Kapitel 1
Jamie
„Er ist glaube ich tot Jamie. Du kannst jetzt aufhören, du hast den Blaubeere – Muffin erfolgreich getötet.“, es dauert kurz bis Macs Worte zu mir durchdringen. Reichlich irritiert sehe ich ihn an bevor mein Blick auf den Teller und das Massaker vor mir sinkt.
„Oh Scheiße…“, verlegen nage ich auf meiner Unterlippe.
„Wie ist das denn passiert?“, murmle ich deutlich verlegen während Mac leises lacht.
„Naja, du hast mit deiner Gabel ein kreatives Muffin – Puzzle erschaffen. Was beschäftigt dich Jamie?“, sein Blick ruht ruhig auf mir. Dieser Blick aus diesen wunderschönen braunen Augen, der mir in letzter Zeit viel zu oft viel zu tief unter die Haut geht. Ich zucke leicht mit den Schultern.
„Ich glaube, das weißt du recht gut.“, er nickt leicht, sagt aber nichts weiter dazu. Bevor weitere Fragen aufkommen wende ich mich dem Schlachtfeldteller zu und beseitige eilig die verräterischen Spuren.
Ich mag die gelegentlichen Ausflüge mit Mac nach Ronan sehr gern. Allgemein mag ich es in seiner Nähe zu sein, erschreckend.
„Komm, lass uns weiter zum Futtermittel und Tierbedarfsshop. Dort sollten wir alles kriegen was du für Keks brauchst.“, Keks, ist der zehn Wochen alte Border Collie Welpe den Mac mir geschenkt hat.
***
Hätte ich auch nur ansatzweise geahnt welch unfähige Leute im nächsten Laden arbeiten, hätte ich alles was Keks braucht im Internet bestellt.
Außer einer weichen Bürste, zwei Futternäpfen, zwei Halsbänder, Leinen, Unmengen von Spielzeug, überwiegend Kauspielzeug, einer herzigen gelben Kuschelente finde ich nur unbefriedigendes Zeug.
Zumindest kein geeignetes Hundebett wie ich es gerne hätte.
Okay, ich treibe den armen Verkäufer mit Leichtigkeit an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und muss gestehen das ich dabei sogar ein wenig Spaß habe.
„Nun lass doch den armen Mann Jamie. Er kann doch nichts dafür das du ein wenig anspruchsvoll bist. Wie wäre es wenn du für den Anfang das Bettchen hier mitnimmst und wir Zuhause im Internet nach etwas schauen das deinen Ansprüchen gerecht wird.“, wäre es nicht Mac der hier versucht mich mit Engelszungen zu beruhigen, nun ja es würde unschön werden.
„Es kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein ein Bettchen das bequem und warm ist auf Lager zu haben. Wie du weißt, mag ich es nicht wenn es in meinem Schlafzimmer warm ist.“, schnaube ich deutlich unentspannt. Macs Gesichtsausdruck nach wusste er noch nicht das ich es nicht mag wenn es in meinem Schlafzimmer warm ist. Ups!
„Wusste ich bisher nicht. Aber jetzt lass uns doch erstmal das mitnehmen was du ausgesucht hast.“, er lächelt sanft. Leise brummend füge ich mich.
„Na gut, dann muss das erstmal reichen.“, murrend deute ich auf den Berg an Artikeln und das Bettchen welches erstmal genügen muss.
„Und die Bürste ist wirklich gut für die Gesundheit?“, Macs leises seufzen entlockt mir ein flüchtiges grinsen.
„Jamie! Es ist gut jetzt“, ein leises knurren entfleucht mir in Macs Richtung.
„Na gut, das da noch!“, entschlossen greife ich nach dem Herzschlag Schaf, das den Herzschlag der Mutterhündin nachahmt und den Welpen beruhigen soll.
Schnell bezahle ich alles mit Rileys Kreditkarte um dann mit Macs Hilfe die etlichen Taschen zum Auto zu bringen. Vermutlich macht der geplagte Mitarbeiter gerade unzählige Kreuze das er mich überlebt hat.
„Dann lass uns zum Supermarkt. Vielleicht haben die ja Welpenfutter im Sortiment.“, zustimmend nicke ich um mich neben Mac auf den Beifahrersitz plumpsen zu lassen.
***
Zu meiner großen Freude, stellt sich die Mitarbeiterin die ich in der Tierfutterabteilung anspreche als Kennerin ihres Fachs heraus. Sie berät mich umfangreich, freundlich und verständlich. Kurze Zeit später schlendere ich mit einem Sack Welpenfutter zu Mac und unserem Einkaufswagen.
Mit großen Augen betrachte ich was Mac schon alles in den Wagen gepackt hat.
„Ähm, ich weiß ja das du nicht ohne deine geliebten Salzstangen kannst, aber was um Gottes Willen hast du denn vor?“, ich deute auf jede Menge Knabberzeug, einige Packungen Gummibärchen, mehrere Sixpack Bier, Cola, Milch, Kakaopulver und Schokolade. Man sieht mir deutlich an das ich etwas verwirrt bin. Mac lacht leise.
„Die Vorräte im Gemeinschaftsraum müssen aufgefüllt werden. Gehört unter anderem zu meinen Aufgaben. Und die Milch...es gibt da jemand der ganz wild auf heiße Schokolade ist.“, verlegen senke ich meinen Blick, denn er hat recht. Ich bin ganz wild auf seine heiße Schokolade.
„Sprühsahne fehlt noch und Marshmallows.“, und schon renne ich los um Sprühsahne und Marshmallows zu holen. Macs brabbeln bekomme ich gerade noch mit.
„Es wird mir für immer ein Rätsel bleiben wie sie es schafft ihre Figur zu halten.“
***
Schnell haben wir unsere Einkäufe auf die Ladefläche des Pick – Up geladen.
„Und jetzt nochmal Coffeeshop oder direkt nachhause?“, sein Blick wandert zu mir, die gar nicht lange überlegen muss.
„Nachhause, mir wurde heiße Schokolade versprochen.“, nur mit Mühe kann er sich ein Lachen verkneifen.
„Ach echt? Wer macht denn so was?“, ich deute leicht grinsend auf ihn.
„Fahr einfach Schätzelein.“ Ach, könntest du kurz bei der Klinik anhalten?“, reichlich überrascht sieht er mich an.
„Hä? Warum denn? Geht es Dir nicht gut?“, ich rolle mit den Augen.
„Halt einfach kurz an damit ich einen Termin für meine Tetanusimpfung machen kann, bitte.“, nicht wirklich überzeugt nickt er.
„Okay, liegt ja auf dem Weg.“
***
Es dauert keine zehn Minuten bis ich fröhlich summend wieder in den Wagen hopse.
„Alles klar, nächster Halt...Blue Sky Ranch.“, er grinst leicht.
„Alles klar Herrin.“, schmunzelnd tätschle ich seinen Oberschenkel.
„Braves Kerlchen.“, sein Blick wandert zu meiner Hand.
„Du solltest den Fahrer nicht ablenken Lady.“
„Ich kann nichts dafür wenn der Fahrer sich so leicht ablenken lässt.“, er brummt leise.
„Whoa, wie lange waren wir weg?“, mit großen Augen betrachte ich das Gewusel als wir auf den Hof fahren. Es hat den Anschein das wir schon erwartet werden.
Fleißige Hände helfen den Pick – Up zu entladen, während ich die Sachen für Keks in Macs Zimmer bringe.
Somit wäre auch klar das er für die nächste Zeit Mitbewohner haben wird. Und einer davon giert im Moment nach heißer Schokolade.
Mac
Dank der Hilfe der Jungs dauert es nicht lange bis alles ausgeladen und in den Gemeinschaftsraum gebracht ist. Ebenso schnell sind die Knabbersachen in den Schränken und das Bier im Kühlschrank verstaut.
Zufrieden mache ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Ich bin gespannt was mich erwarten wird, ob ich überhaupt noch etwas wieder erkennen werde. Ich bin beruhigt mein Zimmer nahezu unverändert vorzufinden. Keks Bettchen sowie Futter,- und Wassernapf brauchen weniger Platz als ich gedacht habe. Und eine Kiste mit dem Spielzeug steht neben dem Bett. Zum Glück ist mein Zimmer größer als die anderen. Vorarbeiterbonus und so.
„Na, konntest du alles arrangieren wie du es wolltest?“, Jamie sieht mich grinsend an.
„Ja, ich glaube so kann es erstmal bleiben. Und es ist für dich wirklich in Ordnung, das wir vorübergehend bei dir wohnen?“, schmunzelnd nicke ich.
„Natürlich, ich habe es dir ja angeboten dich zu unterstützen. Wo ist der Keks denn?“, mein Blick wandert suchend umher.
„Oh, er ist noch mit Riley unterwegs. Und nachher bestimmt todmüde, der arme Keks.“, ihre Sorge lässt mich lächeln.
„Möchtest du eine heiße Schokolade?“, oha, mit ganz großen Hush Puppie Augen sieht sie mich an. Fehlen nur noch die blinkenden Herzchen in ihren Augen.
„Oh ja bitte. Mit Marshmallows und Sahne.“, haucht sie fast andächtig.
„Drei oder vier Marshmallows?“, grinsend mache ich mich daran Milch zu erwärmen. Ein fast entsetztes quieken ertönt hinter mir.
„Fünf!!! Und keiner weniger.“, leise lachend öffne ich die Packung und lege fünf Marshmallows beiseite.
„Sahne auch?“, oha, was schnaubt denn da so? Ich verkneife mir ein kichern.
„Was ist das denn für eine Frage bitte? Natürlich Sahne.“, schmunzelnd fülle ich kurz darauf meine Lieblingstasse mit der heißen Schokolade, gebe die fünf Marshmallows hinzu und kröne das ganze mit einer üppigen Sahnehaube.
„So Prinzessin, hier kommt deine heiße Schokolade.“, vorsichtig stelle ich die Tasse vor ihr auf dem Tisch ab. Mit regelrecht verklärtem Blick himmelt sie erst die Tasse an um ihren Blick dann zu mir zu heben.
„Danke Mac.“, dieses strahlende Lächeln könnte ich ständig sehen.
„Gerne Jamie, lass es dir schmecken.“, während sie sich ihrer Tasse widmet, fülle ich mir den Rest der heißen Schokolade in eine Tasse. Ausnahmsweise gönne ich mir einen Marshmallow dazu.
Gespannt beobachte wie Jamie an ihrer Tasse nippt und ein seliges seufzen über ihre Lippen huscht.
„Lecker?“, aufmerksam beobachte ich jede noch so kleine Reaktion ihrerseits.
„Himmlisch.“, gurrt sie genießerisch um einen weiteren Schluck zu nehmen. Fasziniert beobachte ich wie ihre Zungenspitze über ihre Lippen huscht um jene sauber zu lecken. Heilige Wüstenrennmaus, weiß sie was sie da tut? Schwer schluckend versuche ich meinen Blick von ihren Lippen abzuwenden. Ein kaum umsetzbares Unterfangen.
„Jamie…“, leise krächzend starre ich die junge Frau an die mir gegenüber sitzt. Erschrocken sieht sie mich an.
„Oh...ich...entschuldige bitte.“, blubbert sie verlegen in ihre Tasse.
Mir wird schlagartig bewusst, das die Zeit die sie mit Keks hier bei mir wohnen wird, für mich verdammt hart werden könnte. In mehrfacher Hinsicht.
„Schon okay, alles gut.“, ich habe durchaus schon mal besser gelogen aber sie scheint mir meine kleine Notlüge abzunehmen. Mit einem letzten Seufzen stellt sie ihre leere Tasse auf den Tisch.
„Das war herrlich, kann ich das bitte jeden Tag haben?“, ihr unschuldiges lächeln könnte Eisberge zum schmelzen bringen.
„Sicher, wenn du schön brav bist, dann lässt sich das durchaus einrichten.“, der geschockte Blick den sie mir zuwirft veranlasst mich fest auf meine Unterlippe zu beißen um nicht los zu lachen.
„Was? Brav?“, kreischt sie fast schon. Kichernd lehne ich mich zurück.
„Mhm, ja...brav. Das schaffst du doch, oder?“, ihre Augen weiten sich entsetzt. Ich gebe zu, mir gefällt dieses Spielchen ganz gut.
„Ich bin nicht auf der Welt um brav zu sein…Mister.“, faucht sie leise. Als ob ich das nicht wüsste, brav ist etwas das nur sehr bedingt mit Jamie kompatibel ist.
„Sondern?“, neugierig sehe ich sie an, gespannt auf ihre Antwort.
„Äh...ich weiß nicht. Ist das denn so wichtig?“, sie scheint nun doch recht verunsichert.
„Nein, natürlich nicht. Alles gut Jamie.“, lächelnd beobachte ich sie.
„Was meinst du, sollen wir mal nachsehen wo Keks ist und ob wir ihn vor Riley retten müssen?“, sie nickt leicht.
„Vielleicht keine schlechte Idee, ja.“, leicht grinsend steht sie auf. Mit ein paar schnellen Schritten steht sie vor mir und sieht mich an. Da ich noch sitze muss ich ein wenig zu ihr hoch sehen. Mit fragendem Blick sehe ich sie neugierig an.
Lächelnd streicht sie mit ihren Fingerspitzen über meine Wange.
„Danke das du für mich da bist Mac und dafür das du mir Keks geschenkt hast.“, sie beugt sich etwas hinab um mir einen Kuss auf meine Lippen zu hauchen. Ihr Duft weht mir entgegen, ich liebe diesen Duft nach Himbeere und Vanille.
Überrascht von ihrer Aktion versäume ich zu reagieren und kann diesmal nicht verhindern das sie sich zurück zieht.
„Lass uns Keks retten gehen.“, zu meiner erneuten Überraschung greift sie meine Hand um jene fest zu halten während wir uns aufmachen Keks und Riley zu suchen.
Riley
Grinsend beobachte ich den kleinen Keks der freudig kläffend um Morti herum hopst. Na ja, kläffen ist sehr positiv gedacht, er klingt vielmehr wie ein quietschiges Hundespielzeug.
Im ersten Moment war sich Morti nicht sicher was er mit dem wuselnden Hopseding anfangen soll. Aber mittlerweile scheint er Gefallen daran zu finden mit Keks fangen zu spielen.
Der kleine Keks ist ein recht cleveres Kerlchen und lernt für sein Alter recht schnell. Ich muss zugeben das es Spaß macht mit dem kleinen, aufgeweckten, Herzensbrecher Zeit zu verbringen.
Natürlich muss ich Morti genauso viel Aufmerksamkeit schenken, da er sonst zu Divenhaften Eifersuchtsszenen neigt.
Skip beobachtet das ganze mit einer gesunden Portion Skepsis, stört sich aber nicht an dem wuseligen Welpen.
***
Ich weiß nicht wie lange ich schon mit Keks bei Morti und Skip bin, der kleine Kerl scheint auf jeden Fall nicht müde zu werden und hopst freudig um Morti herum. Aus dem Augenwinkel sehe ich Jamie und Mac die auf den Paddock zukommen. Schmunzelnd betrachte ich das Bild das sich mir bietet. Nein wie niedlich, man hält Händchen. Eine Augenbraue hebend grinse ich die beiden an.
„Na, wart ihr erfolgreich?“, schulterzuckend reicht Jamie mir meine Kreditkarte die ich in meine Gesäßtasche schiebe.
„Nicht so wirklich, ich werde später im Internet schauen ob ich da bekomme was ich möchte.“, mein Blick wandert fragend zu Mac, der jedoch nur mit den Augen rollt.
„Okay...also, wie du siehst haben Morti und Keks sich schon angefreundet.“, sie nickt leicht.
„War er brav?“, irgendwie habe ich das Gefühl das etwas nicht stimmt. Jamie wirkt sehr blass und müde.
„Er war brav, natürlich. Geht es dir gut Jamie?“, sie überlegt kurz, schüttelt dann aber den Kopf.
„Nicht wirklich, ich weiß nicht. Ich glaube ich lege mich etwas hin. Weckst du mich später Mac? Kann ich Keks noch bei Euch lassen?“, Mac sieht mich reichlich irritiert an.
„Äh ja klar, leg dich etwas hin wenn du dich nicht wohl fühlst. Ich kümmere mich schon um Keks.“, sie nickt leicht. Schnell umarmt sie Mac, der gerade recht verwirrt aussieht und tapst dann in Richtung Schlafbaracke davon. Mein Blick wandert zu Mac der mich blinzelnd ansieht.
„Was war das denn?“, schulterzuckend sehe ich ihn an.
„Keine Ahnung, du warst doch mit ihr zusammen den ganzen Mittag. Ist sie womöglich schwanger?“, mein Blick bohrt sich regelrecht in ihn.
„Wenn, dann nicht von mir.“, schnaubt er deutlich verstimmt. Ich nicke langsam. Ich glaube ihm, er hat keinen Grund mich anzulügen.
„Hmm, lassen wir sie schlafen. Vielleicht brütet sie etwas aus. Lass uns reingehen, es gibt bestimmt bald Abendessen. Komm Keksi.“, der kleine Kerl hoppelt eifrig hinter uns her. Er hat bestimmt auch Hunger und es ist eine gute Zeit um ihn nochmal zu füttern. Cookie freut sich über den putzigen Welpen den er ausgiebig knuffelt und herzt. Noch darf Keks in die Küche und auf seiner Decke in der Ecke hinter dem Esstisch liegen. Natürlich fragt Cookie nach Jamie, Mac erzählt ihm was vorgefallen ist. Brummend gibt sich unsere Küchenfee mit Macs Erklärung zufrieden, brummt nur leise was von wegen Nicht noch eine schwanger und so.
***
Nach dem Abendessen setze ich mich noch mit Matt zusammen um zu besprechen wie es derzeit mit Twix läuft die ihm als treue Lehrerin zur Seite steht.
„Gut, das hört sich doch schon recht positiv an. Morgen werde ich Dir die nächste Lektion zeigen. Vielleicht können wir auch mal mit Chip arbeiten, oder mit einem der jungen Wallache.“, Matt nickt lächelnd. Es macht ihm Spaß neues zu lernen und auch mit Twix zu arbeiten gibt ihm so manches Erfolgserlebnis. Am Boden ist Twix recht umgänglich und im Grunde die perfekte Lehrerin. Bald wird das erste Pferd ankommen, vielleicht eine gute Aufgabe für Matt und Jamie.