Briana- Leuchtendes Schicksal

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Summary

Brianas Leben war beinahe perfekt. Liebende Eltern, magische Kräfte und Freiheit. Als eines Tages König Adrics Soldaten ihre Eltern brutal ermorden, brach ihre Welt mit einem mal ein und begrub sie in Dunkelheit und Trauer. Durch ein schicksalhaftes Treffen mit der geflüchteten Prinzessin Ophelia muss sie nun auch ihre Heimat verlassen und wird von den Soldaten des Königs und seinem Bruder gejagt. Doch der attraktive Bruder des Königs scheint sich seiner Loyalität nicht so ganz sicher zu sein... Kann sie ihre Familie rächen? Kann sie die Prinzessin beschützen? Wird sie ihr unverhofftes Glück finden?

Status
Ongoing
Chapters
7
Rating
4.7 3 reviews
Age Rating
16+

Kapitel 1

Die Sonne schien durch das Fenster in Brianas kleinem Zimmer. Das Licht kitzelte ihre Nase als es auf ihr Gesicht schien. Es schien, als würde es der erste warme Frühlingstag des Jahres werden.

Briana hörte ihre Mutter nach ihr rufen. Sie und ihr Vater warteten wahrscheinlich schon auf sie. Und eigentlich wäre Briana auch schon aufgestanden, doch die Nacht hatte nicht nur die Dunkelheit, sondern auch einen furchtbaren Traum mit sich gebracht.

Schweißgebadet wachte sie mitten in der Nacht auf, panisch atmend und ihr Herz heftig in ihrer Brust schlagend. Jetzt als sie wieder daran dachte schossen ihr diese verstörenden Bilder in den Kopf.

Sie sah sich. Ihre Eltern lagen auf dem kalten Boden vor dem Haus. Blutend. Ihre Gesichter nur verstörende Grimassen. Briana wankte rückwärts. Fiel.

Sie sah zu ihren Händen.

„Blut…“

Ihr Herz raste bei dem Gedanken daran. Sie schloss die Augen.

„Beeil dich, die Tiere haben Hunger.“ Liora, ihre Mutter stand über sie gebeugt. „Raus aus den Federn, Liebes." Sie strich ihrer Tochter über das Gesicht. Briana öffnete die Augen. „Ich hatte einen schlimmen Traum.“ murmelte sie und zog sich die decke über den Kopf. „Briana…“ Ihre Mutter setzte sich neben sie und legte ihr ihre Hand auf den Rücken. „Egal was es war, es war nur ein Traum. Er kann dir jetzt nichts mehr tun.“ Briana sah zu ihrer Mutter. Liora lächelte ihre Tochter liebevoll an. Briana nickte. „Na dann komm. Die Tiere warten schon auf dich.“ Liora stupste Briana noch auf die Nase. „Neuer Tag, neue Chancen.“ murmelte sie mit einem warmen Lächeln, bevor sie ging. Briana atmete noch einmal tief ein, bevor sie aufstand.

Während sie sich um ihre Hühner und die 3 Kühe kümmerte, waren ihre Eltern auf dem Acker und säten. Briana sah in den Himmel. Bis auf eine kleine Wolke war er wunderschön blau. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen. Briana war hin und her gerissen. Einerseits genoss sie dieses einfache Leben an der Seite ihrer Eltern. Sie genoss diese Unabhängigkeit, die sie als unverheiratete junge Frau hatte. Sie genoss dieses stetige, ruhige Dasein. Ihre Eltern hatten schon einige Anträge für sie bekommen, doch sie wollten nicht über Brianas Kopf entscheiden. Briana wusste, dass ihre Eltern ihrer Zeit weit voraus waren. Das war auch der Grund, wieso sie in der kleinen Stadt nur belächelt wurden. Jeder kaufte ihr Fleisch, ihre Eier oder ihre Milch, aber niemand wollte etwas mit ihnen zu tun haben, weswegen Brianas Eltern auch recht erstaunt über die Anträge waren. Doch Briana war ein überaus hübsches Mädchen. Ihre langen Rotbraunen Haare hatte sie stets kunstvoll geflochten. Praktisch für die Jagt und schön zugleich. Ihre grünen Augen strahlten immerzu und durch ihre leicht gebräunte Haut kamen feine Sommersprossen zum Vorschein. Ihr Gesicht war symmetrisch, ohne perfekt zu wirken. Zudem war sie immer freundlich mit einem netten Spruch oder einem kleinen Witz auf der Zunge.

Doch andererseits wollte sie die Welt sehen, Abenteuer erleben und einmal in ihrem Leben auf das Risiko setzen. Sie öffnete die Augen wieder und setzte ihre Arbeit fort.

„Ich finde es einfach seltsam, dass Ben euch um meine Hand bittet," Briana stocherte in ihrem Gemüse "obwohl er mir nicht mal ein Lächeln entgegenbringt. Ich dachte immer er kann mich gar nicht leiden, so wie er sich verhält.“ Briana durchstieß die Stille beim Abendessen. Ihr Vater lachte auf. „Ich glaube er ist eingeschüchtert, weil wir dich wie einen Jungen erzogen haben.“ „Wir haben sie nicht wie einen Jungen erzogen. Wir haben dich einfach du sein lassen, Briana.“ Liora stieß ihrem Mann lachend in die Seite. „Dann habt ihr wohl nichts dagegen, wenn ich morgen vor Sonnenaufgang jagen gehe, oder?“ Brianas grinste schelmisch, als sie aufstand und den Tisch abräumte. „Von mir aus. Aber komm mir nicht mit leeren Händen nachhause.“ Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Alleine? Es ist gefährlich, Leonard… Die Müllers haben doch erzählt, dass sie feindliche Soldaten gesehen haben...“ murmelte sie besorgt, in der Hoffnung, dass Briana sie nicht gehört hatte. Sie kannte ihr Kind. Sie wusste, dass Briana sich nicht zurückhalten würde. Brianas Ohren spitzen sich, doch sie hielt den Kopf gesenkt.

„Sie ist die beste Jägerin des Dorfes… Sie kommt klar!“


Die Frühlingsluft war angenehm erdig. Mit Pfeil und Bogen in der Hand ritt sie über den Acker ihrer Familie, hinein in den Wald. Weit abseits vom Dorf band sie ihr Pferd an einen Baum und ging zu Fuß durch das Dickicht. Sie legte zur Vorsicht den Pfeil ein und schlich weiter.

Briana hob den Kopf. Etwas vor ihr machte Geräusche.

Ein Reh…

Sie atmete noch einmal tief durch, spannte dann den Bogen und zielte. Das Reh gab einen Laut von sich und fiel. Briana rannte zu dem Reh, um es zu erlösen. Ihr Herz schmerzte, aber sie wusste, dass es sein muss. Sie brauchten das Geld. Und das Fleisch. Der Winter würde hart werden, wenn ihnen die Münzen ausgehen würden. Und im Frühling das Geld zusammensparen war der einzige Weg.

Das Reh zuckte ängstlich. Briana musste schlucken, als sie dem panischen Tier in die Augen sah. Sie zückte ihr Messer, setzte am Hals des Rehs an und schloss die Augen. „Danke..“ murmelte sie, bevor sie das Leid beendete.

Briana stand auf. Sie blickte auf das Tier und murmelte einen alten Spruch, den ihre Mutter ihr beigebracht hatte.

Sie konnte die Muttersprache ihrer Mutter nicht fließend, aber was sie aus dem Satz verstand war "Danke für dein Opfer, welches wir in Ehren halten."

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages erwärmten Brianas Wangen, als sie das Reh zu ihrem Pferd zog.

Ja, ihr Vater hatte recht. Sie war eine gute Jägerin. Eine sehr gute, doch all zu stark war sie nicht. Ihr Vater war ein Soldat mit recht hohem Rang, als er in ihrem Alter war. Er wusste, wie man Kämpft. Viele der Soldaten sahen damals zu ihm auf, als wäre er ihr Anführer.

Als er zu Zeiten des alten Königs in ein Dorf marschieren und unschuldige töten sollte, nur weil unter ihnen Hexer und Hexerinnen sein könnten, legte er sein Schwert nieder und schwor, nie wieder eines zu heben. In diesem Dorf lernte er auch ihre Mutter kennen. Sie war eine Praktizierende Heilerin, eine Hexe.

Die Gefahr für den König war die große Liebe für einen Soldaten.

Er beschützte sie, versuchte die anderen Soldaten davon zu überzeugen, es ihm gleich zu tun, doch sie hatten zu viel Angst vor König Phillip. Seine grausame Herrschaft hat vielen unschuldigen Kindern den Kopf gekostet, da ihre Eltern gewisse Kräfte besaßen. Er machte jagt auf Menschen mit Kräften aus Angst vor einer Weissagung seiner eigenen Hexer, die er von dem Verbot ausschloss. Sie sagten ihm, dass die Hexer und Hexerinnen sich zusammentun und ihm den Thron rauben würden. Aus Angst davor, sein Reich und seine Macht abgeben zu müssen, versuchte er alle Menschen und auch Kinder mit Kräften auszurotten.

Als König Phillip starb, bestieg sein Sohn, Marcus den Thron und vieles änderte sich. Er hob das Zauberverbot auf und versuchte das Land toleranter zu machen. Seit diesem Tag ruhte das Schwert ihres Vaters in einem Schrank. Briana leihte es sich ab und an um damit zu trainieren, aber immer nur dann, wenn sie wusste, dass ihr Vater es nicht merken würde.

Briana hatte ihn angefleht ihr beizubringen wie man kämpft. Nicht, wie man einen Menschen tötet, aber wie man sich verteidigt und andere beschützt. Er bestand jedoch darauf, dass die Menschen sich gebessert hätten, dass sie nicht mehr zu solchem Leid fähig sind und dass es deswegen nicht nötig ist, dass sie so etwas kann. Sie wusste, dass ihr Vater zu naiv war, doch das liebte sie an ihm. Er war eine gute Seele durch und durch. Deswegen liebte ihre Mutter ihn auch so sehr. Sie hatte Briana nach ihren alten Traditionen erzogen. Verbundenheit zur Natur und dem Mond. Eins mit sich selbst und natürlich die grundlegende Kunst der Magie. Ihre Mutter wusste nicht sehr viel über die Zauberkünste ihrer Ahnen. Zu früh wurde ihre Ausbildung durch den Angriff abgebrochen. Sie war keine Sechzehn Jahre alt, als ihre gesamte Vergangenheit hinter ihr bleiben musste.

Deswegen musste Briana sich das Kämpfen selbst beibringen. Und sie war gut darin. Denn, selbst wenn die Menschen nichts Schlimmes im Sinn hatten, gab es dennoch Bestien und Ungeheuer denen es im Blut lag Chaos und Verderben zu bringen. Sie kamen plötzlich und ohne Vorwarnung. Niemand wusste, woher sie kamen und was man gegen sie tun konnte. Sie ist zwar noch nicht vielen begegnet, doch denen den sie begegnete ereilte allen dasselbe Schicksal. Brianas Allheilmittel war ein Pfeil durch den Kopf.

Mit dem Reh auf ihrem Pferd ritt sie weiter. Tiefer in den Wald, bis nicht mal die Sonnenstrahlen hinterherkommen wollten. Über diesen Teil des Waldes hatten sich die Kinder des Dorfes Gruselgeschichten erzählt. Alte Legenden über ein riesiges Wesen, halb Hirsch halb Mensch. Mit vier Hufen, einem Oberkörper und Armen wie ein Mensch. Der Kopf eine Mischung aus beiden und ein enormes Geweih mit dem sie neugierige Menschen ersticht.

Briana wusste, dass es nur ein Ammenmärchen war, um kleine Kinder von dem dunklen Teil des Waldes fernzuhalten. Denn das Wesen war ein Faunus und absolut nicht gefährlich. Briana musste daran denken, wie sie an den alten Feiertagen Lioras Ahnen Gaben gebracht haben. Der Faunus war nichts anders als die Beschützerin des Waldes. Seine eigene Göttin. Und so wie Briana es verstanden hatte, gab es nur diese eine. Sie wachte über ihre Kinder, die Tiere und Pflanzen und griff nur im Notfall ein. Doch die Gaben, die Briana und ihre Mutter ihr bringen, beruhigen sie, ließen Briana Jagen.

Am frühen Nachmittag war Briana wieder zurück im Dorf. Ohne Zwischenstopp ging es direkt zum Markt. Ihre Mutter hatte dort einen Stand mit frischem Gemüse, Eiern und Milch. Sie schaffte etwas Platz, als sie sah, dass ihre Tochter einen sehr erfolgreichen Tag hatte. „Wenn du so weiter machst, müssen wir Faunus noch hunderte Gaben bringen.“ lachte Liora, während sie ihrer Tochter half die Kaninchen, Enten und das Reh auf den Stand zu hieven. „Vertau mir, es sind noch genug Tiere im Wald. Faunus und ich sind mittlerweile befreundet.“ scherzte Briana. Sie strich ihrem Pferd Suleika über die Nüstern, als eine Stimme von hinten ertönte. „Briana, wie ich sehe bist du erfolgreich gewesen.“ Ein Junger Mann des Dorfes kam auf sie zu. Briana musste ein Seufzen unterdrücken, welches ihre Mutter jedoch hörte. Liora stieß ihrer Tochter in die Seite. „Sei freundlich, Kind.“ Briana gab ihr nur ein geknurrtes „Ja.“ entgegen. „Ja Ben, meine Jagt war, wie immer… Recht erfolgreich.“ antwortete sie mit einem aufgesetzten Lächeln.

Ben war der Sohn des Bürgermeisters, was man jedoch auch an seinem Verhalten unschwer erkennen könnte. Normalerweise würde er einen Hasen bei Brianas Mutter kaufen, ohne Briana überhaupt zu grüßen. Sie konnte diesen herablassenden Mann nicht leiden. Früher, als sie beide noch Kinder waren, hatte er sie andauernd geärgert. Er hatte ihr an den Haaren gezogen, sie in den Matsch geschubst oder ihre frisch gewaschenen Kleider mit Eiern beworfen. Liora hatte versucht mit Bens Mutter zu reden, doch diese hielt sich wegen ihres Status für etwas Besseres und lachte nur über Liora. Briana konnte absolut nicht verstehen, wieso sie freundlich zu so jemanden sein sollte. „Wenn ich auf die Jagt gehe, dann jage ich aus Prinzip nur die größten Hirsche. Nicht, dass du sie überhaupt schießen oder auf dein Pferd schaffen könntest…“ Ben tätschelte Suleika, die genervt die langen Ohren anlegte. „War schön mit dir gesprochen zu haben, Ben, aber ich muss jetzt los." Sie schwang sich ohne große Mühe auf ihren Kaltblüter und ritt, ohne auf eine Antwort zu warten davon.


„Du musst etwas freundlicher zu Benjamin sein…“ ihre Mutter klang vorwurfsvoll. „Mama.. Dieser Mann war als kleiner junge der Grund, wieso ich fast jeden Tag geweint habe. Er war das gemeinste Kind des Dorfes und heute ist er ein überheblicher Mann, der denkt, dass ihm alles und Jeder gehört, nur weil sein Vater der Bürgermeister ist.“ Briana stocherte genervt in ihrem Eintopf. „Ich weiß.. Und wir würden es auch nicht von dir verlangen, wenn wir nicht wüssten, dass es wichtig für uns alle wäre.“ Leonard schien widerwillig. Liora sah ihre Tochter an. „Liebes…-“ Briana unterbrach sie. „Wieso denkt ihr, dass es wichtig für uns ist, wenn…“ Sie beschlich eine düstere Vorahnung. Ihr Herz sank ihr in den Schoss und ein eisiger Schauer überschwemmte sie. Liora und Leonard sahen sich schuldig an. „Nein…“ hauchte Briana. „Nein!“ rief sie. „Briana, lass uns das bitte erklären…“ „Nein, Mutter! Da gibt es nichts zu erklären. Ihr denkt doch nicht, dass ich diesen widerlichen Mann heiraten sollte!“ wieder nur wissende Blicke ihrer Eltern. Briana wurde lauter. „Nein! Niemals! Nicht einmal über meine Leiche werde ich auch nur daran denken, dieses Wiesel-“ „Briana, jetzt hör uns erst einmal zu!“ rief ihr Vater laut. Briana verstummte. „Bitte… Dann erklärt es mir.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Liebes… Er und seine Familie sind wohlhabend. Sie können dir ein besseres Leben bieten als wir. Bessere Kleidung. Besseres Essen und einen gehobenen Umgang.“ Liora fühlte den Schmerz ihrer Tochter, doch als sie ihren Arm berühren wollte, zog Briana diesen weg. „Habt ihr seinen Antrag schon beantwortet?“ Ihre Augen waren schon ganz rot von den salzigen Tränen. Wieder nur schuldige Blicke ihrer Eltern. Briana taumelte und fiel nach hinten. „Ihr habt mich verkauft… Wie Vieh!“

„Briana, das stimmt nicht!“ versuchte ihr Vater sie zu beruhigen. Doch Briana sah ihn nur kalt an. „Wieviel haben sie euch geboten?“

Stille.

„Wieviel?!“

„Achthundet Pfennig.“ antwortete Leonard zögernd. „Aber wir haben ihn noch nicht angenommen.“ Briana sah ihre Mutter hoffnungsvoll an. „Und ihr werdet ihnen absagen, oder?“

Stille.

„Oder?“ Briana wurde lauter.

Leonard schluckte. „Wir wollten es natürlich zuerst mit dir absprechen, doch wir tendieren dazu ihnen zu zusagen…“ Jegliche Hoffnung wich aus Brianas Gesicht. „Schatz, es wird nicht so schlimm… Es ist das Beste für dich.“

"Das Beste für mich, oder das Beste für euch? Ich und meine Träume sind euch anscheinend nichts wert…“ flüsterte sie. „Nichts wert?“ warf Liora ein. „Briana… Wir möchten, dass du ein Leben ohne schwere Arbeit und Hunger lebst. Wir wollen, dass du dich im Winter nicht vor dem Erfrieren fürchtest.“ Briana blickte zu ihren Eltern hoch. „Aber ich liebe dieses Leben. Ich liebe es! Ich liebe die schwere Arbeit und..“

„Den Hunger?“ fragte ihr Vater höhnend. „Das frieren?“ Briana entgegnete fest „Nein. Ich liebe es unabhängig zu sein. Mama,“ ihr Blick glitt zu Liora „Du hast mich gelehrt, dass ich mich nicht klein machen soll. Du sagtest mir immer, dass ich auch ohne Mann eine starke Frau sein kann.“ Lioras Blick glitt zum Boden. „Ich möchte Liebe… Wahre Liebe. So wie du und Vater sie habt.“

„Das ist doch nur die Ausnahme…“ murmelte ihr Vater. „Aber ihr habt sie gefunden… Lasst sie mich auch finden. Bitte!“ flehte Briana. Liora und Leonard sahen sich an. „Bitte…“

„Also gut…“

„Danke.“ Brianas Augen füllten sich wieder mit dicken Tränen.

„Wir dachten, dass du dich freuen würdest, in so eine wohlhabende Familie einzuheiraten…“ versuchte ihr Vater sich zu rechtfertigen. „Aber jetzt wissen wir, dass wir damit falsch lagen.“ Leonard strich ihr liebevoll die Tränen weg.


Die nächsten Tage waren ruhig. Stetig. Briana nahm sich vor auch an diesem Tag jagen zu gehen. Als sie früh morgens ihr Pferd fertig machte, kam ihre Mutter raus. Sie hatte am Vortag frisches Brot gebacken und hatte ihr ein großes Stück in ein Leinentuch gewickelt. Briana bedankte sich mit einer Umarmung, packte das Brot in ihre Satteltasche, stieg auf und ritt weg.

Tief im Wald hörte sie Stimmen. Sie hielt an. Es dämmerte bereits. Sie stieg ab und legte die Hand auf ihren Dolch. Aus den Stimmen wurden Hilferufe. "Hilfe?" murmelte Briana.

„Hallo..?“ fragte sie ruhig. „Wir brauche Hilfe!“ rief die Stimme erneut. Briana steckte den Dolch weg und rannte zu ihnen. Sie sah einen Mann mit einem blutigen Hemd und einen anderen, der hilflos danebenstand. „Was ist passiert?“ fragte Briana ängstlich. „Wir wurden überfallen. Er hat meinen Bruder verletzt. Hilf uns, bitte!“ rief der nicht verletzte Mann. Briana spürte die Überforderung in ihr wachsen. „Ähm… Ja! Ich kann euch nicht helfen, aber meine Mutter!“ sie führte sie zu ihrem Pferd und half dem verletzten Mann beim Aufsitzen. Dann eilten sie zu ihrem Haus zurück. Ein Weg der sich anfühlte, wie eine Ewigkeit.

Sie hatte ein seltsames gefühlt dabei, diese Männer zu ihrem Zuhause zu führen. Doch sie brauchten ihre Hilfe. Der Mann schien schwer verletzt und der andere schien unter starkem Schock zu stehen, so ruhig wie er war.

Als sie endlich ihr Haus erreicht hatten, rief sie verzweifelt nach ihren Eltern. Sie wusste, dass ihre Mutter diesen Mann retten könnte. Sie wusste, dass sie ihm helfen könnten.

„Mutter! Vater! Hilfe!“ rief sie verzweifelt.

Liora und Leonard stürzten raus, Panik in ihren Augen als sie diese Worte von ihrer Tochter hörten. „Oh Nein! Was ist passiert?“ rief ihre Mutter. „Hast du diesen Mann-“

„Nein! Er ist verletzt… Ich habe beide Im Wald gefunden. Sie wurden angegriffen und überfallen… Ich… Ich..“ Während ihr Vater den Männern ins Haus half, packte ihre Mutter Briana an den Schultern. „Briana… Hör mir zu.. Du hast alles richtig gemacht! Ich kann ihm helfen… aber du musst mir ein Paar Kräuter aus dem Garten holen.“ Briana nickte und während ihre Mutter eine Reihe von Heilkräutern aufzählte versuchte Briana nicht umzukippen. Diese starke Ohnmacht in ihr war ein ekelhaftes Gefühl. Briana eilte in den Garten, an den Hühnern vorbei zu den Kräutern.

Ihr Herz raste, sie musste sich beeilen sonst könnte der Mann-

„NEIN!“

Brianas Herz blieb für einen Moment stehen. Das war die Stimme ihrer Mutter.

Briana ließ die Kräuter fallen und rannte los. Ein höllischer Lärm ertönte. Kampfgeschrei und das Klirren von zerbrochenem Geschirr.

Briana blieb in der Eingangstür stehen. „Mama..?“

Eisen erfüllte ihre Nase und sie ahnte, was sich in der Dunkelheit des Raumes befand.

Sie ging einen Schritt weiter. Unter ihrem Fuß zersprangen Scherben. Sie wollte rufen, doch bekam keinen Ton heraus. Sie erkannte zwei Silhouetten auf dem Boden. Ein unbeschreiblicher Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus.

„Das Mädchen ist noch irgendwo hier!“ hörte sie von draußen. Briana versteckte sich in einem der Schränke in der Küche. Schritte wanderten durchs Haus. Sie hielt sich die Hand vor den Mund. Brennende Tränen liefen ihr übers Gesicht. Die Männer warteten noch einen Moment, verließen dann das Haus und zogen davon. Briana hielt noch eine Minute inne, bevor sie aus dem Schrank kroch. Sie zündete eine Kerze an, und bereute es sofort.

Vor ihr lag ihre Mutter. Blutüberströmt. Das Gesicht zu einer verängstigten Grimasse gezogen. Neben ihr, ihr Vater. Der Hals verstümmelt, doch die Augen geschlossen.

Sie hielten ihre Hände.

Briana fiel auf die Knie. „Nein, nein nein... Nein… Bitte…“ Blind vor Tränen legte sie sich zwischen ihre Eltern und weinte. „Bitte. Bitte… Ich brauche euch… Ich schaffe das nicht ohne euch.“ schluchzte sie bitterlich.

Am nächsten Morgen wachte sie neben den kalten Körpern ihrer Eltern auf. Ihre Augen waren leer. Sie wollte weinen, doch es war nichts mehr da.

Briana stand auf und ging in den Stall. Sie packte sich eine Schaufel und grub vor dem Haus.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sie sicher sein konnte, dass das Grab tief genug ist, damit die Wölfe es nicht ausgruben.

Sie kletterte heraus und schleifte erst ihren Vater und dann ihre Mutter zu dem Grab. Sie versuchte so vorsichtig wie möglich beide hineinzulegen. Briana pflückte ein paar kleine Blümchen und legte sie zu ihren Eltern.

Sie blickte auf das Loch. Briana fühlte sich ohnmächtig. Solch einen Schmerz hatte sie noch nie gespürt. Und erst recht nicht solch eine Hilflosigkeit.

Als das Grab geschlossen war, schrieb sie noch ein Wort in die lose Erde.

Liebe

Sie sackte auf die Knie. Plötzlich rollten wieder dicke Tränen über ihr Gesicht. „Ich will euch nicht verlieren… Ich brauche euch doch…“ Dann blickte sie hoch in den Himmel. „Wieso tut ihr mir das an!“

Ihre Tränen trockneten und ein Wunsch breitete sich aus. Es war wie ein kleines Feuer aus dem ein Waldbrand wurde.

Der Wunsch nach Rache!