Happy Holidays - Adventskalender 2024

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Summary

Patrick Murphy ist von seiner Familie genervt, die ihn auspressen will, wie eine Zitrone. Sein Plan: Ich haue ab! Aus Patrick Murphy, einen Investmentmogul wird Hank Johnson, ein ehemaliger Rodeo Reiter. Und wie es der Zufall will, landet er auf der Farm der Harris-Schwestern, die dringend einen Farmarbeiter benötigen. Doch aus einem geplanten kurzen Aufenthalt wird ein zweites verstecktes Leben, dass sich so von seinem eigentlichen Dasein unterscheidet. Und er verliebt sich in die älteste der Harris-Schwestern, Heather. Wie lange wird es noch dauern, bis seine Familie sein Versteck findet? Und was wird Heather sagen, wenn sie die Wahrheit über ihn herausfindet? Diese Geschichte ist ein Spin-off meines letzten Adventskalender Winterwonderland. Cover by Nancy Bieler

Status
Complete
Chapters
24
Rating
5.0 15 reviews
Age Rating
16+

1. Dezember

Patrick Hank Murphy behielt seine Geschäfte im Blick, auch wenn er nicht in New York war.

Seit mehreren Jahren war er ein Finanzmogul und obwohl er in der Branche als junger Hüpfer galt, respektierte man ihn auf dem gesamten Kontinent.

Auch wenn er nicht da war.

Er war als harter Hund bekannt, der nicht nur mit Zahlen und Aktien jonglieren konnte, wie kein anderer. Schon im Alter von fünfundzwanzig Jahren war er Millionär und nun, zehn Jahre später, konnte man sein Vermögen nur schätzen, so hoch war es.

Patrick wusste, was er besaß. Wie gesagt, er behielt alles im Blick.

Obwohl er nicht da war.

Vor etwa zwei Jahren war ihm nämlich alles zu viel geworden.

Die Partys, zu denen er eingeladen wurde, langweilten ihn, denn man stürzte sich auf ihn, weil jeder etwas von ihm wollte. Die Männer wollten etwas von seinem Kuchen abhaben und die Frauen wollten ihn und sein Vermögen.

Als er noch jung war, fühlte er sich geschmeichelt. Immerhin war er ein typisches Landei, dass durch ein hartes Studium und härteres Arbeiten zu so viel Erfolg kam. Nun, das änderte sich schnell, denn er bemerkte, dass er ausgenutzt wurde. Besonders von den Frauen.

Eigentlich von jedem.

Allen voran: Seine Familie.

Nachdem sein Vater unerwartet einem Herzinfarkt erlag, hielt er es für seine Pflicht, seine Familie bei sich aufzunehmen. Was er nicht wollte, war, dass sich nicht nur seine Mutter und seine Schwester bei ihm einnisteten, sondern auch noch einige andere Verwandte, die nun alle von seinem Reichtum lebten, ohne auch einen Finger zu krümmen.

Er sprach sie oft darauf an, doch seine Mutter bekam sofort Tränen in die Augen und redete ihm ein schlechtes Gewissen ein, das er bei seinen Geschäften nie zeigte. Doch sie war seine Mutter. Sie brachte es fertig, dass Patrick weiter alles über sich ergehen ließ. Er arbeitete, während es sich die Verwandtschaft gut gehen ließ.

Seine Mutter, die früher relativ vernünftig gewesen war, trieb sich täglich in irgendwelchen teuren Spas herum. Seine Schwester, die sich wohl vornahm, eine Dauerstudentin zu werden, warf eine Party nach der anderen und auch das bezahlte Patrick. Von den anderen Verwandten sprach er erst gar nicht.

Irgendwann wurde ihm alles zu viel.

Er hatte genug und verschwand.

Doch eine Frage blieb: Wo war er?



1 Jahre zuvor

„Ich benötige etwa fünfzigtausend Dollar, Patrick. Das Geschäft ist bombensicher, das kann ich dir garantieren.“

Patrick sah zweifelnd zu seinem Onkel, der ihm diesen Satz schon einige Male an den Kopf warf. Der Mistkerl war heute wieder in seinem Büro aufgetaucht, um zu betteln. Was anderes war das nicht, was er gerade hier veranstaltete, auch wenn er das nie zugeben würde.

„Welches Geschäft ist es denn dieses Mal, George?“, seufzte er.

George räusperte sich. Er wirkte nicht wie ein Bittsteller. Wahrscheinlich auch, weil er sich nicht als solcher sah, sondern als Geschäftsmann, wie Patrick es war.

„Ich habe mich erkundigt. Es gibt eine Gewinncharge von hundertfünfundzwanzig Prozent. Dein Geld ist also sicher angelegt und ich behalte einfach den Überschuss.“

Auch das hörte Patrick sehr oft von ihm.

„Welches Geschäft, George?“

Sein Onkel wurde nun blass, denn er ahnte wohl, dass Patrick dieses Mal nicht lockerlassen würde, bis er erfuhr, um was es sich bei diesem angeblichen bombensicheren Geschäft handelte. Doch Onkel George hatte einen Joker mitgebracht, der nun auf Patrick zukam.

Seine Mutter.

„Patrick Hank Murphy. Willst du etwa mit deinem Onkel streiten? Wir sind Familie und wenn George sagt, dass es ein sicheres Geschäft ist, dann wird es wohl stimmen.“

Sie seufzte und griff sich an die Brust, als ob ihr Herz unheimlich durch diesen angeblichen Familienverrat leiden würde.

Er neigte seinen Kopf etwas zur Seite.

„Entschuldige Mutter, aber es ist mein Geld, dass ich investieren soll. Und die letzten angeblich bombensicheren Geschäfte gingen alle mächtig in die Hose. Ich will nun nicht aufzählen, wie viel ich schon in solche Sachen steckte. Ich bin auch gewillt, ihn zu unterstützen, aber ich möchte eben wissen, um was es geht."

Seine Mutter seufzte theatralisch und griff sich noch heftiger in die Brust. Auch Onkel Georges Nase wackelte, als ob er den Tränen nahe wäre.

„Wir sind deine Familie. Wir Iren müssen zusammenhalten.“

Patrick schloss einen Moment die Augen.

Sein Vater war der Einzige, der irisches Blut in sich hatte. Und das war auch schon verwässert, auch wenn das nun böse klang. Bisher hatte sich noch niemand seiner Familie, die ausschließlich von der Seite Patricks Mutter kam, um ein angebliches irisches Vermächtnis gekümmert.

„Eure Familie kommt aus Wisconsin.“

Seine Mutter lächelte.

„Aber nein. Unsere Familie kommen aus Europa.“

Auch das wusste Patrick. Aber der Mädchenname seiner Mutter ließ eher auf deutsche Vorfahren schließen, aber das nun zu diskutieren, war so sinnvoll, wie wenn er als Nerd sich auf einen Bullen setzen würde. Er würde überrumpelt werden und sich auf dem Boden wiederfinden.

Er seufzte.

„Ich werde es mir überlegen. Wann benötigst du diesen Kredit?“

Seine Mutter kreischte leise.

„Kredit? Aber es ist dein Onkel.“

Patrick massierte sich die Nasenwurzel.

„George erklärte doch, dass ich mein Geld wiederbekomme, oder nicht?“

Sein Onkel legte seine Hände auf die Schultern seiner Mutter.

„Er hat recht, Schwesterherz. Er wird schon wissen, was er der Familie schuldet.“

Schuldet?

Bitte?

Langsam erhob er sich und das war wohl für die beiden das Zeichen, sich schnell aus dem Büro zurückzuziehen.

Patrick setzte sich wieder hin und legte seinen Kopf auf der Schreibtischplatte ab.

Er war der Familienclown.

Und die Melkkuh.

„Soll ich wieder einen Scheck ausstellen?“

Die sarkastische Stimme seines Freundes und Geschäftspartners Mason ertönte, was Patrick wieder daran erinnerte, dass er eigentlich nichts falsch machte.

„Ich bin so am Arsch.“

Mason lachte und setzte sich ihm gegenüber.

„Du hast ein zu weiches Herz, Patrick. Zumindest, was deine Familie betrifft.“

Patrick hob den Kopf etwas an.

„Was soll ich denn machen? Ich bin sozusagen das Familienoberhaupt, seit mein Vater gestorben ist.“

Mason nickte.

„Dein Vater war ein guter Mann, aber auch er ließ sich von der Familie deiner Mutter ausnutzen. Ich bin mir sogar sicher, dass er sich deswegen zu Tode schuftete. Und nun bist du das Opfer. Entschuldige, ich will das nicht zulassen, dass du so endest, wie dein Vater.“

Nun, das wollte Patrick auch nicht.

„Was soll ich aber machen?“

Mason lehnte sich zurück.

„Ich beobachte dich nun schon seit einigen Jahren. Deine Familie lebt von deinem Geld. Arbeitet überhaupt jemand von ihnen?“

Nun, einige bestimmt. Er war sich sicher, dass sein Cousin als Polizist arbeitete. Ein anderer arbeitete als Mechaniker. Aber gerade die beiden lebten nicht einmal in seiner Nähe.

„Die, die nicht hier in New York leben, schon.“

Mason beugte sich nun nach vorne.

„Sie machen dich kaputt, Patrick. Ich frage mich schon die ganze Zeit, was passieren würde, wenn du auf einmal nicht mehr hier wärst.“

Patrick zog seine Stirn in Falten.

„Wenn ich nicht mehr hier wäre? Wie meinst du das?“

Mason grinste.

„So, wie ich es sage.“

Er sah ihn fragend an.

„Vertraust du mir?“

Das tat Patrick. Mason und er kannten sich schon sehr lange. Sie beide hatten auch einiges gemeinsam. Beide kamen von ländlichen Gegenden. Während Patricks Familie aus Wisconsin stammte, kam Mason aus Montana. Beide waren in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Als das Studium begann, teilten sie ein Zimmer und halfen sich auch, was Jobs anging. Beide studierten das Finanzwesen und Mason war beinahe so gut wie Patrick.

„Ich vertraue dir, Mason.“

Dieser nickte.

„Dann wäre es wohl an der Zeit, deiner Familie einen Denkzettel zu verpassen. Es wird lange dauern, bis sie es verstehen, weil sie immer noch genug Reserven haben, aber mit etwas Geduld sollte sich dein Problem bald auflösen.“

Patrick neigte sich interessiert nach vorne.

„Erzähle mehr.“

Mason grinste ihn an.

„Du bist auf einer Ranch aufgewachsen, auch wenn man es dir nicht mehr ansieht. Suche dir einen Job als Farmhelfer und verschwinde für eine Weile. Ich werde hierbleiben und dir deine Verwandte vom Hals halten.“

Einen Moment stutzte Patrick, doch dann gefiel ihm der Gedanke, endlich von seiner habgierigen Verwandtschaft wegzukommen.

„Ich könnte vom jeweiligen Ort weiterarbeiten.“

Mason nickte.

„Richtig. In Zeiten von Internet und Homeoffice können wir auch so gut zusammenarbeiten.“

Patrick rollte etwas nach vorne, um an seinen PC zu kommen.

„Wo möchte ich denn hin?“

Mason lachte.

„Das ist nicht die Frage. Stattdessen sollte deine Frage eher lauten: Wo findet mich meine Familie nicht?“

Patrick schnaubte.

„Sie wird mich überall finden. Da bin ich mir sicher. Wenn es ums Geld geht, sind sie wie Spürhunde. Außerdem sollte es nicht zu weit entfernt sein, dass ich im Notfall schnell in New York sein kann.“

Mason tippte auf die Landkarte.

„Was hältst du von Vermont? Landwirtschaft ist uns nicht fremd.“

Patrick hob fragend eine Augenbraue.

„Was hast du andauernd mit der Landwirtschaft? Ich könnte auch in einem Büro arbeiten.“

Mason lachte spöttisch.

„Na klar. Du bist so ehrgeizig, dass du selbst dann auffällst. Und das willst du doch nicht. In der Landwirtschaft kannst du dich nicht so hervortun. Wenn du die Füße stillhältst und deine Finger von den Finanzen lässt, dann dürfte es kein Problem werden. Schau doch mal, ob niemand einen Helfer sucht.“

Es dauerte nicht lange, bis sie eine Anzeige fanden, in der ein Farmhelfer gesucht wurde.

„Mh, verdienen werde ich da wirklich nicht viel.“, warf Patrick ein.

Mason schnaubte.

„Hast du nicht schon genug Kohle? Es ist eine Frau, die dringend Hilfe benötigt. Also ruf an.“

Patrick nickte und griff zum Hörer, doch mitten in der Bewegung hielt er inne.

„Ich sollte mich nicht als Patrick Murphy bewerben.“

Mason schnalzte mit der Zunge.

„Daran habe ich nicht gedacht. Wie willst du dich dann nennen?“

Er zuckte mit der Schulter.

„Mein Vater nannte mich immer Hank. Er mochte den Namen, aber meine Mutter hasst ihn. Ich nenne mich einfach Hank Johnson.“

Mason kicherte.

„Na, dann los, Hank. Machen wir einen Farmarbeiter aus dir.“