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Keine Seiten, Der Krieg duldet keine Liebenden

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Zusammenfassung

Der Krieg duldet keine Liebenden. Eleonora weiss, was von einer Prinzessin erwartet wird: Lächeln. Schweigen. Gehorchen. Und vor allem darf niemand erfahren, was in ihr verborgen liegt. Denn in ihrem Königreich ist Magie verboten. Als andere über ihre Zukunft entscheiden, flieht Ella für eine Nacht aus dem Palast. Tief unter den Strassen entdeckt sie einen Ort ohne Kronen und Titel – und wird zu Nyx. Dort begegnet sie einem Fremden, der ebenso wenig der zu sein scheint, für den er sich ausgibt. Doch was als Flucht beginnt, führt Ella zu Geheimnissen, die älter sind als das Verbot der Magie. Während ein Krieg näher rückt, verlangen alle von ihr eine Entscheidung. Aber was, wenn keine der Seiten ihre ist?

Genre:
Fantasy
Autor:
Jx_mine_
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
5.0 (1 Bewertung)
Altersfreigabe
16+

Prolog

Der Krieg verlangt eine Seite. Das behaupten zumindest jene, die nie zwischen ihnen standen. Das Herz kennt keine.

„Entscheide dich.“

Zwei Worte. Mehr brauchte es offenbar nicht, um ein ganzes Leben auf zwei Möglichkeiten zu reduzieren. Ich stand zwischen ihnen. Hinter mir brannte etwas. Ein Haus vielleicht. Ein Turm. Ich wusste es nicht mehr. Der Rauch brannte in meinen Augen, und irgendwo jenseits der Mauer schrien Menschen Namen, auf die niemand mehr antwortete. Meine Hände waren voller Blut. Nicht meines. Zumindest glaubte ich das.

„Eleonora.“

Ich hasste diesen Namen in seinem Mund. Nicht weil er ihn falsch aussprach. Sondern weil er mich daran erinnerte, wer ich sein sollte. Prinzessin. Tochter. Schwester. Versprechen. Frieden. Waffe. So viele Namen für ein einziges Mädchen. Und keiner davon fühlte sich noch nach mir an.

„Du musst dich entscheiden.“

Wieder. Ich sah nach links. Dann nach rechts. Menschen, die ich liebte, standen auf beiden Seiten. Vielleicht war das das Grausamste an einem Krieg. Nicht dass man seine Feinde verlor. Sondern dass irgendwann jemand beschloss, welche Menschen man Feinde nennen musste.

„Ella.“

Eine andere Stimme diesmal. Leiser. Vertrauter. Gefährlicher. Mein Herz reagierte schneller als mein Verstand. Ich schloss die Augen. Ella. Nicht Prinzessin. Nicht Nyx. Nur Ella. Für einen Augenblick war ich wieder unter der Kathedrale. Schwarzer Stein unter meinen Füssen. Eine Maske auf meinem Gesicht. Ein Fremder mit dunklen Augen vor mir. Warum kämpft Ihr? Damals hatte ich die Antwort nicht gekannt. Jetzt kannte ich sie.

Zu spät. Ich öffnete die Augen.

„Nein.“

Stille.

„Was?“

„Ich entscheide mich nicht.“

Die Worte waren kaum mehr als ein Flüstern. Trotzdem hörten sie alle.

„Das kannst du nicht.“

Fast hätte ich gelacht. Diesen Satz kannte ich. Du kannst nicht. Du darfst nicht. Du musst. Mein ganzes Leben bestand aus Sätzen, die andere für mich begonnen hatten. Vielleicht war es Zeit, einen selbst zu beenden. Ich zog mein Schwert. Sofort gingen ringsum Waffen hoch. Freund. Feind. Familie. Vielleicht gab es zwischen diesen Worten irgendwann keinen Unterschied mehr.

„Wenn du jetzt keinen Platz wählst“, sagte er, „wirst du auf beiden Seiten Menschen verlieren.“

Ich sah ihn an.

„Das tue ich sowieso.“

Sein Gesicht veränderte sich. Nur einen Augenblick. Schmerz. Gut. Dann wusste er wenigstens, wie es sich anfühlte. Der Wind trieb Rauch zwischen uns. Meine Finger schlossen sich fester um den Griff. Ich suchte nach meiner Magie. Nach dieser Wärme unter meiner Haut. Nach dem zweiten Herzschlag. Nichts. Natürlich. Selbst jetzt schwieg sie.

„Ella.“

Ich drehte den Kopf. Er stand dort. Blut an seiner Kleidung. Keine Maske. Keine Krone. Zum ersten Mal wusste ich nicht, ob ich Cassian oder Kael vor mir sah. Vielleicht wusste er es selbst nicht mehr.

„Komm zu mir.“

Vier Worte. So viel gefährlicher als zwei. Ich wollte. Das war das Problem. Ich wollte zu ihm. Zu meinen Schwestern. Zu meiner Mutter. Zu all den Menschen, die einmal meine Familie gewesen waren. Ich wollte zurück in eine Zeit, in der ich geglaubt hatte, man könne alle Menschen festhalten, wenn man sich nur genug Mühe gab.

Aber Hände waren nicht dafür gemacht, eine ganze Welt zusammenzuhalten. Irgendwann musste man loslassen. Nur wusste ich noch nicht, wen. Ein Horn ertönte. Dann ein zweites. Cassian sah über meine Schulter. Sein Gesicht verlor jede Farbe.

„Ella.“

Diesmal klang mein Name wie eine Warnung. Ich drehte mich um. Und verstand endlich, warum alle von mir verlangt hatten, eine Seite zu wählen. Nicht weil eine davon richtig war. Sondern weil keine mehr sicher war. Ich hob mein Schwert. Und irgendwo tief in mir – antwortete etwas. Ein Funke. Silbern. Winzig. Aber da. Ich lächelte.

„Ihr wolltet meine Entscheidung.“

Der Boden unter meinen Füssen begann zu beben.

„Hier ist sie.“

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