His Favorite Investment - BUCH 1

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Zusammenfassung

Sie spürte die Hitze seines Körpers in ihrem Rücken, noch bevor sie seine Hand sah. Seine Finger streiften ihre Haut, nur ganz leicht, während er den Reißverschluss fand und ihn langsam, so langsam, nach oben zog. Es war nicht nur ein Reißverschluss. Es war ein Anspruch. Eine Warnung. „Ich sollte ihm die Nase brechen, weil er dich so angesehen hat“, flüsterte er an ihrem Ohr. „Aber das würde nicht ausreichen.“ Ihr stockte der Atem. Er hatte sie nicht berührt, nicht wirklich. Aber es fühlte sich nach zu viel an. Als hätte er sie gebrandmarkt. „Und du“, fuhr er fort, die Stimme tief, die Lippen die Kurve ihres Halses streifend, ohne sie zu berühren, „läufst hier an diesem Ort in nichts als diesem Badeanzug herum... du wusstest genau, was du tust.“ Sie schluckte schwer. „Vielleicht wusste ich es.“ Seine Hände verweilten an ihrer Taille und hielten sie fest. Besitzergreifend. Unbestreitbar. „Du magst es, mich eifersüchtig zu machen“, sagte er mit rauer Stimme. „Aber denk dran, Chloe... Eifersucht macht mich gefährlich.“ ***Inhaltliche Warnung*** Diese Geschichte enthält reife Themen, einschließlich sexueller Inhalte, emotionaler Manipulation, moralisch komplexer Beziehungen, Fremdgehen und Erwachsenensprache. Diskretion der Leser wird empfohlen. EMPFOHLEN AB 18 JAHREN Urheberrechtshinweis © MaryRose 2025 Dies ist ein fiktionales Werk. Alle Charaktere, Ereignisse und Schauplätze sind Produkte der Fantasie der Autorin. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder tot, oder realen Ereignissen ist rein zufällig. Kein Teil dieser Geschichte darf ohne die unterzeichnete Genehmigung der Autorin in irgendeiner Form kopiert, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
31
Rating
4.9 17 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Das Haus hatte sich nicht verändert.

Noch immer knackte der steinerne Kamin in der Ecke. Da waren die gleichen kratzigen Decken, die seine Mutter einfach nicht wegwerfen wollte. In der Küche herrschte das gewohnte Chaos: dampfende Töpfe, lautstarke Anweisungen und jemand, der wie eh und je einen Löffel Kartoffelbrei stibitzte. Es roch nach Zimt, geröstetem Knoblauch und Geborgenheit: nach Zuhause.

Und doch... Liam Ashford fühlte sich wie ein Fremder.

Er saß am Ende des langen Holztisches und hielt einen Drink in der Hand, in dem das Eis fast schon geschmolzen war. Sein Unterarm ruhte locker und lässig auf der Stuhllehne neben ihm. Doch seine Schultern waren angespannt, was niemand im Raum bemerkte.

Darin war er gut. Er wirkte immer völlig unberührt.

Ein Cousin, an den er sich kaum erinnerte, fragte ihn nach seinem Geschäft. Es war eine höfliche, neugierige Frage. Liam antwortete mit seiner gewohnt sanften, tiefen Stimme. Er blieb vage und wich aus. Er war charmant, aber unverbindlich.

Er war nicht hierhergekommen, um über die Arbeit zu reden.

Eigentlich wollte er gar nicht reden.

Er war gekommen, weil seine Mutter ihn angefleht hatte. Und weil ein Teil von ihm den kranken Wunsch verspürte, sie zu sehen: Chloe. Nur ein einziges Mal.

Es klingelte an der Tür.

Er sah nicht auf.

Tante Linda eilte bereits zum Eingang und rief: „Das müssen Chloe und Nate sein!“

Sein Griff um das Glas wurde fester, fast unmerklich.

Von seinem Platz aus konnte er die Tür nicht sehen. Er nahm nur die vagen Bewegungen im Flur hinter der Küche wahr.

Dann hörte er es, so klar wie Sonnenlicht, das durch buntes Glas fällt.

Ihr Lachen.

Liam hielt den Atem an.

Es war ein sanftes, perlendes Geräusch. Es klang so vertraut, dass es ihn wie ein Faustschlag in die Magengrube traf. Warm und ungezwungen. Es war dasselbe Lachen, das früher bei Ausflügen zum Strand, beim Feuerwerk im Garten und in viel zu vielen Erinnerungen widergehallt hatte. Erinnerungen, die er jahrelang zu begraben versucht hatte.

Sein Hals wurde trocken.

Er rührte sich nicht und blinzelte nicht einmal. Er starrte starr auf eine Astgabel im Holz des Tisches, als könnte sie ihm Halt geben.

Dann hörte er ihre Stimme. Sie klang außer Atem und neckend.

„Vorsicht, die Form ist heiß. Lass sie nicht fallen, Nate.“

Schritte näherten sich, Absätze klackerten. Man hörte das Streifen einer Schulter am Türrahmen. Und dann kam sie herein.

Für einen Moment schien der Raum zu schwanken.

Sie sah noch genauso aus wie früher, und doch anders. Ihr Haar war länger und umrahmte ihr Gesicht in weichen Wellen. Ihr Kleid war schlicht, schmiegte sich aber an sie, als wäre es nur für sie gemacht. Sie trug eine gläserne Auflaufform, die noch mit Alufolie abgedeckt war.

Sie brachte den Raum zum Strahlen, so wie sie es schon immer getan hatte.

Ein Cousin pfiff durch die Zähne. „Verdammt, Nate. Da hast du aber eine Frau erwischt, die eigentlich eine Nummer zu groß für dich ist.“

Liam lachte nicht.

Seine Kiefermuskeln spannten sich an, aber niemand bemerkte es. Er wirkte wie die Ruhe selbst: markantes Gesicht, Whiskey in der Hand, der Ausdruck undurchdringlich. Aber in seinem Inneren?

Dort herrschte pures Chaos.

Seine Augen folgten ihr. Er beobachtete jede Kurve, jede Bewegung. Er sah, wie sich ihre Mundwinkel beim Lächeln hoben und wie ihre Hüften schwangen, als sie zur Küchentheke ging. Sie bewegte sich, als würde sie hierher gehören. Als würde dieser Ort noch immer ihr Herz besitzen.

Sie begrüßte jeden, verteilte Küsse auf die Wangen und umarmte alte Freunde. Ihr Lachen hallte überall wider. Ihre Fröhlichkeit war nicht aufgesetzt. Sie war echt.

Und das gab ihm den Rest.

Dann entdeckte sie ihn.

Ihr Lächeln wurde weicher.

„Liam!!“

Sie sprach seinen Namen wie eine kostbare Erinnerung aus.

Sie hatten seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen, doch Chloe wusste noch alles. Die Sommer, die ihre Familien gemeinsam verbracht hatten, die Feiertage, die Geburtstage – er war ein Teil ihrer gesamten Kindheit gewesen. Ihre Familien standen sich nah, fast zu nah. Ihre Mütter waren schon vor ihrer Geburt beste Freundinnen gewesen. Früher hatte sie Liam Ashford als Freund betrachtet, manchmal sogar wie einen Cousin. Doch das hatte sich geändert. Er war ohne Vorwarnung verschwunden, ohne ein Wort des Abschieds.

Sie ging auf ihn zu, die Arme bereits weit ausgebreitet. Ihre Schritte waren ruhig, aber zielstrebig.

Er erhob sich langsam. Er überragte sie deutlich, und jeder Atemzug von ihm war kontrolliert.

Sie umarmte ihn herzlich und voller Zuneigung. Es war eine unschuldige Geste. Sie hatte keine Ahnung, was sie damit in ihm auslöste.

Ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken, ihr Körper drückte sich leicht gegen seinen. Als seine Hand ihren unteren Rücken berührte, war ihre Haut unter dem Kleid nackt und warm.

Das brachte ihn fast um den Verstand.

Er hielt sie einen Moment zu lange fest.

Nicht so lange, dass es Verdacht erregt hätte. Aber lange genug, um den Moment zu spüren und ihn in sein Gedächtnis einzubrennen.

„Du bist nach Hause gekommen“, flüsterte sie ganz nah an seinem Ohr.

Er wich ein Stück zurück und sah ihr in die Augen. Dabei umspielte dieses typische, undurchschaubare Lächeln seine Mundwinkel.

„Wegen deines Kuchens?“, fragte er mit rauer, dunkler Stimme. „Wie könnte ich da widerstehen?“

Sie lachte erneut und löste sich von ihm, um zu ihrer Schwester und ihren Cousins zu gehen.

Er ließ sie ziehen.

Doch jede Faser seines Körpers zehrte noch von dieser Umarmung. In diesem Moment wusste Liam Ashford genau, was er wollte.

Und er bekam immer, was er wollte.

Er war nicht mehr der Junge, der diese Stadt mit gebrochenem Herzen verlassen und geschworen hatte, nie wieder zurückzublicken.

Er war nicht mehr der Junge, der zu viel Angst hatte, ihr seine Gefühle zu gestehen. Er war nicht mehr zu höflich, um zu konkurrieren, oder zu weich, um für seine Wünsche zu kämpfen.

Nein. Dieser Junge existierte nicht mehr.

Jetzt war er ein Mann.

Ein Mann, der Imperien aus dem Nichts erschaffen hatte, angetrieben von purem Zorn, nur um sie zu vergessen. Ein Mann, der gelernt hatte, Menschen wie einen Code zu lesen. Er konnte Ergebnisse mit einem einzigen Wort beeinflussen und gestandene Männer um seine Gunst betteln lassen.

Ein Mann, der immer bekam, was er wollte.

Und als er an diesem Abend beobachtete, wie Chloe lachte, strahlte und sich an einen Ehemann lehnte, der sie nicht verdient hatte, traf Liam eine Entscheidung mit erschreckender Gewissheit.

Dieses Mal... würde er nicht mit leeren Händen gehen.

Um ihn herum pulsierte die Party. Man hörte vertraute Stimmen, alte Lieder aus einem Bluetooth-Lautsprecher und das sanfte Klappern von Geschirr.

Er saß nun wieder auf dem alten Sofa wie ein König am Rande seines Reiches. Ein Knöchel ruhte auf seinem Knie, die Hand umschloss das Glas Scotch, das er noch nicht ausgetrunken hatte. Das Licht des Kronleuchters brach sich in der bernsteinfarbenen Flüssigkeit und warf goldene Reflexe auf seine Knöchel.

Doch er sah nicht auf das Glas.

Er beobachtete sie.

Chloe hatte ihre hohen Schuhe schon vor Stunden ausgezogen. Jetzt glitten ihre nackten Füße mühelos über das Parkett, während sie mit ihren Cousins in der Mitte des Wohnzimmers tanzte. Sie lachte mit in den Nacken gelegtem Kopf, ihr Haar schwang mit, und sie wirbelte mit einem Glas Wein in der Hand im Kreis. Ihre Freude wirkte so natürlich. Sie war magnetisch. Voller Leben.

Und Gott helfe ihm, er konnte den Blick nicht abwenden.

Sie wusste nicht einmal, was sie bei anderen Menschen auslöste. Sie wusste nicht, was sie mit ihm machte.

Liams Blick war scharf und fest. Für jeden anderen wirkte er vielleicht milde amüsiert oder sogar ein wenig gelangweilt, als wäre er nur halb anwesend. Aber in seinem Inneren standen die Gedanken unter Strom: heiß, funkenprühend und gefährlich.

Sie sah genauso aus wie das Mädchen, das er einst geliebt hatte. Aber jetzt bewegte sie sich wie eine Frau. Eine Frau, die keine Ahnung hatte, dass jede Kurve, jede Bewegung und jedes Lachen ihm unter die Haut ging.

Sie drehte sich erneut, wobei ihr Kleid ein Stück nach oben rutschte und einen Teil ihres Oberschenkels freigab. Einer ihrer Cousins rempelte sie an, woraufhin sie mit einem Quietschen zur Seite kippte. Sie fing sich an der Lehne eines Sessels ab, lachte außer Atem und sah auf. Dabei trafen ihre Augen die seinen.

Nur für eine Sekunde.

Ihr Lächeln wurde breiter, als sie ihn erkannte. Er hob ganz leicht sein Glas, während seine Mundwinkel nur minimal zuckten.

Sie wandte sich ab und stürzte sich wieder lachend ins Getümmel.

Doch dieser eine Blick blieb an ihm haften.

Er nippte an seinem Scotch, langsam und kontrolliert. Wie alles, was er tat. Das Feuer in seiner Brust kam nicht vom Alkohol.

Es war sie.

Sie war noch immer das strahlende Mädchen von früher.

Aber er war nicht mehr der Junge, der in ihrem Schatten stand.

Jetzt war er der Sturm, der darauf wartete, alles von ihr zu verschlingen.

Das Polster neben ihm gab nach, und Liam musste nicht hinsehen, um zu wissen, wer sich dort niedergelassen hatte.

Der Geruch von billigem Aftershave und einer Whiskeyfahne bestätigte es.

Nate.

„Mensch, sitzt du hier die ganze Nacht rum und spielst den finsteren Bond-Bösewicht?“, scherzte Nate und klopfte ihm auf den Rücken, als wären sie seit Ewigkeiten beste Freunde.

Liam drehte sich langsam um. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem glatten, einstudierten Lächeln. Kalt und höflich.

„Nate.“ Er hob sein Glas zu einem lässigen Gruß. „Genießt du die Show?“

Am anderen Ende des Raumes lachte Chloe. Der Saum ihres Kleides striff ihre Oberschenkel, während sie sich erneut drehte. Das Licht ließ ihre Haut weich und golden schimmern, als würde sie von innen heraus leuchten.

Nate lachte und verstand die Anspielung nicht. „Sie ist schon was Besonderes, oder? Das Mädel könnte sogar eine Beerdigung aufmischen.“

Liams Kiefer mahlte.

„Ich erinnere mich“, sagte er mit leiser Stimme.

Nate merkte nichts. Er beugte sich vor, voller Arroganz. „Hör mal. Ich hab da was für dich. Eine echte Geschäftsmöglichkeit. Die Sorte, die dich noch reicher macht, als du eh schon bist.“

Liam blinzelte nicht einmal. „Ich bin nicht interessiert.“

„Du hast es dir doch noch gar nicht angehört.“

„Ich bin nicht zum Arbeiten nach Hause gekommen. Nur zum Entspannen. Um für ein paar Stunden ein guter Sohn zu sein“, antwortete er, kühl und unerschütterlich.

Nate winkte ab. „Komm schon, Mann. Nur ein Meeting. Morgen. Bei uns. Ich erklär dir alles. Du wirst sehen, ich sag’s dir, das ist genial.“

Liam nippte an seinem Scotch. Langsam. Bedächtig.

Dann wanderte sein Blick quer durch den Raum zu Chloe. Sie umarmte gerade ihren Cousin, das Weinglas erhoben, und dieses lebhafte Lachen brach wieder aus ihr heraus. Sie wirkte so unbeschwert und strahlend, völlig ahnungslos, dass der Sturm nur Zentimeter entfernt war.

Er wollte ihre Haut wieder spüren. Sie riechen. Seine Hand diesmal tiefer wandern lassen als nur über ihren nackten Rücken und hören, was für ein Geräusch sie dann von sich gab.

Seine Augen kehrten zu Nate zurück. Sein Tonfall war so glatt wie Seide und doppelt so gefährlich. „Na gut, ich komme“, sagte er schlicht.

Nate grinste, als hätte er schon gewonnen. „Wusste ich doch, dass du ja sagst.“

Liam hob erneut sein Glas und leerte den Scotch mit einem einzigen Schluck.

Die Party verblasste zur Erinnerung, aber Nates Einladung blieb im Kopf. Eine Geschäftsidee, die zwischen zwei Drinks in den Raum geworfen wurde, halb im Ernst, bis Liam am nächsten Tag tatsächlich auftauchte.


***

Die Tür schwang auf, noch bevor das zweite Klingeln verstummt war.

Nate stand dort in Jeans und einem zerknitterten T-Shirt, einen Kaffeebecher in der Hand.

„Liam“, sagte er mit einem breiten Grinsen. „Pünktlich wie die Maurer. Komm rein.“

Liam trat ein und füllte den Raum sofort mit seiner Präsenz aus. Er wirkte wie die Fleisch gewordene Macht: eine akkurate dunkle Hose, ein passendes anthrazitfarbenes Hemd, das gerade weit genug aufgeknöpft war, um die harten Konturen darunter erahnen zu lassen. Sein teures Aftershave hing wie eine süße Sünde in der Luft.

Er bewegte sich langsam und zielstrebig, während seine Augen den Eingangsbereich musterten. Nicht nur neugierig, sondern aufmerksam.

Es war ihr Haus. Man sah ihre Handschrift in den gerahmten Fotos, den frisch geschnittenen Blumen auf der Kommode und dem zarten Duft von Zitrusfrüchten und etwas Sanfterem ... etwas, das unverkennbar nach Chloe roch.

Es lag wie ein feiner Schleier in der Luft.

Er wollte diesen Duft tief einatmen.

Nate ging voraus und rief über die Schulter: „Schatz! Liam ist da!“

Schnelle, leichte Schritte hallten die Treppe hinunter.

Dann tauchte sie auf.

Barfuß, in einem zarten Blumenkleid mit Spaghettiträgern, das an den richtigen Stellen eng anlag. Ihr honigfarbenes Haar fiel in weichen Wellen über ihren Rücken und leuchtete im Morgenlicht.

Liam sah auf, und die Zeit schien stehen zu bleiben.

Alles andere – die billigen Möbel, die altmodische Farbe an den Wänden, Nates Stimme – die ganze Welt verschwamm um ihn herum.

Er sah nur noch sie.

Und sie rannte direkt auf ihn zu.

„Liam!“, strahlte sie.

Ohne Zögern, ohne Innezuhalten. Sie schlang die Arme um seinen Hals, wie sie es schon immer getan hatte – warm, vertrauensvoll und vertraut.

Die Art, wie sie sich an ihn drückte, wie ihre weichen Kurven perfekt zu seinem harten Körper passten, raubte ihm den Verstand.

Er legte seine Arme langsam und bestimmt um sie, während seine Hand den unteren Teil ihres Rückens fand. Warm. Weich.

Er schloss für einen Herzschlag die Augen. Nur für einen Moment, um sie zu spüren.

Ihr Duft nach Zitrus, Blumen und Süße hüllte ihn ein. Er entfachte ein Feuer in ihm, das er jahrelang unterdrückt hatte.

Sie wich ein Stück zurück, ihre haselnussbraunen Augen leuchteten. „Es ist so schön, dich wiederzusehen.“

Wenn sie nur wüsste.

Wenn sie nur wüsste, was sie gerade mit dieser Berührung in ihm ausgelöst hatte.

Er lächelte, kühl und undurchschaubar.

„Schön, dich auch zu sehen, Chloe.“

Doch in seinen Gedanken hatte er sie bereits ausgezogen.

Chloes Berührung wirkte noch lange nach, nachdem sie zurückgetreten war.

Liam folgte ihnen ins Wohnzimmer. Seine Schritte waren geschmeidig und berechnend, um den Sturm in seiner Brust zu verbergen.

Das Zimmer war bescheiden, genau wie der Rest des Hauses. Es wirkte bewohnt. Zu klein, zu simpel für Chloe – zu eng für das Licht, das sie ausstrahlte. Aber ihre Handschrift war überall. Eine Strickdecke auf dem Sofa. Eine halb abgebrannte Kerze auf dem Couchtisch, die nach Zitrone und Rose roch. Ihr Duft war überall präsent.

Liam ließ sich in den Sessel gegenüber von Nate sinken, wobei seine Rolex im Licht glänzte. Er saß da wie ein Mann, der es gewohnt war, über weitaus mächtigere Räume zu gebieten als diesen hier.

Nate hingegen wirkte zappelig. Er öffnete eine Mappe und breitete Papiere aus, auf denen Zahlen in einer unordentlichen Handschrift gekritzelt waren, teils zerknittert und verschmiert.

„Wir haben da was Großes“, sagte er und tippte auf die erste Seite, als wäre sie pures Gold. „Es ist ein Erschließungsplan. Immobilien. In der Innenstadt. Ich brauche nur eine Finanzspritze, um den Einstieg abzuschließen. Mit deinem Namen und meiner Vorarbeit teilen wir den Gewinn halbe-halbe. Eine sichere Sache.“

Liam sah sich die Papiere an.

Dann sah er Nate wieder an.

Ruhig. Kalt.

„Deine Zahlen“, sagte er langsam. „Die gehen nicht auf.“

Nates Lächeln wurde starr. „Das ist nur ein grober Entwurf.“

Chloes Schritte hallten aus der Küche herüber. Der Duft von frischem Kaffee folgte ihr. Sie summte leise vor sich hin, süß und leicht, völlig ahnungslos, worüber nur wenige Meter entfernt gesprochen wurde.

Liam legte den Kopf schief, seine Stimme wurde leiser.

„Wie tief steckst du drin, Nate?“

Nate rutschte auf seinem Sitz hin und her. „Das ist nicht wichtig. Was zählt, ist die Gewinnchance. Ich meine ... komm schon. Du und ich? Wir könnten das Ding rocken.“

Liam lehnte sich zurück und ließ die Stille zwischen ihnen wirken. Er ließ Nate darin schmoren.

Dann lächelte Liam wie ein Profi, der mit einem Anfänger Schach spielt. Er hatte gerade eine bessere Idee. „Ich habe kein Interesse an dem Deal.“

In Nates Augen flackerte Panik auf. „Warte, hör mir doch erst mal zu. Ich kann die Zahlen korrigieren. Die Sache steht auf soliden Beinen ...“

„Du säufst gerade ab“, sagte Liam ruhig. „Ich kann es riechen.“

Nate ballte die Hände zu Fäusten. „Ich brauche nur eine Chance. Du verstehst das nicht ...“

„Ich verstehe das sogar sehr gut“, fiel Liam ihm ins Wort, wobei seine Stimme plötzlich scharf wurde.

Chloe tauchte wieder auf, ein Tablett mit Kaffee und Keksen in den Händen. Sie stellte es auf den Tisch, ohne zu merken, dass die Welt ihres Mannes gerade zusammenbrach – und dass Liam derjenige war, der den entscheidenden Faden zog.

„Ich hoffe, ihr seid nett zueinander“, scherzte sie und bot Liam einen Keks an.

Er nahm ihn mit einem leichten Lächeln an, wobei seine Finger die ihren einen Wimpernschlag zu lange berührten.

Chloe ließ sich neben Nate auf das Sofa sinken und schlug die Beine unter, wie sie es schon als Kind getan hatte. „Ich will mir dieses tolle Angebot auch mal anhören“, sagte sie fröhlich und stützte ihr Kinn in die Handfläche.

Liams Kiefer zuckte. Natürlich hatte Nate ihr nicht die Wahrheit gesagt.

Nate räusperte sich und ordnete die Seiten vor sich. „Also gut. Wie ich Liam gerade erklärt habe, steht da ein Immobiliengeschäft an. Beste Lage in der Innenstadt, hohe Rendite. Wir müssen beim Einstieg nur schnell sein. Mit seinem Kapital und meiner Vorarbeit – boom. Erledigt.“

Liam würdigte die Papiere keines Blickes. Sein Fokus lag auf Chloe.

Sie hörte aufmerksam zu, ihr Lächeln war süß wie Honig.

Seine Stimme schnitt wie ein Messer durch den Raum. „Wie weit bist du in den roten Zahlen, Nate?“

Nate erstarrte. „Was?“

Liams Tonfall blieb unverändert. „Die echten Zahlen. Auf wie viel Schulden sitzt du?“

Nate lachte gezwungen. „Mann, komm schon, mach’s jetzt nicht so unangenehm ...“

„Du gehst unter“, sagte Liam, die Augen immer noch auf Chloe gerichtet. „Und du hast sie mit reingezogen.“

Chloes Lächeln erlosch. Sie sah hilflos zwischen den beiden hin und her. „Wovon redet er?“

Liam wandte seinen Blick wieder Nate zu. Kalt. Scharf.

„Wie viel schuldest du?“

Nates Kiefer spannte sich an.

Chloe berührte seinen Arm. „Nate?“

„Fast zwei Millionen“, murmelte Nate.

Chloe blieb fast die Luft weg. „Was?“

„Ich wollte das alles wieder hinkriegen!“, fuhr Nate sie an. „Dieser Deal hätte alles ...“

Liam unterbrach ihn mit leiser Stimme. „Wo ist ihr Erbe?“

Chloe blinzelte. „Wie bitte?“

„Der Nachlass deiner Großmutter“, sagte Liam und starrte sie direkt an. „Sie hat dir über eine halbe Million hinterlassen. Wo ist das Geld?“

Chloes Blick sank auf den Tisch. Ihr Schweigen sagte alles.

Liam lehnte sich in seinem Sessel zurück. Sein Gesichtsausdruck blieb starr, aber unter der Oberfläche brodelte es. Ein stiller Zorn.

Er sah Nate an, als wäre er der letzte Dreck unter seinen Schuhen. „Du hast jeden Cent ihres Geldes verprasst. Und jetzt sorgst du dafür, dass sie auf der Straße landet.“

Nate saß steif da, während in seinem Gesicht Schuldgefühle und Stolz miteinander kämpften. „So war das nicht ...“

„Doch, genau so war es“, sagte Liam trocken.

Chloes Hände zitterten leicht in ihrem Schoß. Sie war totenbleich im Gesicht.

Liam stand auf. Langsam. Geschmeidig.

„Ich habe kein Interesse an deinem Angebot.“

Nate sah verzweifelt zu ihm auf. „Liam, bitte, gib mir einfach eine Chance.“

Liam schwieg eine Weile, dachte nach und musterte erst sie, dann Nate. „Ich mache dir ein anderes Angebot.“

Es wurde totenstill im Raum.

Liams Blick wich nicht von Nate.

„Ich bezahle jeden Cent, den du schuldest. Alles. Aber ich will eine Gegenleistung.“

Nate runzelte die Stirn. „Was?“

„Einen Monat“, sagte Liam. „Mit ihr.“