You were her plan, not mine!

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Summary

Quinn ist nach einem traumatischen Vorfall nicht mehr dieselbe. Aus der lauten, fröhlichen Freundin ist ein Mädchen geworden, das Hilfe braucht – sich aber nicht traut, danach zu fragen. Sie hat aufgehört, an das Gute zu glauben, und versucht nur noch, irgendwie zu funktionieren. Doch dann stolpert James in ihr Leben. Ein Junge, der alles hat, außer Liebe. Ein Junge, der nie gelernt hat, was Nähe bedeutet – aber unbedingt lernen will, wie man jemanden glücklich macht. Er will Quinn zeigen, dass die Welt nicht nur dunkel ist. Dass es Licht gibt, selbst wenn man es nicht mehr sehen kann. Doch wird Quinn ihm glauben? Kann James sie wirklich zurück ins Leben holen?

Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
16+

Die Angst, die einen Zerfrisst.

Kapitel 1

Quinn

Die Musik dröhnt im Hintergrund, während ich mit Lory am Arm in das Studentenwohnheim gehe. Überall sind tanzende Körper um uns herum. „Lass uns die anderen suchen!“, schreie ich ihr zu, weil die Musik viel zu laut ist für normales Reden. Lory nickt nur knapp, als ich sie auch schon durch die tanzenden Leute manövriere. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass Lory nicht so die Gesprächige ist, wenn andere Leute anwesend sind.

Ich mustere meine beste Freundin von der Seite. Ich bin richtig glücklich, dass sie heute mit mir mitgekommen ist! Sie hat mir sogar erlaubt, ihre Klamotten auszusuchen. Ich habe mich für einen schwarzen Minirock mit schwarzen Pumps und einer Lederjacke entschieden, da ich weiß, dass sie ihre Arme nur ungern zeigt. Ich spüre, wie uns die Blicke verfolgen, während wir uns durch die Menge kämpfen.

Ich entdecke unsere Freunde auf der anderen Seite des Raumes. „Quinn, Lory! Da seid ihr ja endlich! Ich habe schon gedacht, ihr drückt euch und schaut zuhause ohne uns einen Film“, sagt Leonora Lane, die Queen aus unserer Gruppe. Sie ist groß, blond, mit strahlend blauen Augen, die jeden um sie herum einnehmen. Dazu trägt sie auch noch einen neonpinken Minirock mit pinken Stiefeln. Sie sieht aus wie Barbie höchstpersönlich.

„Wir würden es nie wagen, ohne dich einen Film anzusehen, Leo.“ Neben ihr stehen Ti und Lane. Ja, Lane – er ist der Bruder von Leo und heißt eigentlich Manfred Rüdiger Laurence Lane, aber er und wir anderen fanden den Namen zu lang und zu seltsam. Eine gute Abkürzung ist uns auch nicht eingefallen, weswegen wir ihn einfach Lane nennen.

Dieser schließt mich und Lory in eine Umarmung. Lane sieht überhaupt nicht so aus, als würde er seine Freizeit mit Herumalbern und den Freundinnen seiner Schwester verbringen. Er ist 190 cm groß, sein ganzer Körper ist mit Tattoos bedeckt, und er ist gut gebaut. Wenn Leo nicht seine Schwester wäre, hätte ich vielleicht mal was mit ihm angefangen, da er auch ein markantes Gesicht hat. Seine stechend blauen Augen und seine blonden Haare stehen ihm gut, aber sein Aussehen und Gesichtsausdruck wirken, als würde er nie lachen.

„Lane! Du bist auch hier, ich dachte, du würdest nicht kommen!“, rufe ich ihm entgegen. „Willst du mich etwa loswerden, Qui?“ Er stellt seine Frage ziemlich ironisch und hält sich die Hand auf das Herz, als hätte er dort Schmerzen. Ich verdrehe bloß die Augen. Dieser Name… er wird ihn nie wieder abgeben! Ich bleibe für immer Qui, was mich irgendwie nervt, da er weiß, dass ich den Namen nicht besonders mag. Ich hatte mein Meerschweinchen so genannt, und es ist zwei Tage später gestorben. Selbstmord. Mein zwölfjähriges Ich hat den größten Heulkrampf der Welt deswegen bekommen.

„Nein, will ich natürlich nicht, Lane. Leo hat gesagt, du hättest noch ein Vorstellungsgespräch.“ – „Das hat er abgesagt“, fügt Ti trocken hinzu. Tim Creak, der Fünfte im Bunde. Er ist brünett mit grünen Augen, ist aber nur gleich groß wie ich und wirkt wie ein Engel. Wenn er seine Haare wachsen lassen würde, würde ihn jeder für ein Mädchen halten. Bei diesem Gedanken muss ich mir das Lächeln verkneifen.

„Das habe ich nur abgesagt, weil ich den anderen Job bereits gekriegt habe! Leute, ich werde DJ!“ Alle von uns verdrehen die Augen, da Lane sowieso jeden Monat wieder den Job wechselt. „Echt, Leute, dieses Mal wirklich.“ Er klingt wie ein Kleinkind, dem man gesagt hat, es könne nicht singen, aber es meint, es könnte es.

„Ich gehe uns etwas zu trinken holen“, sagt Lory unvermittelt. „Oh ja, bring mir bitte ein Bier! Oder soll ich gleich mitkommen?“, sagt Ti zu Lory. „Nein, nein, ich schaff das schon allein! Oder willst du etwa behaupten, dass ich nicht eigenständig sein kann?!“ Sie versucht böse zu schauen, aber es wird eher eine Grimasse, die die meisten zum Lachen bringt, da ihre feinen Gesichtszüge einfach zu nichts Bösem imstande sind.

„Manchmal bist du aber wirklich nicht besonders eigenständig. Du kommst nie zu uns, wenn Quinn nicht dabei ist.“ Es klingt wie eine Frage aus Leos Mund und nicht wie eine Aussage, aber scheinbar hört Lory sie nicht über die dröhnende Musik, denn sie macht sich schon auf den Weg durch die Menschenmenge.

„Was war das denn?“ Ti sieht mich fragend an. „Seit wann meldet sie sich selber zum Getränkeholen?“ – „Sieh mich nicht so an, als wüsste ich alle Geheimnisse der Weltgeschichte, Ti. Ich weiß doch auch nicht. Aber sei doch froh darüber, dass es ihr so gut geht.“ Ich lächle ihn optimistisch an. Mit Lory war es schon immer so eine Sache. Sie hat seit ihrem 16. Lebensjahr Depressionen, aber ich weiß nicht, ob sie mir da ganz die Wahrheit gesagt hat. Ich wollte ihr nicht zu nahe treten. Leider hat sie es am Anfang niemandem erzählt und hat bei ihrer jetzigen Therapeutin zwei Jahre nachzuarbeiten.

„Qui, du weißt doch sonst alles. Was für ein Wunder, dass du auch einmal keinen Plan hast. Irgendwie wirkst du jetzt wieder menschlich.“ Lane scherzt, und ich verdrehe die Augen, gespielt genervt. Aber er hat schon recht: Ich weiß viel, und wenn jemand in unserer Clique Probleme hat, finde meistens ich die Lösung. Ich bin jetzt nicht wirklich eingebildet, aber ich habe dadurch trotzdem etwas an Selbstvertrauen zugelegt.

„Was ist los? In den letzten Tagen habe ich dich in der WG nicht so oft gesehen. Ist irgendetwas passiert, wovon ich nichts weiß?“ Ti ist wie immer sehr sachlich, nicht so wie die Lane-Geschwister. „Lory ist passiert. Ich bin froh, dass ich sie heute aus dem Haus bekommen habe.“ Ich seufze. „In letzter Zeit ist es wieder schlimmer geworden.“ Ich muss meinen Satz nicht vollenden, damit meine Freunde verstehen. Sie wissen von Lorys Depressionen und ihren SV. Am Anfang wollte Lory ihnen nichts sagen, aber schlussendlich musste sie es ihnen sagen, weil sie nicht verstanden haben, wie man bei 40° in einer Jacke herumlaufen kann. Die anderen waren anfangs geschockt, doch haben sie trotzdem gleich behandelt wie zuvor, was Lory ziemlich gut fand.

Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche, also greife ich danach. Eine Nachricht von Lory? Ich runzle die Stirn, verwirrt. Als ich auf den Chat klicke, sehe ich ihre Nachricht:

Liebe Quinn, es tut mir leid! Ich halte es keinen Tag länger aus. Du weißt, dass ich dich liebe. Ich habe alles versucht, um hier zu bleiben, aber es ist alles viel zu viel geworden. Ich habe mir Mühe gegeben, um hierzubleiben. Für DICH! Aber ich schaffe es nicht mehr. Bitte gib dir niemals die Schuld an allem. Du warst die letzten Monate die Einzige, die mich in der Welt behalten hat. Bitte suche mich nicht. Wenn du diese Nachricht liest, ist es leider schon zu spät. Es tut mir leid! Bitte lebe für mich weiter, bis du uralt bist. Ich hoffe, du findest jemanden, der für dich da sein kann und nicht immer du nur für die Person.

LG Lory

Ich starre ein paar Sekunden regungslos auf das Display, bevor ich überhaupt reagiere.

Lory, bitte geh nicht. Wo bist du?

„Quinn, was ist los?“ Ti sieht mich besorgt an.

In meinem Hals ist ein riesen Kloß, und mein ganzer Körper ist vor Angst ganz starr. „Qui, was ist passiert?“ Jetzt auch noch Lane. Mit meiner ganzen Kraft schaffe ich es, mein Handy umzudrehen. Ein paar Sekunden vergehen – es fühlt sich aber an wie Stunden –, während die anderen den Text lesen. Ich fühle mich leer, kaputt. Ich konnte sie nicht retten, weil ich es nie schaffe, weil ich nun mal nicht reiche. Und doch… die leise Hoffnung, dass sie noch da ist, wird immer größer. Doch auch die Zweifel werden lauter. Ich weiß nicht, wo sie sein könnte, aber ich weiß, dass ich sie noch brauche. Immer brauchen werde.

„WIR MÜSSEN SIE SUCHEN!!!“ Ich bringe die Worte nur knapp aus meinem Mund, da der Kloß in meinem Hals immer größer wird. Ich spüre, wie die Tränen in meine Augen steigen, doch ich darf jetzt nicht weinen. Nicht jetzt. Erst, wenn ich sie wieder habe. Wenn ich sie in meine Arme gezogen habe. Wenn sie lebt.

Ich blinzle meine Tränen weg. Ich muss ruhig bleiben, sonst finde ich sie nie.

„Nein!“ Ich zucke bei diesem Wort zusammen. Es fühlt sich an, als würde mir jemand ein Messer in die Brust rammen und es dann noch einmal umdrehen. Ich starre Leo ungläubig an. Wie kann sie so etwas sagen? „Wie bitte!?“ Ti sieht Leo genauso ungläubig an wie ich. Ich sehe in seinen Augen, was er denkt: Er hat das Gefühl, gleich zwei Menschen gleichzeitig zu verlieren. Doch wir atmen auf, als Leo sagt: „Wir müssen nur die Polizei anrufen. Ruhig bleiben. Es bringt ihr nichts, wenn wir voller Panik durch das Haus sprinten!“

„Und sie sterben lassen? Sie könnte in diesem Moment irgendwo stehen und Suizid machen, Leo.“ Dieses Mal ist es Lane, der das Wort ergreift.

„Diskutieren bringt gar nichts, Leute. Ich bin dafür, dass Leo die Polizei ruft, ich im Keller nachsehe, Quinn auf dem Dach und Lane hier.“ Es ist wie immer Ti, der Ordnung in das Chaos bringt. Aber das bedeutet nicht, dass mein Herz nicht so schnell schlägt, dass ich das Gefühl habe, es wird gleich in tausend Stücke zerrissen. Doch ich stelle meine Gefühle auf lautlos, denn die oberste Priorität ist, Lory zu finden. Wenn wir das nicht tun… ich kann es nicht mal zu Ende denken, ohne dass ich mich auf den Boden übergebe. Ich muss sie einfach suchen, bevor ich sie nie mehr haben kann. Ich muss sie finden.

„Ich gehe sie sofort suchen“, presse ich hervor, während ich mich durch die tanzende Menge quetsche. Viele sagen etwas empört oder schreien mich sogar an, doch das alles dringt nur gedämpft zu mir durch. Denn ich kann nur daran denken, dass ich sie finden muss. Dass sie leben muss.

Plötzlich fühle ich wieder zu viel. Die Tränen strömen in meine Augen und lassen meine Sicht verschwimmen. Ich versuche, alle Tränen wegzublinzeln, doch eine kullert mir vom rechten Auge über die Wange. Trotzdem renne ich die Treppen hoch.

Als ich auf dem Dach ankomme, entdecke ich Lory nicht. Mein Herz macht einen freudigen Satz – das kann nur ein gutes Zeichen sein! Bis ich ihr Handy am Rand des Daches sehe. Es ist angeschaltet und leuchtet.

Ich laufe näher heran und sehe, dass es mein Chat ist, der geöffnet ist. Ich sehe nicht weiter auf das Handy. Ich sehe vom Dach hinunter.

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