Vom Mut, Man Selbst Zu Sein von Susanne B. Baronin von Rothensteyn bei Inkitt
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Vom Mut, man selbst zu sein

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Zusammenfassung

Camilla wusste schon als Kind, dass sie anders war. Doch in dem kleinen Dorf, in dem sie aufwuchs, gab es keinen Platz für Menschen wie sie. Jahrelang versteckt sie ihre wahre Identität, bis ein Streit mit ihrer Mutter sie dazu zwingt, ihr Zuhause zu verlassen. Auf ihrer Flucht begegnet sie Jakob, der ebenfalls alles hinter sich gelassen hat, nachdem er sich als schwul geoutet hat. Aus einer zufälligen Begegnung wird eine tiefe Freundschaft, aus Freundschaft Liebe. Gemeinsam wagen sie in Hamburg einen Neuanfang. Doch der Weg zu sich selbst ist lang. Während Camilla Schritt für Schritt den Mut findet, ihr wahres Leben zu leben, muss sie sich alten Verletzungen, familiären Konflikten und ihren eigenen Ängsten stellen. An Jakobs Seite beginnt eine Reise voller Hoffnung, Tränen, Humor und unvergesslicher Begegnungen. Eine bewegende Geschichte über Identität, Mut, Familie und die Erkenntnis, dass Heimat manchmal dort entsteht, wo Menschen uns lieben, ohne Bedingungen zu stellen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
14
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Zwei Leben auf der Flucht

Manche Menschen werden in ein Leben hineingeboren, das ihnen von Anfang an passt.

Und manche verbringen Jahre damit, sich selbst zu suchen.

Sascha gehörte zur zweiten Sorte.


Saschas Geschichte

Das Dorf, in dem Sascha aufgewachsen war, bestand aus wenigen Straßen, einer Kirche, einer Bäckerei und sehr vielen Menschen, die glaubten, alles über jeden zu wissen.

Wer dort lebte, hatte sich anzupassen.Die Jungen spielten Fußball, die Mädchen trugen bunte Kleider auf Dorffesten.Die Männer arbeiteten hart. Die Frauen kümmerten sich um die Familien.

So war die Welt dort. Zumindest behaupteten das alle.

Schon als Kind hatte Sascha gespürt, dass für ihn etwas anders war. Nicht falsch oder krank. Einfach anders.

Während die anderen Jungen begeistert mit ihren Fahrrädern über Feldwege rasten oder sich für Fußballvereine interessierten, stand Sascha oft am Fenster und beobachtete seine älteren Cousinen. Wie sie sich die Haare flochten. Wie sie ihre Kleider aussuchten. Wie selbstverständlich sie sein durften, wer sie waren.

Manchmal erwischte sich Sascha bei dem Wunsch, einfach einen Tag lang mit ihnen tauschen zu können. Nur einen Tag.

Damals konnte Sascha nicht erklären, warum. Es fehlten die Worte. In den Büchern der kleinen Dorfbibliothek stand nichts darüber. Die Lehrer sprachen nie darüber.

Im Fernsehen tauchten Menschen wie Sascha kaum auf. Also lernte das Kind etwas anderes: Schweigen.

Mit den Jahren wurde das Schweigen größer. Sascha spielte die Rolle, die alle erwarteten. Eine Rolle. Mehr nicht.

Doch jedes Mal, wenn er allein war, fühlte es sich an, als würde eine andere Person unter der Oberfläche leben.

Eine, die gehört werden wollte. Eine, die einen Namen suchte.

Mit fünfzehn begann Sascha, heimlich Frauenkleidung zu kaufen. Zunächst waren es nur Kleinigkeiten. Ein Schal. Eine Haarspange. Etwas Nagellack.

Später wurden daraus Kleider. Schuhe. Make-up. Alles wurde sorgfältig in einer alten Reisetasche unter dem Bett versteckt. Der einzige Ort, an dem Sascha sich frei fühlte, war das eigene Zimmer.

Dort existierte niemand, der urteilte. Niemand, der lachte. Niemand, der fragte. Und dort entstand langsam auch ein Name.

Camilla. Nicht Sascha. Camilla.

Wenn die Zimmertür geschlossen war, wurde aus der Person im Spiegel endlich die Frau, die sich im Inneren schon lange zeigte.

Jedes Mal fühlte sich das richtig an. Beängstigend. Aber richtig.

Mit einundzwanzig Jahren war die Sehnsucht nach diesem Leben größer geworden als die Angst. Und dann geschah das, wovor Sascha sich jahrelang gefürchtet hatte.

Es war ein regnerischer Nachmittag. Die Haustür fiel früher als gewöhnlich ins Schloss. Sascha hörte die Mutter nicht kommen.

Als sich plötzlich die Zimmertür öffnete, erstarrte die Zeit.

Camilla stand vor dem Spiegel. Ein schlichtes blaues Kleid. Leichtes Make-up. Gestylte Haare. Zum ersten Mal fühlte sie sich schön.

Dann trafen sich ihre Blicke. Der Blick der Mutter. Der Blick des Kindes. Für einen Moment sagte niemand etwas.

Der Schock im Gesicht der Mutter traf härter als jede Ohrfeige. „Was... machst du da?“

Die Frage hing im Raum. Sascha versuchte zu antworten. Versuchte zu erklären. Versuchte Worte zu finden für etwas, das sich über Jahre aufgebaut hatte. Doch die Worte reichten nicht aus.

Und die Mutter wollte sie vielleicht auch gar nicht hören. Der Streit wurde laut. Verletzend. Auf beiden Seiten.

Schließlich griff Sascha, noch immer verkleidet als Camilla, nach einer alten Sporttasche. Ein paar Kleidungsstücke. Etwas Geld. Den Personalausweis. Mehr nicht.

Als die Haustür hinter ihr zufiel, wusste sie nur eines: Sie konnte nicht bleiben. Sie versteckte sich im Wald, zog sich um und erschien wieder als Sascha auf der Straße. Er wollte nur noch weg von hier.


Jakobs Geschichte

Jakob wuchs fast zweihundert Kilometer entfernt, weiter südlich auf. Und doch war seine Welt der von Sascha erschreckend ähnlich.

Sein Vater war Schlosser. Ein großer Mann mit rauer Stimme und festen Vorstellungen davon, wie ein richtiger Sohn zu sein hatte.

Stark. Männlich. Unauffällig. Jakob versuchte jahrelang, genau das zu sein. Er spielte Fußball. Half in der Werkstatt. Lachte über dieselben Witze wie seine Freunde.

Doch tief in seinem Inneren wusste er etwas, das ihm Angst machte. Wenn die anderen Jungen von Mädchen sprachen, blickte Jakob heimlich zu anderen Jungs.

Zunächst hielt er es für eine Phase. Dann für einen Fehler. Dann für ein Geheimnis.

Mit siebzehn verliebte er sich zum ersten Mal. In einen Mitschüler. Der Junge erfuhr nie davon. Trotzdem veränderte diese Erkenntnis alles.

Jakob begann zu verstehen, wer er war. Aber das Verständnis brachte keine Freiheit. Es brachte Angst. Denn er wusste genau, was sein Vater davon halten würde.

Er hatte die Bemerkungen gehört. Die Witze. Die abfälligen Kommentare. Jedes einzelne Wort hatte sich wie eine Warnung angefühlt.

Mit zwanzig Jahren konnte Jakob die Lüge nicht länger leben. Eines Abends setzte er sich mit seinen Eltern an den Küchentisch.

Seine Hände zitterten. Die Mutter bemerkte es. Der Vater nicht. „Ich muss euch etwas sagen.“

Mehr brauchte es nicht. Der Abend endete im Chaos. Seine Mutter weinte. Sein Vater wurde rot vor Wut. Und schließlich fielen die Worte, die Jakob niemals vergessen würde.

„Ich dulde keine schwule Sau in meinem Haus!“

Keine Stunde später stand er mit einem Rucksack vor der Tür.

Das Haus, in dem er sein ganzes Leben verbracht hatte, lag hinter ihm. Niemand hielt ihn auf. Nicht einmal seine Mutter. Vielleicht konnte sie nicht. Vielleicht hatte sie Angst.

Jakob wusste es nicht. Und so begann auch seine Reise ins Ungewisse.


Es war kurz vor Sonnenuntergang. Eine verlassene Landstraße führte durch endlose Felder. Sascha saß auf einer Leitplanke und hielt den Daumen hinaus.

Seit Stunden hatte kein Auto gehalten. Der Wind wurde kälter. Der Himmel färbte sich orange.

Genau in diesem Moment hielt ein alter dunkelgrüner Kombi am Straßenrand. Der Fahrer war ungefähr Anfang zwanzig. Dunkle Haare. Müde Augen. Ein freundliches Gesicht. „Brauchst du eine Mitfahrgelegenheit?“

Sascha nickte. "ja, Danke"

Wenige Minuten später saßen sie gemeinsam im Wagen. Zunächst herrschte Stille. Doch irgendwann begann das Gespräch. Erst vorsichtig. Dann immer offener.

Und bald merkten beide, dass sie etwas verband. Etwas, das viel größer war als Zufall. Beide waren auf der Flucht. Nicht vor der Polizei oder vor irgendwelchen Gangstern.

Sondern vor einem Leben, das sie nicht sein konnten.


Spät am Abend erreichten sie eine kleine Stadt. Das Geld war knapp. Sehr knapp. Die einzige Unterkunft, die sie sich leisten konnten, lag zwischen einem geschlossenen Imbiss und einem heruntergekommenen Gebrauchtwagenhändler.

Das Neonlicht über dem Eingang flackerte. Die Tapeten im Flur lösten sich von den Wänden. Die Betten knarrten verdächtig. Aber für eine Nacht genügte es.

Sie teilten sich das Zimmer. Zwei Betten. Ein Fenster. Eine nackte Glühbirne an der Decke.

Als die Dunkelheit hereinbrach, begann das eigentliche Kennenlernen. Sie sprachen. Stundenlang. Über ihre Kindheit. Über Angst. Über Einsamkeit. Über das Gefühl, nirgendwo hineinzupassen.

Zum ersten Mal erzählte Sascha einem Menschen von Camilla. Vom Kleid. Vom Spiegel. Von der Frau, die sie sein wollte.

Jakob hörte zu. Ohne zu urteilen. Ohne zu lachen. Ohne Fragen, die weh taten. Und zum ersten Mal fühlte Sascha sich verstanden.

Jakob erzählte seinerseits von dem Abend am Küchentisch. Von seinem Vater. Von der Tür, die sich hinter ihm geschlossen hatte.

Auch Sascha hörte einfach nur zu. Draußen begann bereits die Nacht zu verblassen. Der Himmel wurde langsam heller.

Irgendwann schwiegen beide. Sie blickten aus dem Fenster. Auf die ersten Sonnenstrahlen. Und auf den Parkplatz, auf dem Jakobs alter Kombi stand.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Sascha leise. Jakob dachte lange nach. Dann lächelte er plötzlich. „Vielleicht fangen wir ganz von vorne an.“

„Wo?“

Jakob sah hinaus in die Morgendämmerung. „Irgendwo, wo uns niemand kennt.“

Lange Zeit sagten beide nichts. Dann fiel ein Name.

Amerika.

Nicht weil sie wussten, was sie dort erwartete.

Sondern weil es weit weg war. Weit genug, um neu anzufangen. Weit genug, um sich selbst zu finden. Eine verrückte Idee. Aber zum ersten Mal fühlte sich etwas wie Hoffnung an.

Als die Sonne vollständig aufging, hatten sie ihre Entscheidung getroffen. Sie würden den Wagen verkaufen. Alles zusammenlegen, was sie besaßen. Und Flugtickets kaufen.

Nicht nur für eine Reise. Sondern für ein neues Leben. Gemeinsam.

Keiner von beiden ahnte, dass dieser Morgen der Beginn einer Geschichte war, die ihr gesamtes Leben verändern würde. Einer Geschichte über Freundschaft, Mut, Verlust, Liebe und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.

Und vor allem über die Freiheit, endlich man selbst zu sein.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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