Chapter 1
Prolog
Die Zeitung auf dem Tresen starrt mich an wie eine feindliche Bedrohung. Fettgedruckte Buchstaben prangen auf der Titelseite, begleitet von einem Bild, das mir den Atem stocken lässt.
„Unfair oder nur verliebt? Die Schattenseite des Cupcake-Wettbewerbs!“
Darunter ein Foto von Jayden und mir. Es zeigt uns, wie wir nach der Verkündung meines Sieges im Sweet Heaven stehen – sein Arm auf meiner Taille, mein Lächeln breiter, als es für einen Moment der Freude sein sollte. Für mich war es ein Moment des Glücks. Für die Presse ist es Munition.
„Das ist doch nicht euer Ernst“, murmele ich und schiebe die Zeitung zur Seite, als ob sie dann verschwindet. Aber das Bild bleibt in meinem Kopf eingebrannt. Die Worte des Artikels klingen in meinem Inneren nach: „Insiderquellen berichten, dass Sterling und die Bäckerin Chérie Beau bereits vor dem Wettbewerb eine enge Beziehung hatten. Wurde der Sieg also gekauft?“
Ich bin wie betäubt, als die Tür zum Sweet Heaven aufgeht. Harriet, mein Fels in der Brandung, kommt herein, schwingt ihre Tasche auf den Tresen und blickt mich an.
„Du siehst aus, als hätte man dir deinen Backofen geklaut. Was ist los?“ Sie greift nach der Zeitung, überfliegt die Schlagzeile, und ich sehe, wie ihre Augen sich weiten.
„Oh mein Gott! Die Presse hat euch erwischt! Und schau mal, das ist gar kein schlechtes Bild. Jayden sieht aus wie ein heißer Thomas Shelby, und du… na ja, du siehst glücklich aus.“
„Harriet, bitte hör auf.“ Ich stöhne und fahre mir mit der Hand durchs Haar. „Sie werfen uns vor, dass er mich bevorzugt hat. Es geht nicht um das Bild, sondern um die Anschuldigungen.“
„Tja, das kommt davon, wenn man sich mit einem Mann einlässt, der aussieht wie der Hauptdarsteller einer Mafia-Serie.“ Sie zwinkert mir zu und setzt sich auf einen der Hocker. „Also ehrlich, ich sehe hier keinen Skandal. Jeder weiß, dass deine Cupcakes die besten sind. Jayden hätte dich nicht mal bewerten müssen, um das zu wissen.“
Ich schüttele den Kopf. „Harriet, das ist kein Spaß. Die Leute werden glauben, dass ich meinen Sieg nicht verdient habe.“
„Und?“ Harriet lehnt sich zurück. „Die Leute glauben viel Blödsinn. Glaubst du, sie interessiert es, wie viel harte Arbeit du in diesen Laden steckst? Nein! Sie wollen Drama, und das ist genau das, was sie jetzt bekommen. Du musst einfach drüber stehen.“
Ich will etwas erwidern, als plötzlich die Tür wieder aufspringt. Diesmal ist es Cole, der hereinstürmt, als würde er verfolgt. Seine Krawatte hängt schief, und seine Haare sind zerzaust.
„Was ist denn hier los?“ Harriet sieht ihn überrascht an, während ich ihn nur müde mustere.
Cole bleibt mitten im Raum stehen, mustert uns beide mit scharfem Blick und hebt dann den Finger. Er zeigt direkt auf Harriet.
„Du!“ Seine Stimme ist fest, beinahe befehlend. „Mit sofortiger Wirkung bist du aus dem Sweet Heaven entlassen.“
„Was?!“ Harriet springt auf, die Hände in die Hüften gestemmt. „Entlassen? Ich arbeite doch freiwillig hier!“
„Ja, genau“, sagt Cole, sein Ton lässt keine Widerrede zu. „Und ab jetzt – genau jetzt – bist du meine neue Assistentin.“
„Deine Assistentin?“ Harriet lacht laut auf. „Cole, hast du schon wieder zu viel Kaffee getrunken?“
Er verschränkt die Arme vor der Brust, seine Haltung ist unerschütterlich. „Das hier ist keine Diskussion. Vertrag folgt per Post, und dein Lohn… lässt sich verhandeln.“
Ich bin sprachlos. Harriet ebenso. Sie blinzelt ihn an, als hätte er den Verstand verloren.
„Moment mal.“ Harriet hebt die Hand. „Du kommst hier rein, wirfst mich einfach aus meinem Lieblingsjob raus und willst mich stattdessen als deine Assistentin einstellen? Was hast du denn geraucht?“
„Harriet“, sagt Cole mit Nachdruck, „du bist schlagfertig, du bist effizient, und du bist frech genug, um dich in der Geschäftswelt zu behaupten. Ich brauche genau jemanden wie dich. Und ehrlich gesagt, habe ich keine Zeit, auf deinen Widerstand zu warten.“
„Das ist ja wohl…“ Harriet sieht mich an, dann wieder zu Cole. „…völlig absurd.“
„Es ist die verrückteste Entscheidung, die ich je getroffen habe.“ Cole macht einen Schritt nach vorn, sein Blick ernst. „Und bevor du mir widersprichst, möchte ich noch etwas klären.“ Er wendet sich zu mir. „Jayden hat eine Vertretung für Harriet organisiert. Bei dieser Kundschaft kannst du unmöglich den Laden allein schmeißen.“
„Was? Jayden hat was?“ Ich blinzele verwirrt.
„Melisa wird sich heute um 13 Uhr bei dir melden“, fährt Cole fort, als ob er meinen Einwand gar nicht gehört hätte. „Sie ist gut, professionell und kann dir den Rücken freihalten, während du dich um das hier kümmerst.“ Er deutet auf die Zeitung, die immer noch auf dem Tresen liegt.
„Moment mal!“ Harriet tritt vor, ihre Stimme wird lauter. „Wer sagt, dass ich überhaupt zustimme?“
„Du“, sagt Cole trocken, „weil du genau weißt, dass ich recht habe. Und weil du keine Ahnung hast, wie man Nein sagt, wenn jemand so überzeugend ist wie ich.“
Ich muss mir auf die Lippe beißen, um nicht zu lachen. Harriet funkelt ihn an, doch ich sehe, wie sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen schleicht.
„Na gut“, sagt sie schließlich, ihre Stimme voller Ironie. „Aber nur, weil ich sehen will, wie du dich als Boss schlägst. Wenn du versagst, komme ich zurück, und du kannst deinen Kaffee woanders bestellen.“
Cole nickt zufrieden. „Abgemacht.“
Ich beobachte die beiden und kann nicht anders, als ein kleines Lächeln zu zeigen. Inmitten des Chaos und der Schlagzeilen gibt es immer noch diese Momente, die mich daran erinnern, dass ich nicht allein bin.
Doch während Cole und Harriet ihre „Vertragsverhandlungen“ fortsetzen, wandert mein Blick zurück zur Zeitung. Der Artikel mag nur Worte sein, aber die Wirkung ist real. Ich weiß, dass der Weg nach vorn alles andere als leicht sein wird. Doch eines weiß ich sicher: Egal, was die Welt da draußen sagt, ich werde kämpfen – für meinen Laden, für meinen Ruf und für Jayden.