Entführt von einem Werwolf

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Summary

Eigentlich wollte sie nur einmal pünktlich zum Unterricht, doch das Schicksal hatte anderes mit ihr vor. Update jeden Sonntag

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
4.7 10 reviews
Age Rating
16+

Chapter 1



Kapitel 1


Sie musste sich beeilen, wenn sie noch rechtzeitig zum Unterricht kommen wollte.

Ausgerechnet heute, wo sie ihre Klausur über die Epochen der Literatur hätte schreiben müssen, war ihre geliebte Stiefmutter auf die glorreiche Idee gekommen sie die Fenster putzen zu lassen.

Wahrscheinlich hatte sie wieder hohen Besuch eingeladen.

Sie arbeitete nur als Sekretärin aber das hielt sie nicht davon ab, wichtige Geschäftsmänner von ganz oben einzuladen.

In einem eiligen Tempo überquerte sie die Straßen und entschied sich für die Abkürzung durch die Gasse. Kaum hatte sie den düsteren Weg betreten, kamen ihr die verschiedensten abgestandenen Gerüche entgegen.

Genervt seufzte sie, hoffentlich würde der Geruch nicht an ihr haften bleiben. Das wäre schöner Gesprächsstoff für ihre Klassenkameraden.

Als sie endlich aus dieser Gasse herauskam, wollte sie schnell möglichst weiter, als ihr geradewegs die Luft bei einem plötzlichen Aufprall entwich.

Arme wedelnd versuchte sie noch ihr Gleichgewicht zu finden, als sie mit einem Knall auf dem Boden landete und der ganze Inhalt ihrer Tasche sich auf den Gehweg verstreute.

Oh man, das konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen, dachte sie genervt.

Schnell wollte sie nach dem Buch greifen das schon an einer Ecke durchweicht war, als seine Stimme sie inne halten ließ.

,, Hast du keine Augen im Kopf, du Ungeziefer?!" knurrte es über ihr.

Eigentlich hätte sie empört sein müssen, doch stattdessen machte sich eine Gänsehaut bei ihr breit und ließ sie vor Angst erzittern.

Verwirrt sah sie nach oben und starrte geradewegs in ein unnatürliches strahlendes Blau, das so klar schien, dass sie sich selbst in ihnen spiegeln konnte.

Wie war das möglich?

Seine Gesichtszüge, sein Körper, einfach alles an ihm kam ihr unnatürlich attraktiv vor.

Wahrscheinlich ein Modell, dachte sie.

Als sie ihm wieder in die Augen blickte sah er geradewegs zurück. Doch diesmal waren diese düster und mit Hass gefüllt.

Sofort schoss ihr das Blut in die Wangen, hatte er sie beim Starren erwischt?

Genervt zog er eine Augenbraue in die Höhe und ließ seinen Blick über ihren Körper wandern.

Beschämt sah sie zu Boden. Sie war jetzt wirklich keine Schönheit. Zudem musste sie gerade wie ein Straßenpenner aussehen. Mit ihren dicken Augenringen und ihrem ungekämmten Wuschelkopf.

Heute Morgen hatte sie einfach die Zeit aus den Augen verloren und da war ihr nicht wirklich noch Zeit geblieben, um auf ihr Äußeres Wert zu legen. Deswegen sollte sie jetzt auch dringend los. Sie war sowieso schon spät dran.

Tora blickte ihm entschuldigend in die Augen, als ihr der Atem stockte.

Prompt schoss ihr das Blut in den Wangen wieder zurück in den restlichen Körper und ließ sie blass im Gesicht zu ihm hochschauen.

Was war mit seinen Augen geschehen?

Seine strahlenden blauen Augen waren.... sie sahen nicht mehr menschlich aus. Wie bei einem Tier oder eher gesagt Raubtier, waren seine Pupillen schmal verzogen und die Iris hatte sich von blau in ein gelbes braun gefärbt.

Einen Augenblick weiteten sich die Augen des jungen Mannes über ihr. Als hätte er sie plötzlich wieder erkannt. Doch das war unmöglich, denn sie war sich sehr sicher dass sie ihn noch nie in ihren Leben gesehen hatte.

,,Entschuldige." hauchte sie ehrfürchtig.

Schnell rappelte sie sich wieder auf und packte hektisch die Bücher in ihre Tasche.

Diese Situation kam ihr immer absurder vor.

Wo war nur ihr Kopf geblieben?

Als würde nur seine reine Anwesenheit reichen, um sie aus dem Konzept zu bringen. Seine Ausstrahlung schrie nur so nach Gefahr und das durfte sie nicht ignorieren. Etwas was sie hatte schmerzlich lernen müssen.

Sowieso musste sie sich beeilen, wenn sie noch rechtzeitig zum Unterricht wollte.

Doch sobald sie an ihm vorbei gehen wollte, schlang sich eine Hand eisern um ihr Handgelenk und ließ sie ruckartig inne halten.

,,Nicht. Bleib!!" sie hörte seine Anstrengung in den Wörtern, als hätte er sie am liebsten herausgebrüllt.

An der Stelle, wo er sie berührte begann es angenehm zu kribbeln und ließ sie erschrocken zu ihm auf sehen.

Seine unnatürlichen Augen lagen wachsam auf ihr und schauten ihr fasziniert ins Gesicht.

,,Du bist so wunderschön." ungläubig hob er seine freie Hand und ließ sie durch ihr Haar wandern.

Ganz langsam, als befürchtete er sie würde sich gleich in Luft auflösen.

War sie gerade einem Verrückten in die Arme gelaufen?

Räuspernd zog sie an ihrer Hand und schaute sich hektisch nach Hilfe um.

Doch die Straße war wie leergefegt und unbelebt.

Sie lebte in einer Gegend, die für ihren schlechten Ruf bekannt war. Deshalb hatte sie auch immer ein Messer dabei.

Nur Heute nicht.

Bei ihrer Eile hatte sie es zu Hause liegen gelassen und war, ohne daran zu denken rausgerannt.

Verzweifelt begann sie an seinem festen Griff zu ziehen und sich zu winden. Doch er schien wie in eine Art Trance gefallen zu sein, dass er ihr hilfloses Gezappel nicht einmal bemerkte.

Wieder räusperte sie sich und versuchte mit einem schnipsen vor seinem Gesicht seine Aufmerksamkeit zurückzuerlangen.

,,Entschuldigungen sie Sir, es war wirklich keine Absicht gewesen." versuchte sie es noch einmal.

In der Hoffnung ihre Worte würden ihn besänftigen.

Allmählich kämpfte sich nämlich die Panik in ihr breit, jedoch ließ sein entnervtes schnauben ihre Hoffnung schließlich platzen und ihr Herzklopfen steigen. Diese Situation war einfach zu absurd.

,,Jetzt halt doch still!" raunte er, als sie begann hektisch an seinen Griff zu zerren.

,,Verdammt, wieso ausgerechnet jetzt!" fluchte er finster.

Seine Worte verwirrten sie. Ergaben für sie einfach keinen Sinn. Aber gerade im Moment konnte sie sich sowieso nicht so gut konzentrieren.

Hektisch sah er sich um, bevor er wieder auf sie hinunterblickte.

,,Komm mit!" fauchte er.

Mit sanfter Gewalt zog er sie mit sich den Weg entlang. Am Rande des Weges hatte ein Auto geparkt auf das sie geradewegs zu liefen.

Oh nein, wollte er sie etwa entführen. Die Panik in ihr schnürte ihr die Kehle zu und ließ sie nach Luft schnappen.

Der Mann sah kurz besorgt zu ihr hinüber, bevor er die Beifahrertür öffnete und sie mit sanfter Gewalt hineinschob.

Erstarrt sah sie ihm dabei zu, wie er sich zur Fahrerseite setzte und mit ihr sofort losfuhr.

,,Nein! Lass mich sofort raus!" brüllte sie verzweifelt als sie aus ihrer Starre erwachte. Sie hätte sich selbst Ohrfeigen können, sie war einfach ein Feigling.

,,Ruhe!" brüllte er sie an und ließ sie in sich zusammenfahren.

Wütend hatte er sich zu ihr umgedreht und starrte sie zornig an.

,,Entschuldige." hauchte sie wieder.

Noch eine Ohrfeige.

Genervt schnaubte er und sah weiterhin auf die Straße.

Still sah sie aus dem Fenster und achtete auf den Weg. Auf Auffälligkeiten, Straßenschilder oder Häuser. Sollte sie es schaffen zu fliehen hatte sie zumindest eine Orientierung.

Nach kurzer Zeit kamen sie an einem schäbigen Hafen an, wenn er überhaupt als ein solcher galt.

Die meisten Stege waren morsch und alt. Das kleine Bootshaus am Waldrand war schon halb am zerfallen.

Wahrscheinlich war er illegal, dachte sie geschockt.

Hier würde es niemandem stören was er mit ihr anstellte. Vielleicht wollte er sie ja ertränken oder als eine Sklavin in andere Länder verschiffen.

Ängstlich schielte sie zu ihm herüber.

Mürrisch betrachtete er sie. ,,Du wirst es noch verstehen." murmelte er vor sich hin.

Plötzlich wurde sein Blick wieder finster und ließ sie in sich zusammenfahren.

,,Ich muss eben jemanden Bescheid sagen. Du wirst so lange hier auf mich warten, verstanden?!" knurrte er.

Heftig nickte sie.

Oh ja verschwinde, dachte sie sich.

In ihrem Kopf versuchte sie schon einmal ihren Plan zur Flucht durchzugehen. Doch in ihren Gedanken herrschte nur schwärze und bodenlose Angst, die sie kaum klar denken ließ.

Noch einmal sah er sie warnend an. Kurz zögerte er, war sich wahrscheinlich unsicher ob er das Risiko eingehen konnte, bevor er schließlich seufzend das Auto verließ und absperrte.

Damit hätte Tora rechnen müssen.

Brav wartete sie im Auto, bis er in dem kleinen Häuschen und aus ihrem Blickfeld verschwand.

Doch sobald er nicht mehr zu sehen war, brach sie in Panik aus. Hektisch begann sie die Knöpfe abzutasten.

Hier musste es doch sowas wie einen Entsperrungsknopf geben.

Immer wieder probierte sie einen nach den anderen aus, doch sie hatte keinen Erfolg. Frustriert schluchzte sie und schlug gegen das Armaturenbrett. Er würde bestimmt bald schon zurückkehren und dann wäre sie verloren.

Kampflos sah sie wieder aus dem Fenster, als sie erfreut lächeln musste. Er hatte zwar das Auto verschlossen aber ihr Fenster war dafür einen Spalt offen und dieser genügte um dadurch zu fassen, um sich zu befreien.

,,Geht doch." flüsterte sie triumphierend und blickte sich noch einmal um, doch ihr Entführer war weit und breit nicht zu sehen.

Mit einem Hechtsprung sprang sie aus dem Auto und rannte ohne zu zögern den Weg zurück. Sofort spürte sie die Anstrengungen an ihrem Körper.

Hoffentlich dauerte sein Gespräch noch etwas. Sie traute sich nicht, noch einmal zurückzuschauen, um zu sehen ob er sie verfolgte.

Sie sprintete die von Erde plattgefahrene Straße entlang, als auf einmal hinter ihr ein grausames Knurren ertönte.

Sofort stellten sich ihre Nackenhaare auf.