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Baroque Storm (Urban Romantasy)

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Zusammenfassung

Ich bin vielleicht nicht so ehrenhaft und brenne die Welt für dich nieder, Annabell. Aber ein paar Jahrhunderte Familiengeschichte aus den Geschichtsbüchern zu streichen, sollte machbar sein. Für Costa ist die Liebe zu ihr verboten, und eine Heirat erst recht. Doch damit er mit seiner Auserwählten bis ans Lebensende glücklich sein kann, will er zwölf mächtige Artefakte zerstören und das zwölfte vorher an seine Geliebte wiedergegeben, damit sie sich an ihn erinnern kann. Eine Geschichte die darum handelt das selbst nach Jahrhunderten die echte Liebe bleibt, selbst wenn er dazu alle um sich herum zerstören muss. Selbst das ewige Leben macht einen nicht glücklich, wenn die Person die er liebt ihm nicht nahe sein darf. Weil sie dann sterben muss.

Genre:
Romance
Autor:
A.C. Winter
Status:
vor einem Tag
Kapitel:
2
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Costa - Das jetzige Leben


Costa - 21. Jahrhundert

Die Frau räkelt sich auf meinem Schoß, als wäre ich ein Schlangenbeschwörer, der auf einer Flöte spielt. Sie ist hübsch, ohne Frage. Ihre schwarzen Locken wippen bei jeder Bewegung hin und her, bedecken ab und an ihre Brüste, welche sie mir in höchster Aufdringlichkeit immer wieder ins Gesicht hält. Sie verlangt danach, dass ich sie berühre, sie drängt mir ihren Körper praktisch auf. Umschmeichelt mit ihren manikürten Krallen meinen Bizeps, reibt den weißen Slip über meine Mitte und stimuliert mit der Bewegung ihrer Hüften meine Länge. Doch leider scheint mein Schwanz nicht so scharf auf sie zu sein. Sie versucht es seit circa zehn Minuten, angefangen mit einem Striptease, geendet mit dem Entblößen ihrer Brüste. Da sich aber bisher nichts weiter in mir geregt hat außer das Verlangen nach Nikotin, gibt sie auf. Ihre, zugegeben, wunderschönen grünen Augen fixieren mich und versuchen, das Problem zu ergründen. Sie starrt mich mit einem Mix aus Empörung, Unverständnis und Lust an. Dabei scannt sie meinen Körper ab, fixiert das offene weiße Hemd, wodurch man meine Muskeln blitzen sieht, sowie die feinen Tätowierungen, die mein Leben preisgeben. Ihre Hand löst sich von meinem Bizeps, wandert über meinen Bauch nach unten. Sie zieht ihre Augenbrauen hoch, schenkt mir einen selbstsicheren Augenaufschlag und fängt an, über meinen Venushügel zu fahren, dann unter meinen Gürtel, der die Armani-Hose an Ort und Stelle hält. Als ihre Fingerspitzen noch immer spüren, dass die Avancen keinerlei Wirkung zeigen, seufzt sie, entzieht ihre Hand und schenkt mir wieder diesen beleidigten Blick. Sie lehnt sich nach vorne, umfasst meinen Nacken und fährt mit ihren Krallen über meine Kopfhaut.

»Costa, was ist los?«, fragt sie mit einem Flüstern. Dabei presst ihr Busen gegen meinen Oberkörper, ganz in der Hoffnung, es würde mich auch nur annähernd reizen. Um ehrlich zu sein, kann es mir nicht egaler sein. Vielmehr kotzt es mich an, dass sie der Meinung ist, mich scharf machen zu können. Nur selten schafft es eine Frau, dass ich mich für sie interessiere, und noch seltener schafft es eine Frau, dass ich sie ficken will. Eigentlich gehört sie zu den Kandidatinnen, die es schon mal geschafft haben, und genau deswegen darf sie mir so nahe sein, ohne dass ich ihre Finger brechen will. Hätte ich heute nicht so eine beschissene Laune, hätte es vielleicht sogar funktioniert. Leider aber ermahnen mich meine inneren Dämonen immer wieder. Die Dämonen, die dafür sorgen, dass nur eine Frau in meinem Leben mein Herz zum Rasen bringen kann.

Viel lieber verziehe ich mich in mein Apartment, denke an ihre Lippen, an ihre perfekten Kurven, an ihren Blick, der mich in meinen Träumen seit Jahrhunderten verfolgt, und erledige den Job selbst. Mit einem groben Griff packe ich in die Haare der Prostituierten. Kurz sehe ich Hoffnung in den rehbraunen Augen aufblitzen, die Hoffnung darauf, dass ich mich nicht mehr zurückhalten will. Doch ziehe ich sie nur von mir herunter und setze ihren Pfirsichhintern auf den freien Platz neben mir.

»Sorry, Süße, aber das wird so nichts«, sage ich schnaubend, lehne mich nach vorne und greife nach der Marlboro-Schachtel. Dieses scheiß Zeug ist meine persönliche Hölle, aber wenigstens kann man meinen Nikotinspiegel leicht befriedigen.

»Letztens meintest du noch, es war super.« Sie fängt an zu schmollen, große Klasse. Das hat mir gerade noch gefehlt. Eine weinende Hure, die ihr Selbstbewusstsein verliert, nur weil ein Mann nicht direkt ’nen Ständer bekommt.

»Bea, du weißt, wie schwierig das bei mir ist«, versuche ich sie zu beruhigen. Nicht dass mir ihr Wohl wirklich am Herzen liegt, vielmehr sind es meine Nerven, die ich nicht noch weiter mit sinnlosem Zeug füttern will. Ich knöpfe mir mein Hemd wieder zu, richte meine Haare, die sie unordentlich gemacht hat, und stehe langsam von meinem Platz auf. Genervt streift mein Blick über den VIP-Bereich des Clubs. Überall am Boden liegen die Sachen von Bea verteilt, und da ich so was wie Respekt gegenüber Frauen empfinde - auch wenn das über die Zeit verdächtig abgenommen hat - hebe ich ihre Sachen auf und werfe sie ihr zu. »Zieh dich wieder an, deine Zeit bezahl ich dir«, meine ich trocken und gehe, ohne mich nach ihr umzudrehen, an das Geländer. Es besteht aus Glas und ist durch goldene Farbmuster verziert. Mein Blick gleitet nach unten, und während ich Rauch in die Luft stoße, tippe ich auf den Funkhörer, der sich in meinem Ohr befindet.

»Was treibt sie?«, frage ich in einem genervten Tonfall und fixiere die wild tanzende Meute. Die Masse an Menschen bewegt sich im Takt der basslastigen Musik, während der DJ immer mal wieder kleine Drops einbaut, die meine Knochen zum Vibrieren bringen. Hier drinnen ist es verdammt laut. Was ich erst jetzt richtig wahrnehme und mich deshalb vom Geländer abstoße. Ich sollte mich wohl in das Hinterzimmer verziehen, dorthin, wo ich Bea entführt hätte, wäre mein Schwanz nicht so unbeeindruckt. »Barnes, hörst du mich?«, kommt es von mir, als ich die schwere Holztür hinter mir ins Schloss fallen lasse. Das bekannte Knacken der Leitung verrät mir, diesmal Erfolg gehabt zu haben.

»Jo, Costa, Glöckchen geht es gut.« Er hört sich entspannt an, wahrscheinlich macht er es sich gerade auf einer Ledercouch bequem und beobachtet, wie sie im Mens-Club die Getränke hinter der Bar mischt. Er kann echt verdammt froh sein, dass sie dort arbeitet. Sicherlich wäre es unangenehmer, wenn sie einen anderen Job hätte. Zum Beispiel bei der Müllabfuhr. Ich fänd es ja schon witzig. Barnes, der die ganze Zeit dem Laster hinterherrennen muss? Dazu dieser Geruch. Ja, doch, ich finde es amüsant. Gleichzeitig hätte ich aber auch dafür gesorgt, dass sie dort gefeuert wird, um einen anderen, besseren Job für sie zu organisieren.

»Was treibt sie?«, wiederhole ich meine Frage, die er nicht gehört hatte.

»Nichts weiter, Whisky ausgeben und alten Säcken zuhören.«

»Irgendwelche Zwischenfälle?«, erkundige ich mich weiter und stehe mittlerweile vor dem Spiegel der Luxussuite. Sie ist riesig, ausgestattet mit einem Kingsize-Bett und den passenden roten Laken. Dazu der Spiegel, welcher an der gegenüberliegenden Wand angebracht ist und zu wundervollen Fantasien einlädt. Außerdem grenzt hier ein Bad mit Whirlpool an sowie die Dachterrasse, von der man über London blickt.

Ich richte meine Krawatte und höre dem Geschwätz von Barnes zu, der mir ihren ganzen Tagesablauf beschreibt. Da ich nichts Außergewöhnliches höre, setzt sich ein beruhigendes Gefühl in meinem Magen fest. Wäre ihr heute noch etwas widerfahren, hätte ich meinen Verstand komplett verloren. Bea habe ich auch nur in der Hoffnung aufgesucht, mich durch bezahlten, bedeutungslosen Sex ablenken zu können. Einerseits von Glöckchen, andererseits von meinen Pflichten.

»Also ist nichts passiert?«, wiederhole ich die Frage.

»Nein, Costa, alles roger.« Er wirkt dabei entspannt. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Barnes schon ein paar Drinks hinter sich hat. Normalerweise zählt er eher zu den Leuten, die aufgedreht im Kreis springen. Was gewissermaßen entspannend wirken kann. Er nimmt das Leben nicht so ernst. Warum auch? Der Kerl hat schon mehrere Wiedergeburten hinter sich und würde nicht mal wagen, sein Gehirn damit zu beschäftigen, um an das Ende zu denken. Das Ende, das ich seit Jahren herbeisehne. Nur auf eine andere Art und Weise. »Gut, bleib bis zum Dienstende, ich hab noch was zu erledigen.« Mit einem Ruck drehe ich mich von meinem Anblick weg und laufe aus dem Zimmer hinaus.

Die Lounge erstreckt sich direkt vor mir, dort, wo ich gerade eben noch gesessen habe. Die Prostituierte ist verschwunden, aber sie kennt auch die Regeln. Lehne ich sie ab, sollten sie direkt das Weite suchen.

»Bea?«, fragt er nach. Ich verziehe nur meinen Mundwinkel. Allein der Gedanke an gerade eben lässt mich schaudern. Ich hasse mich dafür, mit anderen Frauen schlafen zu müssen. Nur weil meine Eier explodieren würden, ginge ich nicht ab und an dem Verlangen nach. »Nein, die Kleine hat’s nicht gebracht«, sage ich entspannt und zünde mir eine neue Zigarette an, während ich an der Glastreppe nach unten gehe. Im untersten Flur angekommen, springen direkt die Augen der Damen zu mir. Ich bin selbstbewusst genug, um sagen zu können, dass es definitiv an meinem Aussehen liegt, und eingebildet genug, um sagen zu können, dass ich sie verstehe. Dennoch ignoriere ich die Blicke, laufe auf den Hauptausgang zu, vorbei an der Security, und biege in den VIP-Gang ein. Dieser führt direkt zu den Garagen, dort, wo die exklusiven Parkplätze sind. Ich komme vor einem kleinen Pult zum stehen, blicke den blondhaarigen Page an, der mir direkt meinen Autoschlüssel in die Hand drückt. Ich gehe zu oft in den Club, viel zu oft, weswegen dieser Bursche schon meinen gesamten Fuhrpark kennt. Lässig werfe ich den Schlüssel immer wieder in die Luft, rauche meine Zigarette auf und trete sie am Boden vor meinem Porsche aus. Mit einem piependen Geräusch öffnet sich die Verriegelung, und ich nehme auf dem Fahrersitz Platz. Seufzend sinke ich im Leder zusammen, fahre genervt über mein Gesicht und starte den Motor, welcher aufheult, als ich mit Schwung rückwärts aus der Parklücke herausfahre. Auf den Straßen Londons, kurz vor ein Uhr nachts, lasse ich den Tag noch mal in meinem Geist ablaufen. Angefangen hat es damit, dass ich keine Zigaretten mehr hatte. Zugegeben, eigentlich nicht schlimm, da ich eh von den Dingern loskommen will. Doch wenn ich Barnes noch mal meinen Entzug antue, klatscht der Kerl mir nach drei Tagen wieder eine Schachtel vor die Füße. So wie letztes Mal. Es ging weiter mit dem Motorschaden an meinem Ferrari, gefolgt von meiner Assistentin, die mich vor der eigentlichen Arbeitszeit belästigen musste. Wieder mal hatte sich ein Model krankgemeldet, und Gott segne die Kleine, wenn sie demnächst wieder auftaucht. Ich habe wirklich in meinen Gedanken nach der effektivsten Folter gesucht, dies aber verworfen, als ich kurzfristig Ersatz finden konnte. Die Modezeitschriften sind nicht immer so wählerisch, wie man sich vorstellen mag. Man muss nur verkaufen können, dann fressen sie einem aus der Hand wie ein Streuner, der seit Wochen nichts mehr Richtiges zu essen hatte.

Ich nehme eine scharfe Rechtskurve und biege in mein Wohnviertel ein. Mit meinem Kopf fokussiere ich mich nochmals auf die Auswahl der Kleidung, welche heute genauso scheiße verlief wie alles andere. Hier und da mussten neue Änderungen vorgenommen werden, weil Cassia zwei Kilo zugelegt hat. Nicht dass ich es schlimm finde, wenn meine Models etwas mehr auf der Waage haben. Doch bevorzuge ich die Gewichtszunahme nach der Show und nicht davor.

Mit der Bedienung öffne ich die Tiefgarage, buxiere meinen Wagen zu den anderen der Sammlung und steige aus. Direkt schlägt mir die Wärme entgegen, genauso wie der Geruch nach Abgasen. Mit langsamen Schritten schleppe ich mich zum Fahrstuhl, tippe meine Geheimzahl ein und werde von diesem Teil in meine Wohnung gefahren. Quietschend öffnen sich die Türen, und schon stehe ich in meinem Penthouse. Das Chaos hier drinnen erinnert mich daran, dass ich eine neue Haushaltshilfe einstellen wollte. Leider aber ist qualifiziertes Personal schwer zu finden - oder besser gesagt Personal, das nicht in deinen Sachen rumschnüffelt. Die letzte, die ich angestellt habe, bediente sich gerne an dem Geld, das ich hier verstecke. Zugegeben, es ist nicht viel, aber Diebstahl stand eben nicht in der Stellenanzeige.

Ungeachtet meiner Feststellung, dass es hier drin schon unordentlich genug ist, wandern meine Schuhe rücksichtslos auf den Boden. Ich streife mein Sakko ab, hänge es über einen Stuhl und biege schnurstracks in meine Minibar ein. Mit einem kurzen Blick auf die Auswahl entscheide ich mich für einen herben Whisky, nehme mir ein Glas, Eiswürfel und träufle die bernsteinfarbene Flüssigkeit darüber. Die Flasche stelle ich wieder zurück an ihren Platz und betrete kurz darauf die kleine Dachterrasse. Mein Blick schweift über die Skyline, und ich nippe dabei ein wenig an der Flüssigkeit, die meinen Rachen zum Brennen bringt. Eigentlich wollte ich noch jemanden anrufen, doch entschließe mich dazu, dass dieser bis morgen warten kann.

Die Ruhe hier oben ist unschlagbar, vor allem, wenn man die letzten Stunden in einem stickigen, lauten Club verbracht hat. Ich lasse meinen angespannten Nacken kreisen und rufe mir die blauen Augen von Glöckchen ins Gedächtnis. Ihr würde es hier gefallen - vielleicht ein wenig zu luxuriös, aber dieser Ausblick ist atemberaubend. Wenn ich daran zurückdenke, wie wir uns kennengelernt haben, schleicht sich ein seltenes Schmunzeln auf meine Lippen.

Kapitel
1. Costa - Das jetzige Leben
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