Kapitel 1
KAPITEL 1
Ronan
Der dichte Rauch einer kubanischen Zigarre waberte träge durch den violetten Dunst des Raumes. Er durchschnitt den schwachen Schimmer, der hinter den Samtvorhängen hervordrang, wo rotes Neonlicht verborgen war. An der Rückwand pulsierte eine unscharfe Projektion in Zeitlupe – tanzende Silhouetten, während die Musik leise im Hintergrund wummerte, wie der Herzschlag eines sündigen Wesens.
Das schwarze Ledersofa sah aus, als wäre es für Sünden gemacht.
Und dort, ganz entspannt, saß Ronan Warrington.
Er lehnte sich zurück, einen Arm lässig über die Lehne geworfen, und beobachtete die Szenerie, als würde sie ihm gehören.
Auf eine Art tat sie das auch.
Zu seiner Rechten schob eine Blondine mit aufgespritzten Lippen und einem Kleid, das jeden Anstand vermissen ließ, ihre langen Finger unter sein schwarzes Hemd, das bis zur Brust aufgeknöpft war. Zu seiner Linken strich eine Brünette mit karamellfarbener Haut und dunklen Augen mit kalkulierter Langsamkeit ihre Lippen über seinen Hals, als würde sie ein verbotenes Gebet auf seine Haut flüstern.
Auf dem Tisch vor ihm standen ein Kristallglas mit altem Whiskey, zwei perfekt gezogene Linien Kokain, eine Schachtel teure Zigaretten und ein Handy, das zum fünften Mal vibrierte.
Er warf dem Bildschirm nicht einmal einen Blick zu.
Ronan war nicht der Typ, der sich unterbrechen ließ, wenn er den Raum kontrollierte.
„Ron… willst du, dass ich noch eine Linie lege?“, flüsterte die Blondine mit rauer Stimme und griff nach dem kleinen Tütchen mit dem weißen Pulver.
Er drehte langsam den Kopf zu ihr. Sein scharfer, eisiger Blick durchschnitt sie wie eine Klinge.
„Du fragst nicht, Baby“, murmelte er.
„Du machst es einfach.“
Sie lächelte verlegen, wurde rot wie ein Schulmädchen beim Spicken und gehorchte sofort.
Ronan fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe, fast gelangweilt. Seine schwarzen Augen – tief, unwirklich, niederschmetternd schön – verrieten rein gar nichts.
Er war nicht betrunken. Er war nicht high.
Einfach nur… leer.
Und in dieser stillen Leere wohnte all seine Macht. All sein Zorn.
Das Handy vibrierte erneut.
Ohne sich ganz aufzurichten, griff er danach und aktivierte das Display.
Nächste Woche. Erstes Rennen.
Seine Augen glitten langsam über den Text. Ein kaum sichtbares Zucken erschien an seinem Mundwinkel.
Die Blondine lachte gedankenverloren neben ihm, während die Hand der Brünetten unter seinen Gürtel glitt. Die Musik wummerte heftiger. Rotes Licht verzerrte die Schatten um sie herum.
„Perfekt“, flüsterte er vor sich hin.
Er hob sein Glas, stieß mit der leeren Luft an und leerte den Whiskey in einer fließenden Bewegung.
Doch sein Blick blieb starr. Kalt. Schön wie eine Sünde.
„Ich will eine Show, Mädels… keinen Zirkus“, sagte Ronan. Seine Stimme war tief, lässig und messerscharf zugleich.
Es war keine Bitte.
Es war ein Gesetz.
Die beiden Frauen wechselten einen Blick.
Die Blondine stand zuerst auf, streifte ihr Kleid wie eine zweite Haut ab und ließ es dramatisch zu Boden fallen. Ihr winziger BH folgte, als sie langsam einen Schritt vorwärts machte und sich für ihn drehte, als würde sie für ein Publikum aus nur einer Person tanzen.
Die Brünette warf ihr Haar über die Schulter und lächelte breit, als sie ebenfalls aufstand. Ihre Hüften bewegten sich im Rhythmus, der durch die Wände bebte. Sie näherte sich der Blondine und drückte mit hypnotischer Anmut ihre Lippen gegen deren Hals… dann tiefer, das Schlüsselbein entlang.
Sie begannen sich langsam, gierig zu küssen. Ihre Körper verknäulten sich, frei von Kleidung und jeder Hemmung.
Ronan beobachtete sie, die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Whiskey auf dem Tisch neben sich vergessen. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und grinste schwach.
Sein Blick war ein Messer, das durch den Rauch schnitt.
Jede ihrer Bewegungen galt ihm. Ein Schauspiel des Verlangens. Ein Akt der Unterwerfung.
„Näher“, murmelte er.
„Ich will nicht blinzeln und etwas verpassen.“
Die Mädchen lachten leise, benommen von Alkohol, Verlangen und dem Nervenkitzel, einfach in seiner Nähe zu sein. Sie kletterten auf das riesige Bett mit den schwarzen Seidenlaken und setzten ihren neckenden Tanz fort. Sie küssten sich gierig, während Hände über Haut, Oberschenkel und Kurven strichen – eine Choreografie, geboren aus purer Schamlosigkeit.
Ron erhob sich langsam.
Vorsichtig.
Wie ein Raubtier.
Flüssig. Lautlos. Präzise.
Er öffnete den ersten Knopf seines Hemdes. Dann den nächsten. Und den übernächsten.
Bis der Stoff vollständig von seinen athletischen Schultern glitt.
Seine blasse Haut bildete einen Kontrast zur Dunkelheit des Raumes. Schwarzes Haar fiel ihm rebellisch in die Stirn, und seine Augen…
Gott, diese Augen.
Ronans Augen waren nicht bloß dunkel.
Sie waren die Dunkelheit selbst.
Und heute Nacht, hier in diesem Raum, trugen sie nur eine einzige Emotion:
Kontrolle.
Er trat auf das Bett zu und ließ seine Hose mit der gleichen sinnlichen Langsamkeit heruntergleiten.
Die Mädchen hatten aufgehört zu tanzen.
Sie beobachteten ihn. Wartend.
Und er lächelte.
Zufrieden. Lässig. Gefährlich.
Sein Blick versprach etwas, das man nicht laut aussprechen konnte… man konnte es nur fühlen.
Durch Haut. Durch Atem. Durch jeden Nerv, der noch nicht begriff, dass er gleich Feuer fangen würde.
„Lasst mich euch zeigen, wie eine echte Show aussieht…“
Und dann verschlang sie die Dunkelheit – Verlangen, gedämpftes Stöhnen, ineinander verschlungene Küsse, wandernde Hände und geschützter Sex lösten sich wie ein sündiges Ritual in der Nacht auf.
Die Tür des privaten Zimmers öffnete sich langsam und entließ eine Rauchfahne und den verweilenden Duft von Sex zurück in den Club.
Ronan trat als Erster heraus und knöpfte sein schwarzes Hemd mit langsamen, abwesenden Bewegungen zu. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, ließ sie in diesem perfekt lässigen Chaos über seine Augen fallen und sah sich mit milder Belustigung um.
Der Stopp war kurz gewesen.
Aber intensiv.
Genau so, wie er es mochte.
Hinter ihm kicherte eines der Mädchen schwach, während das andere mit benommenem Ausdruck seine Kleidung zurechtrückte. Ronan sah nie zurück zu ihnen.
Und er hatte auch nicht die Absicht, das zu tun.
Als er die drei Stufen hinunterging, die zurück in den Hauptbereich führten, umhüllten ihn die Clublichter in heftigen Farbwogen: violett, elektrisch blau, brennend rot.
Die Musik pulsierte durch den Boden. Durch die Haut. Durch das Blut.
„RON!“
Die Stimme kam von irgendwo zu seiner Rechten.
Kevin, sein ältester und lautester Freund, fuchtelte mit einem Drink in der Luft herum, während eine Rothaarige an ihm hing wie ein lebendiges Accessoire. Ihr Haar war in Dutzende dünner Zöpfe geflochten, die ihr fast bis zur Taille reichten und bei jedem Lachen wie Schlangen hin und her schwangen.
„Mann!“, schrie Kevin über die Musik und lachte wie ein Verrückter.
„Du hast dich heute mit zweien verwöhnt! Mit zweien! Ich schwöre bei Gott, du läufst durch pure Sünde direkt in den Himmel!“
Ronan näherte sich träge.
Er entriss Kevin das Glas aus der Hand und führte es an seine Lippen, ohne zu fragen, was darin war. Für ihn wurde alles mit derselben sorgfältig kultivierten Gleichgültigkeit konsumiert: Frauen, Alkohol, Freunde.
Ein Luxus, der den Menschen vorbehalten war, die nichts mehr fühlten.
„Himmel?“, murmelte er spöttisch.
„Nicht mein Geschmack.“
Kevin brach in noch lauteres Gelächter aus und schubste die Rothaarige kurz in Rons Richtung. Sie berührte instinktiv seine Brust, doch er ergriff ihr Handgelenk und senkte ihre Hand. Keine Aggression, aber eine Klarheit, scharf genug, um jede Illusion zu zerstören.
„Eine nach der anderen, Puppe. Ich verschwende mich nicht so leicht.“
Dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand auf der Tanzfläche.
Zwei Blondinen hatten ihn bereits erspäht.
Sie pressten sich an seine Seiten wie elegante Raubtiere, die Blut im Wasser witterten. Ronan bewegte sich mit lässigem Selbstvertrauen. Sein Körper wiegte sich im Takt wie bei einem Mann, der genau wusste, wie sehr er begehrt wurde, und der wusste, dass er alle Zeit der Welt hatte, um zu entscheiden, wer seine Aufmerksamkeit verdiente.
Ihre Hände glitten über sein Hemd, seine Brust, die Länge seiner Arme.
Er lächelte.
Keine von ihnen bedeutete etwas.
Aber sie spielten ihre Rollen perfekt.
Jeder wollte in Ronans Nähe sein.
Ihn berühren. Neben ihm gesehen werden. Spüren, wie sein Blick auf ihnen landete, auch wenn es nur für eine Sekunde war.
Niemand wusste, dass in seinem Kopf nur ein einziges Wort endlos widerhallte:
Rennen.
Und das Wort rollte durch seine Gedanken wie eine Beleidigung mit einem Hauch von Adrenalin.
Das Klopfen kam viel zu früh.
Und viel zu aggressiv.
Das Schlafzimmer war fast völlig dunkel, dicke Vorhänge hielten das Tageslicht mit militärischer Disziplin draußen. Auf dem riesigen Bett unter einer schweren Kaschmirdecke lag eine Gestalt, gekleidet in schwarze und silberne Schatten. Ein Bein hing achtlos über die Kante – ein stiller Zeuge des Chaos der letzten Nacht.
Die Tür öffnete sich leise.
Jose trat ein, wie immer tadellos gekleidet. Ohne zu zögern ging er direkt zum Fenster und riss die Vorhänge weit auf.
Sonnenlicht explodierte wie eine winzige Atombombe im Raum.
„Schließ die verdammten Vorhänge, Jose“, knurrte die Stimme unter der Decke, tief, rau und giftig.
„Es sei denn, du willst, dass ich sie dir in den Arsch schiebe.“
Jose hielt sofort inne, obwohl er nicht im Geringsten beeindruckt schien.
„Sir, als Sie um 2:45 Uhr nach Hause kamen, wiesen Sie mich an, Sie um zehn Uhr für Ihren Online-Kurs zu wecken.“ Er hielt kurz inne.
„Erweitertes Marketing im digitalen Geschäft.“
Die Decke wurde wütend beiseite geworfen.
Ronan fuhr sich mit einem langen, erschöpften Seufzer über das Gesicht, bevor er sich aufsetzte. Sein Haar war zerzaust, sein Ausdruck hohl – das Gesicht eines Mannes, der an nichts mehr glaubte.
Er starrte Jose an, als wäre der arme Mann persönlich für jede schlechte Entscheidung verantwortlich, die er jemals getroffen hatte.
„Raus.“
Der Ton war tief. Kurz. Völlig ohne Geduld.
„Natürlich, Sir.“
Jose verschwand wie ein diskreter Geist und schloss die Tür lautlos hinter sich.
Ronan stieg schwerfällig aus dem Bett und zog sich die Kleidung vom Leib, während er ins Badezimmer ging. Das Hemd roch nach Rauch und Schweiß. An der Hose klebten noch Spuren von Whiskey und weiblichen Händen.
Er warf alles angewidert auf den Boden, bevor er direkt unter die Dusche trat.
Kaltes Wasser prasselte auf seine Haut, und er atmete mit der stillen Zufriedenheit eines Mannes aus, der gerade noch eine sinnlose Schlacht gegen seinen eigenen Kater überlebt hatte.
Dann begann sein Handy irgendwo im Schlafzimmer zu klingeln.
Hartnäckig.
„Im Ernst…?“, murmelte Ronan durch zusammengebissene Zähne.
Er stürmte aus dem Badezimmer, riss ein Handtuch vom Haken und wickelte es achtlos um seine Hüften. Wasser tropfte von seinem Haar auf seine Schultern, und seine schwarzen Augen waren vor Irritation dunkler als durch den Schlafmangel.
Als er das Bett erreichte, hatte das Telefon aufgehört zu klingeln.
Verpasster Anruf.
Dad.
Ronan runzelte die Stirn.
Seine Berührung auf dem Display war seltsam zögerlich.
Eine neue Nachricht erschien.
Er öffnete sie.
Und sein Gesichtsausdruck erstarrte zu einer Mischung aus Ekel, Unglauben und bitterer Belustigung.
Ron… Ich habe geheiratet. Ich weiß, das klingt verrückt. Ich wollte es dir am Telefon sagen, aber du gehst ja nie ran.
Ich komme verheiratet zurück, Ron. Mit der außergewöhnlichsten Frau der Welt.
Und du bekommst endlich den Bruder, den du dir immer gewünscht hast. Er ist vierundzwanzig.
Ein Muskel zuckte heftig in seinem Kiefer.
Der Bruder, den du dir immer gewünscht hast.
Ronan lachte.
Kurz.
Gefährlich.
Fast theatralisch.
Dann warf er das Telefon auf das Bett und ließ sich an dessen Kante sinken – nass, wütend und zutiefst beleidigt von der absurden Vorstellung, dass irgendwer, irgendwo, ernsthaft glauben könnte, er hätte sich jemals…
Einen Bruder gewünscht.









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well well well i love this 😍
what i know Ron will be tge pain in mat ass and i love to see how mat will tame him 🤣🤣