Ein Monat bis...

All Rights Reserved ©

Summary

ACHTUNG! Dieses Buch wird aktuell überarbeitet! Maximilian James, ein erfolgreicher CEO mit frechem und unnahbaren Auftreten, hat alles, was man sich wünschen könnte. Die bevorstehende Heirat mit seiner Verlobten würde ihm den Deal seines Lebens bescheren, doch nichts läuft wie geplant. Wie aufs Stichwort lernt er zufällig seine zukünftige Mitarbeiterin, die kluge und eigenwillige Psychologin Alice, kennen und gibt ihr die scheinbar unmögliche Aufgabe in nur 30 Tagen die perfekte Braut für ihn zu finden. Was als rein berufliche Herausforderung beginnt, nimmt schnell eine unerwartete Wendung: Alice soll Maximilians Fake Braut werden. Während Alice tiefer in Maximilians Welt eintaucht, wird sie selbst von ihrer Vergangenheit eingeholt und schockierende Geheimnisse ihrer Familie kommen ans Licht. Doch nicht nur Alice, auch Max wird gezwungen sich den Schatten seiner Vergangenheit und seinen inneren Dämonen zu stellen. Zwischen Intrigen und wachsenden Gefühlen geraten Alice und Max in einen Strudel aus Gefahr und Leidenschaft. Eine packende Liebesgeschichte, die alles aufs Spiel setzt.

Status
Complete
Chapters
37
Rating
4.9 36 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

"Oh verdammt! Nicht doch! Ich hab verschlafen?!", ungläubig und verschlafen starrte Alice auf ihr Handy, sprang aus ihrem Bett und rannte ins Bad. Sie musste sich sehr beeilen. Nicht nur dass der Verkehr am Morgen, wo es alle eilig hatten, die reinste Hölle war, man bekam auch kaum ein Taxi. Eben typisch New York.

Mit der Zahnbürste im Mund betrachtete Alice die beiden Outfits, die sie am Abend zuvor vorbereitet hatte und kämmte sich mit der freien Hand gleichzeitig die Haare. Die Entscheidung zwischen dem hochgeschlossenen hellbraunen Kleid mit dreiviertel Ärmeln und einem schwarzen Gürtel und der schwarzen Anzughose mit einer einfachen hellblauen Bluse war nicht leicht.

Es ging um einen Job bei AJ Corp. und sie musste überzeugen. Sie brauchte dringend das Geld. Alice überlegte worin sie sich heute wohler fühlen würde und entschied sich schließlich für das Kleid. Ihr gefiel, was sie im Spiegel sah. Eine hübsche junge Frau mit natürlich blonden, von Natur aus welligen, langen Haaren, die heute zum Glück leicht zu bändigen waren. Das Kleid, das kurz unter dem Knie endete, umschmeichelte ihre Figur an den richtigen Stellen, ohne sie zu sexy wirken zu lassen. In Kombination mit schlichten schwarzen Pumps und einem einfachen Makeup, das ihre großen blau-grauen Augen nicht zu sehr betonte, war es perfekt.

Am Vortag informierte sie sich gründlich über AJ Corp. Eine Firma, die Weltweit andere Firmen aufkaufte, sie in Segmente zerlegte und weiterverkaufte. Maximilian James war der Leiter dieser Firma und hatte nicht den besten Ruf. Sowohl privat, als auch beruflich. Einige beleidigte Frauen gaben den Klatschreportern genug Futter. Von privaten Details über seine Person bis hin zu angeblichen Schwangerschaften, die sich später als eine Lüge entpuppten, war alles dabei und keine einzige dieser Frauen konnte jemals etwas wirklich beweisen. Ob es daran lag, dass es gelogen war oder sie durch eine hübsche Summe zum Schweigen gebracht wurden, war Alice egal. Sie hatte nichts für solche Skandale übrig. Allerdings würde auch niemand Jemanden in den höchsten Tönen loben, der skrupellos genug ist die Notlage anderer Unternehmen auszunutzen, sie zu kaufen und zu zerschlagen, um davon zu profitieren.

Alice ging nicht davon aus, dass sie ihn jemals zu Gesicht bekommen würde. Wahrscheinlich wäre er der Chef von dem Chef ihres Chefs oder sowas in der Art. Auf den Bildern im Internet sah er hübsch aus, ohne Frage, aber durch seine Ausstrahlung sehr weit davon entfernt als der nette Kerl von nebenan zu gelten. Von solchen Männern würde man problemlos behaupten, dass sie ihre Konkurrenten zum Frühstück verspeisen.

Sie stürmte aus der Wohnung und schwor sich dabei, zum tausendsten Mal, nie wieder bis spät in die Nacht wach zu bleiben, während sie die Treppe mit einem Bagel im Mund, einem Kaffeebecher in einer und dem Schlüsselbund in der anderen Hand zum Bürgersteig runter lief. Man kennt es ja, nur noch eine Folge der Serie, ein Kapitel des Buches, eine Quest im Spiel und am nächsten Morgen verflucht man sich und den nächsten Tag, der wie immer viel zu früh anbrach. Die Hoffnung ein Taxi zu bekommen schwand mit jedem vorbeifahrenden gelben Auto mit dem Taxischild auf dem Dach.

Warum sieht es in den Filmen immer so einfach aus? Der Idiot, der sich das ausgedacht hat, sollte mal hier gelebt haben. Seine rosaroten Illusionen würden an der knallharten Realität ganz schnell scheitern, dachte sie schnaubend.

Ein Mann stellte sich vor sie und hielt ebenfalls eine Hand zur Seite. Er drehte sein Kopf in ihre Richtung und warf ihr einen abwertenden Blick zu. Dann grinste er Alice frech an. Gerade das hat ihr noch gefehlt, ein aufgeblasener Vordrängler. Während er sie anschaute, fuhr ein Taxi aus der Reihe im Begriff bei ihnen anzuhalten. Das war ihre Chance. Sie lächelte den Mann an und kniff dabei die Augen etwas zusammen. Es sollte nach einem Flirt aussehen. Im nächsten Moment kam sie einen Schritt auf ihn zu und mit etwas Ellenbogeneinsatz schob sie sich an ihm vorbei und schnappte dem Schlipsträger das Taxi vor der Nase weg. Absolut überrumpelt starrte er sie an. Sie nannte dem Taxifahrer die Adresse und grinste den Kerl am Bordstein ebenso frech an, als das Auto losfuhr und er das Wort „Bitch“ mit den Lippen formte. Erste Hürde geschafft. Der kleine Kampf, mit dem Arschloch von eben, gab ihrem Selbstbewusstsein einen kleinen Kick. In vierzig Minuten musste sie vor Ort sein, das könnte eng werden.

Die Beschreibung der Stelle im Internet klang schon fast zu gut um wahr zu sein. Ihre Aufgabe als Firmen-Psychologin wäre es die Mitarbeiter zu betreuen, Berichte zu erstellen und Gesprächstherapien anzubieten, falls nötig. Eine Arbeit, bei der man sich nicht übernimmt und gut verdient. Bisher betreute sie ihre Patienten per Videokonferenz. Nach dem Umzug aus ihrer Heimatstadt in Pennsylvania war es ihr noch nicht gelungen einen ausreichenden Patientenstamm aufzubauen. Man musste für sich werben können. Dafür brauchte man Geld und Empfehlungen. Das wiederum bedeutete jederzeit hundertfünfzig Prozent geben zu müssen. Nicht, dass sie bei ihrem Job nicht alles geben würde, doch die Umstände wären komplett anders. Alice müsste sich keinen Druck wegen ihres Studiendarlehens mehr machen und die Rechnungen jeden Monat pünktlich zahlen zu können ist doch auch ganz nett. Bei dem Gedanken verzog sie ihren Mund unwillkürlich zu einem Lächeln. In ihren Traumvorstellungen hatte sie bereits jahrelange Erfahrung, eine eigene Praxis und war sehr erfolgreich.

"Wir sind da.", riss der Taxifahrer sie aus den Gedanken.

Da wären wir wieder Ladys und Gentleman, darf ich vorstellen? Die Wirklichkeit!, schoss es bei Alice durch den Kopf. Die Wirklichkeit, in der ihr Traum noch Jahre entfernt war. Sie zahlte schnell und stieg aus. Es war ein hohes Gebäude etwas außerhalb vom belebten Zentrum der Stadt. Von außen sah das Ganze nach nichts Besonderem aus. Ein Hochhaus mit einer Glasfront, ein Bürogebäude wie jedes andere.

Die Eingangshalle beeindruckte sie vom ersten Moment an. Hohe Decken, lichtdurchflutet, keine erdrückenden Farben. Auf der linken Seite war ein Wartebereich, der sie an eine Art Dschungel erinnerte. Mit Palmen, Farnen und vielen anderen kleinen und großen Pflanzen. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Mitten drin standen eine moderne lange Ledercouch in einem warmen dunklen Braunton und ein paar Sessel. Derjenige, der das geplant hat, war ganz offensichtlich darauf hinaus eine Balance zwischen dem klaren und geradlinigen Stil am Empfang und dem Rest der Halle zu erschaffen. Eine Frau mit einem perfekten Lächeln und glatt gestylten Haaren begrüßte Alice.

"Herzlich Willkommen bei AJ Corp. Ich bin Ashley, was darf ich für Sie tun?"

"Ahm…ich bin Alice Scott und habe hier heute ein Vorstellungsgespräch.", sagte sie etwas aufgeregter, als gewollt.

Ashley sah auf ihrem Monitor nach und kramte einen Gastausweis hervor, informierte jemanden am Telefon und deutete auf den Wartebereich.

"Bitte vergessen Sie nicht den Ausweis beim Verlassen hier abzugeben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.", sagte Ashley steif lächelnd.

"Danke sehr."

Alice ging zum Wartebereich, setzte sich in einen der Sessel und stellte überrascht fest, dass hier sonst niemand außer ihr wartete. Man sollte meinen die Leute würden für so einen Job und mit dem Gehalt die Türen einrennen und sich, wie die Frauen bei einem Ausverkauf in einer Edelboutique, die Köpfe einschlagen. Bei der Vorstellung grinste sie in sich hinein. Sobald man inmitten dieser Pflanzen saß, hatte man das Gefühl sich nicht mehr in New York zu befinden, sondern ganz weit weg. Das Motto für dieses Projekt war bestimmt etwas typisches wie „Der Großstadtdschungel“ oder „Die Oase in einer Betonwüste“. Die Pflanzen hatten auf jeden Fall eine sehr beruhigende Wirkung und irgendwo dazwischen plätscherte Wasser vor sich hin. Sie sah sich um und fragte sich ob es tatsächlich Wasser war oder nur ein digitales Hintergrundgeräusch.

Ein wichtig aussehender Mitarbeiter, in einem dunkelgrünen Anzug, weinroter Krawatte und einer Glatze kam aus dem Fahrstuhl und auf sie zu. Er stellte sich als Mr. Nelson vor und nahm Alice lächelnd in Empfang. Er ging voraus und sie fuhren in den fünfundzwanzigsten Stock. Dort angekommen fiel ihr das komplette Gegenteil zum Eingangsbereich sofort auf. Nur ein paar vereinzelt herumstehende Pflanzen gaben dem Ganzen etwas Farbe. Alles Andere wurde in strengen Grautönen gehalten. Hier gab es auch keine Spur von den vielen Kandidaten die sich Alice ausgemalt hatte, stattdessen saß eine Mitarbeiterin direkt vor ihnen. Sie tippte etwas in ihren Laptop ein, doch es schien nicht ihr Arbeitsplatz zu sein. Außer dem Laptop stand nichts auf dem Tisch vor ihr. Sie war eine brünette Frau in den Zwanzigern. Ihr Makeup, Schuhe und die Kleidung waren ganz sorgfältig auf einander abgestimmt. Die locker sitzende Bluse aus cremeweißer Seide, die etwas enger anliegende dunkelrote Anzughose und die High Heels waren die perfekte Mischung, um anziehend und trotzdem professionell zu wirken. Mr. Nelson schaute sie ein wenig überrascht an, nickte ihr zu und ging vor in den Wartebereich. Alles geschah ohne ein Wort und somit beschloss Alice auch nichts zu sagen und einfach mit einem freundlichen Lächeln zu nicken. Doch die junge Frau schien es nicht sonderlich zu interessieren.

Freundlichkeit ist hier wohl kein Einstellungskriterium, dachte sich Alice.

"Wir müssen hier kurz warten.", sagte Mr. Nelson. "Der Raum ist gerade besetzt."

"Okay.", erwiderte Alice und überlegte kurz zu fragen, ob sie vielleicht doch zu spät kam.

Sie folgte ihm in den Wartebereich. Die junge Frau hörte auf zu tippen und drehte sich zu den beiden um.

"Ich hole mir einen Kaffee. Haben Sie einen Wunsch? Das könnte nämlich etwas dauern, Fiona ist da.", sagte sie.

"Das muss ja sehr dringend gewesen sein, wenn sie hier, für ihre Verhältnisse, in aller Herrgottsfrühe aufgekreuzt ist.", er klang amüsiert. "Ja, mach mir bitte auch einen Kaffee, schwarz. Danke Nina."

"Und für Sie Miss…?"

"Scott. Nur ein Glas Wasser bitte. Danke.", antwortete Alice zögerlich.

"Aber natürlich, Miss Scott.", sagte Nina. "Einen kleinen Moment Geduld."

Sie stand auf und verschwand in der kleinen Küche auf der rechten Seite. Alice schaute ihr nach, denn sie bewunderte Frauen, die in solchen High Heels so perfekt laufen konnten. Ihrer Meinung nach waren die Dinger einfach nur verdammt unbequem und man musste ein Masochist sein, um freiwillig den ganzen Tag welche zu tragen. Bei jedem Anblick solcher Schuhe in einem Geschäft sah sie sich sofort mit gebrochenen Gliedmaßen im Krankenhausbett. Hinter der schwarzen Tür auf der linken Seite hörte man Stimmen, die immer lauter wurden.

"Das ist mir scheiß egal! Für wen hältst du dich?!", hörte man plötzlich eine Frau hysterisch durch die Tür schreien. Noch etwas lauter und sie würde die Fenster zerspringen lassen, so schrill klag es. Etwas Schweres fiel um. "Ich will nicht nach Lissabon fliegen! Ich hasse Tschechien!", der dumpfe Klang von Schritten wurde lauter und eine Frau stürmte raus.

Das ist dann wohl Fiona, grinste Alice in sich hinein. Eine wunderschöne Frau mit dunkelbraunem Haar, braunen Augen und Modelmaßen, gekleidet in eine enge altrosa Bluse und einen schwarzen engen Bleistiftrock.

"Du meinst entweder die Stadt Prag oder das Land Portugal und beides ist falsch. Es ging um Luxemburg. Hattest du in deiner privilegierten Edelschule sowas nicht mal beigebracht bekommen?", korrigierte sie eine amüsierte männliche Stimme spöttisch. Sie bemerkte das Publikum und warf den beiden einen vernichtenden Blick zu, doch mit der Szene hörte sie nicht auf. Im Bruchteil einer Sekunde veränderte ihr Blick, als kämen ihr Zuschauer gerade gelegen um zu zeigen wie schlimm ihr Gegenüber doch ist. Den Mann mit dem sie stritt, sah man noch nicht.

"Ist mir egal! Ich kann diese Stadt nicht ausstehen! Ich hasse Gabriel!"

"Er wohnt in London.", unterbrach er sie genervt.

Kurzzeitig schien sie verwirrt und aus der Fassung gebracht, doch fing sich gleich wieder.

"ES. IST. MIR. EGAL! Ich hasse ihn und den Rest deiner Freunde auch! Richard!", sie schaute zu Mr. Nelson, dessen Vorname es offenbar war und drehte sich ganz plötzlich zur Tür um. "Schenke deinem Boss ein Paket Mitleid und Verständnis, dieser Tyrann kann es gut gebrauchen!!!"

"Ich rufe Ihnen ein Taxi.", sagte Richard schnell, stand auf und lächelte beschwichtigend. "Nicht nötig, das mach ich selbst! Und deinen Ring kannst du dir sonst wohin schieben!"

Irritiert starrte Alice die beiden an und hatte das Bedürfnis sich selbst zu kneifen. Passierte das hier gerade wirklich? Sie hatte sich vorgestellt, dass die Bewerber sich hier gegenseitig fertig machen würden, doch diese Vorstellung hier war einfach jenseits all dessen, was sie sich zusammenfantasiert hatte. Nun war sie noch gespannter auf denjenigen, der diesen hysterischen Anfall ausgelöst hatte. In diesem Augenblick trat niemand anderes als Maximilian James durch die Tür. Selbst wenn sie seine Fotos bei der Internetrecherche nicht gesehen hätte, würde sie spätestens in diesem Augenblick wissen, dass er hier das Sagen hat. Die Präsenz und die Ausstrahlung könnten niemanden daran zweifeln lassen. Fiona war mit der Szene noch nicht fertig. Um dem Drama den letzten Schliff zu verpassen, nahm sie den Ring mit einem riesigen funkelnden Diamanten vom Finger und holte aus um ihn zu werfen. Sie wollte Max damit treffen, der Ring verfehlte aber sein Ziel und flog an den Türrahmen, prallte ab und fiel Alice wortwörtlich vor die Füße. Fiona marschierte beleidigt und ganz in ihren Auftritt vertieft zum Fahrstuhl. Max schien diese Szene nichts auszumachen, er wirkte sogar etwas erleichtert. Mit den Händen in den Taschen sah er ihr solange nach bis die Fahrstuhltüren zu waren. Der Ring war das, was man einen riesen Klunker nennen könnte.