wahrheit zu folgen. Was geschah auf Novalek? Warum schweigt der Planet? Je näher Kelis der Antwort kommt, desto stärker wächst der Zweifel: War Novalek je nur ein Licht? Oder ein Auge, das zurückblickt? Ein Fantasy-Mystery mit psychologischem Horror über Erinnerung, Wahrheit und das Unvermögen, loszulassen.

Genre
Fantasy
Author
Virginie
Status
Ongoing
Chapters
7
Rating
n/a
Age Rating
16+

Die Monde über Kirital

Die Bibliothek atmete im Rhythmus des Windes.

Durch die gewölbten Fenster fiel das weiche Licht der drei Monde, das sich in den Glasregalen spiegelte wie in stillen Wasserflächen. Der Duft von altem Papier, Metall und feuchtem Moos hing schwer in der Luft. Irgendwo tickte eine Uhr – ein leises, stetes Klicken, das sich mit dem entfernten Heulen der Nachtvögel mischte.

Kelis lag auf dem kalten Steinboden, zwischen zwei Regalen, ihr Rücken gegen einen Stapel vergilbter Sternenkarten gelehnt. Über ihr an der Decke kreisten holografische Projektionen von Himmelskörpern – Sonnen, Monde, fremde Planeten, die sich ewig drehten, als wären sie lebendig.

Sie streckte die Hand aus, ließ die Fingerspitzen durch das Licht eines leuchtenden Rings fahren.

Novalek.

Er war nicht zu übersehen – selbst als Projektion war er schöner als alles andere: ein gewaltiger, glatter Himmelskörper mit violettem Schimmer, umkreist von feinem Staub und bläulichem Licht. In den Daten der Sternwarte stand er als „unbewohnbar“, als „Lichtspender ersten Grades“ – doch ihr Großvater hatte nie an solche Etiketten geglaubt.

Kelis schloss die Augen.

Die Kette um ihren Hals lag schwer auf ihrer Haut. Der Kristall daran – faustgroß, asymmetrisch, von einem intensiven, kalten Violett – war kühl wie immer. Und doch glaubte sie manchmal, dass er sich bewegte, pulsierte, atmete, wenn niemand hinsah.

Sie war neun gewesen, als Großvater Elarin ihr das Amulett gab. Seine Hände hatten gezittert, seine Stimme war flach vor Aufregung.

„Er ist gefallen“, hatte er gesagt. „Nicht gefunden. Verstehst du den Unterschied, Kelis?“

Damals hatte sie es nicht verstanden. Heute glaubte sie es zu ahnen.

Draußen pfiff der Wind über das Dach der Sternwarte. Etwas in dem Ton ließ sie frösteln – ein Laut, der nicht nach Wetter klang, sondern nach Stimme. Kelis richtete sich langsam auf. Ihre Beine waren eingeschlafen. Sie trat zum Fenster.

Kirital lag still unter ihr. Die Hügel leuchteten sanft im Mondschein, bedeckt mit dichtem, dunkelgrünem Moos. Biolumineszente Pflanzen pulsierten rhythmisch in den Tälern, als würden sie träumen. Weit entfernt zogen die Schatten der Wälder über die Lichtungen.

Alles war wie immer – und doch nicht.

Kelis trat zurück ins Zimmer, ihr Blick wanderte automatisch zum Tisch ihres Großvaters. Der Tisch war seit Jahren unberührt. Niemand wagte es, ihn aufzuräumen. Es war fast ein heiliger Ort geworden – ein Mahnmal des Verschwindens. Seine Notizen lagen noch dort, zusammengefaltet, in alter Schrift. Skizzen des Kristalls. Orbitdaten. Rechenfehler.

Und mitten zwischen den Papieren – ein Licht.

Kelis’ Herz schlug schneller. Sie trat näher. Der Kristall auf ihrer Brust vibrierte leicht – so fein, dass es wie Einbildung wirken konnte. Doch das Licht war real: schwach, flackernd, kaum mehr als ein Schein.

Eine der Seiten auf dem Tisch glühte am Rand. Kein Feuer. Kein Strom. Nur … Licht.

Sie griff zögerlich danach. Es war ein Blatt mit alter Tinte. Am unteren Rand – in einer Handschrift, die sie fast vergessen hatte – stand ein einziger Satz.

„Er hört dich, Kelis.“