Martyrium: Hass

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Summary

Auf Amazon erhältlich🖤 ❗️Leseprobe❗️ Amela ist 18 Jahre alt und zieht nach New York, um Kunstwissenschaften an einem Elite-Campus weiter zu studieren. Doch als sie auf wohlhabende Kommilitonen trifft, entstehen Konflikte, besonders als sie den beliebtesten Jungen des Campus, Ramon, begegnet. Als ob das nicht genug wäre, kommt es zu einem Kuss zwischen Amela und Ramon. Doch Amela trägt eine Maske und flüchtet vor ihm. Eine Jagd beginnt, um das Mädchen hinter der Maske zu finden - und Ramon ist entschlossen, sie um jeden Preis zu entdecken. Wird ihre verbotene Liebe eine Zukunft haben oder sind ihre Masken zu fest verankert, um wahre Gefühle zuzulassen?

Status
Complete
Chapters
5
Rating
5.0 23 reviews
Age Rating
18+

Campus Blessing

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben im Leben, seinen vertrauten Heimatort zu verlassen und in einem fremden Land neu anzufangen. Vor zwei Tagen sind mein Vater Aaran und ich von Kanada nach New York umgezogen, da er beruflich versetzt wurde. Ich war im dritten Semester, kurz vor den Sommerferien an einer Kunstakademie in Kanada und musste nun auch meine Akademie wechseln. Da mein Vater keine Lust hatte, mich allein zu Hause zu lassen, erzählte er seinem Chef von seiner Besorgnis.

Als Lösung schlug er vor, mich auf einen der exklusivsten Elite-Campusse zu schicken, wo ich nicht nur sicher sein würde, sondern mein Vater auch monatlich für meine Unterkunft bezahlen würde. 80.000 US-Dollar! Und wir müssen das Geld nicht einmal zurückzahlen. Jetzt bin ich auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause auf dem Elite-Campus Blessing.

Der Ort ist wie ein Segen! Mitten in der Natur gelegen, verfügt der Campus über einen gigantischen Brunnen in Engelsform, eigene Restaurants und gemütliche Plätze zum Entspannen. Die Superreichen haben ihre luxuriösen Villen hier, während die anderen in den Gebäuden neben der Akademie wohnen. Das Gebäude allein strahlt puren Luxus aus. Es ist aufregend für mich, als neue Studentin an dieser hochmodernen Campus zu sein. Die Atmosphäre ist wunderbar und obwohl ich eher zurückhaltend bin und nicht sozial aktiv, freue ich mich auf die neuen Freundschaften und das aufregende Akademieleben.

Ich bin bereit für die Abenteuer, die vor mir liegen!

»Herr Samuel hat gesagt, dass der Campus seinen eigenen Butler hat. Sie werden deine Koffer in dein Zimmer tragen, Schatz.« Mein Vater bringt das Auto vor der Akademie zum Stehen. Ich nicke, löse meinen Gurt und steige aus.

»Sie müssen Frau Amela Shaw sein. Ich nehme Ihre Koffer und bringe Sie dann ins Büro.« Der Herr in seinem Anzug, der sogar weiße Handschuhe trägt, obwohl es 30 Grad sind, nimmt meine Koffer aus dem Kofferraum.

»Muss ich noch eigentlich mit rein?« Während mein Vater die Frage stellt, höre ich Gitarrenmusik. Ich drehe mich um und sehe im Campus etwas entfernt von mir ein modernes tiefschwarzes, zweistöckiges Glashaus, dessen dunkle Jalousien heruntergezogen sind. Da aber unten die Tür von der Terrasse offensteht, kann man deutlich hören, wie jemand auf seiner Gitarre spielt.

Ein äußerst gefühlvolles Stück.

Die Person beginnt zu summen. Der harmonische Klang gehört einem Jungen. Er trifft Oktaven, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. So professionell und talentiert.

»Amela, Schatz«, sagt mein Vater, als er mich erneut ansieht.

»Da Herr Samuel sich um alles gekümmert hat, musst du nichts mehr machen. Gehe jetzt kurz zum Sekretariat und dann hast du den ersten Tag erfolgreich gemeistert.« Wir gehen gemeinsam zur Tür.

»Es tut mir leid, dass ich dich aus deinem gewohnten Umfeld rausbringen musste. Du hast viel aufgegeben, Freunde und dein düsteres Zimmer.« Welche Freunde, Vater? Bis heute weißt du gar nicht, dass ich gegenüber Menschen verschlossen bin.

»Wenn etwas sein sollte, melde dich bitte bei mir. Ich werde immer für dich da sein, Schatz.« Er gibt mir einen kleinen Kuss auf die Stirn und öffnet mir die Tür.

»Herr Samuel meinte, dass seine Tochter auch an dieser Akademie ist. Sie heißt irgendetwas mit Nor... Ich werde ihn nochmal danach fragen, dann hast du hier schonmal eine Freundin«, nickend trete ich hinein.

Welch atemberaubender Ausblick!

Selbst in diesem gigantischen Raum thront ein Engelsbrunnen, der bis zur Decke reicht. Der rote, lange Teppich führt mich in den tropischen Bereich zu der prächtigen Pyramidentreppe, die nach oben zu den Unterrichtsräumen führt. Ein Blick nach oben genügt, um alle Etagen zu erfassen. Sollte jemand aus dieser Höhe fallen, wäre ein Überleben des Sturzes unmöglich.

»Darf ich Ihnen ein Getränk anbieten?« Der Herr neben dem offenen Buffet präsentiert mir eine goldene Serviertablette mit einem bunten Getränk.

»Nein, danke«, antworte ich.

»Folgen Sie mir, Madame«, sagt der höfliche Herr und führt mich in das nächste Stockwerk. Er klopft an die Tür des Büros und öffnet sie.

»Herr Matthew? Frau Amela Shaw ist angekommen.« Diese Ankündigung lässt den Mann in seinem eleganten weißen Anzug hinter seinem Schreibtisch aufstehen und auf mich zukommen.

»Guten Tag, Amela. Ich bin Matthew, der Direktor dieses Campus«, begrüßt er mich und reicht mir seine Hand, die ich ebenso ergreife.

»Herr Samuel ist ein wichtiger Kunde für uns. Wir freuen uns sehr, dich hier willkommen zu heißen.« Er legt mir freundlich die Hand auf die Schulter und schlägt vor, einen kleinen Spaziergang zu machen.

»Da es bereits 19 Uhr ist und die Unterrichtszeiten von 9 bis 15 Uhr sind, haben sich die Studenten bereits in ihre Unterkünfte zurückgezogen, daher ist es hier jetzt recht ruhig. Normalerweise herrscht hier reges Treiben.« Mit einem Lächeln erzählt er mir das.

»Ich habe eine unserer zuverlässigen Studentinnen beauftragt, dir den gesamten Campus zu zeigen.« An einem Geländer angekommen, bleibt er stehen, denn dort lächelt uns ein Mädchen entgegen.

»Da bist du ja, Layla.« Sie hat kurze, blonde, glatte Haare und eine schlanke Figur. Dezent gekleidet mit einem weißen Hemd, einer schwarzen Corsage darüber und einem passenden kurzen dunklen Rock.

»Das ist die neue Studentin Amela, von der ich dir erzählt habe. Bitte zeige ihr den Campus, damit sie sich schnell einlebt. Ich muss noch ein kleines Problem lösen. Wenn ihr mit der Führung fertig seid, bringe sie dann zum Garten neben dem Brunnen, wo ich sie erwarte.« Herr Matthew klopft mir auf die Schulter und verabschiedet sich von uns. Der Butler bleibt im Büro und bewacht meine Koffer. Er schließt die Tür und lässt mich allein mit Layla.

»Erst zeige ich dir die Unterrichtsräume und die Kunsträume, dann gehen wir zu den lustigen Sachen über. Wie Restaurants, Cafés, unsere Spielhalle, die verschiedene Aktivitäten anbietet, und vieles mehr. Wir haben sogar unseren eigenen beliebten Club hier, der aber komplett alkoholfrei ist und nur bis Mitternacht geöffnet hat. Damit niemand zu viel Saft trinkt und den Unterricht verpasst«, sagt sie und stupst mich in den Arm, sehr kontaktfreudig.

»Du solltest morgen aber nicht mit Zöpfen zum Unterricht kommen«, sagt sie und zeigt auf meine zwei Zöpfe, die ich am Kopf seitlich gebunden habe.

»Meine Zöpfe?«, frage ich und betrachte mich in der Spiegelwand. Meine Hand gleitet über meine langen, glatten, tiefschwarzen Haare.

»Die Akademie ist hier in drei Kategorien aufgeteilt: die Geister, die Unterdrücker und die beliebten Stars! Mit deinem Look werden dich die Unterdrücker aufziehen«, erklärt sie und ich stecke meinen Pony hinter das rechte Ohr.

»Und die Stars? Werden die mich auch mobben?« Meine Antwort bringt sie zum Lachen.

»Die Stars?«, fragt sie mich und sieht mich an.

»Du solltest froh sein, wenn sie dich nicht ignorieren und zur Seite stoßen. Sie beachten hier niemanden außer sich selbst. Sie schauen dich nicht an, reden nicht mit dir und planen nur die coolsten Partys für ihresgleichen. Sie nehmen an Projekten nicht teil, weil sie so beliebt sind, dass ihnen alles bereitgestellt wird.« Meine sozialen Ängste werden wieder geweckt.

»Wir haben versucht, eine Petition zu starten, um die Drecksarbeit gerechter zu verteilen.« Sie öffnet eine Tür.

»Viele haben unterschrieben, oder? So grausam wie die sind...«, und ich betrete den Unterrichtsraum.

»Das glaubst du. Es waren nur zwei: mein bester Freund Mason und ich. Alle wollen zu den Coolen gehören, aber es ist unwahrscheinlich, dass wir aufgenommen werden, als dass ein UFO landet.« Mit schmollendem Mund zeigt sie auf den modernen Unterrichtsraum.

»Und so sehen unsere Räume aus. Klein, aber wie ein luxuriöser Opernsaal...« Plötzlich stoppt sie.

»Mason?« Sie schaut unter den Tisch.

»Hey, Layla. Wie geht’s?« Der Junge mit Brille und kariertem Hemd antwortet.

»Was machst du da?«, fragt sie.

»Ich verstecke mich vor der Horde«, sagt er und richtet seine Brille.

»Ich habe dir gesagt, mach dir in die Hose, wenn du einen Unterdrücker auf der Toilette siehst.« Sie zieht ihn unter dem Tisch hervor.

»Das war anders. Ich habe Ramon und sein Team beim Footballtraining zugesehen. Der Ball landete in meinen Händen und die Mädchen flippten aus. Ich versteckte mich vor den Unterdrückern hier. Aber schau...« Hinter seinem Rücken holt er den Football hervor.

»Er hat gesehen, dass ich seinen Ball gefangen habe. Aus der Ferne, Layla! Vielleicht wird er jetzt sehen, dass ich...«

»Mason, hör auf damit!«, unterbricht Layla ihn.

»Ramon gehört zu den beliebten Stars. Vielleicht sogar zu den super, super, suuuuuper Coolen. Er wird dich niemals in sein Team aufnehmen. Selbst wenn du gut bist, bist und bleibst du ein Außenseiter. Sie haben uns schon abgestempelt, es wird keine neuen Freundschaften geben. Also, hör auf, dich bei Ramon bemerkbar zu machen. Er wird dich nie beachten. Oder hast du vergessen, was ich mit Devin erlebt habe?« Laylas Worte senken seinen Kopf. Er nimmt den Arm weg und betrachtet den Football, auf den jemand sehr professionell zwei Augen gemalt hat.

»Komm schon, Amela. Lass uns den Rest des Campus erkunden. Wir sollten unsere Zeit nicht mit Leuten verschwenden, die uns sowieso nie beachten werden.« Obwohl ich Mitgefühl für Mason empfinde, folge ich Layla, um den Campus weiter zu erkunden.

Sie zeigt mir die Restaurants und Cafés, wo wir in den Pausen und in unserer Freizeit essen können. Es gibt sogar einen eigenen Supermarkt auf dem Campus. Es gibt nur sechs private Villen, die bereits belegt sind, während die anderen Studenten sich ein Zimmer in einem großen Apartment teilen. Als ich vorbeigehe, sehe ich, dass man sich auch mit Jungs ein Zimmer teilen kann. Besonders beeindruckend sind die vielen Aktivitäten, die auf dem Campus angeboten werden. Wir können Lasertag spielen, an den Automaten spielen oder einfach ins Kino gehen, das sich auf dem Dach des Spielzentrums befindet. Unter freiem Himmel, unter den vielen Sternen.

Es gibt nicht nur einen Pool, sondern auch einen gemischten Wellnessbereich, wo man sich die Nägel machen lassen kann oder einfach in der Sauna entspannen kann. Es werden sogar Massagen angeboten. Aber am wohlsten habe ich mich in der großen Bibliothek gefühlt, sowie im Garten mit seinen vielen Blumen. Auch die Kunstgalerie... Dort hängen die besten und kreativsten Werke der Studenten. So viele realistische Bilder habe ich noch nie gesehen. Vor allem waren es hauptsächlich Bilder von Ramon. Der Junge hat Talent. Wir befinden uns gerade in dem Friseursalon, wo die Studentinnen ihre Haarfarben erneuern. Sie alle tragen Designer-Kleider und teuren Schmuck, die ich mir niemals leisten könnte. Und das lassen sie mich auch deutlich spüren. Meine dünne schwarze Strickjacke, die ich über meinen kurzen, enganliegenden, roten Strickshorts trage, wird von ihnen angesehen. Sogar meine schwarzen Leinenschuhe.

»Und das hier...«, sagt Layla und deutet mit der Hand hinein.

»Ist unser Salon.« Eines der Mädchen beugt sich zu ihrer Freundin hinunter, die unter dem Wandhaartrockner sitzt, während ein Teil ihrer blonden Strähnen sich in der Folie befinden und erhitzt werden. Beide fangen an zu lachen.

»Vielleicht sollte ich dir auch noch sagen, welche Ratte welchen Charakter hier im Campus hat«, flüstert Layla.

»Das ist Nora«, deutet sie mit den Augen auf das Mädchen, das unter dem Wandhaartrockner sitzt und die bläulichen Augen schließt.

»Sie ist hier unheimlich beliebt und die schönste im Campus. Alle Jungs sind in sie verliebt. Jeden Tag bekommt sie Geschenke, Blumen und unzählige Liebesbriefe. Sie wird sogar oft von den Jungs in die Klasse getragen. Und das von den Footballspielern, kannst du das glauben?« Während sie weitererzählt, wird ihr ein tropischer Cocktail zugeschoben.

»Aber was nützt das, wenn sie nicht von dem Quarterback getragen wird, von dem jeder schwärmt?«, spricht sie weiter.

»Auch wenn Ramon selten lächelt und aussieht, als wäre er ein mexikanischer Kartellführer, liebe ich ihn dafür, dass er dieser blöden Schlampe nicht hinterherrennt.« Nach diesen Worten öffnet Nora die Augen und greift nach ihrem Glas. Sie riecht daran, stellt es aber wieder ab und macht mit einem angeekelten Ausdruck im Gesicht ein Handzeichen, damit der Butler es wegbringen soll.

»Sie hat zwar das Aussehen eines Models, aber ihren Charakter hat sie weggepudert.« Layla bringt mich zum Lächeln.

»Joooooooooo! Habt ihr etwa heiße Kerle herbestellt, die frisch aus der Dusche kommen?!« Hinter mir entsteht ein Gerangel. Eine Gruppe Jungs stößt uns zur Seite und eilt auf die freien Plätze.

»Herzlichen Glückwunsch, Amela. Du bist ab heute ein offizieller Geist«, sagt Layla und hilft mir aus dem Pflanzenkübel wieder heraus, da ich wegen des Gerangels hineingefallen bin.

»Von dieser Truppe hier solltest du dich lieber fernhalten.« Der eine springt auf den Tresen, der andere greift unbefugt in die Haare eines Mädchens, und niemand fühlt sich gestört.

»Sie sind pervers, eklig und haben keinerlei Respekt, wie du sehen kannst.« Ja, sie sind so laut und respektlos und ärgern sogar die Frisörinnen, die nur ihre Arbeit machen möchten.

»Insbesondere der da in dem weißen Tanktop«, zeigt sie mit dem Finger auf den Jungen, der sich die lockigen, blonden Haare mit dem Haarwachs frisiert.

»Wyatt«, fügt sie hinzu.

»Er hatte einmal einen populären Star... gevögelt und am nächsten Tag vor allen über sie gelacht, weil sie mitten im Sex ihre Tage bekommen hatte. Seitdem ist Cynthia nur noch ein Geist und hängt allein herum. Gestern hatte sie Geburtstag und er hat ihr zu diesem Anlass nur eine Ketchupflasche geschenkt, woraufhin alle sie ausgelacht haben. Deswegen... bleib bloß fern von dieser Truppe.« Nach ihrem letzten Wort zucken wir zusammen, als einer von den Jungs die Musik im Raum auf vollständige Lautstärke dreht.

»Schnell weg hier!«, schreit Layla, greift nach meiner Hand und zerrt mich aus dem Frisörsalon wieder heraus.

»Amela!«, ruft Herr Matthew neben dem Brunnen und winkt mir zu.

»Ich muss jetzt los. Wir sehen uns dann«, sage ich zu Layla mit einem Nicken und gehe zu der dunklen, modernen zweistöckigen Villa zurück, aus dem zuvor jemand Gitarre gespielt hatte.

»Haben wir dich überzeugen können, mit dem, was du bis jetzt gesehen hast, schöne Amela?«, fragt er mich und legt die Hand auf meine Schulter. »Ich fühle mich sehr wohl hier«, antworte ich etwas verlegen.

»Schön, schön«, nickt er, während er vor der immer noch offenstehenden Terrassentür stehenbleibt.

»Hör zu, Amela. Du musst wissen, dass unser Campus sehr begehrt ist. Nicht jeder bekommt hier einen Platz - so viele Kinder der angesagtesten Leute aus der High Society haben bereits Absagen von uns erhalten, da unsere Kapazität bereits erreicht ist. Ich hoffe, du kannst verstehen, weshalb du dir dein Zimmer nicht aussuchen kannst. Aber zum Glück bin ich einem Studenten im Campus begegnet und habe ihn gefragt, ob er dir ein Zimmer in seiner privaten Suite anbieten kann.« Mit der Hand zeigt er lächelnd auf die moderne Villa vor uns.

»Er hat keine Probleme damit, geh ruhig rein, deine Koffer sind schon drin, Ramon weiß schon Bescheid.« Ramon? Der populäre Star? Ich... Ich... Hatte noch nie etwas mit einem Jungen zu tun. Ich weiß nicht mal, wie man mit diesen spezifischen redet. Und jetzt soll ich mir mit einem von ihnen eine Villa teilen?

»Deine Freude kann ich ja in deinen Augen sehen, kleine Amela.« Freude? Ich werde gerade von meiner Sozialphobie erstickt.

»So gefällt es uns immer: die Studenten zusammenzubringen und sie glücklich zu machen.« Während ich hier kaum noch atmen kann, bewegt sich Herr Matthew von mir weg, und ich spüre, wie meine Angstsymptome ein hohes Maß an Selbstzerstörung erreichen.

»Ok...«, atme ich. Dein Vater geht für dich hart arbeiten, also enttäusche ihn nicht. Mit diesen Worten mache ich den ersten Schritt in den mittelgroßen Raum. Die Jalousien vor den großen Panoramafenstern sind geschlossen und nur das Licht der Deckenleuchte durchbricht die Dunkelheit. Ich schreite an der Treppe vorbei, die mit flauschigem Fell bedeckt ist und nach oben führt, und bleibe neben dem gemütlichen Sofa stehen, das direkt vor dem Panoramafenster positioniert ist. Die Möbel hier sind so tiefschwarz wie die Schatten der Rockbandposter, die an den Wänden hängen. Trotz des Alkoholverbots auf dem Campus sehe ich leere Bierflaschen auf dem weiß leuchtenden LED-Tisch stehen. Neben der E-Gitarre erkenne ich eine weitere Gitarre und an den Wänden hängen signierte Gitarren, vermutlich von berühmten Künstlern.

Ramon scheint eine Vorliebe für Löwen zu haben, da zwei große goldene Löwenstatuen neben seiner Malerecke thronen, wo der Boden mit Zeitungspapier bedeckt ist. Er hat dort ein XXL-Bild mit Acrylfarben gemalt, das noch trocknet. Ein lebensgroßer Löwenkopf in 3D-Grafik mit weit geöffnetem Maul zieht meine Aufmerksamkeit an, jedes Detail von Speicheltropfen zwischen den Zähnen des imposanten Löwen ist sichtbar.

Doch meine Faszination wird unterbrochen, als ich ein Geräusch zu meiner Rechten vernehme. Ich habe den kräftigen, 1,90 Meter großen Jungen übersehen, der mit dem Rücken zu mir vor einem großen Flachbildfernseher steht. In seiner tiefschwarzen Jeanshose, die über entblößten Gesäßhälften hochgezogen wird, und ohne Oberteil, offenbart sich ein riesiges schwarzes Engelsflügel-Tattoo, das seinen gesamten Rücken ziert. Sein Nacken ist wie ein Gemälde, verziert mit dem Todesengel-Tattoo. Die Haare sind an den Seiten kurz rasiert, während sein Haaransatz mit vollen, glatten Haaren bedeckt ist, die sanft in alle Richtungen fallen. Während er seinen Gürtel durch die Schlaufen steckt, bemerke ich das nackte Mädchen, das langsam vom Boden aufsteht. Mit schmerzverzerrtem Gesicht fasst sie sich an den Bauch und zieht langsam ihr kurzes Kleid über. Auch ihre hohen Schuhe nimmt sie auf und schreitet mit gebeugtem Rumpf langsam an mir vorbei. Sie verlässt die Villa, doch ich stehe regungslos da. Plötzlich bemerke ich im Fernseher, dass er mich die ganze Zeit beobachtet hat. Sag, was Amela...

»Hey...« Das winzige Wort entweicht meinen Lippen. Ramon bewegt seinen Kopf nur minimal über seine rechte Schulter, als ob er versucht, meine Worte zu vernehmen. Seine Hände schließen endgültig seine Hose.

»Ich gehöre zu den Geistern. Ich meine Amela. Ich heiße Amela.« Ich bin ein wenig verwirrt von dieser Begegnung. Ramon greift nach seinem schwarzen Tanktop, das auf der Löwenskulptur liegt. Er zieht den Kopf durch die Öffnung und dreht sich langsam zu mir um. Mit bedächtigen Bewegungen zieht er dann das locker sitzende Tanktop herunter, sodass ich seinen muskulösen Oberkörper sehen kann. Er ist von einer gigantischen Löwenkopf-Tätowierung umhüllt, deren Maul weit geöffnet ist und ihn wie ein hungriges Raubtier wirken lässt. Auf seinem Hals prangt ebenfalls eine Schrift... Beast. Seine Arme sind verziert mit Totenköpfen und Waffen, während auf seinen Handrücken und Fingern Symbole zu erkennen sind, die ich nicht entziffern kann. Zahlreiche Silberringe zieren seine Finger, und als er sein Tanktop endgültig herunterzieht, richte ich meine Augen auf sein Gesicht. Eine makellose braune Haut ohne Bartwuchs.

Sein Gesicht ist klar, ästhetisch und fehlerlos. Seine perfekt geformten Augenbrauen sind schwarz wie die Nacht, kantig und dominant in ihrer Ausstrahlung. Seine Wimpern sind lang, dicht und schwarz wie Kohle. Seine Lippen schimmern rot wie ein süßer Apfel. Seine markanten Gesichtszüge verleihen ihm ein äußerst attraktives Aussehen. Die langen, glatten, tiefschwarzen Haare trägt er in einem lässigen Mittelscheitel, wobei die Strähnen sanft an beiden Seiten seiner Schläfen fallen. Die Seiten sind kurz rasiert. Und seine hellblauen Augen sind so tief und durchdringend, als seien sie aus Eis gemeißelt. Wenn sein Blick auf mir ruht, kann ich die eisige Kälte förmlich spüren, die aus seinen Augen strahlt. Sein Blick ist klar und durchdringend, er vermag es, mit einem einzigen Blick eine unfassbare Tiefe zu offenbaren und diesen Gedanken gleich einem hauchdünnen Faden bis ins Unendliche zu spinnen. Ramon ist einschüchternd, edel und von außerordentlicher Schönheit.