Prolog - Adrian
Mitte November
British Columbia – Kanada
Ich sah zu James. Mein bester Freund nickte mir zu und ich gab Cody die lang ersehnte Galopphilfe. Der braune Hengst schoss los, so als ob er eine Ewigkeit darauf gewartet hatte, endlich wieder Gas geben zu dürfen. Und das hatte er auch. Dass ich heute überhaupt auf seinem Rücken sitzen konnte, war ein großes Geschenk und ich freute mich, dass er sich dank meiner Anstrengungen besser von seiner Verletzung erholt hatte, als jemals zu erwarten gewesen war.
Ich spürte wie der Wind meine Haare nach hinten wehen ließ und schloss für einen Moment die Augen. Es fühlte sich toll an ohne Sattel und Trense zu reiten. Dieses Gefühl der Freiheit war mit nichts zu vergleichen. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen und innerlich feuerte ich Cody an, noch schneller zu laufen. Viel zu schnell war das Ende der Galoppstrecke erreicht und James und ich parierten unsere Pferde durch. Seite an Seite ritten wir weiter und ich versuchte so viel des Glücksgefühls, dass der Galopp in mir ausgelöst hatte, in mir aufzunehmen. Denn diese Momente voller Unbeschwertheit waren eine Rarität geworden.
Ich hielt Cody an und glitt von seinem Rücken. Ab hier würde ich laufen, denn ich wollte den Hengst nicht übermäßig belasten, immerhin hatte er mir gerade einen Augenblick geschenkt, indem ich meine Sorgen zumindest kurzzeitig vergessen konnte.
Doch nun, als meine Füße den Boden berührten, holte mich die Realität wieder ein, als ein stechender Schmerz durch mein rechtes Handgelenk zuckte. Ich zog den Ärmel meiner Winterjacke nach oben und stieß einen leisen Fluch aus. Der Verband war mit Blut getränkt. Schon wieder.
James warf mir einen besorgten Blick zu und ließ sich ebenfalls aus dem Sattel gleiten. „Du solltest das endlich einmal richtig von einem Arzt versorgen lassen. Wenn sich die Wunde entzündet, kannst du im schlimmsten Fall deine Hand verlieren“, sagte er ernst.
Ich nickte nur stumm. Ich wusste, dass er recht hatte, das machte alles nur leider nicht besser. Wie sollte ich denn bloß erklären, wie diese Verletzung zustande gekommen war? Die Wahrheit? Das ging nicht. Auf gar keinen Fall durfte irgendjemand erfahren, was genau passiert war, denn ein unglücklicher Ausrutscher war das nicht gewesen.








