Kapitel 1 - Nira Caseinge
Rennen war nicht gerade Nira‘s Stärke, doch musste sie dies nun tun, wollte sie rechtzeitig zurück im Schlafgemach ihrer Herrin sein. Sie hastete den langen Korridor entlang, der zwischen zwei Wänden der Festung versteckt war. Ihre Lunge brannte langsam und sie war froh, das Licht zu sehen das unter der Tür die vor ihr in Sicht kam hindurch floss. Schwer atmend riss sie eben jene Tür auf und stolperte in das Gemach. Es war dunkler als sie es erwartet hatte, die schweren blauen Vorhänge waren zugezogen. Ihre Herrin murrte als Nira die Hände auf den Knien abstützte: „Wo sind denn bitte deine Manieren Nira, klopfen ist nicht so schwer.“ Nira japste, obwohl sie nicht einmal weit gerannt war und entschuldigte sich: „Verzeiht Herrin, ich bin spät.“
Sie strich sich eine ihrer dunkelbraunen Strähnen aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten. Ihre Herrin erhob sich elegant und kam auf sie zu: „Nein, mir tut es leid. Ich hätte nicht mit dir schimpfen sollen. Die Sache ist nur sehr heikel und zerrt an meiner Geduld.“
Nira‘s Atem beruhigte sich und sie richtete sich auf. Ihre Herrin fragte nun eindringlich und die rauchgrauen Augen voller Sorge und Ungeduld: „Hast du die Information?“ „Natürlich Herrin, die hohen Herren waren nicht gerade vorsichtig.“ „Das ist ungewöhnlich.“ überlegte Lady Lrryn und ihre Stirn legte sich in Falten, kurz schweifte ihr Blick ab. Dann jedoch fokussierte sie sich wieder und sagte drängend: „Nun bitte sprich doch Nira! Wie geht es der Königin und wie steht es nur um den Gefangenen?“ „Oh Herrin, das sind zwei unterschiedliche Fragen. Doch seid gewiss, der Königin geht es wieder blendend, ihre Krankheit hat nachgelassen.“
Fast meinte Nira Enttäuschung auf dem Gesicht ihrer Herrin zu sehen, doch sie musste sich getäuscht haben, so schnell die vermeintliche Enttäuschung gekommen war, so rasch war sie wieder verschwunden. Lady Lrryn forderte sie auf, weiter zu sprechen, doch Nira zögerte:
„Herrin- er ist- also er- er weilt nicht mehr unter uns.“ Sie kniff die Augen zusammen und senkte ihren Kopf betreten, diese Nachricht hatte sie nicht überbringen wollen.
Lady Lrryn wich jegliche Farbe aus dem Gesicht. Nira schaute wieder hoch und erkannte, dass diese Botschaft ihrer Herrin wohl das Herz zerrissen haben musste, doch weinte sie nicht.
Es vergingen einige Momente bevor Lady Lrryn eine Träne aus den Augen rollte, über die blassen Wangen bis hinunter zu den eben fahl scheinenden, zusammengepressten Lippen. Dann ging alles ganz schnell und ihre Herrin sank zu Boden, vergrub ihr Gesicht in den feinen Händen und sie schluchzte eine scheinbare Ewigkeit bevor sie begann zu schreien.
Nira liess sich neben ihr nieder, die Etikette verbot es, ihrer Herrin nahe zu kommen ohne deren Erlaubnis, doch dies war gerade gleichgültig. Lady Lrryn liess den Kopf auf Nira’s Schultern fallen und schrie in ein Kissen, das Nira vom Bett gezogen hatte. Es dämpfte den Schrei, dennoch ging er Nira durch Mark und Bein.








