Kapitel 1
Leichter Wind trieb die Wellen an den Küstenstreifen von Golden Beach in Florida. Die salzige Meeresluft sorgte für ein Kitzeln in meiner Nase und ich atmete tief ein. Trotz der Jahreszeit war es warm und ich konnte es genießen, in einem kurzen Kleid frühmorgens am Strand zu sitzen und den Sonnenaufgang zu beobachten.
Es war Wahnsinn, wie sich der Himmel in wenigen Minuten von einem zarten Rosa in ein Orange und dann in das typische Blau veränderte. Ich bereute nicht, so früh aufgestanden zu sein. Wie sonst hätte ich solch einen traumhaften Morgen, an dem niemand am Strand war und ich dem Rauschen des Meeres zuhören konnte, erleben können?
Brian schlief, aber ich hatte ihm eine Nachricht hinterlassen, dass ich am Strandabschnitt vor seinem Haus sitzen würde. Dass er hier ebenfalls eins hatte, wunderte mich nicht. Selbst in New York lebte er am Strand. Es passte zu ihm und ich genoss es, Abwechslung zu meiner Wohnung mitten in der Stadt zu haben.
Meine Gedanken schweiften zu einem eigenen Haus am Strand. Dank Brian und meiner Bezahlung als sein Sugar Girl wäre es sogar möglich, doch ich wollte lieber sparen, falls etwas passierte. Ich musste nicht alles sofort haben, was mir ins Auge stach.
Plötzlich legte mir jemand von hinten eine leichte Decke um. „Guten Morgen, Jade“, grüßte Brian mich lächelnd und küsste meinen Kopf, bevor er sich hinter mir im Sand niederließ.
„Guten Morgen, Schlafmütze“, erwiderte ich neckend und lehnte mich sofort an ihn. Es überraschte mich, dass er nicht lange nach mir aufgestanden war. Wie lange war ich schon am Strand? Durch den Ausblick hatte ich die Zeit vergessen. „Gut geschlafen?“
Brian vergrub seine Nase an meinem Nacken und schnupperte. Wie so oft bekam ich eine Gänsehaut und schüttelte mich leicht, was ihn zum Lachen brachte. „Dank dir schlafe ich immer gut. Was ist mit dir?“, erkundigte er sich.
„Geht mir genauso wie dir. Schade, du hast den wunderschönen Sonnenaufgang verpasst“, bemerkte ich und wandte ihm meinen Kopf zu. Sofort bekam ich einen Kuss auf mein Ohr gedrückt und Brian schlang seine Arme um mich.
„Das macht nichts, dafür habe ich gerade den schönsten Anblick vor mir“, hauchte er fast schon schnurrend. Ich wusste, was er damit andeuten wollte, und lachte. Das war typisch Brian. Niemals um ein Kompliment verlegen.
Wir schwiegen und genossen die Sonnenstrahlen, die unsere Haut streichelten. Ich war noch nie in Florida gewesen und konnte es kaum erwarten, mit Brian einiges zu erkunden. Nach seiner Rückkehr von einer Dienstreise hatte er vorgeschlagen, aus ein paar Tagen eine Woche zu machen. Begeistert, weil die arbeitsbedingte Trennung Sehnsüchte in mir geweckt hatte, war ich einverstanden gewesen.
„Was hast du heute vor?“, fragte ich Brian leise und kuschelte mich an seine Brust. Ich war froh, dass er eine Decke mitgebracht hatte. Erst jetzt bemerkte ich, dass mir ein wenig kalt war.
„Erst einmal ein ausgiebiges Frühstück und literweise Kaffee“, murmelte er an meinem Nacken.
„Eine fantastische Idee“, stimmte ich zu. Einen Kaffee würde ich vertragen, denn jetzt kroch die Müdigkeit meine Glieder hoch. Nach der Ankunft am Abend waren wir essen gegangen und hatten uns anschließend einen Wein auf der Terrasse seines Hauses gegönnt. Vor Müdigkeit hatten wir früher als sonst das Bett aufgesucht, was dazu geführt hatte, dass ich vor Sonnenaufgang aufgewacht war. Ein Glück, welches mich jetzt zum Gähnen brachte.
„Wie es aussieht, brauchst du wohl die doppelte Menge an Kaffee?“, neckte Brian mich und stand auf. Ich hörte, wie er sich den Sand abwischte, und streckte mich, bevor ich mich erhob.
„So ungefähr. Eine Dusche würde auch reichen. Ist Phillip auch schon wach?“, wollte ich wissen, während ich notdürftig den Sand abschüttelte. Den musste ich nicht mit ins Haus schleppen.
„Er ist unterwegs“, erklärte Brian. Lächelnd nahm er meine Hand und drückte sie. Gemeinsam gingen wir die Treppen zur Terrasse hoch und ins Haus.
Kaffeegeruch drang in meine Nase und ich atmete geräuschvoll ein. „Zweitbester Geruch am Morgen.“
„Und was ist der erstbeste?“, wollte Brian wissen, während er mir die Decke von den Schultern nahm, diese zusammenlegte und auf die Couch warf.
Ich drehte mich um und sah ihm tief in die Augen. „Du. Ich liebe es, morgens an deiner Brust aufzuwachen und dich zu riechen“, antwortete ich an seine Lippen hauchend, küsste ihn aber nicht. Die Dusche rief nach mir, weshalb ich mich von ihm löste.
Nur ließ Brian mich nicht gehen, sondern schlang seinen Arm um meine Hüfte. „Wo willst du denn hin?“, fragte er belustigt.
„Duschen?“, fragte ich zurück.
Brian riss spielerisch die Augen auf. „Ohne mich?“
Prustend boxte ich ihm in die Brust. „Na komm, ein paar Minuten wirst du ohne mich aushalten, oder?“
Tadelnd schnalzte Brian mit der Zunge und sah mich gespielt vorwurfsvoll an. „Nein. Ich habe zu lange auf dich verzichtet. Aber ich hätte eine Idee …“, sagte er geheimnisvoll und erlangte damit meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
„Was denn?“
„Ich möchte dich verwöhnen und – wenn du es willst – ein wenig spielen“, flüsterte Brian und küsste meine Fingerspitze.
„Spielen? Du meinst …?“, fragte ich vorsichtig.
Brian nickte. „Ich würde dir gerne das Spielzimmer zeigen und dort ein wenig Zeit verbringen.“
Schlagartig zuckte ich zusammen und mir wurde heiß. Er besaß hier ein Spielzimmer? Ich war davon ausgegangen, dass er solch einen Raum nur zu Hause eingerichtet hatte. Ich hatte mich getäuscht. Nach seiner Rückkehr hatten wir den Vertrag für Sadomaso erneut besprochen, ehe er endgültig in Kraft getreten war. Jetzt hatte ich scheinbar keine andere Wahl mehr, als mich darauf einzulassen. Ich wollte es bei Brian versuchen, aber irgendwie hatte ich Angst, auch wenn ich wusste, dass er nicht wie Damon war.
„Alles in Ordnung, Jade?“, fragte Brian sichtbar besorgt. „Du bist blass geworden.“
„Ich … es kommt so plötzlich und …“, stotterte ich aufgeregt und brachte es nicht mehr fertig, aufzusehen. Es ärgerte mich, dass mich das Thema noch immer einschüchterte.
Sanft legte Brian mir seinen Finger unters Kinn und drückte es nach oben. Eindringlich musterte er mich mit besorgtem Blick. „Ich verspreche dir, wir fangen klein an. Ein bisschen fesseln, du suchst dir die Peitsche aus und wir spielen ein wenig. Du sollst verstehen, dass mir dein Wohlergehen wichtig ist und ich deine Angst ernst nehme“, versicherte er.
Ich schluckte und nickte leicht. Warum ich plötzlich Angst hatte, verstand ich nicht. Anfangs hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet, mit ihm jemals Sadomaso-Sessions zu machen, aber je mehr ich Brian kennengelernt hatte, desto mehr wollte ich es mit ihm versuchen. Und nun stand ich da und machte mir fast in die Hose. Ironisch, nicht wahr?
Trotzdem willigte ich ein, weil ich wusste, dass er aufhören würde, wenn es mir zu viel wurde.
„Aber Phillip …“ Er war der Letzte, dem ich mein Stöhnen oder Schreien zumuten wollte. Was, wenn er kam und wir waren … beschäftigt?
„Ich sagte doch, dass er unterwegs ist. Bis zum Mittag sollte er wieder da sein und die Zeit wollte ich mit dir nutzen. Ein bisschen Privatsphäre gönne ich dir“, meinte er verschmitzt und zwinkerte mir zu.
Empört sog ich die Luft ein und schnaubte verächtlich. „Du und Privatsphäre?“, fragte ich und legte einen Finger an seine Brust. „Wer wollte denn Sex auf Amelias Veranstaltung?“
Ehe ich mich versah, nahm Brian meinen Finger in den Mund und saugte daran. „Na, na. Gleich so frech werden?“, tadelte er mit einer Stimme, von der ich wusste, dass er mich neckte.
Sofort stand ich still und spürte, wie sich die Hitze in mir explosionsartig ausbreitete. Himmel, es reichte aus, dass er nur an meinem Finger saugte und mir damit eine Erregung verschaffte, von der ich nicht gedacht hätte, dass es sie gab!
„Also?“, hauchte Brian an meinen Finger und sah mich erwartungsvoll an.
Einen Moment zögerte ich, kam es doch viel zu plötzlich, aber schließlich willigte ich ein. Ein Versuch konnte nicht schaden und solange wir allein waren, sollten wir die Zeit nutzen.
Meine Nerven flatterten heftig, als Brian mich zum Spielzimmer führte. Auf dem Weg dorthin fischte er aus einem versteckten Kasten einen Schlüssel und ich nahm an, dass der Raum auch hier abgeschlossen war. Im Gegensatz zu daheim lag es nur abseits der anderen Schlafzimmer und nicht im Keller.
Sachte strich Brian über meine Schultern und nickte mir zu. „Beruhige dich, Jade. Alles ist okay“, sagte er liebevoll und ließ mich eintreten.
Langsam sah ich mich um und stellte fest, dass es ähnlich wie zu Hause eingerichtet war. Eigentlich war das kein befremdlicher Anblick mehr, dennoch blieb ich wie angewurzelt stehen, bis Brian mein Ohr küsste und an mir vorbei zu einer Kommode ging. „Komm her und such dir deine Fesseln aus“, bat er und öffnete die Schublade.
Mühsam zwang ich meine Wackelbeine dazu, sich zu Brian zu bewegen.
Ich hatte geglaubt, er würde im Spielraum und wenn es ernst wurde, anders sein, nämlich brutal, rau und befehlend. In gewisser Weise befahl er, aber es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Bestimmt wollte er mir damit den Einstieg erleichtern, denn er hatte zugegeben, dass er darauf stand, scharfe Kommandos zu geben, um den Genuss zu erhöhen.
Sobald ich bei ihm ankam, warf ich einen Blick auf seine Auswahl an Fesseln. Brian besaß davon eine Menge unterschiedliche, weshalb ich mir die Zeit nahm, einige davon herauszunehmen und zu fühlen. Manche waren rau, andere dünn oder dick. Am Ende entschied ich mich für Samtfesseln, die mich nicht verletzen würden, sollte ich daran ziehen.
„Eine gute Wahl“, murmelte Brian und zeigte an die Wand. Fein säuberlich hingen dort die Peitschen und erneut musste ich mich zwingen, meinen Körper in Gang zu setzen.
Auch jetzt ließ ich mir Zeit und nahm die ein oder andere in die Hand. Mein Herz klopfte bis zum Hals bei der Vorstellung, dass ich mit ihnen geschlagen werden würde. Nach einigen Minuten entschied ich mich für eine Peitsche, die zarte Lederbänder besaß. Auf Anhieb hatte ich sie als weich eingestuft.
Trotz der beiden Dinge flatterten meine Nerven noch schlimmer als zuvor und ich knetete nervös meine Hände, als ich beides an Brian übergab. Er lächelte mir aufmunternd zu und nahm mich für einen Moment in den Arm.
„Alles ist gut, Jade. Du hast das Safeword, falls du nicht mehr kannst“, versicherte er beruhigend. „Nun komm. Lass mich dich ausziehen.“
Ohne Widerstand ließ ich mich von ihm langsam entkleiden und beobachtete, wie Brian diese Situation gefiel. In seinen Augen brannte eine Vorfreude, die ich auch als Leidenschaft einschätzte. Hin und wieder küsste er mein Schlüsselbein und neben meiner Angst verspürte ich die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen, aber auch das verlangende Pochen nach Brian.
Ich kann jederzeit zurückziehen, aber ich will mich meiner Angst stellen. Mit Brian werde ich sicher gute Erfahrungen machen.
Seine ruhige Art half mir, meine angespannten Muskeln zu lockern, und ich ließ mich von ihm zu dem Bock führen. Warum wählte er nicht das Bett? Allerdings war er der Tonangebende, weshalb ich nichts sagte, und mir helfen ließ, mich mit dem Rücken auf den Bock zu legen.
Brian schob ein Kissen unter meinen Kopf und bat mich, mir eine bequeme Position zu suchen. Erst dann begann er, mich mit den Fesseln an den Ringen des Bockes zu befestigen. Zwischendrin drückte er einen Kuss nach dem anderen auf meine Haut. Dabei strahlte er eine Ruhe aus, die sich auf mich übertrug, und ich bewegte vorsichtig meine Hände. Scheinbar hatte Brian darauf geachtet, dass ich sie bewegen konnte und meine Blutzufuhr nicht abgeschnitten wurde.
„Liegst du bequem?“, fragte er, sobald meine Hände befestigt waren. „Ist alles okay?
Atemlos nickte ich. Außer, dass mein Herz vor Aufregung einen Marathon lief, war alles in Ordnung. Ich beobachtete, wie er sich anschließend an meinen Füßen zu schaffen machte. Er positionierte sie so, dass er mir ohne Probleme zwischen die Beine fassen konnte.
Tief atmete ich ein und aus, um der Nervosität Herr zu werden. Mit den Samtbändern fühlte es sich nicht schlecht an. Das kühle Leder im Rücken war ebenfalls beruhigend. Dennoch setzte wieder die Unruhe ein, die ich stets bei Damon verspürt hatte, und ich war versucht, das Safeword zu nennen. Abwarten und sehen, ob es mir gefällt. Also schloss ich meine Augen und erinnerte mich an den Moment zurück, als Brian mich auf dem Bett gefesselt und mich gestreichelt hatte. Ich wollte ihm auch jetzt vertrauen und mich darauf einlassen.
Ein kleines Rascheln ließ mich meine Augen wieder öffnen. Wo war Brian? War er nicht gerade eben noch hier gewesen? Ich sah zur Seite und bemerkte, dass er sich in eine enge Latexhose zwängte. Der Anblick war so grotesk, dass ich hysterisch lachte.
„Was ist los?“, fragte Brian stirnrunzelnd.
„Du siehst so anders in einer Latexhose aus“, bemerkte ich leise. Ich war mir nicht sicher, ob ich bereits schweigen sollte oder nicht. Brian hatte mich bei der Besprechung des Vertrags gebeten, nur zu sprechen, wenn ich aufgefordert wurde. Ansonsten sollte ich die Sessions genießen.
„Gefällt es dir nicht?“, wollte er mit einem breiten Grinsen, das ich erwiderte, wissen.
„Das habe ich nicht gesagt. Sie lässt dich nur anders wirken. Ernst und brutal“, gab ich seufzend zu. Ab und zu bewegte ich meine Glieder, um zu testen, ob sie einschliefen oder nicht. Das war nicht der Fall und ich entspannte mich langsam wieder.
„Ernst ja, brutal nein“, erwiderte Brian und kam zu mir zurück. Mit einem Kuss versiegelte er meine Lippen und sah mir tief in die Augen. „Versuche, ab jetzt zu genießen, ja?“
Ich brachte lediglich ein Nicken zustande, atmete noch einmal tief ein, um das flaue Gefühl im Magen zu verdrängen, und schloss die Augen. Die Erlaubnis hatte ich. Ausnahmsweise, wie er sagte.
Anfangs hörte ich, wie Brian um mich herumlief, und spürte, wie er seine Finger an meiner erhitzten Haut entlangfahren ließ. Auch er sprach nicht und ich wollte gerne wissen, was er in dem Moment dachte. Was für Gedanken er hatte, wenn er spielte.
Scharf sog ich die Luft ein, als er die Peitsche an meinem Körper entlangfahren ließ. Ohne es zu wollen, begann ich zu zittern, und ich zog leicht an den Fesseln. Bald war es so weit und vor dem Moment graute es mir!
„Sch“, murmelte Brian rau und schien sich nicht beirren zu lassen. In aller Ruhe und mit einem Druck, den er von sanft auf etwas fester wechselte, ließ er mich die Lederbänder am ganzen Körper spüren. Ausgenommen war meine rechte, vom Ex-Freund verstümmelte, Brust. Das war vertraglich festgelegt und Brian würde dort nur etwas tun, wenn ich mein Einverständnis gab.
Ich öffnete meine Augen, um seinen Bewegungen zu folgen, schloss sie aber wieder, als er mir mit der Peitsche zärtlich über das Gesicht fuhr. Irgendwie war das … entspannend, sodass ich sogar schläfrig wurde.
An meinen Beinen angekommen, war es plötzlich zu Ende. Ich fühlte die Bänder nicht mehr und fragte mich, was los war. Im selben Moment bekam ich einen kleinen Schlag auf meinen Oberschenkel. Er war sanft gewesen und hatte lediglich gekitzelt.
Dennoch sog ich scharf die Luft ein und ballte die Hände zu Fäusten. Ausgerechnet jetzt kamen die Erinnerungen hoch! Erinnerungen an Damons harte Schläge, die mich jedes Mal zum Aufschreien gebracht hatten.
Ruhig und im Hier und Jetzt bleiben!
Erneut spürte ich einen Schlag, allerdings auf meinem anderen Oberschenkel. Ich zuckte zusammen und versuchte, ein Lachen zu unterdrücken. Wenn jede Session so war, konnte ich mich damit anfreunden, Brians Sub im Spiel zu sein.
„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte sich Brian besorgt.
Langsam öffnete ich die Augen und sah, wie er mich eindringlich musterte. „Ja“, erwiderte ich heiser. Ich hatte zugestimmt und mir die Dinge ausgesucht, also sollte ich mich auch zusammenreißen!
„Wie fühlt es sich für dich an?“, wollte er wissen.
„Es tut nicht weh, sondern kitzelt“, gab ich murmelnd zu. „Es sind die Erinnerungen, die mir zu schaffen machen.“ Er ahnte es sicherlich, weshalb ich nicht weiter darauf einging. Brian besaß genug Feingefühl, um nicht unnötig zu bohren.
„Wenn es dir zu viel wird, gib Bescheid. Darf ich die Intensität ein wenig erhöhen?“
Die Frage ließ mich überrascht blinzeln. Er war hier der Dom, der bestimmte. Wollte er mich in Sicherheit wiegen oder mir wirklich helfen, über mein Trauma hinwegzukommen? Ich klammerte meine Hoffnung an der zweiten Möglichkeit fest. „Ja, aber bitte nicht zu fest.“
Brian beugte sich zu mir hinab und küsste mich leidenschaftlich. Anstatt mit der Peitsche weiterzumachen, ließ er seine Finger über meinem Bauch nach unten wandern. Dort machte er jedoch nicht Halt, sondern ging weiter zu meiner Mitte, die nur darauf wartete, von ihm verführt zu werden.
Ich gab mich seinem Finger, der meinen Kitzler umkreiste, stöhnend hin und warf mich leicht gegen die Fesseln. Brian bescherte mir Blitze, die meinen Körper unkontrolliert zucken ließen.
Schließlich ließ er seinen Finger in mich gleiten und bewegte diesen, so tief es ging. Mein lautes Stöhnen wurde von seiner Kehle aufgefangen und ich spürte, wie er an meinen Lippen lächelte. Auffordernd fuhr er mit seiner Zunge darüber und verlangte stumm Einlass. Bereitwillig öffnete ich meinen Mund und unsere Zungen begannen einen heißen Kampf auszufechten, bei dem ich generell den Kürzeren zog. Brian war einfach zu geschickt und mir fehlte die Übung. Im Moment war das egal. Es war ein Spiel, bei dem ich mich fallen lassen konnte. Bei Brian fühlte ich mich aufgehoben und beschützt.
Nachdem er den Kampf gewonnen hatte, küsste er sich an meinem Hals entlang hinab bis zum Bauch. Sein Speichel hinterließ eine kühle, prickelnde Spur und ließ mich stöhnen. Genau wie sein Finger, der sich tatkräftig in mir bewegte und mich stimulierte.
Plötzlich war es vorbei. Er zog seinen Finger heraus und ich spürte eine gähnende Leere. Mein Körper schrie nach mehr. Ich wollte betteln, damit er weitermachte, doch ein sanfter, kleiner Schlag auf meine Mitte ließ mich heftig zusammenzucken. Er hatte nicht weh getan, sondern das Prickeln verstärkt. Das war jedoch nicht das, was mich am meisten überraschte, sondern die Tatsache, dass mir der Schlag gefallen hatte! Musste es sich so anfühlen?
Erneut bekam ich einen Schlag auf meine feuchte Mitte. Keuchend warf ich mich gegen die Fesseln und spürte gleich darauf Brians Daumen, der meinen Kitzler bearbeitete. Mit der anderen Hand ließ er die Peitsche etwas fester auf meine Oberschenkel klatschen. Ich spürte ein geringfügiges Brennen, das meine Erregung allerdings noch weiter anfachte. Bisher hatte ich nicht gewusst, wie es möglich war, Schläge zu genießen.
Wie schaffte es Brian nur, mir trotz der Schläge einen Schauer nach dem anderen zu besorgen und meine Hitze bis ins Unendliche anzufachen? Irgendwann begann mein Körper unkontrolliert zu zucken. Wie weit würde Brian noch gehen und mich foltern, bis er mich erlöste? Wenn er das überhaupt wollte. Das Spiel machte ihm einen Heidenspaß, das sah ich ihm an, und ich fragte mich, ob das hier genauso war, wie es eigentlich bei einer Session zugehen sollte.
Ich gab mich den rhythmischen, aber nicht zu festen Schlägen auf die Oberschenkel hin und genoss Brians Finger tief in mir. Zog er diese heraus, bekam ich dort eine Klatsche. Statt eines echten Schmerzes war dort lediglich ein Brennen zu spüren, das meine Lust noch weiter anfachte.
Um es wohl nicht eintönig zu machen, widmete sich Brian meiner linken Brust und knetete sie ausgiebig. Hin und wieder zog er an der Brustwarze, bis es weh tat, aber nie so fest, dass ich vor Schmerzen wahnsinnig wurde. Mit den leichten Schlägen der Peitsche wurde meine Haut weiter gereizt, was mich Brians Speichel noch kälter fühlen ließ. Mein Stöhnen erfüllte das Spielzimmer, während ich nahe dran war, in den Genuss des Höhepunkts zu kommen.
Manchmal warf ich mich gegen die Fesseln, hatte jedoch nicht das Gefühl, Brian hilflos ausgeliefert zu sein. Er ging behutsam mit mir um und im Gegenzug vertraute ich mich ihm an und ließ mich fallen.
Kurz bevor der Knoten in meinem Unterleib zu platzen drohte, entzog sich mir Brian völlig. Mit vor Lust verschleiertem Blick blinzelte ich zur Decke und bemerkte, wie Brian um mich herumschritt. An manchen Stellen berührte er mich mit der Peitsche, aber ohne die Bänder sprechen zu lassen. Er wirkte ganz in seinem Element und die Ruhe selbst.
„Stöhn für mich“, hauchte Brian plötzlich und ehe ich mich versah, hatte er sich zwischen meine Beine gekniet. Seine Zunge spielte mit meinem Kitzler und brachte meinen Körper erst recht zum Zucken. Wahrscheinlich sah ich wie ein Aal aus, der sich unter Brians Zunge wand.
Erneut schob er seine Finger in mich und brachte mich zu einer Mischung aus Keuchen und Stöhnen. Ich unterdrückte den kleinen Schrei, für den Brians Zunge verantwortlich war, nicht. In dem Moment war ich froh, dass Phillip nicht da war und ich mich nicht für meine Geräusche schämen musste.
Dank Brians geschickter Fingerfertigkeit stieg der Druck in meinem Körper wieder an und ich war fast so weit, zu kommen. „Wage es nicht, eher zu kommen, bis ich es dir erlaube“, vernahm ich Brians Schnurren an meiner feuchten Mitte.
Dieser Satz – wohl ein von Doms häufig genutzter – ließ mich schlagartig an Damons keifende Stimme erinnern. Ich sah ihn deutlich vor meinen Augen, wie wild und bösartig er mich angeschaut hatte. Ungewollt versteifte sich mein Körper und ich schloss die Augen, um mich zur Ruhe zu zwingen. Damit erreichte ich allerdings das Gegenteil, denn ich sah und spürte die Bilder vor meinen Augen. Damon, wie er mich brutal an den Haaren gerissen hatte, wenn ich zu früh kam … Was würde Brian tun?
„Jade?“, fragte Brian sichtlich verwirrt. Ich bekam nicht einmal mit, dass er aufgehört hatte.
Damit riss er mich teilweise aus meinen Erinnerungen und ich bemerkte erst jetzt, wie unkontrolliert mein Körper bebte. Ohne es zu wollen, stiegen mir Tränen in die Augen. „Phönix“, rief ich verzweifelt.
Sofort ließ Brian von mir ab, löste mit wenigen Handgriffen die Fesseln und zog mich – ehe ich mich versah – in eine feste Umarmung. Hilflos krallte ich mich an ihn und ließ meine Tränen laufen. Mir war klar, dass Brian es nicht böse gemeint hatte, und es war nicht seine Schuld, dass ich wegen solch einer Lappalie so empfindlich war.
Zärtlich streichelte Brian über meinen Rücken und gab beruhigende Geräusche von sich, die nur eine minimale Auswirkung auf mich hatten. Um eins war ich jedoch froh: Er hatte sein Versprechen gehalten und sofort von mir abgelassen. Damon hätte das nie getan. Ihn hätte meine Verzweiflung angetrieben, mich zu foltern.
Bevor ich zu Boden sank, hob Brian mich auf die Arme und brachte mich zum Bett. Dort legte er sich neben mich und zog mich wieder fest an sich, aber so, dass ich mich zurückziehen konnte.
„Es ist alles gut“, flüsterte Brian an meiner Stirn.
Meine Panik und Angst hielten mich in den Erinnerungen gefangen, weshalb ich versuchte, mich nur auf Brians Wärme, Nähe und seinen Geruch zu konzentrieren. Seine sanften Berührungen, Küsse auf die Stirn und sein Festhalten ließen mich nach einiger Zeit endlich ruhiger werden. Mein Zittern ließ nach und vertrauensvoll schmiegte ich mich an Brian, fast so, als würde ich mit ihm verschmelzen wollen. Erst jetzt kam mir ins Bewusstsein, dass er eine Decke um uns gelegt hatte. Wann das gewesen war, vermochte ich nicht zu sagen. Es war ein angenehmes, vertrautes Gefühl, das mir ebenfalls half, mit dem Weinen aufzuhören.
„Geht es wieder?“, fragte Brian besorgt.
„Ich denke, ja“, murmelte ich, ohne mich von ihm lösen zu wollen. Er schien auch gar nicht daran zu denken, mich loszulassen. „Tut mir leid“, flüsterte ich tonlos. Jetzt, nachdem die Erinnerungen sich wieder in den Hintergrund verzogen hatten, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich fühlte mich dämlich, das Wort in einer Situation benutzt zu haben, die nicht gefährlich gewesen war.
„Es muss dir nichts leidtun, Jade. Dafür ist das Wort da“, sagte Brian eindringlich, aber liebevoll. „Was habe ich getan, dass du Angst bekommen hast?“
Mit der Nase an seiner Brust vergraben schüttelte ich den Kopf. „Nein, nur der Satz, dass ich nicht kommen soll, bis du es mir erlaubst, hat mir eine Session mit Damon vor Augen gehalten und ich habe Panik bekommen“, gestand ich betrübt.
Brian löste sich von mir, um mein Kinn anzuheben und mir in die Augen zu sehen. Tief, leidenschaftlich und sinnlich. „Das tut mir leid. Es ist mein Reiz, eine Frau so lange zu halten, bis sie einen unglaublichen Orgasmus erlebt. Wärst du gekommen, hättest du lediglich einen Klaps dafür erhalten. Keinen festen“, versicherte er. „Ich möchte dich behutsam an die Sache heranführen und langsam die Dinge steigern. Nicht alles auf einmal. Sei dir sicher: Ich werde dir niemals so wehtun, dass du Wunden davonträgst. Weder seelische noch körperliche.“
Wortlos schloss ich meine Augen und atmete tief durch. Brian war anders. Liebevoll, einfühlsam und ich wusste, dass ich mich bei ihm fallen lassen konnte, wenn ich es wollte und zuließ. Ihn konnte man nicht mit anderen vergleichen. „Danke“, brachte ich heiser hervor und seufzte. Niedergeschlagen gab ich zu, wie dumm ich mich fühlte, mich so benommen zu haben.
„Du bist nicht dumm, Jade“, meinte Brian nachdenklich wirkend. Seine Finger streichelten meinen Arm, ohne mich zu drängen. Es gab mir ein geborgenes Gefühl und auch, dass er meine Ängste ernstnahm und verstand. „Es ist normal, bei einem Trauma Rückschritte, aber auch Fortschritte zu machen. Eventuell wird es wieder passieren, aber ich bin da und passe auf dich auf. Versprochen. Wenn du nicht mehr kannst, ist das völlig okay. Es soll dir gutgehen und Spaß machen.“
Brian brachte mehr Verständnis als alle anderen zustande. Ausgerechnet er, der gerne kontrollierte und gerne das Sagen hatte. Seine Worte, aber auch sein schnelles Handeln hatten gezeigt, dass er es ernst meinte und sein Wort halten würde. Das erfüllte mich mit einem Glücksgefühl, das ich noch nie beim Sadomaso-Spiel verspürt hatte. Das Gefühl ließ mich an ihn schmiegen. „Ich liebe dich, Brian“, flüsterte ich an seine Haut und seufzte genüsslich, als sein Geruch meine Nasenhärchen zum Schwingen brachte.
„Ich liebe dich, Jade“, sagte er und legte seinen Arm um mich. Immer wieder küsste er mich sanft und schaffte es, meine betrübte Stimmung nach und nach zu vertreiben.
Miteinander kuschelnd lagen wir im Bett und ich ließ mich von Brian liebkosen. Irgendwann begann ich, Brians Brust mit meinem Finger nachzufahren und musste kichern, als ich den Latex berührte.
„Was lachst du?“
„Deine Latexhose. Wie kann man so etwas nur tragen?“, prustete ich und piekte seine Seite.
Erleichtert grinsend ließ Brian mich los. Er schien froh zu sein, dass ich mich soweit beruhigt hatte. „Du hast recht. Ich sollte sie ausziehen. Es wird langsam zu warm“, bemerkte er.
Umständlich schälte er sich aus der engen Hose und brachte mich erst recht zum Lachen. War es Absicht, dass er sich so anstellte, um mich aufzuheitern? Wenn ja, war ihm das gelungen. Ein weiteres Prusten unterdrückend setzte ich mich im Bett auf und beobachtete ihn weiter, wie er langsam den Latex Stück für Stück nach unten zog.
Kaum befreit, warf er das Teil auf den Stuhl, kletterte zurück ins Bett und öffnete seine Arme. Wortlos ließ ich mich neben ihm nieder und kuschelte mich an ihn. Jetzt, nachdem er ebenfalls nackt war, konnte ich seine Körperwärme völlig genießen und mich wieder langsam fallen lassen.
Alles, was wir taten, war liebkosen und küssen. Brian ließ mich entscheiden, was ich tun wollte. Er wollte keinen Sex, sondern mich einfach halten und bei mir sein, bis ich mich beruhigt hatte. Das fand ich lieb, hatte ich doch geglaubt, dass er fragen würde, ob ich weitermachen will. Allerdings geschah nichts dergleichen, sondern er bat mich zu sagen, wenn ich etwas tun wollte. Sei es fortfahren, schlafen, duschen oder kuscheln. Er würde sich nach mir richten. Meine Lust, die durch die Erinnerung ausgeschaltet gewesen war, entfachte erneut, aber nicht so, dass ich weitermachen wollte. Daher beschränkte ich mich darauf, Brian zu streicheln und von ihm liebkost zu werden. Diese Ruhe tat mir gut und ich vergaß, dass wir uns im Spielzimmer befanden. Tatsächlich war es in dem Moment kein anderer Raum als ein Schlafzimmer.
Leise entspann sich nach einer Weile eine Unterhaltung über etwaige Urlaubspläne. „Wie wäre es heute mit einem Ausflug zum Bayside Marketplace?“, schlug Brian vor.
Hellhörig geworden öffnete ich halb meine Augen und sah ihn prüfend an. „Und was gibt es da Besonderes?“, wollte ich wissen. Den Namen hatte ich bereits gehört, konnte ihn aber mit nichts in Verbindung bringen.
„Ich gehe dort gerne einkaufen oder mir die Zeit vertreiben“, antwortete er. „Sogar Emily hat es damals gefallen. Besonders das Eis hat ihr dort geschmeckt. Warum, das weiß ich leider nicht, aber ihr strahlendes Gesicht war pure Freude und Glück. Schon allein deshalb würde ich gerne wieder dorthin“, erklärte Brian schwärmerisch.
Emily, … kein Wunder, dass er an dem Ort so hängt. Jeden Tag zeigte Brian seine Liebe zu seiner verstorbenen Tochter. Wenn es ihm eine Freude machte, konnte es mich auch ablenken, weshalb ich einwilligte. „Und was willst du einkaufen?“, hakte ich nach.
„Wir werden sehen. Es gibt genug Läden, in denen wir herumstöbern können“, meinte Brian und wechselte das Thema auf andere Urlaubspläne. „Um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen: Wie wäre es, eine kleine Bootstour zu machen? Dann könnten wir eine Insel besuchen, Eis essen und am Strand spazieren gehen?“
Meine Augen weiteten sich und ich richtete mich eilig auf. „Ist das wahr?“, fragte ich atemlos. Schon immer war es mein Traum gewesen, eine Spritztour mit einem Boot zu machen, wobei ich nicht sicher war, ob ich nicht die ganze Zeit über der Reling hängen würde.
„Ja, mein Boot vermiete ich das ganze Jahr über, aber ich kann es nutzen, sobald ich hier bin.“
Das war eine Wucht, damit hatte ich absolut nicht gerechnet und die verkorkste Session war erst einmal vergessen. „Das ist super“, flüsterte ich aufgeregt. „Das würde ich zu gerne erleben.“
„Dann ist das abgemacht“, sagte Brian und gab mir einen leidenschaftlichen Kuss, den ich nur zu gerne erwiderte.