Das Leben Von Sam Und David von Daydreamerin bei Inkitt
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Das Leben von Sam und David

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Zusammenfassung

David kann es kaum erwarten mit seiner besten Freundin auf die Fotoausstellung zu gehen, die schon seit Wochen angekündigt ist. Doch er ist nicht vorbereitet auf die Person, die ihm dort begegnet und ihn dazu einlädt, in eine andere Welt einzutauchen. Eine oft dunkel gemalte Welt, in der er vor lauter Neugier und dem Respekt vor der eigenen Courage lernt, seine Moralvorstellungen zu hinterfragen und sich neu kennenzulernen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
48
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kennenlernen (David)

Es ist ein Freitagmorgen im Herbst von Westchester County. Genauer gesagt in White Plains. Die Blätter ändern langsam aber sicher ihre Farbe und die Jahreszeit breitet sich in all ihrer Pracht aus.

Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der gerne im Bett liegt. Ich liebe es besonders in der kalten Jahreszeit in der Wärme der Decke eingehüllt weiter zu dösen.

Dementsprechend schwer fällt es mir an diesem Morgen aus dem Bett zu kommen. Nur ein Blick aus dem Fenster mit halb geöffneten Augen genügt und ich habe noch weniger Lust mich aus meiner kuscheligen Decke zu schälen.

Also drehe ich mich wieder um und bin gerade dabei mir meine Bettdecke zurecht zu zupfen, als der Wecker sein furchtbares Klingeln von sich gibt.

Genervt lange ich mit der Hand zum Nachttisch herüber, wobei mir das Gerät herunterfällt und augenblicklich verstummt. Endlich... schon am frühen Morgen habe ich das nervtötende Ding auf zwei Stunden später gestellt, denn die Aussicht auf Vorlesungen in der Uni lockt mich nicht unbedingt aus dem Bett.

Und auch jetzt kümmert mich diese Tatsache herzlich wenig. Stattdessen drehe ich mich erneut auf die andere Seite und versuche mich wieder meinen Träumen hinzugeben.

Leider dauert es nur zwei Minuten bis ich ein unzufriedenes Brummen von mir gebe, denn der Druck auf meiner Blase macht sich mit aller Macht breit und lässt mir keine Ruhe.

Widerwillig schlage ich die Decke zurück, setze mich auf, gähne und gehe, lediglich mit meiner schwarzen, etwas weiteren Boxershorts bekleidet, den kurzen Weg vom Schlafzimmer zum Bad, welches, wie alle Räume, vom Wohnzimmer mit offener Küche abgeht.

Nachdem ich mich meines kleinen Problems entledigt und die Hände gewaschen habe, tapse ich wieder zurück und stelle mich vor den Kleiderschrank samt Spiegel, um mir etwas zum Anziehen zu holen, denn Schlaf scheint mir heute nicht weiter gegönnt zu sein.

Das Bild, welches der Spiegel reflektiert, kann sich durchaus sehen lassen. Ich sehe in die grün-grauen Augen eines Mannes mit ovaler Gesichtsform. Zweiundzwanzig Jahre jung und mit Sommersprossen gesprenkelt, die sich von der Nase bis unter beide Augen ziehen und zu dieser Jahreszeit schon etwas verblasst sind. Etwa einen Meter dreiundsiebzig groß und schlank, wenn auch nicht sehr muskulös.

Ich könnte es ändern, sehe aber keinen Sinn darin, denn ich bin sehr zufrieden mit meinem Körper. Besonders darüber, dass mir keine Haare auf der Brust wachsen, die ich immer wieder mühsam wegrasieren müsste.

Normalerweise trage ich meine dunkelblonden Haare leicht gestuft und den Pony fransig in die Stirn hinein. Im Moment stehen sie allerdings, wie eigentlich jeden Morgen, in alle erdenklichen Himmelsrichtungen ab.

Ich beschließe erstmal eine Dusche zu nehmen, um in den Tag zu starten. Doch bevor ich auch nur ansatzweise ins Bad komme, klingelt das Telefon.

Schnell renne ich zurück ins Wohnzimmer und fluche laut vor mich hin: „Der Tag hat noch nicht mal angefangen und das Klingeln verfolgt mich schon!“

Die Anrufer ID verrät meine beste Freundin am anderen Ende der Leitung. War ich vorher in Versuchung eventuell nicht dran zu gehen, überlege ich es mir sofort anders. Für Emily bin ich immer zu sprechen.

„Hey Emily. Was gibt es?“

„Du bist nicht in der Uni!“

„Richtig, wenn du mich auf dem Festnetz anrufst und ich abnehme, bin ich wohl zu Hause.“

Es fällt mir nach dem jetzigen Start des Tages nicht leicht, nicht allzu viel Ironie in meine Stimme zu legen, doch Emy versteht mich auch so. Ein Seufzen erreicht mich durch die Leitung.

„Leider studiert es sich nicht von allein und du warst die letzten beiden Male schon nicht da. Du weißt doch, was das immer bei dir zu Hause für einen Ärger gibt. Ich will dich nur warnen.“

„Ich weiß deine Sorge zu schätzen, danke. Ich kriege das schon hin. Und zum Glück wohne ich ja schon länger nicht mehr zu Hause“, erkläre ich ihr zum x-ten Mal und wechsele dann so schnell es geht das Thema. „Ich habe gestern übrigens meinen neuen kleinen, silbernen Ohrring abgeholt und er steckt schon an seinem Platz. Wenn du willst und Zeit hast, kannst du ihn bewundern und wir könnten was unternehmen.“

„Klar, gerne. Ich denke mal auf der rechten Seite, oder?“

„Was glaubst du?“, sage ich grinsend und bin wieder auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer, um mir schon einmal Wäsche für nach dem Duschen aufs Bett zu legen. Ein frisches, weißes Handtuch landet wenig später über meiner rechten Schulter.

„Kann ja sein, dass der Juwelier sich verstochen hat, weil du ihn so verwirrt hast“, kommt es frech zurück und auch aus ihrer Stimme ist ein Grinsen zu hören.

„Als wenn ich jeden x-beliebigen Kerl abschleppen würde?!“

„Nur die Gutaussehenden.“ Kurzzeitig ist ein Rascheln in der Leitung zu hören, dann wieder meine beste Freundin. „Du, ich muss Schluss machen. Die Pflicht der Uni ruft. Wir treffen uns heute um achtzehn Uhr im Einkaufscenter, südlicher Eingang, einverstanden?“

Ich überhöre die Betonung der Worte Pflicht und Uni und sage zu, bevor sie auflegt. Dann laufe ich ins Bad, streife die Shorts ab, stelle mich unter die Dusche und genieße das warme, prasselnde Wasser.

So lässt sich schon eher ein Tag anfangen.




„Hey, fast pünktlich. Wie immer“, begrüßt Emily mich am frühen Abend mit einem Blick auf die Uhr. Diese zeigt viertel nach sechs an. Sie weiß, Pünktlichkeit zählt nicht unbedingt zu meinen Stärken.

„Du kennst mich doch“, antworte ich deshalb mit einem breiten Grinsen auf den Lippen und gebe ihr einen kleinen Begrüßungskuss.

Emily stellt sich etwas seitlich auf meine rechte Seite, um sich den neuen Ohrring anzusehen. „Sieht echt gut aus. Macht dich sexy.“

„Ja, steht mir ziemlich gut. Da hat sich deine Idee echt ausgezahlt.“

Glücklich lächelt sie über dieses Kompliment, wirft ihr langes, brünettes Haar, welches sie heute offen trägt, nach hinten und hakt sich dann bei mir unter.

„Ich brauche neue Schuhe. Da wäre dein modischer Geschmack gefragt.“

„Na, dann los.“

Wir betreten das Einkaufscenter und laufen zielsicher zum nächsten Schuhgeschäft. Dort stoppe ich am Eingang, um mich aufklären zu lassen, was sie eigentlich genau sucht.

„Bevor wir weiterlaufen, könnten wir schon klären in welche Richtung es geht. Was genau stellst du dir vor, Emy? Elegant, sportlich, auffallend, schlicht, farblich?“

„Och, das ist einfach. Ich brauche was Sportliches, was man durchaus aber auch zu etwas Feinerem anziehen kann. Also eine Mischung aus sportlich und elegant.“

„Gut, dann gehen wir am besten da lang.“

Mit dem Finger deute ich nach rechts in den hinteren Teil des Ladens. Es muss wohl an einem femininen Gen liegen, dass Schwule einen guten Geschmack und manchmal sogar ein Faible für Mode haben und Frauen das gerne für sich in Anspruch nehmen. Mir macht das nichts aus und so finde ich mich immer mal wieder, gerade mit Emy, in irgendwelchen Mode- und Schuhgeschäften wieder.

„Also“, beginne ich, als wir vor dem Regal ankommen, „gefütterte Schuhe würde ich noch nicht nehmen. Sieht nach einem goldenen Herbst aus und die wären jetzt auf jeden Fall noch zu warm. Es sei denn du willst langfristig planen.“

Ich werfe ihr einen fragenden Blick zu und sie schüttelt den Kopf.

„Dann bleibt noch die Frage, ob schlicht oder auffällig.“

„Das überlasse ich ganz dir als Experten.“

„Das erleichtert das Ganze sehr“, grinse ich, positioniere sie neben dem Regal und trete ein paar Schritte zurück, um sie genauer ansehen zu können. Und schon macht sich eine Vorstellung in meinem Kopf breit.

„Wir brauchen Stiefel… lass mich kurz überlegen... in Schwarz. Das ist zeitlos und wirkt sowohl sportlich, als auch elegant.“

Ich lasse meinen Zeigefinger über einige Stiefel gleiten, ziehe dann mehrere heraus und stelle sie vor meiner Freundin ab. Dann schließe ich die Augen und es dauert ein paar Momente, bis ich zwei paar Stiefel von den Vieren wieder zurück ins Regal stelle.

Die zwei übrig gebliebenen sind einmal schienbeinhohe Stiefel, matt und ohne viel Schnick Schnack. Das andere Paar reicht ihr bis unter die Knie, ebenfalls matt und unten mit einer kleinen silbernen Kette versehen.

„Emy, du hast die Wahl. Du kannst sie zu sportlichen, als auch feinen Anlässen tragen. Bei eleganter Hose drunter tragen und bei...“

„… Jeans drüber, ich weiß. Ich nehme die hohen Stiefel.“ Das Schuhpaar der Begierde in die Hand nehmend, schaut sie hinein und stellt glücklich fest: „Größe vierzig, perfekt. Danke, David.“

„Willst du sie nicht anprobieren?“

„Die Vierzig aus diesem Laden hier haben bis jetzt immer gut gepasst.“

„Das überlasse ich dann mal dir“, sage ich und schließe schnell zu ihr auf, denn sie hat schon den Weg zur Kasse eingeschlagen.

Dabei wechsele ich auch gleich das Thema. „Wo wir schon beim Thema Überlassen sind... glaubst du, dein Dad würde dir am Sonntag das Auto überlassen und noch wichtiger, hast du Sonntagvormittag Zeit?“

„Lass mich raten: Die Fotoausstellung in New York!“

„Dich kann man nicht täuschen.“

Sie bekommt mein charmantestes Lächeln zu sehen und ich hoffe, das wird jeden anderen Termin unwichtig machen, doch das ist gar nicht nötig.

„Ich begleite dich gerne. Du freust dich schon so lange auf diese Ausstellung.“

Die Kassiererin nimmt das Geld entgegen und drückt im Gegenzug den Bon und das Wechselgeld in Emilys Hand. Dankend schenke ich ihr eine Umarmung und gemeinsam verlassen wir das Schuhgeschäft.

Im nächsten Restaurant gehen wir noch eine Pizza essen, bevor Emy nach Hause muss und ich mich in Vorfreude auf Sonntag in eine Bahn setze, um zu meinem Lieblingsclub zu kommen und den Freitag ganz nach meinem Geschmack ausklingen zu lassen. Wie auch immer der diesmal aussehen wird.




Wie am Vorabend telefonisch verabredet trifft Emily am Sonntag um halb neun morgens bei mir ein. Entgegen meiner Gewohnheit bin ich wach und schon lange fertig zum Losgehen. Schließlich geht es hier um Fotografie.

Auf dem Weg zur Galerie tratschen wir über den neuesten Uni-Klatsch und die bevorstehende Ausstellung. Freude ist für mich gar kein Ausdruck. Ich liebe diese Exposition und warte schon monatelang darauf.

Und wahrscheinlich ist sie auch die Einzige, die ich jemals lieben werde, denn ansonsten habe ich überhaupt keinen Sinn für Ausstellungen, Museen oder etwas in dieser Art. Doch die hier ist für mich deshalb so wichtig, weil sie von meinem Hobby handelt: Fotografie!

Eigentlich ist es inzwischen zu einer richtigen Leidenschaft geworden. Die Natur, darin auch teilweise Tiere inbegriffen, sind meine bevorzugten Motive. Aber auch imposanten Gebäuden, gekonnt in Szene gesetzt, bin ich nicht abgeneigt. Es ist der Ausgleich zu dem sonst langweiligen Uni-Leben.

Nach einer guten Dreiviertelstunde kommen wir in New York an und brauchen nochmal eine halbe Stunde, um das eigentliche Ziel zu erreichen.

Dort parkt Emily den Wagen vor einem Gebäude, das mehr einer Lagerhalle gleicht. Gespannt steige ich aus und starre voller Vorfreude auf das Gebäude, als ich meine Freundin fragen höre: „HIER soll das sein?“

„Ja.“ Unbeeindrucktes Achselzucken begleitet meine Worte. „Hier finden öfters Kunstausstellungen statt.“

Das Auto gibt dreimal ein Piepen von sich und signalisiert damit, dass es geschlossen ist. Emy packt die Schlüssel in die Handtasche, hakt sich wie so oft bei mir unter und gemeinsam schlendern wir zum Eingang.

Die Schlange an der Kasse ist zum Glück nicht allzu lang und bevor Emy ihr Portemonnaie rausholen kann, habe ich schon mit einem dankbaren Lächeln für sie bezahlt. Sie soll nicht noch Geld ausgeben, schließlich ist sie gefahren und begleitet mich, womit sie unsere innige Freundschaft wieder mal bestätigt.

Drinnen angekommen stellen wir fest, wie groß die Halle ist und dementsprechend auch die Ausstellung nicht besonders klein. So sind die vielen Leute, die schon dort sind, gut verteilt und es wirkt nicht überfüllt.

Die Eintrittskarten wandern in meine dunkelblaue Jeans und fröhlich gestimmt sage ich: „Komm, ich habe schon eine Idee, was wir als erstes bewundern können.“

Vollkommen entspannt und mit guter Laune starten wir beide unsere Besichtigung. Die ersten Fotografien scheinen gute Werke zu sein. Zumindest machen sie einen sehr guten Eindruck auf mich.

Ab und an kommentiere ich für Emy ein Bild und sie hört aufmerksam zu. Ahnung hat sie zwar keine, aber ihr Interesse ist deshalb nicht geheuchelt. Sie versucht sich hineinzuversetzen und ich freue mich, dass ich ihr meine Leidenschaft etwas näherbringen kann. Denn sonst interessiert sich in meiner Umgebung und meinem Freundeskreis leider niemand für Fotografie.

Nach circa einer Viertelstunde kommen wir beim Thema Bildbearbeitung an. Vor einem der Bilder bleibe ich stehen und betrachte es kritisch. Mein geschultes Auge findet nach intensiver Betrachtung auch den Fehler, der mir beim ersten Hinsehen nicht direkt aufgefallen ist, mich jedoch stutzig machte.

Diese Art von Fotos gefallen mir gar nicht und das liegt nicht unbedingt an der Kreativität der Künstler. Es fehlt für mich einfach die Natürlichkeit der Bilder.

„Siehst du das, Emy? Hier...“ Mit dem Finger deute ich genau auf das Bild, das vor uns an der Wand hängt. „Der Baum würde aus der Fotoperspektive einen ganz besonderen Schatten hinterlassen, gerade bei untergehender Sonne. Klar, das Bild sieht toll aus, keine Frage, aber die Details, die das Foto zu einem Ganzen machen, sind verschwunden. Der Schatten stimmt nicht mit dem Winkel der Sonne überein. Das ist sehr schade.“

Bevor Emily mir antworten kann, hören wir hinter uns eine tiefe Männerstimme.

„Sie haben eine sehr gute Beobachtungsgabe und ein Auge fürs Detail.“

Beide drehen wir uns auf dem Absatz um und sehen einen großen Mann, geschätzt zehn Zentimeter größer als ich. Er hat nach hinten gekämmtes, leicht welliges, schwarzes Haar, das ihm bis in den Nackenansatz reicht. Dazu meeresblaue Augen, mit einer Intensität, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe.

Vermutlich hat er sich heute Morgen rasiert, denn von einem Bartansatz oder Stoppeln ist nichts zu erkennen. Breite Schultern lassen etwas mehr Muskeln vermuten. Wahrscheinlich trainiert er und hat bestimmt einen Ansatz von einem Sixpack unter der Kleidung versteckt, die im Übrigen sehr elegant gewählt ist.

Außer dem schwarzen, langärmeligen Hemd trägt er eine graue Anzughose und schwarze Slipper. Seine Hände hat er in die Hosentaschen gesteckt, wodurch sich sein Hemd etwas über den Oberkörper spannt. Die Haut ist leicht gebräunt, doch ich bin mir sicher, dass hier kein Solarium, sondern die Natur am Werk gewesen ist. Und wahrscheinlich auch gute Gene.

„Ehm, danke sehr“, flüstere ich fast, nachdem ich nichts anderes habe tun können, als diesen Mann anzustarren. Er sieht wirklich gut aus.

„Mein Name ist Kaine, Sam Kaine“, stellt sich der Unbekannte vor und streckt mir seine rechte Hand entgegen.

„Ich bin David“, stelle ich mich ebenfalls vor und schüttele die angebotene Hand, die recht fest zudrückt, auch wenn die Finger gar nicht so darauf schließen lassen. Ein paar Sekunden herrscht Stille und er fixiert mich regelrecht mit seinen Augen.

„David wer?“

„Oh, Livingston. Mein Name ist David Livingston“, füge ich hinzu.

Er hat ein leicht kantiges Gesicht, was ihn sehr männlich wirken lässt. Selbst als er anfängt zu grinsen. Er spürt meine leichte Unsicherheit, die ich mir selbst nicht erklären kann und auch meine Neugier an seiner Person.

Es ist ja auch unübersehbar, so wie ich seinen Körper anstarre.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen“, erklärt Sam schließlich nach einer kleinen Pause und blickt auf die Frau an meiner Seite. „Wollen Sie mir nicht Ihre Begleitung vorstellen?“

„Ich bin Emily Brown. Wir zwei sind beste Freunde“, kommt sie mir zuvor. Als sie ihm die Hand reicht, nimmt er diese, beugt sich leicht runter und haucht einen kleinen Begrüßungskuss darauf.

„Erfreut Sie kennenzulernen.“

„Die Freude liegt ganz auf meiner Seite“, antwortet sie mit einem Lächeln, welches sofort erwidert wird.

„Macht es Ihnen beiden etwas aus, wenn ich Sie begleite?“

„Also mir nicht“, erklärt Emy sofort. Der Unbekannte scheint ihr sympathisch zu sein und ich kann mich dem nur anschließen.

So sage ich: „Mir auch nicht. Aber tun Sie mir einen Gefallen und siezen Sie mich nicht weiter. Ich bin noch nicht so alt.“

„Gern“, antwortet der Fremde, macht jedoch keine Anstalten mir ebenfalls das Du anzubieten.

Eigentlich warte ich nun mehr oder minder darauf und als es nicht geschieht, wundere ich mich etwas, nehme es aber so hin. Soll schließlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er angesprochen werden will.

Zu dritt setzen wir die Besichtigung der Fotoausstellung fort. Immer wieder kommentiere ich das ein oder andere Foto, spreche über Details, die ich erkenne und ich glaube, dass man die Leidenschaft für mein Hobby deutlich spüren kann.

Noch ganze anderthalb Stunden sind wir unterwegs, bis die Lagerhalle durchquert ist und ich meiner Meinung nach alles Wichtige gesehen habe. Zusammen gehen wir nach draußen, wo uns die kalte, aber frisch riechende Herbstluft sofort um die Nase weht. Sam rückt sich seinen Schal zurecht und wendet sich dann an mich.

„Wie ich schon sagte, du hast ein gutes Auge fürs Detail und es war interessant, euch durch die Ausstellung zu begleiten.“

„Danke“, sage ich beinahe verlegen und stecke die Hände in die Hosentaschen der blauen Jeans. Langsam aber sicher sinken die Temperaturen. Ich liebe die Sonne und bin einer der Menschen, die sich bei den herrschenden minus zehn Grad schon den nächsten Sommer herbeiwünschen.

Als der Schwarzhaarige beginnt, sich zu verabschieden, beschließe ich kurzerhand, diesen Mann mit der faszinierenden Ausstrahlung nochmal treffen zu wollen.

Also frage ich ganz direkt und ohne Umschweife: „Ich würde Sie gerne wiedersehen. Kann ich Ihre Telefonnummer bekommen?“

„Nein.“

Seine Stimme ist ruhig und gelassen. Im ersten Moment kommt es mir vor, als hätte ich mich verhört. Hat er tatsächlich gerade Nein gesagt? Er verbringt die ganze Ausstellung freiwillig mit uns, will aber nicht seine Nummer rausrücken. Warum dann der ganze Aufwand?

Fast schon empört frage ich nach.

„Nein?“

„Nein.“

Jetzt halte ich die Frage nicht zurück.

„Warum haben Sie mich dann angesprochen?“

Den letzten Knopf seines Mantels schließend, übergeht der Fremde die Frage einfach.

„Ich werde dich kontaktieren.“

Mit dieser Aussage macht er auf dem Absatz kehrt, geht zu seinem Audi A8, öffnet die Tür und steigt ein. Deshalb hört er auch nicht mehr meine Frage, wie er mich denn bitte ohne Telefonnummer erreichen will.

Dann fährt er davon.

Verwirrt und wie angewurzelt stehe ich an meinem Platz, während Emy mich grinsend ansieht.

„Hast du das gesehen?!“, will ich von ihr wissen.

„Klar, ich habe ja Augen im Kopf.“

„So was habe ich noch nie erlebt!“

„Was genau?“, will sie nun wissen. „Dass jemand nicht auf deinen Flirt eingeht oder dir nicht seine Nummer gibt oder nach deiner fragt? Oder meinst du seine selbstbewusste Gelassenheit?“

Nach einem Moment des Überlegens sage ich: „Irgendwie alles! Und was gibt es da zu grinsen??“

„Weil ich noch keinen Mann erlebt habe, der dich mit seiner Art so aus der Fassung gebracht hat.“

Recht hat sie. Normalerweise komme ich mit einer Abweisung schon klar, aber wie er es gemacht hat, verwirrt mich. Schließlich hat er mich doch angesprochen.

„Da bin ich mal gespannt, wie er mich kontaktieren will.“

Trotzig schließe ich den Reißverschluss der Jacke und lasse mich von einer amüsierten Emily nach Hause bringen.

Dort angekommen lade ich sie noch auf einen Kaffee ein, den sie dankend annimmt.

Circa eine Stunde lang sinnieren wir noch über die Ausstellung. Und auch der Unbekannte namens Sam Kaine geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er hat etwas an sich, was ich nicht genau beschreiben kann und gerade weil dieser Mann sich so anders verhalten hat als ich es gewohnt bin, finde ich ihn interessant und anziehend. Sein Aussehen ist ganz mein Fall.

Und auch wenn ich über diese letzte Aktion mit der Telefonnummer noch nicht ganz hinweg bin, will ich ihn unbedingt wiedersehen.

Als Emily sich von mir verabschiedet, habe ich meine Hoffnung auf eine erneute Begegnung in die Worte des Unbekannten gelegt.

"Ich werde dich kontaktieren."

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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author

Der Auftakt ist so toll, da freue ich mich auf mehr 😊

7 Monate
2
author

Ja ich finde den Anfang auch gut, nur bei mir hätte der Typ verschissen. der bräuchte mich gar nicht mehr kontaktieren. Aber die Story muss ja weiter gehen und er ist ja nicht ich und es soll ja noch Leute geben die ihren Stolz hinunter schlucken können. Also bin ich mal gespannt wie er das macht und wie‘s weiter geht😊

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Der Anfang hört sich schon mal sehr gut an.☺️bin gespannt wie es weitergeht.

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