Kapitel 1
Vom Schicksal bestimmt
Buch 1: Flamme und Fangzahn
Jede Schicht begann auf die gleiche Weise.
Draußen färbte sich der Himmel von Purpurrot zu Indigo. Zwischen den rauschenden Zedern raschelten die Nachtkreaturen, die gerade ihre Jagd begannen. Mara schüttete sich eine Portion Salz in die Handfläche. Dann ging sie langsam um die Klinik herum und ließ die kostbaren Körner durch ihre Finger gleiten, während sie einen Schutzzauber murmelte. Sie achtete darauf, ihren Kreis außerhalb des Lichtscheins der Innenbeleuchtung zu ziehen. Sie begann vorne, überquerte den kleinen Parkplatz, vorbei an der ratternden Klimaanlage und den Mülltonnen. Weiter ging es um Vics Bloodmobile und ihren eigenen rostigen Truck herum, vorbei an ihrem winzigen Kräutergarten und zurück nach vorne. Jedes Mal waren es genau zweihundertsiebenundfünfzig Schritte. Jedes Mal wiederholte sie die Worte zweihundertsiebenundfünfzig Mal, um sich und Vic zu schützen. Als sie den Kreis schloss und sich die Hände an ihrem Kasack abwischte, wusste sie eines: Irgendwann würde das alles nicht mehr ausreichen.
Ein Dreiviertelmond warf einen schwachen Schatten vor ihr her, als sie zu den Doppeltüren der Klinik ging. Bevor sie hineinging, blickte sie zurück in das kühle, blaue Licht. In wenigen Tagen würde ihre andere Seite die Oberhand gewinnen. Sie würde dem Ruf folgen, unter Lunas voller Kraft zu rennen. Mara seufzte leise. Es würde ein langer Tag werden. Erst die Arbeit in der Klinik unter der brennenden Sonne, und dann, an dem einen Tag im Monat, an dem ihre andere Seite übernahm, würde sie sich verwandeln und heulen – so weit wie möglich weg von allen anderen ihrer Art.
Diese achtundzwanzig Jahre waren eine ziemliche Achterbahnfahrt gewesen. Sie war nie ganz das eine oder das andere, von beiden Seiten abgelehnt und von beiden gefürchtet. Also hatte sie ihren eigenen Weg eingeschlagen, egal wie einsam er war. Es war ihr Weg.
Vic saß auf einem der drei Stühle im Wartezimmer und nuckelte an einem Strohhalm. Sie blickte kurz auf. Das Neonlicht verlieh ihrer blassen Haut einen grünlichen Schimmer. „Alles bereit?“
„Jup.“
„Gibt’s Neuigkeiten?“
Mara zuckte mit den Schultern. Sie wusste, dass Vic nur fragte, weil sie sich sorgte. „Mr. Marsden war letzte Woche zum Fädenziehen hier. Er sagte, man hätte ein Scouting Pack außerhalb von Carson gesichtet.“
Vics Augenbrauen mit den vielen Piercings wanderten nach oben. „Deine Leute?“
„Hoffentlich nicht.“
Vic sog kräftig an ihrem Strohhalm. Als sie merkte, dass Mara sie beobachtete, leckte sie sich hastig das Rot von den Lippen. Sie grinste. „B negativ, mein Favorit.“
Mara verdrehte die Augen. „Das ist hoffentlich nicht aus unserer Lieferung.“
„Nee, das war abgelaufen.“ Sie legte den Kopf schief. „Deine Portion steht schon im Kühlschrank.“
„Danke.“ Mara ging hinter den Empfangstresen, der auch ihr Büro war, und überflog die Patientenberichte der Tagschicht.
„Viel los heute?“, fragte Vic.
„Ein kleiner Baseballspieler mit einem gebrochenen Arm, zwei Frauen zur Vorsorge, ein Kontroll-EKG und ein paar Schulimpfungen. Ziemlich normal alles. Gott sei Dank ist Dienstag.“
Vic lächelte und entblößte dabei ihre Eckzähne. „Keine Schlägereien in der Bar.“
„Machst du dich bald auf den Weg?“
Vics Lächeln erlosch. „Tut mir leid.“
Mara rieb sich die Augen. „Nein, mir tut es leid. Ich hatte wieder einen dieser Anrufe. Jetzt brauche ich schon wieder ein neues Handy.“
Vic stellte ihren Becher ab. „Wie finden die dich bloß immer wieder?“
Mara schüttelte den Kopf. „Seit dem letzten Mal ist ein Jahr vergangen. Ich hatte gehofft, wir könnten länger hierbleiben. Kannst du dich mal umsehen, wenn du zurückkommst?“
„Klar.“ Vic stand auf. Sie war ein winziges, dünnes Kraftpaket voller schwarzer Kleidung und Stahl-Piercings. „Du weißt, ich stehe hinter dir.“
„Ich weiß“, sagte Mara. Sie spürte das Gewicht des Vertrauens, das Vic in sie setzte. „Ich habe nur solche Angst davor, uns schon wieder entwurzeln zu müssen.“
„Du sagst es doch selbst ständig, Mara. Wir tun, was wir tun müssen, um zu überleben. Keinen anderen juckt es doch.“
„Klinge ich wirklich so?“
Vic grinste nur.
„Ach, hau schon ab“, sagte Mara mit einem Stöhnen.
„Bist du heute Nacht allein?“
„Brielle hat sich für ein heißes Date freigenommen. Wir werden morgen sicher alles darüber brühenwarm serviert bekommen. Und ja, Frau Oberglucke“, fügte sie mit einem Lächeln hinzu. „Ich komme schon klar.“
Vic winkte zum Abschied und schlenderte hinten raus. Das Grollen ihres Bloodmobiles verblasste, als sie die sechzig Meilen zurück zum Krankenhaus in Carson und zu ihren anderen nächtlichen Touren durch die ländlichen Kliniken antrat.
Falls der leitende Notarzt in Carson Verdacht wegen Vic oder Mara schöpfte, behielt er es für sich. Aber Mara vermutete bei seinem trockenen Humor, dass er es ziemlich lustig fände. Die Ironie, dass seine Fahrerin für den Bluttransporter möglicherweise ein Vampir war, würde ihm gefallen. Dr. Kerper war ein guter Mann, einer der wenigen Menschen, die keine Angst vor dem Seltsamen hatten.
Mara atmete tief durch und wollte gerade mit dem Papierkram beginnen. Da hörte sie das dumpfe Dröhnen eines Pickups, der mit quietschenden Reifen über den langen Schotterweg zur Klinik raste. Er kam schnell näher. Das war es dann wohl mit der ruhigen Nacht.
Sie überflog die Behandlungsnische und vergewisserte sich, dass alles für einen Notfall bereitstand. Sie schnappte sich ihr uraltes Klapphandy, steckte es in die Hosentasche und eilte zu den Doppeltüren. Sie drückte die Riegel fest, damit sie offen blieben.
Die Scheinwerfer tanzten wild zwischen den Bäumen, während der Truck über den Schotter schlitterte. Sturzfluten nach den Bränden im letzten Jahr hatten die Straße völlig zerfurcht. Mara war erschrocken über das Tempo. Sie trat zurück in den Türrahmen, als der Truck auf den kleinen Platz einbog. Mit aufspritzendem Kies kam er direkt vor dem Salzkreis zum Stehen. Betrunkenes Gelächter und der ekelhafte Gestank nach schalem Bier und Erbrochenem wehten aus dem Wagen. Die Tür flog auf, und ein Körper wurde hinausgestoßen. Erneut Gelächter. Dann gab der Fahrer Gas, wirbelte noch mehr Dreck auf und raste den Weg zurück, den er gekommen war.
Mara eilte zu der stöhnenden Gestalt am Boden. Es war ein Mann. Groß, muskulös, wahrscheinlich über hundert Kilo schwer. Sein Alter konnte sie erst drinnen schätzen – und das würde allein ein verdammter Kraftakt werden. Im Lichtschein von drinnen sah sie, wie sich bereits eine Blutlache unter ihm bildete.
Sie fluchte und rief die Kraft ihres Wolfes herbei. Sie packte den Mann unter den Schultern, hob ihn an und schleifte ihn hinein. Sie brachte ihn in die Behandlungsnische, fuhr die Trage ganz nach unten und hievte seinen Oberkörper darauf. Dann wuchtete sie seine Beine nach.
Sein Gesicht war voller Prellungen, die Lippe geplatzt und ein Auge zugeschwollen. Er stöhnte und atmete schwer, während er eine Hand gegen seine rechte Bauchseite presste. Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor.
Zuerst musste sie die Blutung stoppen. Sie streifte sich Handschuhe über, schnappte sich ein Set zur Blutstillung und riss die Packung mit den Zähnen auf. Er wehrte sich, als sie seine Hand anhob. Sie legte das gerinnungsfördernde Mittel und eine dicke Schicht Gaze auf die offene Wunde.
„Hey“, sagte sie und legte seine Hand wieder zurück. Mit der anderen Hand nahm sie ihre Taschenlampe und leuchtete ihm kurz in die Augen. „Du bist jetzt sicher. Kannst du die Augen öffnen? Kannst du mir deinen Namen sagen?“
Seine Lider zuckten und enthüllten bernsteinfarbene Augen, die vor Macht glühten.
Sie hätte fast die Taschenlampe fallen gelassen. Ein Alpha.
Seine Lippen bewegten sich. „Wo bin ich?“
„Du bist in der einzigen Klinik im Umkreis von sechzig Meilen.“ Sie musste vage bleiben, falls er sich später erinnerte.
Er versuchte sich aufzusetzen, verzog das Gesicht und stöhnte. Er hielt sich die Seite und fiel keuchend zurück. „Wer bist du?“
„Ich bin hier die medizinische Assistentin. Und heute Nacht bin ich allein. Also musst du mitmachen, damit ich dir helfen kann.“
„Wie bin ich hierhergekommen?“
Sie legte ihm eine Sauerstoffmaske an, desinfizierte seinen Arm, suchte eine Vene und legte einen Tropf. „Ich gebe dir ein Schmerzmittel, dir könnte gleich etwas schwindelig werden.“
Sie legte ihm eine Blutdruckmanschette am anderen Arm an, schnitt sein blutverschmiertes Hemd auf und schloss den Herzmonitor an. „Dein Puls und Blutdruck sehen gut aus. Sagst du mir deinen Namen?“
Seine Augen waren jetzt weit offen. Er beobachtete sie misstrauisch, während sie den Rest seines Hemdes wegschnitt. „Royce. Royce Hawkins“, sagte er mit einer klangvollen, tiefen Stimme.
„Nun, Royce“, erwiderte sie. „Du kannst mich Brielle nennen.“
Als sie anfing, seine Hose aufzuknöpfen, packte er ihr Handgelenk. „Nein“, sagte er.
Diskussionen mit verletzten Patienten brachten nie etwas. „Royce“, sagte sie und legte einen sanften, hexenhaften Unterton in ihre Stimme. „Du wurdest hier gerade von einem Truck voller besoffener Holzfäller abgeladen. Ich muss sehen, welche Verletzungen du sonst noch hast, und das heißt, die Hose muss weg.“
Das Schmerzmittel fing an zu wirken. Er blinzelte und schüttelte den Kopf. „Nein.“ Er fletschte die Zähne.
„Doch“, sagte sie sanft und bewegte ihn, um ihm die Hose von den Beinen zu ziehen. Er hatte verdammt muskulöse Beine und einen Hintern wie aus dem Bilderbuch. „Es gibt hier nichts, was ich nicht schon mal gesehen hätte.“
„Scheiße. Fuck!“, fluchte er, während sie ihn auszog und dann eine Decke über seine Beine breitete. Er kämpfte gegen das Schmerzmittel an, keuchte und versuchte erneut, sich aufzusetzen. „Ich muss hier raus.“
„Nix da, du bleibst schön hier. Und jetzt lass mich mal nach der Wunde sehen.“
Vorsichtig schob sie seine Hand beiseite und hob die Gazepackung an. Er zischte auf, als sie die Wunde mit Desinfektionsmittel abtupfte und dann um das nun langsam sickernde Loch herumtastete. „Wer hat auf dich geschossen?“
„Keine Ahnung. Ich habe an einer Bar angehalten, um zu telefonieren. Der Empfang ist hier draußen so verdammt mies.“
„Stimmt. Hier benutzt fast niemand ein Handy.“ Sie tastete tiefer, und er zischte erneut. „Weißt du was? Die Kugel sitzt gar nicht so tief.“ Sie erwiderte seinen wütenden, verschleierten Blick. „Ich versuche, sie rauszuholen.“
Er sank zurück und legte einen Arm über seine Augen. „Mach schon.“
Sie führte eine schmale Pinzette in die Öffnung ein. Ihre andere Hand legte sie auf seine Brust, sowohl um seinen Wolf zu beruhigen als auch um ihn festzuhalten, falls er zappelte. Er hatte Glück gehabt. Wer auch immer geschossen hatte, war wahrscheinlich blau und konnte nicht zielen. Die Eintrittswunde lag in der Bauchdecke, weit weg von wichtigen Organen. Er keuchte, während sie arbeitete, hielt aber still. Er packte ihr Handgelenk auf seiner Brust und drückte zu.
Fast sofort spürte sie die Kugel, die fest in einem Muskelstrang steckte. Mara arbeitete konzentriert weiter. Sie schob die Spitzen der Pinzette um das Projektil, packte fest zu und zog es gerade heraus. Er atmete tief ein und fluchte dann lautstark.
Blut quoll aus der Wunde, aber nicht mehr so stark wie bei seiner Ankunft. Sie tupfte sie erneut ab, setzte zwei Klammern und klebte einen Verband darüber.
Mara legte die Kugel in einen Probenbecher und wunderte sich darüber, wie seltsam sie das Licht brach. Neugierig ging sie zum Waschbecken und spülte das Blut ab. Silber. Es war eine Silberkugel. Sie war froh, dass sie Handschuhe trug, denn selbst durch das Latex kribbelte es auf ihrer Haut. Sie drehte sich zu ihm um und hielt ihm die Kugel hin. „Versuchen wir es noch mal. Wer hat auf dich geschossen?“
Er legte die Stirn in Falten und presste die Lippen zusammen. „Silber?“
„Ja.“
Er wurde schläfriger, aber in seinen Augen blitzte immer noch Intelligenz auf, während er weiter gegen das Medikament ankämpfte. „Du weißt es?“
„Wir kriegen hier alles Mögliche rein“, sagte sie vorsichtig. Mich eingeschlossen. „Bei mir bist du sicher.“
„Und was ist mit den Säufern im Pickup?“
Er hatte also zugehört. „Die sind weg. Ich mache mir eher Sorgen darüber, wie viel Schaden das Silber angerichtet hat. Du brauchst eine Transfusion, damit du heilen kannst.“
„Du hast Alpha-Wolfsblut hier?“
„Ich habe meine Quellen.“
Sie überprüfte seine Vitalwerte – immer noch stabil – und gab ein mildes Beruhigungsmittel in seinen Tropf. Dann untersuchte sie seine anderen Verletzungen, wusch das Blut von seinem Gesicht und seinem Körper und gab ihm Kühlpacks für den Kiefer, das Auge und die Lippen. Seine Rippen und sein Rücken waren blau gefleckt, aber die dicken Muskelschichten hatten ihn vor Schlimmerem bewahrt. Er zeigte keine Anzeichen für Knochenbrüche oder innere Blutungen. Seine Lungen waren frei.
Gott, dieser Mann bestand nur aus Muskeln, kein Gramm Fett. Seine Haut war warm und glatt, mit feinen, dunklen Härchen an den Unterarmen, Beinen und auf der Brust. Sie wagte es nicht, zu lange über den Rest seines perfekten Körpers nachzudenken. Er beobachtete sie bei der Arbeit und wehrte sich immer noch gegen den Schlaf. „Wer bist du?“
Sie half ihm in ein Patientenhemd und legte eine zweite Decke über die erste. „Brielle.“
„Du lügst.“
Noch so ein Alpha-Talent, das sie sich merken sollte. „Du musst dich ausruhen. Ich rufe jetzt einen Transport, der dich ins nächste Krankenhaus bringt.“
Er kämpfte darum, die Augen offen zu halten. Das Leuchten seines Wolfes verblasste. Das Beruhigungsmittel wirkte endlich. „Warum lügst du?“
Mit der Spitze ihres Zeigefingers tippte sie ihm dreimal sanft zwischen die Augen und murmelte dann: „Schlaf jetzt.“
„Hexe“, flüsterte er, bevor er schließlich aufgab und die Augen schloss. Sein Atem wurde tiefer und sein Kopf kippte zur Seite. Mara beobachtete den Monitor, bis sich sein Herzschlag beruhigt hatte.
Leise holte sie alles Nötige. Sie desinfizierte ihren Arm, setzte eine Nadel und verband das andere Ende mit dem Zugang seines Tropfs. Dann ließ sie ihr Blut in ihn hineinfließen. Selbst halbes Alpha-Wolfsblut würde ihm helfen, schneller von den Schäden durch das Silber zu heilen. Und sie musste ihn so schnell wie möglich von hier wegbekommen.
Sie behielt die Zeit für die Transfusion im Auge, stellte den Kochsalztropf wieder ein und fügte ein Antibiotikum hinzu. Während sie sich einen Tupfer in die Ellenbeuge drückte, tippte sie am Computer den Bericht über die bisherige Versorgung ab. Dann schickte sie ihn an das Krankenhaus in Carson und gab Bescheid, dass er bald eintreffen würde.
Danach rief sie Vic an. „Hey, wie weit bist du noch weg?“
„Ich habe kurz für ein Eis angehalten, sind nur noch etwa 20 Meilen.“
„Kannst du so schnell wie möglich herkommen?“
„Was ist passiert?“
„Ich habe hier einen Alpha-Werwolf, auf den mit Silber geschossen wurde. Er ist stabil und schläft, aber ich will ihn hier weghaben.“
„Verstanden, bin in 20 Minuten da.“
„Du bist die Beste.“
„Ich weiß.“
Da sie nichts tun konnte als zu warten, rollte Mara mit ihrem quietschenden Schreibtischstuhl an sein Bett. Sie fühlte seinen Puls – kräftig und gleichmäßig. Einige seiner blauen Flecken färbten sich bereits gelblich-grün. Sie hoffte, dass auch die Schusswunde so schnell heilte.
Sie sammelte die Reste seiner zerrissenen und verschmutzten Kleidung ein und steckte sie für den Transport in einen Plastikbeutel. Als sie seine Hose faltete, spürte sie die typische Wölbung eines Smartphones. Seine Smartwatch hatte sie bereits gesehen. Mara biss sich auf die Unterlippe. Sie wog die ärztliche Ethik gegen die Notwendigkeit ab, sich und Vic zu schützen.
Die Entscheidung zur Flucht war in dem Moment gefallen, als sie erkannt hatte, dass dieser Mann ein Alpha war. Diese Nacht würde ihre letzte in dieser Klinik sein. Neue Identitäten und Kreditkarten lagen schon bereit. Sie hatte genug Geld gespart, um für den nächsten Satz Papiere zu bezahlen, wenn sie wieder umziehen mussten. Sie hatte diesen Teil des Bundesstaates gewählt, weil es hier keine Rudel gab. Es gab kaum Handyempfang und die Straßen waren so schlecht, dass es dem Staat egal war. Hier lebten einfach zu wenige Wähler. Heute Nacht würden die beiden entscheiden, wohin sie als Nächstes gingen. Bis zum Morgen würde keine Spur mehr von ihnen hier sein. Das war eine Lektion, die sie schon früh gelernt hatte.
Sie fasste einen Entschluss, tippte sein Handy an und hielt es ihm vors Gesicht, um es zu entsperren. Sie navigierte durch die Menüs, bis ihr Finger über dem Button „Werkseinstellungen wiederherstellen“ schwebte. Mara atmete tief durch und drückte drauf. Der Bildschirm wurde schwarz. Sie steckte das Handy zu seinen anderen Sachen in den Beutel.
Sie war keine Technik-Expertin, aber sie wusste, dass die meisten neueren Modelle GPS-Tracking hatten. Sie hoffte, dass der Reset alle Standortdaten löschen würde. Und dass das, was auf dem Handy gelöscht wurde, auch auf seiner Smartwatch verschwand.
Seine Finger bewegten sich und schlossen sich dann warm um ihre Hand. Er gab ein tiefes, zufriedenes Brummen von sich, und sie ließ ihn gewähren. Seine Lippen bewegten sich, aber sie konnte ihn nicht verstehen.
Berührungen waren so wichtig für Werwölfe. Sie gaben Partnern und Familien Halt, schlichteten Konflikte und spendeten Trost. Sie hatte keine Angst vor ihm, sondern vor dem, was er darstellte: die drohende Gefahr, dass ihre Familie sie nach all den Jahren finden und sie zur Rückkehr zwingen würde. Sie sollte aus politischen Gründen verkuppelt werden.
Sie war als halb Wolf, halb Hexe in einem stolzen, kalten Clan aufgewachsen. Die anderen hatten Angst vor ihren Hexenkräften und verachteten sie, weil sie nicht kämpfen konnte. Außerdem konnte sie sich nur bei Vollmond verwandeln. Eine schicksalhafte Verbindung zu finden, war ihrem Clan völlig egal. Sie kannte zu viele Wölfinnen, deren Ehen arrangiert worden waren, um die Reinheit des Blutes zu garantieren. Sie mussten Bisse ertragen, die nur zu schmerzhaften Narben und gescheiterten Bindungen führten.
Das Geräusch des Bloodmobiles, das über den Schotter fuhr, drang an ihre Ohren. Sie lächelte. Vic war schnell gewesen.
Sie spürte, wie Royce ihre Hand drückte. Als sie ihn ansah, waren seine Augen offen. Sie glänzten golden und starrten sie direkt an. Sein Wolf war ganz nah an der Oberfläche.
Seine Lippen bewegten sich erneut, und diesmal verstand sie ihn.
„Gefährtin.“









très belle accroche ! Ça donne vraiment envie pour la suite. 🥰
Loved this chapter your writing pulled me right in. Really enjoyed the characters so far!
Hey! Your attention to worldbuilding is honestly incredible. Every part of the story feels purposeful and emotionally rich, and the depth of the lore makes it so easy to get completely immersed in your world. The latest chapter was amazing, and while reading it, I found myself coming up with a few ideas and theories about where the story might go I’d love to share them with you.