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Das Echo der Obsidian-Schwingen

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Zusammenfassung

Elias war ein Mann der Tinte, nicht der Taten. Als kaiserlicher Schreiber im Grenzland von Himmelsrand führte er ein Leben in den Schatten der Bürokratie – bis er in einer vergessenen Grotte über das Unmögliche stolperte: Ein Skelett, uralt und gewaltig, dessen violettes Glimmen ihn nicht tötete, sondern zum Wirt machte. Von diesem Moment an ist Elias nie wieder allein. Ein uralter, hasserfüllter Drache nistet sich in seinem Geist ein, zerfrißt seine Sinne mit unverständlichem Kauderwelsch und macht jeden seiner Schritte zu einer Qual. In Ketten nach Helgen geschleift, beginnt für Elias eine Reise, die das Schicksal der Welt verändern wird. Während die Menschen in ihm das legendäre Dovahkiin sehen – einen Retter, der die Welt vor Alduin bewahren soll – kämpft Elias hinter der Maske des Helden um seinen eigenen Verstand. Sein Begleiter ist kein Segen, sondern ein Parasit, der erst durch das Blut getöteter Brüder eine Stimme und schließlich eine Form aus Obsidian erhält. Zwischen der demütigen Stille der Graubärte und dem blutigen Fanatismus der Klingen muss Elias seinen eigenen Weg finden. Doch wie rettet man eine Welt, wenn die mächtigste Waffe in deinem Kopf dir ständig zuflüstert, sie brennen zu sehen? Eine Geschichte über Verrat, Macht und das dunkle Band zwischen einem Mann, der nur schreiben wollte, und einem Gott, der nicht sterben konnte.

Genre:
Fantasy
Autor:
wasser456
Status:
vor einem Monat
Kapitel:
4
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog: Die Last des Lichts


Der Frost in den Jerall-Bergen war kein gewöhnlicher Winter. Er war eine scharfe, unsichtbare Klinge, die selbst durch die dicke Wolle von Elias’ kaiserlichem Reisemantel schnitt.

Elias fluchte leise, als seine Finger so steif wurden, dass er den Vermessungsstab kaum noch halten konnte. Er war ein Mann des flachen Landes, ein Sohn Cyrodiils, dessen Hände für das sanfte Gleiten einer Feder über Pergament geschaffen waren, nicht für das mühsame Erklimmen zerklüfteter Grenzpfade. Er sollte hier oben Grenzsteine kartieren – eine banale, bürokratische Aufgabe, die ihn weit weg von den politischen Unruhen in der Hauptstadt geführt hatte.

Doch der Nebel an diesem Nachmittag war anders. Er roch nach verbranntem Stein und Ozon.

Elias verließ den Pfad, geleitet von einem instinktiven Impuls, den er sich später nie erklären konnte. Hinter einem Vorhang aus gefrorenem Farn öffnete sich der Schlund einer Grotte. Und dort, tief im Bauch des Berges, pulsierte ein Licht, das nicht von dieser Welt war.

Es war ein tiefes, unheimliches Violett.

Elias trat ein. Die Stille in der Höhle war absolut, als hätte der Berg selbst den Atem angehalten. Im Zentrum der Grotte, halb begraben unter Eis und Geröll, lag ein Skelett. Es war so gigantisch, dass Elias’ Verstand einen Moment brauchte, um die Dimensionen zu begreifen. Ein einzelner Wirbelknochen war so groß wie sein gesamter Torso. Der Schädel, eine Kathedrale aus bleichem Kalkstein, ruhte am Ende eines langen, gewundenen Halses.

Es war tot. Seit Äonen tot. Und doch leuchtete es.

Das violette Glimmen tanzte in den leeren Augenhöhlen wie ein gefangener Stern. Es war wunderschön. Es war entsetzlich.

„Ein Fund für die Annalen“, flüsterte Elias, und seine Stimme klang in der Grotte wie ein Sakrileg.

Die Neugier des Schreibers, dieser zwanghafte Drang, alles zu berühren und zu dokumentieren, trieb ihn voran. Er zog den Handschuh aus. Seine nackte Hand zitterte, als er sie auf die Stirn des gigantischen Schädels legte.

In dem Moment, als seine Haut den kalten Knochen berührte, schlug das Universum zu.

Das violette Licht explodierte. Es gab keinen Knall, nur eine lautlose Erschütterung, die Elias’ Atome in Schwingung versetzte. Er wollte die Hand zurückziehen, doch er war festgeklebt. Er sah mit aufgerissenen Augen zu, wie das gewaltige Skelett vor ihm zu zerfallen begann. Es wurde nicht zu Staub. Es wurde zu reinem, flüssigem Licht, das wie ein Schwarm leuchtender Insekten in seinen Arm schoss.

Elias schrie, doch kein Ton verließ seine Kehle. Die Energie bohrte sich durch sein Fleisch, wickelte sich um seine Knochen und brannte sich tief in sein Mark ein. Es war, als würde man versuchen, einen Ozean in eine einzelne Flasche zu füllen. Sein menschlicher Körper war zu klein, zu zerbrechlich für diese Last.

Er spürte, wie sein rechtes Bein unter dem plötzlichen, unnatürlichen Gewicht nachgab. Kracks. Er fiel.

Die Höhle versank in Dunkelheit. Die Knochen waren verschwunden.

Elias lag im Dreck, keuchend, sein Herz hämmerte gegen seine Rippen wie ein gefangener Vogel. Er versuchte aufzustehen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Er war schwer. Unendlich schwer. Als hätte er den gesamten Berg in sich aufgesogen.

Und dann kam das Geräusch.

Es war kein Gedanke. Es war ein grollendes, rhythmisches Rauschen tief in seinem Gehörgang, das bald zu einem Sturm anschwoll. Harte, kehlige Laute, die nach zerbrechendem Fels und kochendem Blei klangen.

„Zul... Meyz... Dovah...“

Elias presste die Hände auf die Ohren, doch das Geräusch kam von innen. Es war ein Kauderwelsch aus Gewalt und Alter, eine Sprache, die so fremd war, dass sein Verstand vor Schmerz krampfte.

„Raus aus mir“, wimmerte er. „Verschwinde!“

Er kroch auf allen Vieren zum Ausgang der Grotte, sein rechtes Bein hinter sich herziehend, das sich nun taub und unbrauchbar anfühlte. Als er das Tageslicht erreichte, sah er nicht die Freiheit. Er sah die glänzenden Rüstungen einer kaiserlichen Patrouille.

„Halt! Wer da?“, rief ein Dekurio und zog sein Schwert.

Elias hob den Kopf. Er wollte erklären, dass er ein Beamter war, ein Schreiber des Kaisers. Er wollte um Hilfe bitten. Doch aus seinem Mund drang nur ein heiseres Krächzen, während in seinem Kopf die fremde Stimme brüllte – lauter als der Wind, mächtiger als der Tod.

Die Soldaten sahen einen Mann, der im Dreck wühlte, dessen Augen in einem unnatürlichen Violett flackerten und der nicht mehr in der Lage war, einen geraden Satz zu bilden. Für sie war er ein Spion der Sturmmäntel, ein Verrückter oder Schlimmeres.

„In Ketten mit ihm“, befahl der Dekurio. „Wir bringen ihn nach Helgen. Dort soll der Henker entscheiden, was für eine Sprache er spricht.“

Als sie ihn auf den Wagen warfen, spürte Elias, wie der unsichtbare Schatten in ihm sich zusammenrollte. Der Drache war verkrüppelt, fleischlos und ohne Stimme – aber er war da. Und er war hungrig.

Die Feder war zerbrochen. Das Lied des Blutes hatte begonnen.

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