Herz aus Scherben

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

„Deine Muschi ist perfekt, Tillie. Sie umschließt meinen Schwanz so verdammt gut. Ich wünschte, du könntest das jetzt sehen.“ Ich sah zu, wie mein Glied bei jedem Stoß in ihr verschwand. Ein so schöner Anblick. ****** Tillie Prentiss ist gerade dreißig geworden, und als Geschenk hat ihr Freund sie nach zwei Jahren Beziehung mit einer Trennung überrascht. Nur zwei Stunden, bevor sie eigentlich mit ihren Freunden in den Club gehen wollte, um den Meilenstein zu feiern. Stattdessen wurde die Geburtstagsparty zur Feier für ihre Freundin Miranda, die sich ausgerechnet am selben Abend verlobt hat. Und jetzt steckt Tillie auch noch mit ihrem Ex im Brautpaar-Team fest. Doch in derselben Nacht lernt sie den gutaussehenden Wolf kennen, und aus einer Freundschaft entwickelt sich mehr. Er gibt ihr ein Gefühl von Sicherheit. In den nächsten Monaten versucht Tillie, mit ihrem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und ihrem Herzschmerz zurechtzukommen, während sie gleichzeitig gegen die wachsenden Gefühle für ihren neuen Freund ankämpft. Könnte dieser neue Mann in ihrem Leben ihr Herz für eine Liebe öffnen, von der sie nie wusste, dass es sie gibt? Oder wird ihr Kummer dazu führen, dass sie ihr Herz für immer verschließt? *Triggerwarnung* Trauer und Tod

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
21
Rating
4.8 66 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prosa

TILLIE

„Oh, Mist“, hauchte ich vor mich hin. „Nicht schon wieder.“

Das rote und blaue Licht blinkte durch die Fenster oben am Garagentor. Ich dachte mir, dass die Cops mal wieder mit den Nachbarn reden wollten. Garry, der Sohn von Mr. und Mrs. Wickham, nahm seit vier Jahren immer wieder Drogen. Die Polizei von Denver schaute alle zwei Wochen bei ihm vorbei.

Seine Eltern taten mir leid, weil sie sich mit Garrys Problemen herumschlagen mussten. Sie ersetzten die Dinge, die er in der Nachbarschaft klaute, und holten ihn aus dem Knast. Es waren gute, liebe Leute, die zu meiner Schwester Kelly und mir immer höflich waren. Sie taten mir wirklich aufrichtig leid.

Garry und ich waren früher zusammen in der Schule. Wir hatten dieselben Mathe- und Naturwissenschaftskurse und hingen sogar mit denselben Freunden rum. Das änderte sich in der zehnten Klasse. Da geriet er an die falschen Leute und trieb sich mit Kids von anderen Schulen herum, die ständig Mist bauten.

Ungefähr zur selben Zeit verboten mir meine Eltern, ihn zu sehen. Sie hatten Angst, ich könnte mich in einen Typen wie Garry verlieben und am Ende genauso leben wie er. Aber alle romantischen Gefühle – was sowieso nur eine alberne Teenie-Schwärmerei war – verflogen, als ich sah, was für ein Typ er geworden war. Die Sucht bestimmte sein Leben, und das wollte ich für mich nicht. Ich hatte immer gehofft, dass er die Hilfe bekommt, die er braucht. Aber das passierte einfach nie.

Es war Freitagabend und ich war allein im Haus. Meine Freunde wollten zum Aussichtspunkt, aber ich hatte keine Lust auf Leute. Das war immer so, wenn mich die Lust am Malen packte. Mom und Dad waren bei ihrem wöchentlichen Date. Meine jüngere Schwester Kelly schlief bei einer Freundin, um Bridgets Geburtstag zu feiern. Sie machten einen Filmmarathon mit Freddy Krueger. Horrorfilme waren eigentlich nicht mein Ding. Aber wenn ich mir einen ansehen müsste, dann stünde Freddy ganz oben auf der Liste.

Unsere ruhige Garage war mein Rückzugsort. Es war der beste Platz, um meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ich konnte hier Stunden allein verbringen, zusammengekauert mit einem Pinsel in der einen Hand und der Palette in der anderen.

Ich versuchte, mich auf das Bild vor mir zu konzentrieren. Meine Schwester hatte mich angebettelt, es für ihr Zimmer zu malen. Es war ein realistisches Bild von einem Sonnenuntergang auf den Bahamas, wo sie schon immer mal hinreisen wollte. Aus meinen Kopfhörern dröhnte laute Musik. Mit sanften Pinselstrichen arbeitete ich an dem Bild, an dem ich diesen Monat schon fast fünfzig Stunden gesessen hatte. Meine Handgelenke taten weh und waren verspannt. Aber ich war so vertieft in die Arbeit, dass ich einfach weitermachte – bis ich das ständige Blitzlicht draußen bemerkte.

Da ich wusste, dass mich das Geblinke nur ablenken würde, entschied ich mich für eine Pause. Ich wollte in die Küche gehen, mir eine Flasche Wasser und einen kleinen Snack holen. Genau in dem Moment knurrte mein Magen laut. Ja, es war definitiv Zeit für eine Pause.

Ich nahm die Kopfhörer ab und ließ sie um meinen Hals hängen. Dann ging ich durch die Tür zur Garage und gähnte mir die Müdigkeit aus dem Leib. Ich nahm die letzten zwei Frühlingsrollen aus der Tüte in der Mikrowelle. Die waren zwar schon abgekühlt, aber das war mir egal. Ich hatte sie vorhin beim Thailänder bestellt, war da aber noch nicht hungrig gewesen. Jetzt war ich am Verhungern und konnte es kaum erwarten, in einen meiner Lieblingssnacks zu beißen.

Gerade als ich den ersten Bissen genoss, klingelte es an der Tür. Ich stellte das Essen ab und klopfte mir die Hände sauber. Dann rannte ich zur Tür und versuchte, schnell herunterzuschlucken. Als ich den Türknauf drehte, spürte ich, wie die angetrocknete Farbe auf meinen Fingern zerbröselte. „Hast du schon wieder deine Schlüssel vergessen?“ Statt meiner Eltern standen da jedoch zwei Polizisten nebeneinander. Sie traten einen kleinen Schritt zurück, als ich in der Tür erschien. „Wenn Sie zu den Wickhams wollen, die wohnen nebenan.“

„Entschuldigung, junge Frau, aber sind wir hier im Haus von Mr. und Mrs. Prentiss?“, fragte der glatzköpfige Polizist. Er erinnerte mich ein bisschen an meinen Dad. Der hatte auch früh eine Glatze bekommen und sich dann alles abrasiert, damit es keiner merkt.

Ich zögerte kurz. „Ja …“

„Und sind Sie deren Tochter?“, fragte derselbe Mann.

Ich nickte. „Ja, das bin ich.“

Die beiden Beamten warfen sich einen kurzen Blick zu, bevor der zweite Mann sprach. „Mein Name ist Alex und das ist mein Partner John.“ Beide zogen ihre Dienstausweise heraus und zeigten sie mir. Ich sah sie mir genau an. „Dürfen wir reinkommen und kurz mit Ihnen sprechen?“

„Nein.“ Meine Sicht verschwamm, während ich den Kopf schüttelte. Das Blut in meinen Adern wurde eiskalt. Eine tiefe Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. „Sie können hier mit mir reden.“

Alex räusperte sich. „Es tut uns leid, Ihnen das mitteilen zu müssen. Um 20:55 Uhr wurden die Körper von Mr. und Mrs. Prentiss von einem Autofahrer gefunden. Ich fürchte, Ihre Eltern waren in einen Unfall mit einem mutmaßlich betrunkenen Fahrer verwickelt.“

Meine Hände sanken an meine Seiten. „Es tut mir leid, haben Sie gerade ‚ihre Körper‘ gesagt?“

„Ja“, sagte John. In seinen Augen lag ein bedrückter Blick, genau wie bei seinem Partner.

„Sie sind tot?“

John räusperte sich kurz und nickte. „Ja.“

Meine Augen brannten. Ich starrte auf ihre Münder und sah, wie sie sich beim Reden bewegten, aber ich konnte ihre Worte nicht hören. Das einzige Geräusch war das Rauschen des Blutes in meinen Ohren. Die Zeit verlangsamte sich und ich dachte, ich würde gleich ohnmächtig werden. „Es tut mir leid. Sind Sie sicher, dass Sie beim richtigen Haus sind? Normalerweise gehen Sie zum Haus nebenan. Zu den Wickhams.“ Ich schaute auf meine Uhr und merkte, wie spät es war. Mir war nicht klar gewesen, dass ich so viel Zeit in der Garage verbracht hatte. Es war mir nicht aufgefallen, dass Mom und Dad noch nicht zu Hause waren. Ich versuchte, die Tränen wegzublinzeln. Ich konzentrierte mich nur darauf, nicht zusammenzubrechen oder mich zu übergeben. Meine Finger krallten sich in den Türrahmen, damit ich stehen blieb. Meine Beine fühlten sich tonnenschwer an. Am liebsten wäre ich einfach auf den Boden gesunken. „Nein, das kann nicht stimmen. Sie müssen nach nebenan gehen. Sie haben sich an der Tür geirrt.“

„Es tut mir leid, aber wir haben die Sachen Ihrer Eltern gefunden. Das Auto war auf sie zugelassen“, sagte John. „Ihre Ausweise hatten sie auch dabei.“

„Nein.“ Ich weigerte mich, es zu glauben. Mein Hals schnürte sich zu und die Tränen schossen mir in die Augen. „Meine Eltern sind nicht tot. Sie sind beim falschen Haus“, weinte ich. „Bitte sagen Sie mir, dass Sie beim falschen Haus sind.“

„Gibt es jemanden, den wir für Sie anrufen sollen?“, fragte Alex. „Verwandte oder Freunde?“

Ich hatte keine anderen Geschwister. Onkel Ash, der Bruder meiner Mutter, war im Urlaub in Europa, aber wir sahen ihn sowieso kaum. Kelly war bei ihren Freunden. Ich war noch nicht bereit, meiner kleinen Schwester zu sagen, dass unsere Eltern tot waren. Ich wollte, dass sie noch ein bisschen länger ohne diesen Schmerz leben konnte. „Jemand hat sie einfach so gefunden?“

„Ja. Wir glauben, dass das andere Fahrzeug ihr Auto gestreift hat und sie über die Klippe gestürzt sind. Der Autofahrer bemerkte die Bremsspuren, folgte ihnen und fand sie schließlich“, sagte Alex ganz sachlich. „Wenn es Ihnen ein Trost ist: Es sieht so aus, als wären sie sofort tot gewesen.“

„Na, das ist ja eine riesige Erleichterung“, sagte ich sarkastisch. „Nein, Herr Wachtmeister, ich kann nicht sagen, dass mich das irgendwie tröstet.“

Ich wollte nicht pampig klingen, denn die Polizisten machten nur ihren Job. Aber ich konnte jetzt nur an Kelly denken und daran, was aus ihr werden sollte. Sie war erst vierzehn und meine kleine Schwester.

Das musste alles ein Traum sein. Wahrscheinlich war ich in der Garage auf dem Sofa eingeschlafen und das hier war ein Albtraum. Das musste es sein. Ich gab mir selbst eine Ohrfeige, um aufzuwachen. Aber stattdessen spürte ich nur ein heftiges Brennen auf meiner Wange. Mir wurde klar, dass es kein Traum war.

„Alles in Ordnung mit Ihnen?“ Ihre Stimmen klangen dumpf durch das Rauschen meiner eigenen Panik. Ich merkte, wie die Angst meinen Körper übernahm. Mein Griff am Türrahmen lockerte sich und ich schwankte. Alles verschwamm vor meinen Augen, aber ich spürte, wie Alex mich festhielt, um mich vor dem Sturz zu bewahren. Die beiden Cops führten mich ins Haus und ins Wohnzimmer. Dort setzten sie mich auf einen der Ledersessel.

Fühlte sich so eine Panikattacke an? Ich war mir ziemlich sicher, dass es eine war – oder mein Körper gab einfach auf.

„Sie müssen die Leichen identifizieren, sobald sie in die Rechtsmedizin gebracht wurden“, sagte John und legte mir eine Hand auf die Schulter. Die Galle in meinem Hals fühlte sich an wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Ich schaffte es, sie herunterzuschlucken. Der bittere Geschmack legte sich auf meine Zunge, bevor er verschwand.

„Ich weiß nicht … ich weiß gar nicht, was ich tun soll.“

„Wir können jemanden rufen, der Sie abholt und hinfährt. Außerdem bieten wir in solchen Fällen Seelsorger an, die Ihnen vielleicht weiterhelfen können.“

„Danke“, murmelte ich leise. Ich konnte immer noch nicht ganz glauben, dass das, was die Cops mir gerade erzählt hatten, die Wahrheit war. „Sie können jetzt gehen.“

Alex holte etwas aus seiner Tasche und reichte es mir. Es war seine Visitenkarte. „Wir rufen morgen an, bevor wir wiederkommen.“

„Klar“, sagte ich völlig gefühllos. Ich starrte auf die Karte mit dem Logo der Polizei von Denver. „Danke.“

„Unser herzliches Beileid“, sagte John. Ihre Schritte verhallten, bevor die Haustür ins Schloss fiel. Ich ließ die Visitenkarte auf dem Sofa liegen und trottete zurück in die Garage. Ich blieb vor dem Bild stehen, in das ich so viel Zeit investiert hatte.

Durch meine Tränen sah das Gemälde ganz verzerrt aus. Trotzdem kritisierte ich jeden Fehler, den ich darin sah. Ich schnappte mir die Farbdose und pfefferte sie gegen die Leinwand. Die ganze harte Arbeit war ruiniert. Ironischerweise war es rote Farbe gewesen. Es war, als würde mich sogar das Bild verspotten. Es sah aus, als wäre überall Blut verspritzt, auch an meinen Händen. Ich spürte, wie ein paar Spritzer in meinem Gesicht landeten. Der rote Ton verschmierte über dem Sonnenuntergang und machte ihn ungewollt dunkler. Das Bild meiner Eltern tauchte vor mir auf und ich schrie vor Schmerz auf. Die Gefühle brachen aus mir heraus. Ich schrie in die Leere und brach auf dem Betonboden zusammen.

„Bitte nicht! Gott, bitte nicht“, weinte ich. Ich zog die Beine an die Brust und kauerte mich zusammen. Mein Kopf sank zwischen meine Knie, während ich um meine Eltern trauerte. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass sie so plötzlich weg sein sollten. Mein ganzer Körper tat weh.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Herz so leicht zerbrechen kann. Aber die Scherben um mich herum waren der Beweis für meine Trauer. Ich glaubte nicht, dass ich jemals über diesen Schmerz hinwegkommen würde.

Unser Leben würde nie wieder so sein wie vorher.