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Plötzlich standest du vor mir

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Zusammenfassung

Es wurde Zeit für einen Tapetenwechsel. Deshalb ziehe ich nach New York. An meinem ersten Arbeitstag im Krankenhaus treffe ich auf James, einen Patienten auf der Station. Auf den ersten Blick ist er ein Mann zum Verlieben - wunderschön. Doch seine Vergangenheit hat es in sich.

Status:
vor 2 Jahren
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Willkommen in New York


Mein Name ist Asher Neumann und ich habe vor zwei Tagen mein neues Leben in New York begonnen. Ich bin hierhergezogen, weil ich in meiner alten Heimat Boston keine Zukunft mehr sah. Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben, und mit meiner besten Freundin habe ich mich zerstritten, weil sie etwas mit meinem Freund angefangen hat – dem Mann, den ich eigentlich heiraten wollte. Wir waren sogar schon verlobt, aber anscheinend hatte meine Freundin mehr Anziehungskraft als ich. Ich arbeite als Arzt in der Krebsstation, und mein Beruf ist sehr zeitaufwendig, was bedeutet, dass ich oft viele Überstunden machen muss und meine Karriere für mich oberste Priorität hat. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum mein Verlobter zu viel Zeit hatte, um Gefühle für eine andere zu entwickeln und anscheinend doch das andere Geschlecht interessanter zu finden. Meiner Meinung nach hätte er sich für die fehlende Aufmerksamkeit, die er durch mich erfahren hat, einen anderen Trennungsgrund finden können.


Meine Freundin kenne ich seit meiner Kindheit. Wir sind zusammen in einer ruhigen Straße aufgewachsen, als meine Eltern damals mit mir und meiner Schwester in das Haus gegenüber eingezogen sind. Dort lernte ich sie kennen. Sophie war mehr als nur eine Freundin; sie gehörte praktisch zur Familie. Jeden Abend verbrachte ich entweder bei ihr oder sie bei mir. Wir spielten Scrabble oder Karten. Sophies Eltern verstanden sich mit meinen genauso gut wie ich mich mit Sophie. Apropos meine Schwester – mit der habe ich auch keinen Kontakt mehr. Sie wohnt noch in Boston. Meine Mutter ist gleich nach dem Tod unseres Vaters nach New York gezogen. Das ist wohl auch der Grund, warum es mich hierher verschlagen hat. Familie ist einfach das Wichtigste.



Jetzt sitze ich hier auf dem Boden, auf dem modernen Laminatboden in heller Eiche. Nach meinem Geschmack ist die Farbe viel zu hell. Um mich herum stehen haufenweise Kartons, die ich noch auspacken und in meine noch nicht vorhandenen Schränke verstauen muss. Mit anderen Worten: Ich habe noch sehr viel Arbeit vor mir, und in zwei Tagen beginnt mein Job im neuen Krankenhaus.


Aber zuerst müssen die Kartons weg, sie machen mich wahnsinnig. Es sieht aus wie in einem Lager, in meinem Lager, in dem ich praktisch mein ganzes Leben lagere.


Als ich abends endlich auf meinem neuen Sofa sitze, das erst zur Hälfte aufgebaut ist, weil noch Schrauben fehlen, die leider nicht dabei waren, ruhe ich mich von diesem anstrengenden Tag aus. Meine neue Chefin hat mir vorher noch geschrieben, dass ich morgen trotzdem schon mal vorbeikommen soll, da sie mich den Kollegen vorstellen möchte.

Etwas aufgeregt bin ich schon, dennoch hoffe ich, gut schlafen zu können.


Am nächsten Morgen mache ich mich für die Arbeit fertig. Ich wasche meine Haare, beobachte mich im Spiegel, atme tief durch und spreche zu mir selbst:


„Asher, du schaffst das. Du bist ein selbstbewusster und starker Mann."


Wenigstens kann ich mir das doch einreden, oder? Ich lache über mich selbst, verlasse das Bad und gehe in den Flur, um meine Schuhe und Jacke anzuziehen. Vor der Haustür prasselt das geschäftige Leben von New York auf mich ein. Daran muss ich mich wohl noch gewöhnen. In Boston, in meiner kleinen Siedlung, war es wesentlich ruhiger. Diese prächtigen Hochhäuser und die vielen Menschen – es ist wirklich ungewohnt.


Da ich noch kein Auto habe, laufe ich zur nächsten Haltestelle und warte dort auf den Bus. Neben mir steht eine Frau mit ihrem Kind, und sie diskutieren darüber, dass die Kleine, die etwa sieben Jahre alt ist, anscheinend nicht zur Schule möchte.


„Alisha, du musst in die Schule. Ich möchte, dass du es mal besser hast als ich. Ich würde dir gern viel mehr bieten."


Das Mädchen blickt ihre Mutter traurig an und greift schließlich nach ihrer Schultasche, die ihre Mutter ihr hinhält. Plötzlich werde ich in meine Kindheit zurückversetzt. Auch ich hatte einmal eine solche Diskussion mit meiner Mama. Damals wollte ich nicht in die Schule, weil ich ein typisches Mobbingopfer war. Es war eine harte Zeit für mich. Zwei Jungs aus der dritten Klasse haben mich immer geärgert, weil ich statt Fussball spielen immer lieber für mich alleine war und ein Buch gelesen habe. Ich war in deren ihren Augen, eher der zurückhaltende Junge.


Ich habe trotzdem nie versucht, mich zu ändern. Ich bin eben so, wie ich bin, nur weiß ich nicht, ob ich in der Klinik an die große Glocke hängen sollte, auf welches Geschlecht ich stehe. Es geht eigentlich auch niemanden etwas an.


Der Bus fährt an die Haltestelle heran und direkt in eine Pfütze. Anscheinend ist heute mein Glückstag – nicht! Denn die Anfahrt des Busses spritzt mich von oben bis unten nass. Der Busfahrer öffnet die Tür und blickt mich entschuldigend an.


„Es tut mir leid, junger Mann."


Ich winke nur ab und lächle. Was soll's, schlimmer kann es heute sicher nicht mehr werden. Auf der Suche nach einem Platz im Bus setze ich mich an einen Viererplatz, wo ein Mädchen mit ihrer Mutter sitzt.


Während der Fahrt blicke ich aus dem Fenster. Es fängt plötzlich stärker an zu regnen, und man kann kaum noch etwas erkennen. Ein Blick zum Busfahrer verrät, dass die Scheibenwischer kaum hinterherkommen, um den Regen wegzuwischen.


Plötzlich legt der Bus eine Vollbremsung ein. Durch den Ruck fliege ich nach vorne, direkt auf das Schulkind. Ich versuche, mich abzustützen, und halte mich an der Fensterscheibe fest.


„Entschuldige, ist dir was passiert?", erkundige ich mich sofort. Das Mädchen nickt, doch plötzlich höre ich Hilfeschreie aus der Fahrerkabine.


„Hilfe! Wir brauchen einen Krankenwagen!", ruft eine Stimme. Ich richte mich auf und laufe nach vorne. Auf dem Weg dorthin frage ich die anderen Fahrgäste, ob alles in Ordnung ist.


„Ich bin Arzt, ist bei Ihnen alles okay?", rufe ich durch den Bus, doch anscheinend ist wirklich alles in Ordnung.


Vorne beim Busfahrer angekommen, sehe ich, dass der Bus auf einen PKW aufgefahren ist – wahrscheinlich aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse.


„Ich rufe sofort einen Rettungswagen!", sage ich und greife nach meinem Handy. Anscheinend beginne ich meinen ersten Arbeitstag mit einem Notruf und zeige gleich, was ich draufhabe.

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