Tanz ins Glück

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Summary

Halloween Der eine Tag im Jahr, an dem die Kinder sich verkleiden und auf Süßigkeiten Jagd von Haus zu Haus ziehen. Geister, Hexen, Zombies, Vampire… Es ist Elias´ Geburtstag und in diesem Jahr, sein achtzehnter. Er hofft auf einen großen Maskenball, aber niemand will seiner Einladung folgen. Dann trudelt ein mysteriöser Brief ohne Absender ein, der alles zu verändern scheint. Wer ist der geheimnisvolle Fremde mit den lindgrünen Augen, der sein Gesicht unter einer blauen Maske, versteckt und der Elias Herz zum Tanzen bringt? Und was genau hat Cinderellas Geschichte, mit all dem zu tun?

Status
Complete
Chapters
5
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

1

Misstrauisch betrachte ich den tiefschwarzen Briefumschlag, den ich vor wenigen Minuten aus dem Briefkasten gefischt habe. Es steht weder ein Absender darauf, noch ist irgendein Logo oder Sticker zu sehen.

In krakeliger Schreibschrift stehen lediglich zwei Worte, die mit einem weißen Stift geschrieben sind und daher sofort ins Auge stechen.

Für Elias

„Na mach schon auf, Brüderchen”, meint Jannes und lugt mir ungeduldig über die Schulter. Er ist zwar mein großer Bruder, aber in Puncto Körpergröße habe ich ihn mit etwa vier Zentimeter mehr, schon in der Grundschule geschlagen.

„Ich weiß nicht”, murmele ich. „Bestimmt ist es nur eine Karte von Tante Margaret zu meinem Geburtstag. Sie wohnt um die Ecke und kommt trotzdem nie persönlich vorbei und ein Freund der langen Reden und Texte war sie auch noch nie.”

„Mach endlich den Brief auf”, fordert Jannes weiter, ohne auf meine vorherigen Worte einzugehen. „Sonst werde ich es tun.”

Eigentlich war Halloween und damit automatisch verbunden, mein Geburtstag, immer etwas ganz besonderes für mich. Als Kind habe ich es geliebt, mich als Geist zu verkleiden, Mama und Papa zu erschrecken, vielleicht auch mal den ein oder anderen Nachbarn, ehe mein Bruder und ich, in der langen Gruselnacht sehr viele Süßigkeiten vernascht haben.

Jetzt ist es nur noch ein ganz normaler Tag wie jeder andere auch und selbst das Färben der Blätter und die unzähligen toten davon, die sich am Boden sammeln und ein knirschendes Geräusch erzeugen, wenn auf sie getreten wird, lässt mich kalt.

Monatelang habe ich auf meinen achtzehnten Geburtstag hin gefiebert, weil auch ich endlich Auto fahren, vielleicht die ein oder andere Flasche Alkohol im Supermarkt kaufen und einfach eine fette Party feiern will, wie die anderen coolen „Großen”, in meiner Klasse auch.

Stattdessen bin ich heute alleine und außer Mama und Papa und meinen beiden älteren Geschwistern wird niemand hier sein, der meinen Ehrentag mit mir feiern will.

Fast ein ganzes Wochenende habe ich mit Mama Einladungskarten zu einem Maskenball gebastelt und war voller Vorfreude, bis ich sämtliche der Meisterwerke im Mülleimer, der im Klassenzimmer steht, wiedergefunden habe.

Fast eine ganze Woche habe ich mich vor Wut, aber auch Traurigkeit, in meinem Zimmer verschanzt und als ich heute Morgen aufgestanden bin, war ich überhaupt nicht glücklich, obwohl es doch eigentlich ein schöner Tag sein sollte.

Mein achtzehnter Geburtstag!

Mit der Stimmung bereits gefühlt unter dem Nullpunkt, schiebe ich meinen Zeigefinger in den Umschlag, um ihn zu öffnen. Ich ziehe ein ebenso tiefschwarzes Pergament hervor, das jedoch an den Seiten links und rechts, mit feinsten goldenen Äderchen überzogen ist, die mich an die Farbe gelber Blätter erinnern, welche von der Sonne beschienen werden und so ein wunderbares und warmes Licht an einem kühlen Herbsttag, erzeugen.

Für einen Moment lasse ich mich von diesen Emotionen tragen, ehe ich wieder ins Hier und Jetzt zurückfinde.

„Da hat sich Margaret aber ganz schön Mühe gegeben”, nuschele ich, was Jannes wohl entgeht. Wie eine Klette ist er an meiner Seite und wohl neugieriger, als ich selbst. Ich will ihm das Papier gerade in die Hand drücken und mich in die Küche verkrümeln, als mein Blick auf die rosafarbene Maske fällt, die mittig neben den Verzierungen gedruckt ist.

„Was soll das?“, frage ich etwas zu laut und schnaube wutentbrannt. „Das ist der schlimmste Geburtstag ever...”

Eine Träne kullert mir über die Wange und auf die dämliche Einladung in meiner Hand. Sie ist sowieso nur ein Fake und soll wohl ein besonders witziger Streich meiner Mitschüler sein.

Die nicht auf meine Party kommen wollen...

„Lass den Kopf nicht hängen”, versucht Jannes mich zu beruhigen. „Darf ich mal lesen?”

Ich reiche ihm den Brief und trotte dann in die Küche davon. Auf dem Esstisch stapeln sich wie jedes Jahr davor, ein paar Geschenke, die ich nur missmutig anschaue, ehe ich ans Waschbecken gehe und meinen Blick aus dem Küchenfenster schweifen lasse.

Heute Abend werden die Nachbarskinder wieder mit leeren Taschen von Haus zu Haus ziehen und wie üblich, will jede Mutter das beste und einfallsreichste Kostüm für ihren Schützling haben. Es geht kaum mehr um Spaß, sondern nur noch darum, wer besser, hübscher oder reicher ist, als der andere...

„Das musst du dir anschauen”, schreit Jannes aus dem Flur, ehe er in die Küche gestürmt kommt. „Sofort, Elias.”

„Keine Lust”, grummele ich.

„Dann lese ich es dir vor”, meint er schulterzuckend. „Am Abend wirst du es wissen. Ein Zeichen alleine braucht es. Zwischen Kürbissen und Kastanien liegt es. Oben auf dem Hügel thront sie seit Jahren. Diese Nacht wird sie glühen. Zwischen Laub und altem Geäst versteckt sie sich. Ein Herz soll dich leiten. Dein Gesicht liegt im Schatten...Bist du bereit?”

„Was soll das heißen?“, frage ich genervt, die linke Hand stütze ich an der Spüle, um einen besseren Blick nach draußen zu haben.

„Du bist doch der Schlauere von uns beiden”, empört Jannes sich. „Das ist ein Rätsel, Dummkopf. Und ich weiß auch, was es bedeuten soll.”

„Und was?” Endlich lasse ich meinen Blick zu ihm schweifen. Mit einem schiefen Grinsen starrt Jannes zurück und sieht dabei ziemlich bescheuert aus.

„Boah, du kannst ein richtiger Sturkopf sein, wenn du beleidigt bist oder schlechte Laune hast”, meint er. „Eilas...Das hier.” Demonstrativ wedelt er mit dem Papier vor meiner Nase herum. „Es ist eine Einladung zu einem Maskenball! Und nicht nur zu irgendeinem. Das ist das Ding, das jedes Jahr an Halloween oben an der Ruine steigt. Ich warte seit Jahren vergeblich auf eine Einladung und schnall es echt nicht, wie man dafür ausgesucht wird... Dein Gesicht liegt im Schatten, das kapierst du, oder?” Er wartet nicht einmal auf eine Antwort von mir. „Am besten holen wir die Kiste mit den Kostümen vom Dachboden. Es scheint, dass du heute Nacht doch noch so richtig die Sau rauslassen wirst...”

„Und mehr steht da echt nicht?“, unterbreche ich ihn.

„Nein”, seufzt Jannes. „Aber mehr brauchst du auch nicht zu wissen. Und jetzt will ich keine Widerrede mehr hören. Verstanden?”