Prolog
„Alabaster!“, schrie ich. Meine Stimme klang rau und verzweifelt, während meine Beine mich den dunklen, schattenhaften Flur entlangtrugen. Jeder Schritt traf den Stein wie ein Trommelschlag der Panik und ließ meinen ganzen Körper beben.
Das flackernde, gelbe Licht der angelehnten Holztür am Ende des Ganges schien wie von selbst zu pulsieren. Es zog mich vorwärts, trotz meiner schmerzenden Glieder.
„Nur noch ein paar Schritte“, flüsterte ich und klammerte mich an die zerbrechliche Hoffnung, ihn rechtzeitig zu erreichen.
Ich stürmte durch die Tür und mein Atem stockte schmerzhaft. Ein Zittern durchlief mich, als ich sie weiter aufstieß. Das Kerzenlicht blendete mich für einen Augenblick.
„Alabaster!“, rief ich erneut, und meine Stimme überschlug sich. Er kniete am anderen Ende des Raumes auf dem kalten Steinboden. Seine angeketteten Hände waren über seinem Kopf festgebunden, sein Körper war gezeichnet und mitgenommen. Sein Anblick versetzte mir einen eiskalten Stich in die Brust. Es war ein Echo all dessen, was die Mistress mir angetan hatte – die Narben brannten sich noch immer in mein Gedächtnis.
Er hob langsam den Kopf und unsere Blicke trafen sich. Schock, Schmerz und etwas Verzweifeltes standen in seinem Gesicht geschrieben.
„Elizabeth …“, krächzte er. „Bitte. Tu es nicht.“
Ich wandte den Kopf leicht zur Seite.
Neben ihm war eine Gestalt, die ich fast völlig übersehen hätte. Sie war in die Schatten des Raumes gehüllt, als würde sie dorthin gehören. Sie war groß und schlank, mit dunkelvioletten Flügeln, die eng an ihren Rücken gepresst waren. Glattes, schwarzes Haar fiel ordentlich über ihre Schultern. Einen Moment lang dachte ich an die Mistress, aber ich schob den Gedanken beiseite. Sie war tot. Und dieses Wesen war eindeutig und unverkennbar männlich.
Er drehte sich um.
Leuchtend violette Augen trafen auf meine. Sie waren messerscharf und voller Konzentration. Ein langsames, grausames Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Elizabeth“, zischte er mit einer tiefen, schlangenartigen Stimme. „Endlich.“
Unsere Blicke trafen sich, und in diesem Augenblick geschah etwas, für das ich keinerlei Erklärung hatte. Die Welt wurde nicht einfach dunkel – sie wurde leer. Als wäre jede Spur von Wärme und Gefühl auf einmal aus mir herausgezogen worden. Es blieb nichts zurück, weniger als nichts; ein Vakuum dort, wo vorher etwas gewesen war.
Und dann kam der Schmerz.
Er kam ohne Vorwarnung und ohne Gnade. Er verschlang jede Faser meines Seins gleichzeitig und war intensiver als alles, was ich je gefühlt hatte. Es war, als würden tausende Feuerpunkte unter meiner Haut entzündet, die mich von innen heraus verbrannten – auf eine Art, die nichts mit Flammen, aber alles mit etwas weitaus Grausamerem zu tun hatte. Ich brach zusammen. Ein Schrei riss aus meiner Kehle, noch bevor ich bemerkte, dass ich schrie. Meine Hände krallten sich in meine eigene Haut, als wollte ich etwas stoppen, das nicht körperlich war und sich nicht aufhalten ließ.
Durch den Nebel hindurch nahm ich wahr, wie er sich auf mich zubewegte. Er hatte es nicht eilig. Er beugte sich fast zärtlich zu mir hinab, seine Stimme klang leise gegen das Tosen in mir an.
„Wow“, murmelte er. „Sie hatte recht.“
Er legte leicht den Kopf schief.
„Du bist wirklich etwas Besonderes.“









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