Bad Beat - Verspielt

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Summary

Kyras Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihr Verlobter Liam bei einer illegalen Pokerpartie alles auf eine Karte setzt. Dabei lernt sie den mysteriösen Viktor kennen - und hassen. Der Anfang einer turbulenten Triade, die alle drei in einen immer verhängnisvolleren Strudel zieht. FORTSETZUNGEN kommen jeden Samstag gegen 12 Uhr.

Status
Complete
Chapters
82
Rating
4.8 11 reviews
Age Rating
18+

01

Gegen 4 Uhr in der Nacht.

„Vertraust du mir?“ Er sieht dich mit diesem Blick an, der dich bereits seit eurer ersten Begegnung ganz in den Bann geschlagen hat. Diese blau-grauen Augen gleichen kristallklarem Wasser, das einen bis zum Grund blicken lässt.

„Natürlich vertraue ich dir,“ setzt du nervös an. „Aber...“ – „Ich liebe dich, Kyra“, unterbricht er dich mit einem Lächeln, das dich dahinschmelzen lässt.

Du kannst gar nicht anders, als sein Lächeln zu spiegeln. „Ich dich doch auch!“

Doch die Unsicherheit bleibt. Dein Blick rutscht von ihm weg und huscht durch den dämmrigen, fensterlosen Raum, dessen Luft nach billigen Zigarren und noch billigeren Zigaretten riecht, nach Alkohol, Rasierwasser und Männerschweiß. Fünf Augenpaare sind auf dich gerichtet. Abgesehen von Liam sind wir für dich unbekannte Gestalten, die du nie zuvor gesehen hast. Die letzten Stunden hast du am Rand mit dem Rücken an der Wand gesessen, Prosecco getrunken, der etwas zu süß ist, und schweigsam aus dem Hintergrund unsere fünfköpfige Pokerrunde beobachtet. Von Liam hast du seitdem nur den Hinterkopf gesehen. Doch in den letzten Minuten hat er sich ganz dir zugewandt.

Ja, du liebst ihn – über alles! Du spielst an deinem Verlobungsring, der seit wenigen Monaten dein vielleicht kostbarster Schatz ist.

„Die Mathematik ist auf meiner Seite. Wenn wir Zeit hätten, würde ich es dir vorrechnen.“ Liams Mund ist ganz nah an deinem Ohr, seine Stimme weniger als ein Flüstern. Allein sein Atmen lässt deine Nippel erigieren und einen Schauer hinunter bis in deinen Schoß rieseln. „Du musst mir einfach vertrauen, Babe!“

Du hauchst es mehr, als dass du es laut aussprichst: „Das tu ich doch.“

Natürlich vertraust du ihm. Er ist nicht bloß klug, er ist smart. Und er ist mutig, so viel mutiger als du. Dafür liebst du ihn und deshalb vertraust du ihm. Er küsst dein Ohr, ein wohlig warmer Schauer rieselt deinen Nacken hinunter. Dann lehnt er sich so weit zurück, dass er dir in die Augen sehen kann. „Ohne Wenn und Aber?“

Du willst seine Lippen küssen. Auf der Stelle! Für einen Moment sind die gaffenden Blicke der anderen egal. Doch du hältst dich zurück und lächelst verliebt. „Ohne Wenn und Aber vertraue ich dir, mein Liebster!“

Er sieht so glücklich aus. Wie ansteckend Glück sein kann. Dieses Kribbeln, das er damit in deinem Unterbauch auslöst, lässt dich einen Moment schweben.

„Du siehst so heiß aus, Babe“, raunt er leise, weil nur du es hören sollst. „Am liebsten würde ich dich gleich hier und jetzt über den Spieltisch legen und hart rannehmen.“

Du wirst knallrot und beißt grinsend auf deine rot angemalte Unterlippe. Liam wendet sich zu uns, seinen vier Mitspielern am Tisch. „Also, abgemacht, die Vereinbarung steht.“

„Das ist nicht euer Ernst! Das ist unethisch“, entrüstet sich Lukas, ein schmales Hemd um die Mitte dreißig, in einer perfekt sitzenden Anzugjacke in Konfektionsgröße 94.

„Wir haben das besprochen, Lukas. Also lass das mal unsere Sorge sein“, entgegnet Liam in beinahe übertriebener Gelassenheit.

Lukas sieht mich mit vorwurfsvollem Blick an, als wäre das alles meine Idee gewesen. Doch ich schweige mich aus. Ich analysiere noch, wie es dir damit geht, dass dein Verlobter so dreist ist, dich aufs Spiel zu setzen.

Dafür ergreift Simon das Wort. Er ist mit Anfang vierzig der Älteste und Dickste am Tisch. Von seinem behäbigen Leib sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen. Er hat nicht nur das Gesicht eines Wiesels, sondern kann auch genauso flink sein und ist mindestens so verschlagen. „Komm schon, Luke! Liam ist schon ein großer Junge und weiß, was er tut. Und seine kleine Freundin sieht auch nicht mehr ganz so unschuldig aus. Also steh dem jungen Glück der beiden nicht im Weg!“

Liam verzieht sein Gesicht. Mit seinen 24 ist er fünf Jahre jünger als ich und der Jüngste in unserer Runde. Dass ihm ausgerechnet Simon zur Seite steht, wurmt ihn. Andererseits muss er ihm dankbar sein, denn erst Simons Argumente machen Lukas mundtot.

Zeit, dass ich mich einmische. „Seid ihr euch wirklich sicher?“

„Sowas von“, sagt Liam, schiebt seine letzten Jetons in die Tischmitte, wo bereits eine Reihe von wackeligen Türmen aus bunten Plastikchips zusammengeschoben wurden. Dann erhebt er sich von seinem Stuhl und sagt: „All in!“

„Nicht so schnell“, kontere ich ihn aus, ohne ihn anzusehen, denn mein Blick ruht auf dir. „Bist du dir wirklich sicher, dass du das willst?“

Du starrst mich an wie ein erschrockenes Häschen, die efeugrünen Augen geweitet, die Mundwinkel zucken nervös, deine rosigen Lippen beben unmerklich, während dein Körper versteift. Immer noch sind alle Blicke auf dich gerichtet. Du nickst eingeschüchtert.

Ich sehe dich streng an. „Sag es!“

„Ja“, sagst du leise.

„Es sollen alle hören!“

„Ja, doch!“, krächzt du. Und dann sagst du, ohne meinem Blick auszuweichen und mit aller Entschlossenheit: „Ich bin einverstanden!“

Nun schaust du zu Liam auf und er zu dir herunter. Er strahlt voller Zuversicht und das besänftigt deinen rasenden Puls zumindest etwas.

„Na dann“, sage ich und mache meinen Einsatz. Nacheinander schieben auch meine Mitspieler ihre Einsätze in die Mitte: Zuerst Simon, dann Gernot, der fünfte Spieler in unserer Runde. Er fällt dir nur durch seine Unauffälligkeit auf, ein blass-grauer Typ, was sowohl seine Kleiderwahl als auch seinen Teint und seinen Fassonschnitt betrifft. Das einzig auffällige an ihm sind seine Glupschaugen, die ständig in Bewegung sind. Lukas hat nicht nur aufgegeben, den Moralapostel zu spielen, sondern steigt auch aus dem Spiel aus und wirft die Karten hin.

Liam bleibt allerdings der Einzige von uns, der all-in geht und deswegen stehen muss. Abgesehen von der Frage, was er wohl auf der Hand hat, dass er ein solches Risiko eingeht, frage ich mich, ob Liam besonders gut bestückt ist, oder ob seine Hose gerade von einer faustdicken Erektion ausgebeult wird.

„Dann lass mal die Hosen runter, mein Junge“, sagt Simon mit sadistischem Vergnügen.

Sofort galoppiert dir dein Puls wieder davon.

Während Liam einen Full House hinblättert, blickst du in die Gesichter der anderen. Alle machen große Augen. Simon, der euch für euren leichtsinnigen Spieleinsatz verteidigt hat, pfeift anerkennend. Lukas’ Anspannung fällt mit einem erleichterten Seufzer von ihm ab. Der schweigsame Gernot lässt sich enttäuscht auf seinem Stuhl zurückfallen, während er seine Karten auf den Tisch pfeffert. Und Liams Grinsen reicht von einem Ohr bis zum andern. Das ist der Moment, als du einen lauten Schrei lässt und deine Brust vor Glück zerspringt. Dein Leben würdest du ihm anvertrauen, so sehr liebst du diesen jungen, unwiderstehlichen Draufgänger.