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Kissing of Blood

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Zusammenfassung

Er war tot. Zumindest glaubte Madison das. Nach dem tragischen Unfall, bei dem ihr Freund Aulon ums Leben gekommen sein soll, zerbricht für Madison ihre gesamte Welt. Sie versucht, mit dem Verlust zu leben und die Erinnerungen an den Menschen zu bewahren, den sie über alles geliebt hat. Doch als Madison an eine neue Schule kommt, beginnt ihr schlimmster Albtraum. Jemand macht ihr das Leben zur Hölle. Psychische Spiele, Demütigungen und gezielte Manipulationen treiben sie immer weiter an ihre Grenzen. Sie weiß nicht, wer hinter all dem steckt oder warum ausgerechnet sie zum Ziel geworden ist. Bis sie eines Tages einem Jungen gegenübersteht, dessen Gesicht sie niemals vergessen könnte. Aulon. Er ist nicht tot. Er hat seinen Tod vorgetäuscht. Und jetzt ist er zurückgekommen, um Madison Stück für Stück zu zerstören. Doch warum? Was hat sie getan, das seinen Hass entfacht hat? Und wie weit wird er gehen, bevor Madison herausfindet, was wirklich hinter seinem angeblichen Tod steckt?

Genre:
Romance
Autor:
blackshadow
Status:
vor 7 Stunden
Kapitel:
3
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

1. Kapitel

⚠️ TRIGGERWARNUNG⚠️

Dieses Kapitel behandelt mehrere emotional belastende Themen. Es geht um den Verlust geliebter Menschen, Trauer, Tod, anhaltende Verlustangst und die psychische Belastung nach traumatischen Erlebnissen.

Außerdem wird problematisches Essverhalten beziehungsweise selbstinduziertes Erbrechen thematisiert. Die Szene beschreibt eine Figur, die sich aufgrund ihrer emotionalen Belastung zum Erbrechen bringt.

Im weiteren Verlauf des Kapitels werden starke Verzweiflung, emotionaler Zusammenbruch, Einsamkeit und die Angst vor weiteren Verlusten thematisiert. Auch der Tod eines geliebten Menschen und die Schwierigkeiten beim Loslassen spielen eine zentrale Rolle.

Das Kapitel enthält außerdem eine familiäre Konfliktsituation, da Madison gegen ihren Willen mit der Entscheidung konfrontiert wird, auf ein Internat geschickt zu werden.

Bitte achtet beim Lesen auf euch und eure eigenen Grenzen. Wenn euch eines dieser Themen belastet, macht eine Pause oder überspringt das Kapitel.

Fünf Jahre, sechs Monate und fünf Tage sind vergangen, seit ich ihn verloren habe. Fünf Jahre, sechs Monate und fünf Tage, seit meine Welt aufgehört hat, sich wie meine eigene anzufühlen. Man sollte meinen, dass die Zeit irgendwann dafür sorgt, dass der Schmerz leiser wird. Dass man irgendwann aufwacht und nicht mehr, als Erstes daran denkt. Dass Erinnerungen irgendwann nicht mehr wehtun.

Aber das tun sie nicht.

Es fühlt sich an, als wäre alles erst gestern passiert. Als müsste ich nur die Augen schließen und wäre wieder dort. Ich kann mich noch an die Angst erinnern, an das Blut, an die Sirenen und an seine Hand in meiner. Ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, wie mir langsam bewusst wurde, dass ich ihn nie wieder zurückbekommen würde. Und obwohl seitdem Jahre vergangen sind, fühlt sich diese Wunde noch immer an, als wäre sie niemals richtig verheilt.

Und als hätte das Leben beschlossen, dass ein Verlust nicht genug ist, hat es mir vor wenigen Wochen auch noch meine Mutter genommen.

Seitdem frage ich mich jeden Morgen, warum ich überhaupt noch aufstehe.

Jetzt stehe ich hier.

Neben meinem Vater.

Vor dem offenen Grab meiner Mutter.

Der Wind fährt kalt durch meine Kleidung, doch ich nehme die Kälte kaum wahr. Meine Hände sind ineinander verschränkt, so fest, dass meine Finger schmerzen. Ich starre auf den Sarg, der langsam in die Erde hinabgelassen wird, und irgendetwas in mir weigert sich zu akzeptieren, was ich sehe.

Das ist meine Mama.

Die Frau, die mich auf die Welt gebracht hat. Die mich gehalten hat, wenn ich Angst hatte. Die meine Hand genommen hat, wenn ich nicht wusste, wohin mit mir. Die all meine guten und schlechten Tage gesehen hat, und trotzdem geblieben ist.

Und jetzt wird sie in die Erde gelassen.

Für immer.

Mein Atem beginnt zu zittern. Ich versuche ruhig zu bleiben, weil mein Vater neben mir steht und ich sehe, wie sehr auch er kämpft. Seine Schultern sind nach vorne gesunken, sein Blick ist starr auf den Sarg gerichtet. Er sagt nichts. Ich glaube, er könnte im Moment sowieso kein Wort herausbringen.

Ich frage mich, wie lange wir hier schon stehen.

Vielleicht ein paar Minuten.

Vielleicht eine Ewigkeit.

Zeit hat für mich schon lange aufgehört eine Bedeutung zu haben.

Eine Träne läuft über meine Wange, dann noch eine. Ich wische sie nicht weg. Wozu auch? Ich könnte sie tausendmal wegwischen und, trotzdem würden immer neue kommen.

Als der Sarg den Boden erreicht, zieht sich etwas in meiner Brust zusammen. Es ist ein Schmerz, der so tief sitzt, dass ich kaum noch weiß, wohin damit. Meine Kehle brennt, meine Hände zittern und plötzlich habe ich das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.

„Mama", flüstere ich.

Nur dieses eine Wort.

Es zerbricht zwischen meinen Lippen.

Ich möchte nach vorne gehen. Ich möchte ihnen sagen, dass sie aufhören sollen. Dass sie den Sarg wieder heraufholen müssen. Dass sie einen Fehler gemacht haben. Dass meine Mutter nicht dort unten sein kann.

Aber ich weiß, dass sie nicht wiederkommen wird.

Das ist das Grausamste am Tod.

Man kann schreien, betteln, weinen und sich wünschen, man könnte die Zeit zurückdrehen. Man kann sich tausendmal vorstellen, was man anders gemacht hätte. Aber am Ende bleibt nur diese verdammte Gewissheit, dass der Mensch, den man liebt, nicht mehr zurückkommt.

Ich schließe meine Augen und versuche, mich an ihre Stimme zu erinnern.

Doch alles, was ich höre, ist das dumpfe Geräusch der Erde.

Schaufel für Schaufel.

Immer mehr Erde fällt auf den Sarg und jedes dumpfe Geräusch lässt etwas in meiner Brust zusammenzucken. Neben dem Grab stehen die Blumen, die die Menschen mitgebracht haben. Rosen, Lilien und andere Blumen in verschiedenen Farben, die eigentlich wunderschön sein sollten. Jetzt wirken sie auf mich nur traurig. Einige liegen bereits auf dem Sarg, andere werden nach und nach hinuntergeworfen und verschwinden zwischen der fallenden Erde.

Ich sehe, wie eine Rose auf dem Holz liegen bleibt. Für einen kurzen Moment bewegt sie sich im Wind, bevor die nächste Schaufel Erde darauf fällt und sie langsam unter sich begräbt.

Ich möchte nicht hinsehen.

Aber ich kann auch nicht wegsehen.

Mein Blick bleibt an den Blumen hängen, während mir bewusst wird, dass auch sie irgendwann verschwunden sein werden. Unter der Erde. Genau wie sie.

Eine Frau aus der Trauergemeinde tritt schließlich nach vorne und lässt einen kleinen Strauß hinab. Jemand spricht leise Worte des Abschieds, doch ich verstehe sie kaum. Alles klingt weit entfernt, als würde ich mich nicht wirklich hier befinden.

Mein Vater steht noch immer neben mir. Ich spüre seine Nähe, ohne ihn anzusehen.

Dann bekomme ich selbst eine Blume in die Hand.

Eine einzelne Rose.

Meine Finger schließen sich darum, doch ich kann mich nicht bewegen. Ich starre auf sie und denke daran, dass ich sie meiner Mutter eigentlich selbst hätte geben sollen, als sie noch lebte. Nicht jetzt. Nicht auf einem Sarg.

Eine Träne fällt auf die Blütenblätter.

„Ich liebe dich, Mama", flüstere ich.

Dann lasse ich die Rose los.

Sie fällt langsam hinab und landet zwischen den anderen Blumen.

Für einen Moment sehe ich nur ihre Farbe zwischen all dem Holz und der Erde. Dann kommt die nächste Schaufel.

Und noch eine.

Bis die Blumen langsam verschwinden.

Bis auch der letzte sichtbare Teil des Sarges unter der Erde liegt.

Und mit jedem Geräusch fühlt es sich an, als würde mir jemand ein weiteres Stück von meiner Mutter wegnehmen.

Und jetzt begreife ich, dass dies wirklich der letzte Abschied ist.

Ich presse eine Hand auf meinen Mund, um nicht laut aufzuschreien. Mein ganzer Körper bebt inzwischen. Ich will stark sein. Für meinen Vater. Für meine Mutter. Vielleicht sogar für mich selbst.

Aber ich bin es nicht.

Ich bin einfach nur ein Mädchen, das innerhalb weniger Jahre, zwei Menschen verloren hat, die seine gesamte Welt waren.

Und während ich neben meinem Vater stehe und dabei zusehe, wie das Grab meiner Mutter langsam geschlossen wird, frage ich mich zum ersten Mal, wie viel ein Mensch eigentlich verlieren kann, bevor von ihm selbst nichts mehr übrig bleibt.

Vielleicht ist das hier der Moment, in dem auch das letzte Stück von mir begraben wird.

Denn irgendwo tief in mir weiß ich bereits, dass ich nie wieder dieselbe Madison sein werde.

Einige Monate später

Ich stehe allein im Badezimmer und starre in den Spiegel. Mein Gesicht sieht blass und müde aus, meine Augen sind von den schlaflosen Nächten gerötet. Ich erkenne mich selbst kaum noch wieder. Seit dem Tod meiner Mutter sind Monate vergangen, doch die Leere in mir ist kein bisschen kleiner geworden. Im Gegenteil. Sie scheint jeden Tag ein wenig mehr von mir einzunehmen.

Ich öffne den Mund und schiebe vorsichtig einen Finger in meinen Hals. Kaum berühre ich die empfindliche Stelle, setzt mein Würgereflex ein. Mein Körper wehrt sich sofort dagegen, doch ich zwinge mich, nicht zurückzuweichen. Meine Augen beginnen zu tränen, während ich mich mit der anderen Hand am Waschbecken festhalte.

Ich weiß, dass ich damit nichts ungeschehen machen kann.

Ich weiß, dass meine Mutter dadurch nicht zurückkommt und dass auch Aulon dadurch nicht wieder neben mir stehen wird.

Trotzdem mache ich weiter.

Vielleicht, weil ich für ein paar Sekunden das Gefühl habe, wenigstens über etwas in meinem Leben bestimmen zu können. Vielleicht, weil der Schmerz in meinem Inneren so unerträglich geworden ist, dass ich lieber einen körperlichen Schmerz spüre, den ich selbst kontrollieren kann.

Ich würge und schließe die Augen.

In meinem Kopf tauchen ihre Gesichter auf.

Meine Mutter.

Aulon.

Menschen, die ich geliebt habe und die mir genommen wurden.

Ich spüre, wie mein Finger noch immer meinen Würgereflex auslöst. Mein Magen verkrampft sich, während mir Tränen in die Augen schießen. Ich presse die andere Hand gegen den Rand des Waschbeckens und halte für einen Moment die Luft an, doch es bringt nichts. Ein weiterer heftiger Würgereiz durchfährt mich, bis mein Körper schließlich nachgibt.

Ich übergebe mich.

Mein Atem geht schwer und unregelmäßig, während mir die Tränen über die Wangen laufen. Alles in mir fühlt sich wund und erschöpft an, aber der Schmerz, der seit Monaten in meiner Brust sitzt, ist noch immer da. Er ist nicht verschwunden. Nicht einmal ein kleines bisschen.

Ich ziehe meine Hand zurück und starre auf meine zitternden Finger.

„Madi...", flüstert mein Vater hinter mir.

Ich hebe den Kopf und sehe ihn durch den Spiegel an. Sein Blick trifft meinen und für einen Moment, sagt keiner von uns etwas. Dann schüttelt er langsam den Kopf, als würde es ihm selbst das Herz brechen, mich so zu sehen.

„Du musst loslassen. Ich weiß, es ist schwer", sagt er leise. „Aber du kannst nicht dein ganzes Leben damit verbringen, an Menschen festzuhalten, die nicht mehr zurückkommen."

Meine Kehle schnürt sich zu.

„Wie soll ich sie loslassen?", frage ich mit brüchiger Stimme. „Wie soll ich Mama loslassen? Wie soll ich Aulon loslassen, nachdem ich fünf Jahre lang jeden Tag versucht habe, ohne ihn zu leben?"

Mein Vater senkt den Blick.

„Du sollst sie nicht vergessen, Madi."

Ich starre ihn weiter an, während mir erneut Tränen über die Wangen laufen.

„Ich vermisse ihn sehr, Papa." Meine Stimme bricht, und ich muss kurz schlucken, bevor ich weitersprechen kann. „Ich sehe ihn in meinen Träumen. Immer wieder. Manchmal fühlt es sich so echt an, dass ich morgens aufwache und für ein paar Sekunden glaube, er wäre noch da."

Mein Vater sagt nichts. Er sieht mich nur durch den Spiegel an.

„Ich dachte, dass Mamas Tod das sein würde, was mich endgültig zerbricht", flüstere ich. „Ich dachte, wenn ich irgendwann einen Menschen verliere, der mir so wichtig ist, würde ich daran kaputtgehen. Aber es ist sein Tod, Papa. Es war immer sein Tod."

Meine Stimme wird leiser.

„Ich habe ihn so sehr geliebt. Ich hätte alles für ihn getan."

Und das hatte ich.

Ich hatte seine Sprache gelernt, obwohl ich anfangs kaum ein Wort verstanden hatte. Ich wollte seine Familie verstehen, seine Herkunft, seine Kultur. Ich wollte wissen, was ihm wichtig war, woher er kam und was ihn zu dem Menschen gemacht hatte, in den ich mich verliebt hatte. Ich habe mich an Dinge gewöhnt, die für mich früher fremd gewesen waren, habe seine Traditionen kennengelernt und versucht, ein Teil seiner Welt zu werden, weil ich wollte, dass er wusste, dass ich ihn nicht nur liebe, sondern auch alles akzeptiere, was zu ihm gehört.

Ich wollte seine Sprache sprechen können, damit er sich bei mir zu Hause fühlen konnte.

Ich wollte seine Kultur verstehen, damit er niemals das Gefühl haben musste, sich zwischen mir und seiner Herkunft entscheiden zu müssen.

Ich hätte mich für ihn, durch alles gekämpft.

„Ich hätte alles für ihn aufgegeben", flüstere ich. „Und jetzt ist nichts mehr davon übrig. Nicht seine Stimme. Nicht seine Berührungen. Nicht einmal die Möglichkeit, ihm noch einmal zu sagen, wie sehr ich ihn liebe."

Eine Träne läuft über meine Wange.

„Und das Schlimmste ist... Ich habe nie aufgehört, auf ihn zu warten."

Mein Vater kommt langsam näher und legt mir eine Hand auf die Schulter.

Doch ich sehe weiterhin in den Spiegel.

„Vielleicht ist genau das mein Problem, Papa. Ein Teil von mir wartet immer noch darauf, dass er durch diese Tür kommt."

Und irgendwo tief in mir weiß ich, dass ich vielleicht niemals aufgehört habe, an die Möglichkeit zu glauben, dass Aulon eines Tages wieder vor mir stehen könnte.

Mein Vater lässt seine Hand noch einen Moment auf meiner Schulter liegen, bevor er sie langsam zurückzieht. Ich sehe, wie er tief durchatmet, als müsste er sich erst dazu zwingen, die nächsten Worte auszusprechen.

„Madi, ich muss dir noch etwas sagen."

Etwas in seinem Tonfall lässt mich aufhorchen. Ich drehe mich zu ihm um und wische mir hastig die Tränen aus dem Gesicht.

„Was?"

Er sieht mich lange an. In seinen Augen liegt etwas, das ich nicht einordnen kann. Sorge. Trauer. Vielleicht auch ein wenig Schuld.

„Ich habe eine Entscheidung getroffen."

Mein Magen zieht sich zusammen.

„Was für eine Entscheidung?"

Er schweigt einen Augenblick, bevor er schließlich sagt. „Du wirst auf ein Internat gehen."

Ich starre ihn an.

Für einen Moment bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe.

„Was?"

„Ein Internat", wiederholt er ruhig. „Ich habe bereits mit der Schule gesprochen. Es ist alles geregelt."

Ein bitteres Lachen entkommt mir, obwohl mir überhaupt nicht danach ist.

„Du hast was?"

„Madi-"

„Nein." Ich schüttle den Kopf. „Du kannst nicht einfach entscheiden, dass ich auf ein Internat gehe."

„Ich weiß, dass du das gerade nicht hören willst."

„Dann sag mir verdammt noch mal, warum!"

Meine Stimme wird lauter. Die Wut mischt sich mit meiner Trauer, bis ich selbst nicht mehr weiß, welches Gefühl gerade überwiegt.

Mein Vater bleibt ruhig.

„Weil ich dich so nicht weitermachen lassen kann."

Ich starre ihn an.

„Du ziehst dich immer weiter zurück. Du schläfst kaum noch, du isst kaum noch und du machst Dinge, die mir Angst machen. Ich sehe jeden Tag, wie du mehr und mehr in deiner eigenen Trauer verschwindest."

Ich senke den Blick.

Seine Worte treffen mich, gerade weil ich weiß, dass er nicht völlig unrecht hat.

„Das Internat soll kein Gefängnis sein", fährt er leise fort. „Ich will dir die Möglichkeit geben, irgendwo neu anzufangen. Neue Menschen kennenzulernen. Abstand von allem zu bekommen, was dich hier jeden Tag an deinen Schmerz erinnert."

„Und was ist mit dir?", frage ich leise.

Sein Gesicht verändert sich.

„Ich bin dein Vater. Ich werde immer da sein."

„Aber Mama ist auch nicht mehr da."

Meine Stimme bricht erneut.

„Und Aulon ist auch nicht mehr da. Und jetzt willst du mich auch noch wegschicken."

„Ich schicke dich nicht weg, weil ich dich nicht haben will." Seine Stimme wird rauer. „Ich schicke dich dorthin, weil ich Angst habe, dich irgendwann wirklich zu verlieren."

Diese Worte bringen mich zum Schweigen.

Er tritt näher und nimmt vorsichtig meine Hände.

„Du musst nicht vergessen, Madi. Du musst Aulon nicht vergessen. Du musst deine Mutter nicht vergessen. Aber du musst anfangen, wieder für dich selbst zu leben."

Ich sehe ihn an und merke, wie mir erneut die Tränen kommen.

Ein Internat.

Eine neue Schule.

Neue Menschen.

Ein neues Leben, obwohl ich noch nicht einmal wusste, wie ich mit meinem alten weitermachen sollte.

Und trotzdem wusste ich in diesem Moment noch nicht, dass diese Entscheidung meines Vaters mein Leben auf eine Weise verändern würde, die keiner von uns hätte vorhersehen können.

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