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Am Ende des Regenbogens

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Zusammenfassung

Alles verspricht ein ganz normaler Sommer zu werden. Ein Sommer zwischen blühenden Apfelbäumen, salziger Meeresluft und den stillen Wegen des kleinen Küstendorfes mitten in der Normandie, in dem die junge Mutter Camille mit ihrer Familie ein erfülltes Leben führt. Und doch gerät genau dieses vollkommen aus dem Gleichgewicht als unerwartet der Mann aus ihrer Vergangenheit vor ihr steht, von der sie dachte sie längst hinter sich gelassen zu haben. Obwohl sie sich gegen ihre Gefühle sträubt, gerät ihre sorgfältig aufgebaute Welt ins Wanken und Camille sieht sich immer drängender mit der Frage konfrontiert, was sie ihrer Familie wirklich schuldig ist – und was ihrem eigenen Herzen. Ein verschlafenes Küstendorf, zwei vom Schicksal wiedervereinte Seelen und eine folgenschwere Nacht, nach der nichts mehr ist, wie es zuvor einmal war. Eine Geschichte über verpasste Chancen, die Macht der ersten großen Liebe und die Frage nach dem richtigen Leben.

Genre:
Romance
Autor:
MaryLaure
Status:
In Arbeit
Kapitel:
12
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Das war er also, dieser Moment. Dieser eine Moment, den sie seit nunmehr fünfzehn Jahren mehr herbeisehnte als alles andere, der ihr heimlichster und innigster Wunsch gewesen war, all die Zeit. Dieser Moment, vor dem sie zugleich die größte Angst ihres Lebens gehabt hatte. Und vor allem: Dieser Moment, dessen Eintritt derart absurd und unwahrscheinlich war, dass sie für einen kurzen Moment versucht war hysterisch aufzulachen. Wie im Film kam sie sich vor. Wie in einem wirklich schlechten Film. Aber das hier war kein Film, das hier war ihr Leben und es war verdammt nochmal echt.

Genau so echt wie der Mann, der gerade vor ihr stand und sie aus weit aufgerissenen, honigfarbenen Augen fassungslos anstarrte. Augen, die sie unter Millionen erkannt hätte. Erics Augen. Er war der erste von ihnen beiden, der sich wieder fing.

„Camille, ist das zu fassen?!“, platzte er heraus und schüttelte ungläubig den Kopf, dann breitete sich ein gleichermaßen überraschtes und überfordertes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Camille nickte nur, mehr schaffte sie gerade nicht. Zu sehr war sie damit beschäftigt, nicht in Ohnmacht zu fallen. Oder noch schlimmer: Ihm um den Hals.

„Ach, ihr kennt euch?“, fragte Thierry überrascht und sah mit erhobenen Augenbrauen zwischen seiner Frau und dem Mann hin und her, dem er gerade noch die Aussicht durch die große Fensterfront aufs Meer hinaus gezeigt hatte. Diese Frage war es, die Camille aus ihrer Starre riss. Sie nickte noch einmal.

„Ja“, brachte sie hervor, mehr gehaucht als gesprochen. „Wir sind uns in London begegnet.“

Begegnet. Das klang so harmlos. Nach zufälliger Bekanntschaft, nach ab und zu mal auf der gleichen Party gewesen, nach vielleicht dem ein oder anderen gemeinsamen Freund. Nicht nach den unzähligen gemeinsamen verbrachten Stunden, nach all den Erlebnissen, die sie geteilt hatten, nach den leidenschaftlichen Nächten und den innigen Liebesbekundungen, die sie ausgetauscht hatten, nach dem Für immer, das sie sich gegenseitig geschworen hatten, wieder und wieder. Nicht nach dem Himmel, den sie in Erics Armen gefunden hatte und nicht nach der Hölle, in die sie katapultiert worden war als sie nach Frankreich zurückgekehrt war, damals in diesem schicksalhaften Sommer vor fünfzehn Jahren. Aber das konnte sie ja schlecht hier vor Thierry so sagen und auch nicht vor Isabelle, die neben Eric stand und mehr neugierig als überrascht guckte.

Zum Glück schien Eric das genauso zu sehen wie Camille, zumindest nickte er nur und sagte schlicht: „Ja, wir sind uns ein paar Mal über den Weg gelaufen“, doch seine Augen verrieten, dass er etwas ganz anderes dachte. Dass er Französisch sprach, irritierte Camille. Mit deutlich englischem Akzent zwar, aber er sprach es. Irgendwann in den letzten fünfzehn Jahren musste er es also gelernt haben. Eigentlich war es nur logisch, wenn man bedachte, dass sie hier immerhin in Frankreich waren und er ausgerechnet mit Isabelle hier aufgekreuzt war. Das quengelnde Baby auf ihrem Arm holte Camille schließlich endgültig zurück in die Realität und erinnerte sie daran, wo sie war und vor allem wer sie mittlerweile war. Thierrys Ehefrau, Mutter und zudem Geschäftsfrau. Darum setzte sie jetzt ihr professionellstes Gesicht auf und schenkte dem Pärchen ihr gegenüber ein strahlendes Lächeln.

„Wie dem auch sei, herzlichen Glückwunsch zur Verlobung! Schön, dass ihr in Erwägung zieht hier zu feiern, das freut uns natürlich sehr. Thierry hat euch schon ein bisschen herumgeführt?“

Isabelle nickte eifrig. „Unglaublich, was ihr hier geschafft habt! Als meine Mutter mir erzählt hat, dass ihr den alten Hof wieder hergerichtet habt und die alte Scheune jetzt ein Festsaal ist, hab‘ ich es erst gar nicht glauben können. Der war ja schon echt runtergekommen der Bauernhof. Aber was ihr hier draus gemacht habt, das ist ja wahnsinnig schön geworden, da hat meine Mutter mal ausnahmsweise nicht übertrieben. Wahrscheinlich war ich einfach zu lange weg, da hat man das Gefühl, in der Heimat bleibt die Zeit für immer stehen weil sich einfach so gar nichts verändert hier. Aber ein bisschen was tut sich ja wohl selbst in diesem kleinen Nest“, plapperte sie und gestikulierte dabei mit ihren Armen. Wahrscheinlich meinte sie das alles gar nicht so gemein wie es gerade bei Camille ankam. Aber das war eben Isabelle, so war sie früher auch schon gewesen. Thierry schien es jedenfalls nicht so aufzufassen, er nickte nur stolz und wurde dabei fast noch ein Stückchen größer als er es ohnehin schon war.

„Ja, es war ein Haufen Arbeit, aber sie hat sich absolut ausgezahlt. Ich hab‘ euch ja gerade schon erklärt, dass wir die alte Balkenkonstruktion der Holzdecke erhalten haben, um den ursprünglichen Flair des Gebäudes zu erhalten und…“, setzte er offenbar genau dort wieder fort wo er stehengeblieben war bevor er durch Camilles Dazukommen unterbrochen worden war. Die wiederum widmete sich dem quengelnden Henri auf ihrem Arm und wippte das Baby sanft auf und ab. Hauptsache nicht aufschauen müssen, dachte sie dabei. Hauptsache nicht Eric ansehen. Weil sie genau spürte, dass er sie verstohlen beobachtete und weil sie wusste, dass sie wahrscheinlich nie wieder würde aufhören können ihn anzustarren, wenn sie erstmal damit anfing. Es war einfach zu absurd. Nie hätte sie gedacht, ihn überhaupt jemals wiederzusehen, aber dass er jetzt ausgerechnet als Isabelles Verlobter hier auftauchte, setzte dem Ganzen noch die Krone an Aberwitz auf. Isabelle, diese hochnäsige, verwöhnte Pute, die sich schon früher zu Schulzeiten als was Besseres gesehen hatte. Die passte doch überhaupt nicht zu ihm. Aber was wusste Camille schon, schließlich war es lange her das sie ihn gekannt hatte und vielleicht hatte er sich ja auch verändert. Seinen ausgefallenen Stil hatte er jedenfalls beibehalten, dachte Camille und riskierte nun doch einen genaueren Blick auf seine perfekt sitzende Stoffhose, die er mit einem dunkelroten Seidenhemd und etwas ramponierten wirkenden schwarzen Lederschuhen kombiniert hatte, das Sakko lässig über den Arm gelegt. Dazu der für einen Mann doch recht üppige Schmuck in Form von mehreren auffälligen Ketten und Ringen. Und die schwarze Schiebermütze. Weil er schon immer eine Schwäche für Hüte gehabt hatte, dachte Camille und schmunzelte stumm in sich hinein bei der Erinnerung an das wilde Sammelsurium an Kopfbedeckungen damals, über das sie sich mehr als ein Mal lustig gemacht hatte. Nein, zumindest in der Hinsicht schien er sich nicht wirklich verändert zu haben.

„Ich zeige euch gerne auch noch den Küchenbereich, der ist hier drüben etwas versteckt. Wir haben keine große Küche hier vor Ort, da eigentlich alles über’s Catering von außerhalb kommt, aber das Nötigste ist hier und natürlich die Kühlung für die Desserts und Getränke…“, fuhr Thierry gerade fort und führte das zukünftige Brautpaar in den hinteren Bereich des rustikalen Festsaales, der diesen Namen eigentlich gar nicht verdient hatte, dafür war er dann doch zu klein. Camille schloss sich ihnen schweigend an und als sie neben Thierry trat, strich er beiläufig sanft mit der Hand über ihren Rücken. Eine Geste, die sie eigentlich jedes Mal unglaublich süß fand, die ihr heute jedoch irgendwie unangenehm war.

„Schaust du mal nach den beiden großen? Wir kommen dann auch gleich raus“, raunte er ihr zu. Dankbar nickte Camille und machte, dass sie rauskam.

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