Forever

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Summary

Manchmal bedeutet ein 'Ja' nicht 'für immer', und manchmal ist Liebe nicht genug. Caroline ist frisch geschieden und kehrt in ihre Heimatstadt zurück, voller Hoffnung auf einen Neuanfang. Der Umzug in die Stadt scheint ein Traum zu sein, ein klarer Bruch mit ihrem bisherigen Leben auf dem Land und all dem Versagen und der Uneinsichtigkeit der Vergangenheit. Ihr bester Freund Sam hat sofort einen Job für sie, eine Chance, neue Geschäftskontakte zu knüpfen und sich wieder einzuleben. Doch was Caroline nicht ahnt: Fast jeder um sie herum hat Geheimnisse, die ihr bisher verborgen geblieben sind. Sie glaubt, dass Sam und ihre Mutter sie immer auf dem Laufenden gehalten haben, aber der Schein trügt. Auf der Willkommensparty, die Sam für sie organisiert, trifft sie nicht nur auf Tristan, den Mann, mit dem Sam sie verkuppeln will, sondern auch auf jemanden aus ihrer Vergangenheit, den sie nie ganz vergessen konnte. Der Grund, warum sie so ungern hier war. Das unerwartete Wiedersehen führt zu einem Netz aus Lügen, Geheimnissen und ungelösten Gefühlen, das Caroline dazu zwingt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und herauszufinden, wem sie wirklich vertrauen kann.

Status
Complete
Chapters
33
Rating
4.8 25 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Prolog

Die Sonne steht tief über den Dächern der Stadt, als ich endlich vor dem Haus von Sams Großmutter ankomme.

Ein leichter Wind weht mir durchs Haar, als ich meine zwei schweren Koffer aus dem Auto hieve. Sam kommt mir sofort mit einem breiten Grinsen auf den Lippen zu Hilfe. „Wie viel hast du in die Koffer gestopft?“, fragt er lachend und schleppt einen meiner Koffer ins Haus.

Scott folgt ihm mit dem zweiten Koffer, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. „Ich dachte, bei einer Scheidung wird alles aufgeteilt“, meint er scherzhaft, während er den Koffer in den Flur trägt.

Sam und Scott - mein Fels in der Brandung. Besonders jetzt, wo ich mit dreißig mein ganzes Leben noch einmal auf den Kopf stelle.

Ein Neuanfang.

Ich bin froh, dass die beiden für mich da sind, vor allem Sam. Er ist mein bester Freund, ich kenne ihn seit der ersten Klasse. Es gibt so viele Erlebnisse, die ich nur mit ihm geteilt habe. Er war und ist mein ‘in guten wie in schlechten Zeiten’.

Eins, das nicht zerbricht.

Es gibt auch niemanden, dem ich mehr gönne, dass er die Liebe seines Lebens gefunden hat, kaum dass er auf der Universität war. Scott - seinen Seelenverwandten, wie er selbst sagt. Es dauerte keine zwölf Monate und sie waren verheiratet.

Sie sind wohl der Inbegriff einer Traumbeziehung, das komplette Gegenteil zu meiner inzwischen offiziell geschiedenen Ehe.

Vielleicht hätte man das Ende meiner Ehe erahnen können, denke ich, während ich meine beiden Koffer betrachte, die mitten im Flur stehen. Nein, nicht vielleicht - im Nachhinein war es ganz klar.

Ich war schon immer ein Mädchen aus der Stadt, ich habe die Lichter und das Leben in der Stadt immer geliebt, egal in welcher Stadt ich gelebt habe. Das Landleben war nie meine Welt, und dann habe ich Andreas kennengelernt - den lieben Kerl vom Land, der mich dorthin mitgenommen hat.

Wir waren von Anfang an viel zu unterschiedlich, aber wir haben uns beide die zwölf Jahre Beziehung, davon zehn Jahre Ehe, schön geredet. Dachten, mit der Zeit würde alles besser werden. Dachten, unsere Probleme würden sich irgendwie in Staub verwandeln. Aber am Ende haben wir die Trennung nur vor uns hergeschoben, genau wie die Scheidung.

Manche Menschen sind einfach nicht füreinander geschaffen, und auch wenn man es sich nicht gerne eingesteht: Liebe allein reicht nicht.

Auch die Vorstellungen, die Menschen selbst, müssen zusammenpassen.

„Wenn Andreas nicht auf einmal anfängt, enge Hosen und BHs zu tragen, wird er mit meinen Klamotten wohl nichts anfangen können“, erkläre ich Sam und Scott, während ich mit ihnen das viel zu große Haus der verstorbenen Großmutter betrachte.

In meinem Kopf laufen automatisch all die Reels aus den sozialen Medien auf und ab, in denen die Leute sagen, dass ein Haus damals nur einen Apfel und ein Ei gekostet hat und es heute unbezahlbar ist. Wahrscheinlich ist dieses Haus wie geschaffen für so einen Reel, denn hier ist es genau so.

Schließlich muss ich das alles wissen, denn ich bin nicht nur Sams beste Freundin, die er kostenlos in diesem Haus vorübergehend wohnen lässt, sondern auch seine Maklerin.

„Ernsthaft, wo ist der Rest deiner Sachen? Möbel und so? Du kannst doch nicht nach über zehn Jahren zurückkommen und nur Klamotten haben“, fragt Scott erstaunt.

„Doch, genau das wollte ich. Andreas war nämlich so nett, mich vollständig auszuzahlen. Ein kompletter Neuanfang eben“, erkläre ich, während ich durch die süßen alten Gardinen auf die Straße schaue.

Ideal für Familien, ideal zum Verkaufen. Wir müssen nur die richtigen Interessenten finden.

„Nächste Woche ist die erste Besichtigung, bis dahin sollten wir wirklich einen Teil der Möbel ausräumen. Ich habe schon mit Thinas telefoniert, wir bekommen zwanzig Prozent Rabatt auf die Möbel, die wir ausleihen“, erkläre ich den beiden.

Ich weiß, dass sie das Haus so billig wie möglich renovieren, aber natürlich so teuer wie möglich verkaufen wollen. Nur weil man eine Immobilie mit einem gewissen Marktwert besitzt, hat man noch lange nicht das Geld auf dem Konto.

Aber jetzt bin ich hier, um ihnen das Geld aufs Konto zu bringen.

Plötzlich stoße ich aus Versehen gegen einen kleinen Beistelltisch von Sams Großmutter und Scott schnaubt sofort genervt. „Pass doch auf! Du sollst das Haus verkaufen und nicht zerstören“, schimpft er.

„Entspann dich, Schatz. Wenn Caroline in ihrer Ehe etwas gelernt hat, dann, wie man handwerklich arbeitet“, verteidigt mich Sam augenzwinkernd.

Scott rollt mit den Augen, als ich beschließe, das Positive zu sehen. „Sam hat recht! Ich freue mich sogar darauf, das Haus für euch auf Vordermann zu bringen und zu verkaufen“, verteidige ich mich. Auch wenn es eigentlich mehr bedeutet, dass ich es putze und bestimme, wo welche Möbel für die Besichtigung stehen. Denn handwerklich bin ich eher eine Niete.

„Du bist doch nur froh, irgendwo umsonst zu wohnen“, entgegnet Scott mit skeptischem Blick. Irgendwie ist es komisch, aber ich frage nicht weiter. Er wirkt so anders als früher, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein.

Aber das Gefühl lässt mich auch nicht los, vor allem als ich sehe, wie er Sam auf dem Weg in die Küche einen Blick zuwirft.

„Mach dir nichts draus, er ist im Moment etwas zickig“, versucht Sam ihn zu entschuldigen und setzt sich neben mich auf die Couch.

Ich nicke verständlicherweise. Ich weiß, dass die beiden eine schwere Zeit hinter sich haben.

„Deine Oma hatte einen guten Geschmack, aber ehrlich gesagt kann ich diese toten Tiere an der Wand nicht ausstehen. Wenn du an ihnen hängst, würde ich sie an deiner Stelle abnehmen, sonst werfe ich sie weg“, sage ich skeptisch und schaue auf den Rehkopf, der ausgestopft über dem Fernseher hängt und mich anstarrt.

Ich weiß, dass sein Großvater Jäger war. Damit habe ich kein Problem. Ich selbst habe auf dem Land mit Andreas viele Jäger kennen gelernt. Andreas war sogar selbst Jäger, aber wir hatten keine Tierköpfe an der Wand hängen.

„Da fällt mir ein, in deinem Zimmer hängt auch einer“, erklärte Sam und ich unterdrückte ein genervtes Stöhnen.

„Es ist ein Hirschkopf“, fügt er hinzu und muss lachen, als er mein Gesicht sieht.

„Das muss alles weg, das macht keinen guten Eindruck auf Familien, die vorhaben, so viel Geld für ein Haus auszugeben“, erkläre ich ihm und er nickt.

Es könnte ein wenig schwierig werden, potentielle Interessenten in die Vorstellung hineinzuziehen und zu sagen: „Hier könnte der Stehtisch für Ihr Kind stehen, die ausgestopfte Ente gegenüber hat auch ein Auge auf sie“.

„Weißt du eigentlich, dass wir heute Abend eine Party feiern?“, verkündet er plötzlich mit einem breiten Grinsen.

„Eine Party?“, frage ich überrascht.

„Ja! Überraschung! Eine Willkommensparty, ich habe alle von damals eingeladen!“, erklärt Sam entschlossen.

„Moment mal! Heute Abend, hier?“, frage ich skeptisch.

Ich weiß, dass Sam gerne feiert und eigentlich bin ich auch ganz begeistert davon. Aber ich bin gerade erst ein paar Stunden hierher geflogen, habe kaum geschlafen und bin erschöpft.

„Mach dir keine Sorgen, du hast noch ein paar Stunden bis zur Party. Meinst du, ich denke nicht daran, dass du wahrscheinlich müde bist? Schatz, ich verdiene mein Geld damit, genau das zu wissen! Das solltest du von deiner Hochzeit noch wissen“, sagt er und verzieht spielerisch entsetzt sein Gesicht, bevor er weiterredet.

„Den Alkohol habe ich schon im Kühlschrank und im Keller verstaut und hier kann sowieso nicht viel kaputt gehen. Es ist also ein Selbstläufer“, erklärt Sam grinsend.

„Aber wirklich heute Abend? Hätten wir das nicht verschieben können?“, frage ich skeptisch.

„Wir sind alle über dreißig, das wird keine Teenie-Party wie damals“, wirft Sam direkt ein und wirft mir seinen Dackelblick zu.

„Du kennst Sam, wenn er sich das einmal in den Kopf gesetzt hat, lässt er sich nicht mehr davon abbringen“, sagt Scott, als er mit kalten Getränken zurückkommt.

„Vor allem, weil ich jemanden eingeladen habe, den du unbedingt kennenlernen musst“, ergänzt Sam mit einem breiten Grinsen.

„Ein Date? Die Unterschrift wegen meiner Scheidung ist gerade trocken“, erinnere ich ihn.

„Seid ihr nicht seit über einem Jahr getrennt?“, fragt Scott und diesmal lächelt auch er.

Ich atme tief ein und aus, während ich mich im Wohnzimmer umschaue.

Die beiden wissen das ganz genau, die wissen sowieso alles über mein Leben. Ich habe wirklich keine Ausrede, denn Andreas hat auch schon eine neue Freundin, die ich sogar kenne. Schließlich haben Andreas, sie und ich bis gestern noch zusammen in unserem ehemals gemeinsamen Haus gewohnt.

Also nicke ich bestätigend und begegne ihren Blicken.

So fängt also mein neues Leben an.

Ich bin gespannt, wie es wird.