Killer´s bride

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Summary

Eine junge Frau, die bisher kaum Freude in ihrem Leben hatte. So beschreibt man am besten Sophie Müller. Sie muss zu Hause leben, um ihre kranke Mutter zu pflegen, während ihr Bruder mit seinem Kumpels Geld versäuft, dass an anderer Stelle gebraucht wurde. Und er überlässt ihr einfach auch seine Tochter, als ob es ihre Pflicht sei, sich an seiner Stelle darum zu kümmern. Doch dann schien sie einmal Glück zu haben, denn sie gewinnt bei einem Preisausschreiben einen Urlaub nach Spanien. Eine Begegnung mit einem Fremden krempelt ihr Leben für immer um, denn Joshua Davis, ein Mann mit sehr vielen Geheimnissen, scheint es darauf anzulegen, ihr alles zu erleichtern, auch wenn er sie nach Spanien nie wieder sehen wird. Zumindest ist das sein Plan. Doch der geht leider nicht auf, denn seine Feinde lauern schon darauf, ihm zu schaden. Sophie ist leider die perfekte Waffe gegen ihn, denn Josh, der bisher nie Gefühle gegenüber einer Frau zuließ, verliebt sich in sie. Cover by Nancy Bieler

Status
Complete
Chapters
41
Rating
5.0 18 reviews
Age Rating
18+

Prolog

„Ich habe wirklich etwas gewonnen?“

Ungläubig starrte Sophie auf den Brief, den sie gerade aus dem Briefkasten zog. Dieses Mal waren es nicht nur Rechnungen, bei denen sie überlegen musste, woher sie noch Geld nehmen sollte, um alles zu bezahlen.

An dieses Preisausschreiben, das sie im Krankenhaus neben dem Bett ihrer Mutter ausgefüllt hatte, dachte sie gar nicht mehr. Zu oft war sie in dieser Hinsicht enttäuscht worden und nie rechnete sie damit, dass sie etwas gewinnen würde.

Immerhin war sie nur Sophie Müller. Sie zog alles Schlechte magisch an oder wurde gezwungen, ihre eigenen Träume hintenan zu stellen, um anderen zu helfen.

Sie blätterte durch die ganzen Unterlagen und konnte es immer noch nicht fassen, dass sie tatsächlich einmal Glück haben sollte.

Es war sogar der Hauptgewinn.

Eine Reise nach Spanien, besser gesagt nach Barcelona, war ihr nun möglich gemacht worden. Vier Leute durften dem grauen und kalten Herbst in Deutschland entfliehen und die restliche Sonne in einem relativ großen Hotel genießen.

Sophie seufzte leise.

Eine Woche lang konnte sie einmal alles hinter sich lassen und vergessen, was sie hier jeden Tag erwartete.

Bisher war das Leben nicht gerade freundlich zu ihr gewesen. Zumindest die letzten Jahre nicht.

Seit fünf Jahren pflegte sie ihre Mutter, die an Alzheimer erkrankt war. Sie brach ihr Studium ab, um neben der Pflege noch einigen Jobs nachzugehen, um die Sachen bezahlen zu können, die das Amt nicht bezahlte.

Das alleine war schon eine heftige Herausforderung, doch seit einem Jahr war ihr Bruder wieder bei ihnen eingezogen.

Eigentlich sollte man meinen, dass es leichter werden würde, doch dem war nicht so. Sophie hatte seit Roberts Heimkehr noch mehr Arbeit als je zuvor. Zuerst einmal brachte er seine uneheliche Tochter mit.

Marie war ein liebes Kind, das weder von seiner Mutter, noch von seinem Vater je Liebe erfahren hatte. Sophie sah es als ihre Pflicht an, ihrer Nichte diese Liebe zu geben.

Robert selbst war schon immer ein fauler Hund gewesen und Sophie war damals froh, als er klangheimlich verschwand. Doch nun durfte sie nicht nur die Ersatzmutter seiner Tochter sein, sondern auch ihn bedienen, denn ihm fielen jede Menge Ausflüchte an, um nicht arbeiten gehen zu müssen. Außerdem weigerte er sich auch, Sophie bei der Pflege der Mutter zu unterstützen.

„Was haben wir denn gewonnen?“

Wie aufs Stichwort war Robert unbemerkt an sie herangepirscht und riss ihr den Brief aus der Hand. Beeindruckt pfiff er durch die Zähne.

„Da haben wir wirklich einen Volltreffer gelandet. Na ja, fast. Aber da hast du mal wieder nicht darauf geachtet, du dumme Nuss. Es gibt nur einmal am Tag etwas zu essen. Aber das nehme ich dir nicht übel. Du denkst eben nicht so weit.“

Er tätschelte ihr den Kopf, als ob sie ein Hund wäre und nicht seine Schwester. Sophie schnaubte, aber senkte ihren Blick zu Boden. Sie wusste, dass Robert sehr aggressiv werden konnte, wenn er sich provoziert fühlte.

„Es ist mein Gewinn.“, murmelte sie, aber er hörte es natürlich.

Er lachte spöttisch.

„Die Reise ist für vier Personen. Du hast nicht einmal Freunde und außerdem kannst du deinem Bruder schon einmal eine Auszeit gönnen.“

Sie fragte sich, ob er Witze machte, denn eine Auszeit benötigte Robert bestimmt nicht. Sein ganzes Leben war eine Auszeit. Doch sie konnte ihm leider nicht widersprechen, was ihre Freunde anging, denn sie hatte tatsächlich keine mehr. Sophie war früher sehr beliebt gewesen und es gab immer jemand an ihrer Seite, doch während das Leben für ihre Freunde mit Studium, Ausbildung und Arbeit weiterging, blieb Sophie in ihrer bescheidenen Situation hängen und es wurde leider nicht besser. Nach und nach verschwanden alle und selbst ihre damals beste Freundin meldete sich nicht mehr, seit sie eine schlimme Phase von Sophies Mutter miterlebte. Sie konnte es niemand verübeln, denn sie ertrug es manchmal selbst nicht mehr.

Robert las den Brief und lächelte dabei gönnerhaft.

„Nun gut. Ich will mal nicht so sein und werde dich mitnehmen. Schließlich ist es nicht der Ballermann und das Hotel scheint eher ein Familienhotel zu sein. Da kann ich nicht mit allen meinen Kumpels auftauchen, wenn sie eine Sophie Müller erwarten. Du kannst mitkommen und wirst auf Marie aufpassen, während Harry und ich unsere Ruhe genießen.“

Sophie schluckte die Galle herunter, die sich den Weg die Speiseröhre hinauf zu ihrer Kehle bahnte.

Gerade Harry war der Schlimmste unter all den Kumpels, die Robert um sich versammelte. Jedes Wochenende tauchte er hier auf und soff sich mit Robert den Kopf zu. Einmal übergab er sich sogar mitten im Wohnzimmer. Doch anstatt sich zu entschuldigen, verhöhnte er Sophie noch, die in ihrem Flanellnachthemd auf den Teppich kauerte, um deine Hinterlassenschaften zu entfernen. Noch nie fühlte sie sich so gedemütigt, wie an diesem Abend.

Robert nahm sie damals nicht in Schutz, wie man es eigentlich von einem Bruder erwarten sollte. Das tat er nie. Er grölte sogar mit und stieß die heftigsten Beleidigungen aus.

Und nun wollte er genau diesen Depp auch noch mitnehmen, der sie immer wieder quälte.

„Warum gerade Harry?“, fragte sie leise.

Robert lachte.

„Harry hat die meiste Kohle. Ich werde dafür sorgen, dass er die Kurzzeitpflege für Mutter bezahlt. Immerhin darf er dafür mit nach Spanien.“

Sophie seufzte.

„Aber...“

Robert packte sie hart am Oberarm und drückte brutal zu, bis Sophie anfing zu wimmern.

„Wage es nicht, mir widersprechen zu wollen. Es wird so gemacht, wie ich sage, oder du kannst diese Woche vergessen. Ich bin der Mann im Haus und was ich will, geschieht.“

Nun zog er sie auch noch am Arm nach oben, dass Sophie leise aufschrie. Sein Atem stank nach Alkohol, dennoch glich sein Griff dem eines Schraubstocks.

„Hast noch irgendwelche Einwände, Sophie?“, fragte er gefährlich leise.

Sie schüttelte schnell ihren Kopf und er ließ ihren Arm endlich los.

„Gut. Das wollte ich dir auch geraten haben. Ich werde nun anrufen und alles klären. Und ich will kein Wort mehr von dir hören, sonst setzt es was.“

Sie senkte wieder ihren Blick und nickte nur.

Er hatte ihr schon mehrmals eine Ohrfeige verpasst, um so seine angebliche Überlegenheit zu demonstrieren. Das wollte sie nun nicht provozieren, obwohl es ihr in den Fingern juckte.

Robert schien zufrieden mit ihrem Verhalten zu sein, denn er drehte sich um und verschwand im Wohnzimmer. Sophie wagte es erst, ihren Arm zu reiben, als er die Tür schloss. Morgen würde sie wieder einige blaue Flecken mehr haben und ihren Kolleginnen erklären, dass sie mal wieder ungeschickt gewesen war.

Eine Träne lief ihr über die Wange, doch Sophie bemerkte sie nicht einmal mehr. Ihre Seele war leer. Sie funktionierte nur noch und alles, was ihr Freude bereiten konnte, wurde von Robert mit Füßen getreten. Nur manchmal kam ihr wahres Ich zum Vorschein, doch das hatte zur Folge, dass sie es büßen musste. Dieses Mal sollte sie sich besser fügen, denn sie wollte unbedingt nach Spanien, um dem grauen Leben hier wenigstens einem Moment zu entrinnen.

Sie ging in das Zimmer ihrer Mutter und versuchte, etwas fröhlicher auszusehen.

Wie immer saß ihre Mutter am Fenster und betrachtete die Kinder, die auf dem Spielplatz gegenüber spielten. Als Sophie sich zu ihr setzte, begann sie zu lächeln. Nach einer Weile runzelte sie allerdings ihre Stirn.

„Du bist traurig, mein Mädchen. Was ist passiert? Hat dein Bruder dich wieder geärgert?“

Heute war ein guter Tag, obwohl es wohl so aussah, dass ihre Mutter wieder in der Vergangenheit war, denn sie sprach mit ihr, wie mit einem kleinen Kind.

Sophie versuchte erneut, ein fröhliches Gesicht zu machen.

„Es ist wie immer, Mama. Mach dir keine Sorgen.“

Ihre Mutter tätschelte ihre Wange.

„Lass dich nicht von Robert ärgern. Der Bengel hat nur Flausen im Kopf. Gerade hat seine Lehrerin angerufen, weil er sich wieder mit einem anderen Jungen prügelte.“

Sophie seufzte und senkte ihren Kopf auf die dürre Schulter ihrer Mutter, so wie sie es früher immer getan hatte.

„Willst du mir nicht erzählen, was passiert ist? Hat er dich wieder an den Haaren gezogen?“

Lächelnd schüttelte Sophie den Kopf.

„Nein, Mama. Das war es nicht.“

Da Robert sich kaum bei seiner Mutter blicken ließ, sah sie ihn immer noch als den kleinen Schuljungen, der alle möglichen Streiche spielte. Sophie machte sich nicht mehr die Mühe zu erklären, dass Robert nun ein Mann war. Es würde ihre Mutter nur aufregen.

„Das kleine Mädchen war wieder hier. Ich weiß nicht, wer sie ist, aber ich habe sie gerne. Sie erinnert mich an jemanden, aber ich kann mich nicht erinnern, an wen.“

Sie starrte nun verwirrt umher.

Sophie streichelte ihre Hand.

„Marie will dich nur besuchen. Wenn es dich zu sehr anstrengt, sage ich ihr, sie soll es lassen.“

Der verwirrte Blick verschwand und ihre Mutter schien wieder klar zu werden.

„Nein. Ich mag sie um mich herum. Heute hat sie mir lustige Geschichten erzählt. Sie hat so viel Fantasie und ist auch noch sehr klug.“

Marie war in dieser Hinsicht unkompliziert. Sie nahm die Krankheit ihrer Großmutter einfach hin und reagierte einfach, statt zu hinterfragen, ob sie etwas beachten musste.

Das Kind verdiente so einen Vater nicht, sondern einen Mann, der wusste, was für eine tolle Tochter er besaß.

Ihre Mutter konzentrierte sich wieder auf die Kinder draußen und vergaß dabei wohl, dass Sophie bei ihr saß, daher konnte sie sich wieder ihren eigenen Gedanken widmen.

Ihr Leben war eingefahren und es schien nicht so, als ob sich das in der nächsten Zeit ändern würde.

Auch wenn sie ihre Mutter und ihre Nichte sehr liebte, wünschte sich Sophie jemand, der ihr half. Und sie wünschte sich ein etwas anderes Leben. Sie würde gerne ihr Studium wieder aufnehmen, einige Abenteuer erleben und die Welt bereisen. Vielleicht mit einem Mann an ihrer Seite, der ihr das alles ermöglichte und der sie vor solchen Pennern wie Robert und Harry beschützte. Ja, so einen Mann wünschte sie sich wirklich.

Aber auf so einen Mann konnte sie wohl lange warten.