Der vergessene Prinz

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Summary

Dornröschen - Jeder kennt das Märchen der verfluchten Prinzessin, die in einen 100-jährigen Schlaf fällt, nachdem sie sich ihren Finger an einer Spindel gestochen hat. Am Ende wird der Fluch gebrochen und es gibt ein HAPPY END. Doch was, wenn ich euch erzähle, dass dies nur die Version der heteronormativen Welt ist? Was wenn ich euch erzähle, dass das Märchen etwas anders verlief? Was wenn nicht die Prinzessin das Dornröschen ist, sondern ihr von den Generationen verschwiegener Zwillingsbruder? So lest denn selbst, wenn ihr mir nicht glaubt. 😉 ---- Cover: Teilweise von Freepik, Rest selbstgestaltet. <a href="https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/portraet-eines-suessen-schlafenden-jungen-schoenen-mannes-der-auf-ruecken-liegt_10626818.htm#page=2&query=Mann%20schlafend&position=4&from_view=search&track=ais">Bild von valuavitaly</a> auf Freepik

Status
Complete
Chapters
3
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Der Fluch

Es war einmal - denn so beginnen Märchen nun einmal - im Königreich der Rosen, ein Königspaar vom höchsten Glück gesegnet mit zwei wundervollen Kindern.


Prinzessin Rosalie und ihr Zwillingsbruder Prinz Laurin waren beide von schöner Gestalt. Beide hatten helles Haar, das in der Sonne wie Gold erstrahlte. Ihre großen Augen waren blau wie der Sommerhimmel, jedoch waren die des Prinzen mit nachtblauen Sprenkeln noch schöner als die seiner Schwester.


Rosalie war klug und freundlich, ebenso gebildet wie ihr Bruder, denn das Königspaar hielt nichts davon Jungen und Mädchen unterschiedlich zu behandeln.


Laurin war wilder als seine Schwester, spielte mit Jungs Ritter und Räuber.


Gemeinsam war ihnen ihre Schönheit und die tiefe Liebe zueinander.


Die königlichen Zwillinge wuchsen wohlbehütet auf und es fehlte ihnen an nichts. Sie waren der Schatz ihrer Eltern und des gesamten Volkes.


Auch wenn eine dunkle Bedrohung über ihren Köpfen schwebte. Denn es geschah, was nie hätte geschehen dürfen.


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Am Tag ihrer Taufe empfing das Königspaar, wie es sich schickte, Gäste von nah und fern. So auch die mächtigen Königinnen der Feen. Doch es waren 13 an der Zahl und es gab nur 12 goldene Teller. Da Feen nur von goldenem Geschirr speisen und trinken dürfen, wurde schlichtweg die Fee der Stürme nicht geladen, da sie so weit entfernt lebte.


Am Tag der Feierlichkeiten, tauchte sie jedoch mit Sturm und Wind auf. Von Wut und Entrüstung getrieben, sprach sie einen dunklen Fluch über den Wiegen aus. Allerdings dachte sie, es wäre die Prinzessin die sie verfluchte, als sie den Bann aussprach die Prinzessin solle sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und sterben. Ihr Bruder solle daraufhin wahnsinnig werden und alle um ihn herum töten.


Doch der kleine Prinz lag in der rosanen Wiege, da die Hebamme damals noch keinen Unterschied in Prinz und Prinzessin sah. Als die Fee irre lachend in einem Wirbel verschwunden war, entdeckte die 12. Fee, Solaria, den Fehler. Die anderen Feen freuten sich und glaubten die böse Schwester habe sich selbst alles verdorben. Denn Flüche sind Personen gebunden. Sie hatte den Fluch welcher der Prinzessin galt, aber über dem Prinzen gesprochen und ihn dabei berührt. Den Teil der für den Prinzen bestimmt war, hatte sie über der Prinzessin gesprochen.


Trotz dieser Hoffnung änderte Solaria, mit dem ihr verbliebenen Wunsch, den Fluch der anderen Fee.


Sollte die Prinzessin der einst sich stechen, würde sie nicht sterben, sondern nur 100 Jahre schlafen. Den Fluch des Bruders konnte sie nicht mildern, denn es hieße die Liebe zwischen den Geschwistern zu unterbinden. Daher solle auch er in einen 100-jährigen Schlaf sinken. So wäre die Prinzessin auch nicht allein, wenn sie aus dem Fluch erwacht.


Um vor den hundert Jahren zu erwachen, wäre allerdings ein großer Zauber nötig. Mächtiger als jeder Feenzauber. Ein Kuss. Nicht irgendein Kuss, von irgendwem. Nein, es müsse der Kuss eines reinen Herzens das in Liebe schlagen würde, sein. Jeder wusste, dass dies unmöglich sein würde. Denn auch wenn die Prinzessin eine wahre Schönheit werden würde, wer würde sich schon in eine schlafende Frau verlieben?


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Auch der König traf Maßnahmen seine Kinder zu schützen. Alle Spindeln wurden verbrannt, die Spinner und Weber erhielten Entschädigungen und die Chance ein neues Handwerk zu erlernen. Viele wurden Näher und nähten aus Stoffen die nun geliefert werden mussten, die schönsten Kleider.


So lebten Prinz Laurin und Prinzessin Rosalie das schöne Leben geliebter Kinder und Adliger. Der Fluch wurde ihnen gegenüber nie erwähnt und mit den Jahren vergaßen selbst die Menschen um sie herum den hassvollen Zauber.


Denn das liebliche Lachen ihrer Prinzessin und das herzliche Lachen ihres Prinzen, erfüllte das gesamte Königreich mit Freude. Ihre Lebenslust, Neugier und Lebendigkeit, war ansteckend. Jeder liebte die königlichen Zwillinge und wenn man für ihr Glück auf ein wenig verzichten musste, war es das jedem Menschen wert.


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Am Tag ihres 16. Geburtstages herrschte geschäftiges Treiben im Schloss. Aus dem ganzen Königreich reisten Gäste an und wie es üblich war, würden auch Gäste aus anderen Königreichen anreisen.


Der Kammerdiener des Prinzen verzweifelte an der sturen Art des Prinzen, welcher sich vehement weigerte in sein feines Gewand zu steigen.


"Das ist doch albern Johan! Mit diesen Rüschen und tausend Schichten!" "Euer Hoheit, bitte! Ihr seid der Kronprinz. Dies ist das Jahrhunderte alte Gewand welches der Kronprinz zu seinem 16. Geburstag trägt! Euer Vater trug das auch!"


Prinzessin Rosalie kicherte hinter vorgehaltener Hand. Auf einen flehenden Blick des Dieners, schluckte sie ihr Lachen hinunter und sah den Bruder ernst an. "Nur ein wahrer Mann kann den Rosenmantel tragen, ohne sich in seiner Männlichkeit unsicher zu sein!", sprach sie als zitiere sie jemand.


"Du hast gut reden. Eine Rosenprinzessin bekommt zum 16. Geburtstag ein Kleid ihres Herzens und als Mann muss ich mich mit diesem antiken Mantel, der eher aussieht wie eine abgestorbene Rosenhecke, einkleiden!"


Die Prinzessin seufzte und gab dem Diener ein Zeichen, dass er sie allein lassen solle.


"Ach Laurin! Es ist doch nur für die Zeremonie.", flüsterte sie ihm dann zu, nachdem die nah an ihm herangetreten war. Rosalie sah wunderschön aus, in ihrem Silber anmutenden Kleid und der zartpinken Rosenstickerrei.



Er dagegen war in silbriger Hose und passender Jacke und ein schwarzes Hemd gekleidet. Darüber allerdings musste er einen schweren, weißen Mantel, über und über mit Rosenköpfen aus teilweise uralten Stoffen bestickt, tragen. Der Kragen hatte große Rüschen, ebenso die Trompetenarme. Furchtbar hässlich und zudem Tonnen schwer.


"Warum kannst du den nicht tragen? Bei einer Frau, wäre es nicht ganz so albern!" "Nun, wir sind zwar gleich alt und unsere Eltern haben nie einen Unterschied gemacht. Unsere Bildung ist gleich und ich darf genauso meine Meinung kundtun auf Ratssitzung wie du. Aber du darfst nicht vergessen, andere Länder sind nicht so eingestellt. In anderen Ländern sollen Prinzessinnen und Königinnen schon und schweigsam sein, Kinder bekommen und jedermann bezaubern. Eine Frau auf dem Rosenthron, als regierende Monarchin, würde von vielen nicht akzeptiert. Nimmst du jedoch die Krone an, darf ich als deine Schwester mit regieren. Denk doch nur! Wie schön das wäre. Wir beide auf dem Thron, jeder mit einem edlen Gemahl zur Seite."


Laurin strich über den hässlichen Mantel. "Ein schöner Traum. Ja. Doch du weißt es bleibt ein Traum. Egal wie fortschrittlich unser Land, unser Volk ist : ich werde niemals aus Liebe heiraten können." "Vielleicht doch! Laurin! Ich bin bei dir! Ich helfe dir antiquierte Ansichten zu ändern!" "Ein König muss Kinder zeugen!", herrschte er seine Schwester an.


Die nachtblauen Sprenkel in seinen schönen Augen ließen sie nun wie ein von Gewitterwolken durchzogener Sommerhimmel aussehen.


"Dieser König wird eine Schwester als Königin an seiner Seite haben. Ich werde Kinder haben, die du als deine Nachfolger einsetzen kannst. Unsere Linie bleibt erhalten. Wenn du niemals heiraten würdest oder eine Frau haben würdest, die keine Kinder gebären kann, wäre es doch auch so! Meine Kinder würden dir nachfolgen. Also warum solltest du nicht deinem Herzen folgen können und einen Mann an deiner Seite haben?"


Die Prinzessin hatte leise gesprochen. Denn auch wenn sie tief in sich sicher war, dass Laurin immer noch geliebt würde, käme sein Geheimnis ans Licht, so ängstlich war sie doch, sollte sie nicht Recht behalten.


"Wer weiß ob es überhaupt noch einen Mann gibt, der so fühlt? Manchmal glaube ich, ich bin verflucht. Ein Mann der andere Männer begehrt? Wer hat davon schon gehört?"


Die Prinzessin seufzte leise und Strich ihrem Bruder durchs lockige Haar. "Heute kommen soviele Besucher. Wer weiß, vielleicht ist dein Schicksal darunter? Warum solltest du der einzige sein? Es ist kein Fluch Laurin. Liebe ist Liebe!"


"Ich wünsche mir so sehr, dass du Recht hast!", murmelte der Prinz traurig. "Also Schluss jetzt. Wir zwei lenken uns jetzt ab!", forderte seine Schwester. Sie erfriff seine Hand, zog ihn zur Bücherwand wo sie ein Buch entnahm. Eine Geheimtür öffnete sich und die zwei schlüpften hindurch.


"Vater und Mutter ermorden uns, wenn wir nachher zerrissen vor ihnen stehen!" "Seit wann so ängstlich Prinz Rosenherz?", ärgerte sie ihn. Lachend jagte er hinter seiner Schwester her, bis sie auf dem Dach des Ostturmes zum Stehen kamen. Hier nahmen sie einander bei der Hand und sahen hinaus auf ihr Reich. Große Wälder, mächtige Flüsse und hohe Berge umgaben sie.


"Ich, Prinzessin Rosalie, schwöre ich werde für immer und zuerst deine Schwester sein!", flüsterte sie. "Ich, Prinz Laurin, schwöre ich werde für immer und zuerst dein Bruder sein!", antwortete er, wieviele Male zuvor.


Die königlichen Geschwister umarmten sich und sahen dann überrascht, dass eine zweite Tür ins Innere des Turmes zu führen schien. Neugierig beschritten sie diesen, als die Glocken anfingen zur Zeremonie zu läuten. Kichernd hasteten sie den Weg hinab und landeten in einem Raum mit einem hölzernen Rad. Es war etwas was sie nie zuvor gesehen hatten.


"Laurin...Pass auf!", sprach Rosalie, doch da hatte ihr Bruder schon neugierig den spitzen Stab am Ende des Rades berührt. Sie schrie auf, als er fiel. Sie hastete vorwärts und versuchte seinen größeren Körper aufzufangen.


"Rosa...", kam ihm nur noch über die Lippen, als er ebenso wie sie die Augen schloss.


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Und so schliefen die Königskinder ein und um sie herum verfiel alles und jeder in einen tiefen Schlaf. Denn die zwei waren das Herz ihres Königreiches und ohne sie, war da kein Leben.


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(1548 Worte)