𝑳𝒊𝒌𝒆 𝑺𝒐𝒎𝒆𝒕𝒉𝒊𝒏𝒈 𝑶𝒖𝒕 𝒐𝒇 𝑳𝒊𝒈𝒉𝒕

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Zusammenfassung

𝐄𝐫 𝐧𝐚𝐡𝐦 𝐢𝐡𝐫 𝐝𝐞𝐧 𝐒𝐜𝐡𝐦𝐞𝐫𝐳. 𝐉𝐞𝐭𝐳𝐭 𝐰𝐢𝐥𝐥 𝐞𝐫 𝐬𝐢𝐞 𝐚𝐮𝐟 𝐝𝐞𝐧 𝐓𝐡𝐫𝐨𝐧 – 𝐮𝐧𝐝 𝐞𝐢𝐧 𝐊𝐢𝐧𝐝 𝐯𝐨𝐧 𝐢𝐡𝐫. Nach einem bitteren Verrat flieht die Pferdetrainerin Maggie ans andere Ende der Welt. Auf einem Prachtgestüt in Arabien sucht sie nur eines: Seelenfrieden. Sie hat nicht mit Prinz Khalid Bin Shareef gerechnet. Der glanzvolle Herrscher ist gefährlich attraktiv, gewohnt zu herrschen – und richtet seinen Blick vom ersten Moment an auf sie. Als er ihr überraschend die Krone anbietet, wirkt es wie der schönste Traum ihres Lebens. Khalid umgibt sie mit Luxus, seine Blicke brennen und seine Berührungen rauben ihr den Atem. Doch in den vergoldeten Hallen des Palastes schleicht sich eine eiskalte Angst in Maggies Herz: Ein Mann wie Khalid handelt nicht aus Mitleid. Er braucht eine Ehefrau. Einen Thronfolger. Verfällt sie gerade dem mächtigsten Mann des Landes – oder ist sie für den Prinzen nur das Mittel zum Zweck?

Status:
Complete
Kapitel:
11
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

1

Ich senke schutzsuchend den Kopf und kämpfe mich weiter die schmutzige Straße entlang, während mir der eiskalte Regen erbarmungslos ins Gesicht peitscht.

Meine nassen Kleider kleben an mir, weil ich vergessen habe, meinen Mantel zuzuknöpfen. Wasser rinnt meine Beine hinab und sammelt sich in den Gummistiefeln. Selbst meine Haare, die ich erst vor Kurzem sorgfältig gewaschen und geföhnt habe, kleben zerzaust an meinem Hals.

Nachdem ich eine ganze Weile gehetzt durch die Dunkelheit gestolpert bin, werden meine Schritte schleppender, bis ich schließlich stehen bleibe. Unter normalen Umständen würde ich ganz selbstverständlich meinen Jeep nehmen, um nach Hause zu fahren. Aber nach dem, was ich durch Marcus’ achtlos zugezogene Vorhänge gesehen habe, ist jeder klare Gedanke wie weggeblasen. Ich bin einfach davongelaufen … Noch immer sehe ich das Bild vor mir, das sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt hat: Marcus in leidenschaftlicher Umarmung mit seiner Geliebten.

Auf meiner blinden Flucht muss ich direkt an meinem Wagen vorbeigelaufen sein. Ein unangenehmes Kratzen im Hals macht mir das Atmen schwer. Ich muss unbedingt nach Hause kommen, bevor mich die aufgewühlten Emotionen endgültig überwältigen.

Mittlerweile verstehe ich sein Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche. Mal ist er zu beschäftigt, um sich mit mir zu treffen, dann wieder aufmerksam und liebevoll. Seine Zuneigung war nur geheuchelt – er braucht mich als Alibi, um seine Affäre mit der jungen Ehefrau eines eifersüchtigen Pferdezüchters zu vertuschen.

Ich werde blass. Ich war so naiv und habe ihm geglaubt, dass er mich aus Respekt vor meinem schmerzvollen Verlust nicht drängen wollte. Er sagte, ich solle mir vollkommen sicher sein, bevor ich mich auf eine echte Beziehung einlasse.

Und ich Unschuldige war mir sicher. Ich wollte ihm beweisen, dass ich eine begehrenswerte Frau bin, erwachsen und bereit für eine ernsthafte Bindung. Aus unzähligen Frauenmagazinen habe ich zusammengetragen, was er sich von einer Geliebten wünschen könnte. Ängste und Zweifel habe ich energisch über Bord geworfen, sogar ein neues Kleid habe ich mir besorgt.

Mein bitteres Lachen wird vom Wind fortgetragen. Er hat mich niemals gewollt. Ich war zu unerfahren und verblendet, um zu erkennen, dass er mich nur ausnutzt. Übelkeit schnürt mir die Kehle zu, und ich kämpfe verzweifelt gegen den Würgereiz. Ich beuge mich vor und bemerke ein schwaches Licht auf meinen Stiefeln. Vergessen ist für einen Moment das Bild verschlungener, nackter Körper in meinem Kopf – woher kommt dieses Licht?

„Brauchen Sie Hilfe?“, dringt eine tiefe Stimme durch die Dunkelheit.

Verwirrt richte ich mich auf und blinzle in das grelle Scheinwerferlicht. Dann erkenne ich die Silhouette eines Mannes – groß, schlank und fremdartig. Seine auffallend breiten Schultern sind beeindruckend, und ich verspüre den Impuls, mich an seine Brust zu schmiegen und auszuweinen.

Glücklicherweise gewinnt mein Verstand wieder die Oberhand. Ich habe keine Ahnung, wer dieser Mann ist. Zudem muss ich gerade erst lernen, wie wenig Verlass auf meine Menschenkenntnis ist. Marcus besaß alles, was ich mir bei einem Mann erträumte – jedenfalls habe ich das geglaubt.

Die Silhouette nähert sich mir, und erst jetzt wird mir die Ausstrahlung des Fremden bewusst.

„Ihnen geht es offenbar nicht gut. Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt er mit einem leichten Akzent.

„Wer sind Sie?“, erkundige ich mich zögernd, kaum hörbar.

Für einige Sekunden herrscht Stille, nur das Rauschen von Wind und Regen ist zu hören.

„Ich bin Gast auf Tallawanta Stud. Ich wohne dort vorübergehend im Haupthaus.“

Jetzt erkenne ich auch den riesigen Geländewagen, dessen Scheinwerfer mich blenden. Nur das Beste für die Gäste im Haupthaus! Und diese Woche handelt es sich um den Gesandten des Scheichs von Shajehar, der das Gestüt inspizieren soll.

Das erklärt den Akzent. Er spricht ein deutlich einstudiertes Englisch, wie es auf britischen Schulen unterrichtet wird. Aber die sanfte Betonung verleiht seiner Aussprache etwas aufregend Exotisches.

„Oder sollen wir beide hier draußen stehen bleiben, bis wir bis auf die Haut nass sind?“

Seine Worte klingen nicht ungeduldig, trotzdem lässt der leise Unterton keinen Widerspruch zu. Ich bemerke, dass der Mann keinen Mantel trägt.

„Tut mir leid“, beeile ich mich zu sagen. „Ich bin gar nicht …“

„Hatten Sie einen Unfall?“, unterbricht er mich sanft, aber nachdrücklich.

„Nein. Keinen Unfall. Ich … Könnten Sie mich vielleicht ein Stück mitnehmen?“ Ich zögere nicht, ihn um Hilfe zu bitten. Immerhin ist er ein Ehrengast, von dem ich schon gehört habe. Wir befinden uns auf der Privatstraße des Gestüts, und bei diesem Wetter ist ohnehin niemand Fremdes unterwegs.

„Selbstverständlich.“ Galant führt er mich zu dem luxuriösen Geländewagen. Seine Schritte sind geschmeidig, als würde er über einen roten Teppich und nicht über eine schlammige Straße gehen. Mit wackeligen Knien stolpere ich hinter ihm her.

Er öffnet die Beifahrertür und greift nach meinem Ellenbogen, um mir hineinzuhelfen. Ohne seine Unterstützung würde ich es kaum schaffen.

„Danke!“ Erschöpft lasse ich mich gegen die weiche Lehne sinken und lockere meine verkrampften Finger, mit denen ich meine High Heels und die kleine Handtasche umklammere. Beides fällt auf den Boden. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich die Schuhe und die Tasche noch immer festhielt.

Die Wärme im Auto ist ein himmlischer Kontrast zum Unwetter draußen. Erleichtert schließe ich die Augen, und eine tiefe Ruhe durchströmt mich.

„Hier“, dringt eine tiefe Stimme in mein Bewusstsein. „Nehmen Sie das!“

Langsam wende ich mich ihm zu und öffne die Augen, während mich eine plötzliche Müdigkeit überrollt. Ich blicke in das schwärzeste Augenpaar, das ich je gesehen habe. Der Fremde mustert mich aufmerksam. Sein Haar ist lackschwarz, seine Haut bronzefarben.

Ich schnappe nach Luft und reiße unwillkürlich die Augen auf. Noch nie habe ich einen so attraktiven Mann gesehen, erst recht nicht aus der Nähe.

Seine leicht gekrümmte, aristokratische Nase unterstreicht die markanten Gesichtszüge und die geschwungenen Lippen. In Kombination mit dem kantigen Kiefer geht eine magnetische Anziehungskraft von ihm aus. Er wirkt wie ein edler Krieger aus Tausendundeiner Nacht.

„Hier“, wiederholt er und drückt mir eine Wolldecke in die Hand. Leicht zieht er die Augenbrauen zusammen. „Sind Sie ganz sicher nicht verletzt?“

Ich schüttel den Kopf und vergrabe mein Gesicht in der weichen Decke. Meine Hände zittern stark. Liegt es an seinem forschenden Blick oder an meinen wirren Gedanken?

Ich stehe unter Schock, denke ich benommen. Das erklärt meine überstürzte Flucht und dieses taube Gefühl. Ich stehe ganz sicher unter Schock. Jede Frau wäre außer sich nach dem, was ich heute erfahren habe.

„Aufhören!“ Mit festem Griff legt er seine Hand unter mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen. Seine Finger fühlen sich auf meiner klammen Haut beruhigend warm an.

„Womit?“, frage ich mit erstickter Stimme und starre wie hypnotisiert in seine tiefschwarzen Augen. Ich verschlucke mich an meinem eigenen Atem, mein Herz stolpert, und beim Einatmen brennt es leicht in meiner Brust.

„Sie laufen Gefahr, hysterisch zu werden.“

Die Wärme seiner Finger brennt auf meiner Haut. „Tut mir leid, ich … ich bin wohl etwas neben der Spur“, bringe ich nur mühsam heraus. „Es geht gleich wieder.“

„Sie waren zu lange im Sturm“, brummt er und schlingt die Decke fest um meine Schultern. Dabei zieht er mich wie eine kraftlose Puppe leicht zu sich heran, bevor er mich wieder aufrichtet. „Wo kommen Sie her? Wie lange waren Sie draußen?“

Mein Mund verzieht sich zu einem verträumten Lächeln, während ich seinen maskulinen Duft einatme. Ich liebe diesen fremdländischen Akzent – er klingt geheimnisvoll und verführerisch. Erschrocken reiße ich die Augen auf, als er kurz meine Schulter berührt.

„Hat Ihnen jemand etwas angetan?“, sein Tonfall wird scharf.

„Nein, nein, mir geht es gut. Es ist nur …“, verlegen blinzle ich. „Ich muss unbedingt zurück. Bitte!“

Er nickt und greift nach meinem Gurt. Die Nähe seines Körpers beim Anschnallen wärmt mich mehr als die Decke.

„Wohin?“

Er setzt sich zurück ans Steuer, und ich fröstle sogleich. Dann startet er den Motor. Mein Instinkt sagt mir, dass ich ihm vertrauen kann.

„Noch sechs Kilometer, dann rechts. Von dort ist es noch ein Stück.“

Der Wagen fährt an, der Regen prasselt unablässig gegen die Scheibe. Mein Blick fällt auf meine Stiefel. „Entschuldigen Sie, meine Schuhe sind ganz dreckig“, flüstere ich.

„Das ist ein Geländewagen“, beruhigt er mich. „Der hat schon ganz anderen Dreck gesehen.“

So spricht ein Mann, der noch nie ein Auto selbst geputzt hat, denke ich mir. Dieser Wagen ist schließlich für prominente Gäste reserviert.

„Wie heißen Sie?“, frage ich. Einen Moment wirkt es, als hätte er mich nicht gehört.

„Khalid. Und Sie?“

„Maggie“, ziehe ich die Decke fester um mich. „Maggie Lewis.“ Meine Zähne haben endlich aufgehört zu klappern.

„Schön, Sie kennenzulernen, Maggie.“ Sein Tonfall bleibt formell. Ich frage mich, was er normalerweise tut, wenn er nicht gerade ein australisches Pferdegestüt besucht oder gestrandete Frauen von der Straße aufliest.


KHALID

Ich konzentriere mich auf die Straße, die im starken Regen immer schlechter zu erkennen ist. Die völlig durchnässte, verstörte Frau neben mir macht mir ernsthafte Sorgen. Sechs Kilometer und dann noch ein ganzes Stück? Ich kann sie nicht länger in diesem Zustand lassen. Ich werde sie nach Tallawanta bringen und mich um sie kümmern, bis sie sich erholt hat.

Ihr Erscheinen ist mir ein Rätsel. Ich habe kein Auto in der Nähe gesehen, und unter ihrem Regenmantel trägt sie keine Arbeitskleidung. Ihre langen, schlanken Beine sind mir sofort aufgefallen. Zudem hielt sie High Heels in der Hand – Schuhe, die zum Tanzen und Verführen gemacht sind, nicht für einen Fußmarsch im Sturm.

Was ist ihr zugestoßen? Hat ihr ein Mann etwas angetan?

Trotz ihrer Größe wirkt sie erstaunlich zerbrechlich. Ihre Augen erscheinen in dem blassen Gesicht riesig, die Linie ihres Halses zart und fragil. Auf der offiziellen Feier zu Ehren des Thronerben von Shajehar war sie heute Abend jedenfalls nicht – das wäre mir aufgefallen.

Aus dem Augenwinkel mustere ich sie, während sie erschöpft die Augen schließt. Mich packt die Neugier, was sie bei diesem Wetter auf die Straße getrieben hat. Es ist lange her, dass mich etwas so neugierig gemacht hat.

Endlich ist es mir gelungen, ohne meine Entourage aus Sicherheitsleuten und überfürsorglichen Gastgebern unterwegs zu sein. Mein Sicherheitschef hat mir zähneknirschend etwas Freiraum gewährt – nun kann ich meinen eigenen Instinkten folgen.

Seit sechs Wochen reise ich pflichtbewusst durch die königlichen Besitztümer meines Halbbruders in Europa, Amerika und Australien. Doch Faruqs Vorliebe für Glanz und Luxus teile ich nicht. Seit klar ist, dass ich der Erbe meines todkranken Halbbruders bin, verfolgt mich ein riesiges Sicherheitsaufgebot. Es ist jedoch eher Faruqs Hang zur Selbstdarstellung geschuldet als einer realen Bedrohung.

Am unnötigsten finde ich die vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Meine Zeit wäre sinnvoller investiert in mein Herzensprojekt: eine verlässliche Frischwasserversorgung für das abgelegene Bergland in Shajehar. Das würde den Menschen dort wirklich helfen.

Vor mir tauchen gedämpfte Lichter in der Dunkelheit auf, und meine Anspannung legt sich etwas. Endlich kann ich meinen Schützling ins Warme bringen und gegebenenfalls einen Arzt rufen. Routiniert lenke ich den Wagen um die Garagen herum und halte vor dem privaten Flügel der Anlage.

„Da sind wir.“ Vorsichtig lege ich eine Hand an ihre Wange. Sie ist eiskalt. „Maggie! Wach auf!“

MAGGIE

Wieder diese Stimme – und diesmal klingt sie richtig eindringlich.

„Maggie!“

Unwillig wehre ich die Hand ab, die mich aus meinen süßen Träumen reißen will. Dann spüre ich einen warmen, kräftigen Arm in meinem Nacken und habe das Gefühl zu schweben. Dicht an meinem Ohr pocht ein starker Herzschlag, und ich fühle mich so geborgen wie noch nie.

Instinktiv kuschel ich mich an den festen, wärmenden Körper und atme tief durch. Doch er ist völlig durchnässt. Erschrocken öffne ich die Augen – nur um festzustellen, dass er mich durch den stürmischen Regen in ein Haus trägt.

Wir sind auf Tallawanta.

„Sie … Du kannst mich jetzt runterlassen“, verlange ich abrupt, doch Khalid ignoriert meinen Einwand.

Schweigend trägt er mich durch lange Flure und setzt mich schließlich vorsichtig auf den Boden ab. Noch immer liege ich in seinen Armen, und ich habe das unbestimmte Gefühl, zu träumen.

„Und jetzt ist es Zeit für dich, diese Kleider loszuwerden“, murmelt seine verführerische Stimme.

„Wie bitte?“ Mit einem Mal bin ich hellwach und stemme meine Hände gegen seine Brust.

Sein Blick ruht intensiv auf mir, als würde er die goldene Farbe meiner Augen und die hellgrünen Flecken darin genau studieren.

„Du musst aus den nassen Sachen raus.“

„Nicht, solange du dabei zusiehst.“ Formalitäten sind längst vergessen. Meine Wangen färben sich rosa, was meine leichten Sommersprossen nur noch deutlicher hervortreten lässt.

„Ich möchte nur nicht, dass du dich erkältest. Auf deinen Körper habe ich es nicht abgesehen.“

Meine Wangen glühen noch mehr, und ich beiße mir verlegen auf die Unterlippe. „Ich kann auf mich selbst aufpassen. Ich brauche keine Hilfe.“

Meine wiedergewonnene Widerstandskraft scheint seine Neugier nur noch mehr anzustacheln. Er hat eine unvergleichliche Ausstrahlung – eine Mischung aus eiserner Selbstbeherrschung und tiefem Pflichtgefühl. Er berührt mich auf eine Weise, die ich schon seit langer Zeit nicht mehr erlebt habe, und das fasziniert und erschreckt mich zugleich.

„Hätte ich dich dort draußen dem Sturm überlassen sollen?“, fragt er.

„Das meine ich nicht. Ich bin wirklich dankbar für die Rettung.“ Ungläubig sehe ich mich in dem geräumigen Marmorbad um. „Es wäre nur einfacher gewesen, wenn du mich nach Hause gebracht hättest.“

Meine Stimme klingt noch etwas belegt, doch mein Verstand ist vollkommen klar. Die Kälte und eine schleichende Erkältung machen mir schlicht zu schaffen.

Benommen sehe ich zu, wie er aus seinem Jackett schlüpft und es über einen Korbsessel wirft. Ich kann nicht anders, als seinen stattlichen Oberkörper und die schmalen Hüften zu bewundern. Sein nasses Shirt klebt auf der Haut, und mir wird bei diesem Anblick ganz trocken im Mund.

In mir steigt eine unangenehme Hitze auf. Natürlich will er mich nicht nackt sehen. Schließlich war ich noch nie sonderlich attraktiv. Wut und Scham vermischen sich zu einem Strudel aus bitterem Selbstmitleid.

Verzweifelt kämpfe ich gegen die aufsteigenden Tränen an. Heute Abend ist mir nur wieder einmal klar geworden, was ich ohnehin schon lange weiß: Männer finden mich einfach nicht anziehend.

Ein plätscherndes Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Khalid hat sich vorgebeugt und die Dusche angestellt. Das verschafft mir einen heimlichen Blick auf seine wohlgeformte Kehrseite. Nicht einmal Marcus mit seinen lachenden blauen Augen und seiner kräftigen Gestalt kann dieser maskulinen Präsenz das Wasser reichen.

„Lass dir wenigstens aus dem Mantel helfen!“ Er wartet meine Antwort gar nicht erst ab – offenbar ist er es gewohnt, dass man ihm bedingungslos gehorcht.

Stumm starre ich ihn an und schäme mich für das Verlangen, das dieser Anblick in mir entfacht. Marcus hat nie etwas Derartiges in mir ausgelöst. Er bedeutet mir etwas, natürlich. Ich respektiere ihn und dachte, Intimität sei einfach der nächste logische Schritt. Aber ich habe in seiner Nähe nie so etwas empfunden.

So fühlt sich also sexuelles Verlangen an?, frage ich mich im Stillen.

Meine Erfahrung ist denkbar gering. Ich habe mein Leben auf einer Farm verbracht, isoliert mit meinem herrischen Vater und langen Stunden harter Arbeit. In dieser Einsamkeit kam mir die unschuldige Beziehung zu Marcus unglaublich wertvoll vor.

„Jetzt das Kleid, und mit dem Rest kommst du bestimmt allein zurecht“, sagt er mit fester Stimme. Schon wieder werden meine Knie weich, als ich seinen sexy Akzent höre.

Das muss sofort aufhören, ermahne ich mich streng. Keine weiteren erotischen Fantasien mit einem exotischen Fremden!

Ich beiße mir auf die Unterlippe, während er langsam meinen Reißverschluss öffnet – Zentimeter für Zentimeter. Eine Gänsehaut überzieht meine Haut, obwohl er mich nicht einmal direkt berührt.

Kerzengerade bleibe ich stehen. Langsam wird mir bewusst, dass ich gleich nur noch in Unterwäsche vor ihm stehe. Umso erniedrigender ist es, dass er nicht einmal den Ansatz eines Annäherungsversuchs macht.

Wem versuche ich mit diesem neuen Kleid eigentlich etwas vorzumachen?, frage ich mich unglücklich. Mein Körper ist zu groß, zu schmal – ohne jede verführerische Rundung.

In den Ställen behandeln mich die anderen Arbeiter wie einen Kumpel. Das sagt doch schon alles. Sie schätzen mich für meine harte Arbeit, aber für mehr eben nicht. Plötzlich durchfährt mich ein schmerzhafter Stich in der Magengegend, und ich beuge mich leicht vor.

„Maggie? Hast du Schmerzen?“

Ich spüre seine kräftigen Hände auf meinen Schultern. „Nein“, keuche ich schnell. „Aber ich möchte allein sein. Bitte!“

Er verzieht den Mund zu einer grimmigen Linie. „Wie du wünschst.“ Im nächsten Moment ist er verschwunden – und um ein Haar hätte ich ihn zurückgerufen. Es fühlt sich seltsam falsch an, plötzlich so einsam in diesem riesigen Badezimmer zu stehen.

Dann gewinnt mein Stolz wieder die Oberhand. Schließlich bin ich es gewohnt, für mich selbst zu sorgen. Mit langsamen Schritten gehe ich auf die Dusche zu.

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