Bin ich wirklich so Hässlich ?
„Du Miststück!“, schrie Lou mich an, während sie mir an den Haaren zog. „Wegen dir steht Karim nicht mehr auf mich!“
Karim war ein sehr beliebter Junge an unserer Schule. Er gestand mir vor kurzem seine Liebe, was Lou, die schon lange auf seine Aufmerksamkeit hoffte, gar nicht gut fand. Alle Mädchen an unserer Schule sagten, ich sei die „Miss Queen“, weil ich – laut ihnen – wunderschön war und alle Jungs sich in mich verliebten. Aber das war wirklich alles andere als toll, denn die meisten Mädchen hassten mich genau dafür. Allen voran Lou und ihre Clique.
„Wenn du in Zukunft keine Probleme haben willst, dann verlasse diese Schule und verschwinde aus Karims Nähe. Er gehört nämlich mir!“, zischte Lou. „Frag doch deine Eltern nach einem Schulwechsel. Denn wenn du denkst, du kannst weiterhin hier, in Karims Umfeld, zur Schule gehen, dann liegst du komplett falsch. Ich werde dir nämlich jeden Tag, den du weiter hier bist, zu deinem schlimmsten machen. Also denk gut darüber nach!“
Lous Freundinnen kicherten hämisch. Sie schubsten mich unsanft aus der Mädchentoilette hinaus. Vor Schock und Trauer brachte ich kein Wort heraus.
Als ich auf dem Flur stand, ertönte die Klingel – die Schule war aus, endlich! Ich rannte so schnell ich konnte zu meinem Spind, damit mich niemand in diesem Zustand sah. Hektisch griff ich nach meinem Rucksack und floh aus der Schule. So schnell wie möglich rannte ich nach Hause.
Zuhause angekommen, bemerkte ich schnell, dass niemand da war. Ich ging direkt in mein Zimmer, warf mich aufs Bett und weinte mir all meinen Frust aus.
Ich heulte so lange, bis ich schließlich die Haustür hörte und meine Eltern nach Hause kamen. Beim Abendessen nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte vorsichtig: „Mama, Papa, kann ich die Schule wechseln?“
Meine Mutter sah mich überrascht an und antwortete besorgt: „Warum denn das? Ist irgendetwas vorgefallen?“
Da ich nicht wollte, dass meine Eltern sich zu große Sorgen machten, log ich: „Mir gefällt es dort einfach nicht mehr und ich habe kaum Freunde.“
Meine Mutter nickte nachdenklich. „In Ordnung, wenn du das wirklich möchtest. Ich glaube, in der Nähe gibt es noch eine andere Schule. Da können wir mal nachfragen, ob noch Platz ist. Die Schule ist zwar eine sehr anspruchsvolle Privatschule, aber so, wie ich dich kenne, könntest du dort sehr gut mithalten.“
Am nächsten Morgen schwänzte ich den Unterricht. Ich weigerte mich, diese Schule noch ein einziges Mal zu betreten, und wollte einfach nur ein neues Kapitel anfangen.
Ich nutzte den ganzen Tag, um im Internet zu recherchieren, wie man sein Aussehen verändern kann. Mein Ziel war es, auf gar keinen Fall mehr so auszusehen wie jetzt – mit meinen langen blonden Haaren, den grün-blau pigmentierten Augen und der makellosen Haut. Ich wollte so unauffällig aussehen wie möglich.
Im Internet las ich von farbigen Kontaktlinsen und der Vielfalt an Make-up. In den nächsten Tagen experimentierte ich stundenlang mit den Linsen und verschiedenen Schminktechniken, um mich optisch komplett zu verwandeln.
Es dauerte lange. Immer wieder sah ich mich an und bemerkte kaum einen Unterschied. Nach langen Überlegungen und viel Arbeit schaffte ich es endlich.
Als ich in den Spiegel blickte, erkannte ich mich selbst kaum wieder. Meine Haare waren zu einem lockeren, zerzausten Dutt zusammengebunden, braune Kontaktlinsen verdeckten meine natürliche Augenfarbe und mit Make-up hatte ich mir künstliche Pickel ins Gesicht gemalt.
Erleichtert atmete ich aus.
Genau so gehe ich an meinem ersten Tag in die neue Schule.








