Vamp Zone 《5》

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Summary

Erneut sind zwei Jahre vergangen. Die Werwölfe haben ihr Lager schützend über den Vampiren aufgeschlagen. Dennoch ist an friedliche Ruhe nicht zu denken. Die Unterschiede der verschiedenen Kulturen kollidieren und bilden eine neue Hürde die es zu überwinden gilt.

Status
Complete
Chapters
102
Rating
4.5 2 reviews
Age Rating
18+

Prolog

Valea 

Das erste, dass ich wie jeden Morgen nach dem Aufwachen fühlte war mein Rücken. Aber ich sollte dankbar sein, dass er mich nicht mehr mitten in der Nacht weckte. Manchmal hatte ich schlimme Krämpfe gehabt. Manchmal hatten die Wunden unglaublich gejuckt und ich hab sie im Halbschlaf aufgerissen. Doch mittlerweile fühlte es sich mehr an wie ein unglaublich grässlicher Muskelkater.

Stöhnend setzte ich mich langsam auf, versuchte dabei nicht meinen Rücken zu belasten. Dann ging mein Blick durch mein Zimmer. Wie die letzten zwei Jahre. Nichts hatte sich verändert in diesem Loch. Seit zwei Jahren hatte ich nichts anderes gesehen als diese vier Wände und das Krankenzimmer auf der Krankenstation.

Leicht beugte ich mich nach vorne, um meinen Rücken etwas von der Spannung zu nehmen und ließ dann die Beine aus dem Bett gleiten. Seit ein paar Monaten sollte ich so viel versuchen, wie ich konnte. Doch das war nicht viel. Letzten Monat hatte ich es noch nicht mal sicher zur Tür geschafft.

„Guten Morgen“, vernahm ich die vertraute Stimme des schwarzhaarigen Vampires. „Morgen“, murmelte ich und ließ mir von ihm aufhelfen. Sofort brannte meine Wirbelsäule, da sie nicht mehr wie früher von meinen Muskeln ausreichend unterstützt wurde. „Wie geht es dir?“, fragte er führsorglich, während er über meine Muskelbahnen strich. Ich gab ein leises Murren von mir und ließ die schmerzhafte Prozedur über mich ergehen. Er versuchte nur Verspannungen zu lösen und mir zu helfen. Ich sollte nicht sauer sein.

„Willst du an die frische Luft? Wir finden sicher einen Weg dich hochzubringen“, sagte er sanft. Sorin war dort oben. Ebenso wie Talvi. Doch ich wollte ihm nicht begegnen. Wollte nicht wissen wie ich auf ihn reagierte. Er hatte mich kein einziges Mal hier unten besucht.

„Valerian, du wirst früher oder später dort oben sein. Hier unten sind Werwölfe nur geduldet“, vernahm ich die warme Stimme des Älteren. Konnte er Gedanken lesen?

„Ich werde nicht bleiben, wenn ich wieder gehen kann. Wenn ich wieder meine Haut wechseln kann“, murmelte ich leise und griff fest in seine Hand, als er mich wieder aufs Bett setzte. „Sieh es dir wenigstens an. Lass es auf dich wirken, okay?“, bat er und setzte sich auf den Stuhl neben meinem Bett. „Etwas Sonne wird dir guttun“, versprach er und musterte mein Gesicht. Ergeben nickte ich und griff nach dem Hemd, dass er mir reichte. „Lass dir Zeit. Du wirst den Weg finden. Ansonsten frag jemanden. Sie werden dir helfen“, sagte er, bevor er mein Zimmer verließ und ich mich umziehen konnte.

Ich war nicht so überzeugt davon, dass mir jemand helfen wollte, wenn Werwolfe hier unten nur geduldet waren, aber ich würde es schon schaffen.

Langsam drückte ich mich hoch und griff nach der Krücke, die für den Notfall neben meinem Bett stand. Damit hinkte ich zur Tür und betrat den Flur. Ebenfalls noch ein Raum, den ich kannte. Allerdings nur bis zur Krankenstation. Aber ich wusste, dass ich in die andere Richtung musste, um hinauszugelangen.

Langsam schleppte ich mich durch den Gang, bis ich in einer großen Halle ankam. Kurz blieb ich stehen und lehnte mich gegen die Mauer neben mir. Überall liefen diese hübschen Kreaturen herum. Mit ihrer perfekten, weißen Haut und den kalten Körpern. Sie saßen an den Tischen und tranken die rote Flüssigkeit, sprachen und lachten miteinander. Und nur dafür schien die Halle gemacht. Über all standen Tische. Es gab eine Essensausgabe. Auch wenn es mehr nach einer Trinkstation aussah. Dann gab es mir gegenüber noch einen kreisrunden Ausgang. Die schwere Tür stand weit offen und ab und zu liefen ein paar der Gestalten rein und raus. Ich konnte mich schemenhaft erinnern durch diese Tür hineingekommen zu sein. Allerdings war sie da fest verschlossen worden.

Langsam setzte ich mich wieder in Bewegung und steuerte das große Loch an. Nur eine Notbeleuchtung leuchtete in dem Gang und ich sah nur ansatzweise die Steigung.

„Hey, ich helf dir“, hörte ich plötzlich eine sanfte Stimme hinter mir. „Fass mich nicht an“, kam es etwas zu grob über meine Lippen, als ich die kalten Hände auf meinem Körper fühlte. Ich kannte seine Stimme. Er war oft genug mit Eric bei mir gewesen. Weswegen ich mich sofort entschuldigte. „Ist okay, ich hätte dich nicht so erschrecken dürfen“, erwiderte Nael und bot mir erneut seine Hilfe an. Ich nickte langsam und ließ zu, dass er einen Arm um meine Taille schlang, und mit der anderen Hand meinen Arm über seine Schultern legte. Gemeinsam erklommen wir die leichte Steigung und traten oben durch eine Luke ins Sonnenlicht. Ich erinnerte mich ganz genau, dass hier vor zwei Jahren noch eine Leiter oder sowas war. Es war unglaublich schmerzhaft gewesen als Lev mich in den Schacht hatte heruntergleiten lassen. Doch jetzt gab es nicht einmal mehr diesen Schacht.

„Alles gut? Kommst du klar? Soll ich dich zu deinem Bruder bringen?“, fragte Nael sanft. „Bruder?“, erwiderte ich verwirrt. Ich hatte keine Geschwister. Nael legte den Kopf schief und erwiderte: „Ist Vanja nicht dein Bruder?“ „Nein“, erwiderte ich sofort. „Er ist mein Cousin über fünf Ecken“, fügte ich erklärend hinzu. Dann sah ich auf das Dorf, dass sich vor uns erhob. „Ich komme klar. Du musst mich nirgends hinbringen“, murmelte ich leise und fühlte wie Nael mich vorsichtig losließ. Dann sagte er: „Aber du bist nicht hier, weil du jetzt hier oben bleibst, oder?“ Ich nickte und lächelte ihn an, bevor ich sagte: „Ich werde da unten noch ein wenig vor mich hin vegetieren keine Angst.“ Nael schmunzelte mitleidig und verabschiedete sich dann. Also begann ich langsam den Weg vor mir zu bestreiten.

Ich konnte mich an den ersten Eindruck dieser Stadt erinnern. Überall standen abgebrannte Ruinen nur der Turm in der Mitte stand mit ach und krach in dem Meer aus verbrannten Holzhütten. Jetzt war davon nichts mehr zusehen. Der Turm war ausgebessert worden und ragte mit neuen Holzplanken in den Himmel. Die Hütten waren auf Werwolf Art umgebaut worden. Mehrere Dutzende standen auf der Lichtung und einige weitere Dutzend waren noch im Bau. Jede hatte Platz genug für eine Familie. Den einzigen Unterschied zu unserer alten Lichtung war, dass es kein Alpha Haus gab. Es war zwar klar in welcher Hütte Sorin untergebracht war, denn sie lag dennoch am Kopf des Dorfes. Aber sie war nicht annähernd zu prunkvoll wie die seines Vaters.

Hinkend setzte ich meinen Weg über den breiten, befestigten Pfad weiter durch das Dorf. Es wirkte schon fast etwas wie die Dörfer der Menschen, durch die mein Rudel kam als wir zu Sorin zogen.

Dann fiel mir noch auf, dass die Hütten in Sektoren eingeteilt waren. Zum einen offensichtlich in Rudel Zugehörigkeit, zum anderen zur Arbeitseinteilung. Wobei es nicht nach Stress unter den verschiedenen Gruppen aussah. Sie liefen dennoch überall herum und sprachen mit anderen Gruppierungen. Wenn man nicht wirklich genau hinhörte, konnte man meinen es sei alles beim Alten. Dass die Fröhlichkeit blieb und die unvergleichliche Freude und Lust, welche das Werwolf Wesen mit sich brachte. Doch hörte man ein Gespräch zu viel verstand man die Furcht. Neues Land. Andere Leute, neue Leute teilweise und eine unbekannte Situation.

Kurz rümpfte ich die Nase als einer der Solokow Hunde an mir vorbei ging. Offensichtlich hatte Sorin Galina mit sich geschleppt. Aber was hatte ich erwartet? Waren sie nicht fest miteinander verwoben seit ihrer Bluthochzeit? Abfällig schnaubte ich und verdrehte die Augen. Ich würde ganz sicher nicht bleiben. Nicht hier in diesem Teich von Falschheit und Verrat.

Mein Blick fiel auf einen braunen Lockenkopf und sofort erkannte ich Talvi die Straße rauf. Sie war gewachsen, um einiges. Dennoch hatte sie den schlanken Körper behalten. Ich schätzte ebenso wie ihren jungen Wolf. Vielleicht wäre ich sogar hingegangen und hätte sie nach ihrem letzten Vollmond nachgefragt. Doch in dem Moment bog jemand aus der Straße hinter hier auf ihr ab und lief ihr nach.

Elijah. Die roten Haare würde ich überall wieder erkennen.

Erschrocken hörte ich Talvi aufschreien, doch sofort ging sie ins Lachen über. Langsam blieb ich stehen und beobachtete wie sie mit Elijah weiter die Straße empor ging und sympathisierten. Wieso gleich hatte ich meinen Körper vor sie geworfen?

„Lea?“ „Nenn mich nicht so. Ich bin keine zwölf mehr“, knurrte ich dunkel und drehte mich zu Vanja um. Doch er ignorierte meine Aussage und erwiderte: „Darfst du hier oben sein?“ Ich schnaubte leise und murrte: „Ich tue, was ich will. Aber eigentlich muss ich hier oben sein.“ Vanja trat noch einen Schritt auf mich zu und strich eine Haarsträhne, die über mein Auge gefallen war hinter mein Ohr. „Sei nicht so verbittert. Ich weiß wieviel dir Talvi bedeutet. Sie versteht nicht, was Elijah mit ihr tut. Galina zielt auf einen Neuanfang ab. Auch wenn einiges davon schon erreicht ist“, sagte er sanft. „Ja, alles vergeben und vergessen. Gibt keine Beweise für nichts“, knurrte ich und funkelte ihn wütend an. „Kleiner“, murmelte er einfühlsam und zog mich in seine Arme. „Ich hab dich nicht vergessen und was sie dir angetan hat, schon gar nicht. Ich verspreche dir, dass ich sie immer wieder daran erinnern werde“, flüsterte er an meinem Ohr. „Lass los“, knurrte ich missmutig und trat einen Schritt zurück. Die Leute hier sahen mich schon als den geschlagenen, schwachen Wolf. Wir mussten es nicht verschlimmern. Dennoch konnte ich die abwertenden Blicke grade zu riechen.

„Komm mal mit“, sagte Vanja und ging vor. Langsam folgte ich ihm zu einer Seitenstraße, welche nicht befestigt war. Es war der normale Erdboden wie auf der alten Lichtung. Nur ein paar Steine zeigten die Umrandung.

Vanja führte mich zu einer Hütte. Sie war etwas größer und vom Ton der Farbe des Holzes auch älter als die anderen. Mir fiel die Farbe des Türrahmens auf. Es war keine der Farben, die ich auf dem Hauptweg gesehen hatte. Doch auch die Hütten drum herum trugen eben diese. „Mein Rudel ist sehr klein“, hörte ich Vanja erklärend sagen. Nur die paar Hütten umschlossen sein Rudel? Er hatte mir schon bei seinen zahlreichen Besuchen gesagt, dass er schwere Verluste hatte. Aber niemals hätte ich an sowas gedacht. Ich kannte sein Rudel von früher. Es war größer als unseres gewesen. Die meisten waren stark und Wölfe, die sich sehen lassen konnten. Und das sollte davon übrig gewesen sein?

Langsam folgte ich ihm zur Tür und trat in das Wohnzimmer, in das er mich bat. Das Erste, was ich sah, waren ein paar zerrissene Stoffe.

„Oh shit“, vernahm ich eine männliche Stimme und sah auf. Lev fiel fast vom Sofa, so schnell versuchte er aufzustehen. Er trug nur eine kurze Stoffhose und ein paar blaue Flecken zierten seine Brust. Kurz sah er entschuldigend zu Vanja und räumte dann hastig die paar Stofffetzen zusammen, bevor er in einem anderen Zimmer verschwand. Wenig später kam er mit etwas mehr Kleidung am Körper wieder und sah kurz unsicher zu Vanja, doch dieser mied seinen Blick nur und deutete auf das jetzt freie Sofa. „Setz dich“, sagte er und verschwand jetzt in einem weiteren Raum.

„Wie geht es dir?“, fragte Lev und half mir mich zu setzen. „Den Umständen entsprechend“, murmelte ich und fühlte, wie Lev sanft über meine Narben tastete.

Er war der erste gewesen, der mich immer wieder besucht hatte. Erst ein paar Wochen danach hatte auch Vanja sich blicken lassen. Allerdings konnte ich verstehen, dass er erst andere Dinge zu tun hatte.

„Danke“, hörte ich mich leise sagen. Lev hob eine Augenbraue und fragte verwirrt: „Wofür?“ Ich schloss kurz die Augen und sah wieder, wie er mich von diesem Pfahl holte. „Das du es nicht ignoriert hast, dass du mir geholfen hast. Ich habe mich nie dafür bedankt, dass du dich für mich in Gefahr begeben hast, obwohl du mich nicht kanntest“, erklärte ich und beobachtete, wie Vanja aus der Küche zurückkam. „Valea, niemand sollte sowas allein ertragen müssen“, hörte ich Lev sagen, bevor Vanja ihm ein Glas Wasser in die Hand drückte, ebenso wie mir auch. „Und er kennt die Gepflogenheiten der Wölfe nicht“, sagte Vanja dunkel und kassierte dafür einen vorwürfigen Blick von Lev.