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Pink Listings
Golden Miller
Ich bin vor drei Wochen in die Stadt gezogen โ mit zwei Koffern, einer sterbenden Zimmerpflanze und der Art von blindem Optimismus, die man nur hat, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.
Der Optimismus starb zuerst. Die Pflanze folgte wenige Tage spรคter.
Jetzt war da nur noch ich. Zweiundzwanzig, pleite und in einem Cafรฉ, das nach verbrannten Bohnen roch. Ich tat so, als lรคge in meinem Laptop eine Zukunft und nicht nur hundert Absagen. Ich aktualisierte meinen Posteingang. Schon wieder. Nichts. Keine Vorstellungsgesprรคche, keine Rรผckfragen, nicht einmal eine dieser hรถflichen automatischen โDanke, aber nein dankeโ-E-Mails. Nur Stille.
Ich zog den รrmel meines pinkfarbenen Pullovers รผber meine Knรถchel. Es ist eine Angewohnheit, die ich einfach nicht loswerde. Pink war schon immer mein Ding โ leuchtend, weich, nicht zu รผbersehen. Meine Mutter sagte immer, es stรผnde mir gut, weil ich darauf beharrte, das Gute in Menschen zu sehen, selbst wenn absolut keines da war.
Wir reden nicht mehr viel miteinander. Unser letztes Telefonat bestand nur aus schwerem Schweigen und unvollendeten Sรคtzen. Sie hat mir nie wirklich verziehen, dass ich gegangen bin, und ich ihr nie die Geheimnisse. Meinen Vater erwรคhnen wir auch nicht. Er ist der Geist, der verschwand, bevor ich geboren wurde, aber es trotzdem schafft, jeden Raum zu spuken, in dem er nie war.
Ich sah mir wieder die Stellenanzeigen an. Barista. Einzelhandel. Empfangskraft.
Ich hatte mich auf alle beworben. Die meisten antworteten gar nicht, und die, die es taten, zahlten gerade genug, damit man langsam verhungert. Mein Magen drehte sich nervรถs um. Die Miete war in zwรถlf Tagen fรคllig.
Ich scrollte schnell, mein Daumen lieร den Text verschwimmen, bis ich eine Anzeige sah, bei der ich stoppte.
Nanny gesucht โ รbertarifliche Bezahlung.
โรbertariflichโ war untertrieben. Ich lehnte mich nรคher an den Bildschirm und kniff die Augen zusammen. Der Stundenlohn war fast doppelt so hoch wie bei allem, was ich bisher gesehen hatte. Es sah aus wie ein Tippfehler. Normalerweise ist alles, was zu schรถn klingt, um wahr zu sein, ein Betrug. Oder etwas Schlimmeres.
Aber ich klickte trotzdem. Die Anzeige war seltsam kurz.
Suche Nanny fรผr zweijรคhriges Mรคdchen. Privater Haushalt. โLive-outโ. Zuverlรคssigkeit, Diskretion und Offenheit fรผr ungewรถhnliche Anforderungen im Haushalt werden vorausgesetzt. Flexible Arbeitszeiten. Hintergrundรผberprรผfung erforderlich. Referenzen bevorzugt, aber kein Muss.
โUngewรถhnliche Anforderungen im Haushalt.โ Das ist eine verdammt heftige Ansage fรผr eine Stellenbeschreibung.
Es gab kein Familienfoto, keinen Namen, keine Details. Nur eine E-Mail-Adresse und einen Hinweis auf persรถnliche Vorstellungsgesprรคche. Mein Bauchgefรผhl sagte mir, ich solle den Tab schlieรen. Mein Bankkonto sagte mir, ich solle weiterlesen.
Die Stadt drauรen vor dem Fenster war voller Leute, die hierher gehรถrten. Leute, die wussten, wo sie hinwollten. Ich fรผhlte mich wie ein Statist in einem Film, fรผr den ich nicht einmal vorgesprochen hatte. Keine Freunde, kein Sicherheitsnetz. Nur ich. Und Verzweiflung ist verdammt gut darin, einen dazu zu bringen, den eigenen Instinkten nicht zu vertrauen.
Ich klickte auf Bewerben.
Das Formular drehte sich nicht um meine Erfahrung mit Kindern. Es ging um meine Persรถnlichkeit.
Fรผhlen Sie sich in ruhigen Umgebungen wohl?
Respektieren Sie strikte Regeln?
Kรถnnen Sie Anweisungen ohne Fragen befolgen?
Bei der letzten Frage zรถgerte ich. Sind Sie in der Lage, bezรผglich des Lebensstils Ihres Arbeitgebers absolute Vertraulichkeit zu wahren? Dann kamen die โAnforderungen im Haushaltโ.
Keine Fotografie innerhalb des Wohnbereichs. รffnen Sie keine verschlossenen Innentรผren.
Befolgen Sie alle Anweisungen des Arbeitgebers ohne Abweichung.
Ein Schauer lief mir รผber den Rรผcken. Verschlossene Tรผren? Das war gruselig. Ich hรคtte sofort gehen sollen, aber der Miete ist es egal, ob etwas gruselig ist.
Ich klickte auf Absenden.
Sofort erschien die Bestรคtigungsseite. Eine Sekunde spรคter vibrierte mein Handy.
Bewerbung erhalten. Vorstellungsgesprรคch genehmigt. Antworten Sie zur Bestรคtigung Ihrer Verfรผgbarkeit morgen um 18 Uhr. Die Adresse wird nach Bestรคtigung mitgeteilt.
Keine Begrรผรung. Kein Name. Nur Befehle. Ich starrte auf den Bildschirm, meine Brust fรผhlte sich eng an. Es fรผhlte sich an, als wรผrde sich eine Tรผr einen Spalt weit รถffnen, aber ich konnte nicht sehen, was sich dahinter verbarg.
Ich tippte meine Antwort: Ich bin verfรผgbar.
Die Antwort kam sofort.
Bestรคtigt. Tragen Sie neutrale Farben. Erscheinen Sie nicht zu frรผh. Kommen Sie nicht zu spรคt.
Neutrale Farben. Ich klappte den Laptop zu und spรผrte eine seltsame Schwere. Vielleicht waren sie einfach exzentrisch. Reiche Leute sind seltsam. รberfรผrsorgliche Eltern sind extrem. Das musste nicht unbedingt Gefahr bedeuten. Oder?
Drauรen biss die Winterluft in mein Gesicht. Die Lichter der Stadt flackerten auf und tauchten den nassen Asphalt in neonfarbenes Gold. Fรผr einen Moment lieร ich zu, dass ich mir ausmalte, wie alles gut werden kรถnnte. Ein stabiler Job. Ein Alltag. Vielleicht wรผrde ich mich endlich nicht mehr so einsam fรผhlen.
Ich lief zurรผck zu meinem Studio-Apartment, einer winzigen Kiste mit einem Heizkรถrper, der zischte, als wรผrde er einen Groll hegen. Morgen kรถnnte alles verรคndern.
Ich wusste damals nicht, dass manche Rettungsleinen in Wahrheit Warnungen sind. Ich wusste nicht, wer hinter dieser Anzeige steckte oder was in diesem Haus auf mich wartete. Und ich wusste definitiv nicht, dass die verschlossenen Tรผren oder das Schweigen noch das Harmloseste an der ganzen Sache sein wรผrden.
Es wรผrde der Mann sein, der sie รถffnete.
Aber fรผr den Moment musste ich nur den Vermieter bezahlen. Und morgen um sechs Uhr wรผrde ich diesen Job bekommen.
โขโขโข
Erstes Kapitel !! Gedanken??
โฆ









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Interesting ๐คจ
Beautiful writing.