Callahan

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Summary

ℌ𝔦𝔰𝔱𝔬𝔯𝔦𝔰𝔠𝔥𝔢𝔯 ℜ𝔬𝔪𝔞𝔫 "Die Männer starben wie die Fliegen und sie wurden in einer hinteren Ecke gestapelt, wo sie anfingen zu stinken und zu verwesen. In unregelmäßigen Abständen wurden die Leichen mitten in der Nacht geholt. Callahan nahm an, dass der Gestank dann auch bis zu den Passagieren vordrang und die feinen Nasen das nicht mehr ertragen konnten. Meist erbarmte sich wohl einer der Wärter, denn nach solchen Nächten war der Trinkwasser Kessel bis zum Rand gefüllt und es lag ein Sack mit Schiffszwieback vor dem Tor. Doch das reichte bei Weitem nicht." Callahan Walsh wird zu sieben Jahre Verbannung verurteilt, weil er einen Hasen wilderte, um seine Geschwister vor dem Hungertod zu bewahren. Was Callahan nun erwartet, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen und schlimmsten Albträumen nicht ausmalen können. Doch bei allem, was ihm geschieht, versucht er ein Ziel nie aus dem Augen zu verlieren. Er muss seinen Geschwistern helfen. Die meisten Personen entspringen meiner Fantasy. Ich erwähne nur einige historische Persönlichkeiten aus dieser Zeit, die aber keine große Rolle in diesen Roman spielen. Cover by Nancy Bieler © Alle Rechte vorbehalten

Status
Complete
Chapters
46
Rating
5.0 6 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

„Schuldig! Auf Wilderei steht Tod durch Erhängen.“

Callahan zog zischend seinen Atem ein. Die Worte schlugen wie Hammerschläge in seinen Kopf ein und verharrten dort. Seine Knie zitterten heftig und er hielt sich unauffällig an dem Pfosten fest, an dem seine Hände gefesselt wurden, damit er nicht vor Schwäche und Angst zu Boden ging.

„Verflucht, es war nur ein Hase! Wie sollte ich sonst meine Geschwister ernähren, euer Ehren?“

Der Richter hob ein parfümiertes Taschentuch vor seine Nase. Er wirkte sehr gelangweilt und auch angeekelt. Angeekelt von dem Gestank, den die Strafgefangenen vor ihm ausdünsteten. Auch wenn Callahans Nase schon abgestumpft war, wusste er sehr wohl, dass auch er erbärmlich stank.

„Mit ehrlicher Arbeit, mein Junge.“

Er seufzte und lehnte sich leicht nach vorne.

Eigentlich hatte sich Callahan etwas Milde erhofft. Richter Wilson war dafür bekannt, dass er bei Familienangelegenheiten die Strafe oft verkürzte oder gar als Lappalie ansah und junge Männer laufen ließ. Doch dieses Mal war es nicht so.

„Du hast leider im falschen Wald gewildert, Callahan Walsh. Du kennst den Lord und er ist nicht so gnädig wie andere. Und er hasst euch Iren, die hier her kamen. Besonders dich. Du weißt es doch selbst. Er wartete nur auf so eine Gelegenheit. Wenn ich dir gegenüber Milde walten lasse, ergeht es mir schlecht.“

Wieder führte er das Taschentuch an die Nase.

„Im Anbetracht der Tatsache, dass du es nicht aus puren Egoismus, sondern für deine Familie getan hast, werde ich so gnädig sein, wie ich nur kann. Du wirst verbannt. Sieben Jahre in der neuen Kolonie.“

Er machte eine wegwerfende Handbewegung und ein Wärter zog Callahan von der Anklagebank.

„Ein Hase. Es war nur ein verdammter Hase. An ihm war nicht sonderlich viel Fleisch dran. Meine Geschwister verhungern, wenn ich nicht mehr bei ihnen bin.“

Niemand hörte ihm mehr zu.

Der Wärter machte ihn vom Pfosten los und schubste ihn unsanft aus dem kleinen Raum. Die Ketten schepperten, als Callahan nach vorne stolperte.

„Du wirst gleich von hier fortgebracht.“, erklärte er ihm unwirsch. „Sei froh, dass du sofort wegkommst. Andere vermodern im Gefängnis und atmen nie mehr frische Luft. Doch du hast das Glück und du wirst sofort auf das Schiff gebracht.“

Vor dem Gerichtsgebäude warteten schon die Käfige, die man auf Kutschen befestigte. Callahan wurde in einen der Käfig hinein gesperrt, obwohl schon mindestens zwanzig Männer darin standen, doch die anderen Käfige waren noch voller und es sah nicht so aus, als ob heute noch mehr Männer verbannt werden würde. Sein Blick ging zu den Galgen, die auf ihre Opfer warteten. Es war ein schaurig schönes Bild, denn das noch helle Holz zeichnete sich vom blauen, wolkenlosen Himmel ab. Es würde heute ein sonniger Tag werden, doch Callahan wusste, dass einige Männer, die nach ihm auf den Prozess warteten, ihn nicht mehr genießen konnten.

Kaum war die Tür des Käfigs geschlossen, rumpelte die Wagen los und Callahan stürzte gegen andere Männer, die lauthals fluchten.

„Pass auf, du Hohlkopf!“

Callahan griff nach den Stäben, um etwas Halt zu finden, doch er verzog angewidert das Gesicht, als seine Finger etwas Glitschiges berührten, und zog seine Hände unwillkürlich zurück.

„Halt dich fest und versuche, nicht auf den Boden zu stürzen. Die Männer nehmen alle keine Rücksicht und sie pissen auch auf den Boden, wenn sie pissen müssen. Bis wir frisches Wasser bekommen, dauert es und du willst es nicht dann bestimmt nicht benutzen, um deine Kleidung von der Pisse der anderen zu befreien. Du wirst Durst haben, wie noch nie in deinem Leben.“

Callahan starrte den Mann neben sich an. Er war groß, stark und mindestens zehn Jahre älter als er selbst.

„Einige Männer hier sind Mörder und Vergewaltiger. Sie scheren sich nicht um einen Jungen, der zu ihren Füßen liegt. Bevor wir am Hafen ankommen, bist du tot, wenn du nicht aufpasst, weil sie dich totgetrampelt haben. Benutze notfalls deine Ellbogen, um dir Respekt zu verschaffen.“

Callahan nickte und er festigte seinen Griff an den rostigen Stäben, die bei jeder Bewegung seinerseits kleine Krümel aus Eisen und Rost in die Haut rieben.

Dann beobachtete er den Mann neben sich genauer.

Seine Schultern waren breit und sein Haar war kurz geschoren. Eine Narbe zog sich über sein Gesicht und ein dreckiges Tuch bedeckte sein linkes Auge. Seine ganze Kleidung war verschmutzt und hatte viele Löcher. Sein Bart war verfilzt und struppig. Callahan wunderte sich, warum man ihm nicht den Bart abgenommen hatte. Selbst seinen Flaum hatten sie abgeschabt, weil die Wärter Flöhe darin vermuteten.

Im Gegensatz zu den anderen fluchte der Mann nicht, sondern blieb einfach ruhig stehen und sah auf die Landschaft, die sie passierten. Nur ab und zu kratzte er sich am Bein und als Callahan genauer hinsah, entdeckte er die Rattenbisse, die auch er hatte. Die Bisse des Mannes waren jedoch entzündet und Callahan konnte sich vorstellen, dass das Kratzen nicht gerade die Heilung beschleunigen würde.

„Was ist?“

Callahan hatte nicht bemerkt, wie der Kerl ihn anstarrte. Er wirkte nicht wütend, sondern eher genervt.

„Wenn du kratzt, dann wird es nicht abheilen.“, murmelte Callahan leise.

Der Mann lachte spöttisch.

„Junge, wenn wir auf dem Schiff sind, wird es mein kleinstes Problem sein, ob mein Bein abfault. Ich hoffe sogar darauf, dass ich sterbe, bevor ich die Kolonie erreiche.“

Der Wagen rumpelte und Callahans Hände rutschten wieder ab und er wäre zweifelsohne auf den vollgepissten Boden gesunken, wenn der Kerl ihn nicht am Kragen gepackt hätte.

„Sagte ich nicht, du sollst aufpassen, Junge?“, schnauzte er Callahan an, der sich dieses Mal an die Gitter klammerte, als ob sein Leben davon abhing.

Der Mann betrachtete ihn lange.

„Vielleicht solltest du doch loslassen. Du bist ausgehungert und siehst jetzt schon so aus, als ob der leichteste Windhauch dich umpusten könnte. Wer weiß, ob du diese Seereise überhaupt überleben wirst. Dann lieber einen schnellen Tod.“

Callahan schnaubte.

„Das ist eine Sünde.“

Hinter ihm lachte jemand schallend.

„Noch ein Ire, ich fasse es nicht. Ihr stinkt gleich, deswegen mag man wirklich glauben, dass ihr aus demselben Loch gekrochen kommt, nicht wahr, Sean O’Doherty?“

Der Kerl neben ihm schnaubte.

„Du musst es ja wissen, McRiley. Denn schließlich tönst du doch herum, du wärst ein verfluchter Highlander. Sag mir, ist es wahr, dass ihr Schafe fickt, weil eure Weiber so hässlich sind?“

Callahan wagte es nicht, sich nach dem Schotten umzusehen, der gerade offen beleidigt wurde.

„Schafe, Ziegen ... eure Weiber sind auch keine Schönheiten und ihr seid nicht wählerisch. Wenigstens können wir Schafe von Frauen unterscheiden.“

Sean lachte.

„Bist du dir da sicher, McRiley? Vielleicht Tier von Mensch. Aber ihr Highlander tragt doch auch einen Rock wie eure Weiber. Vielleicht hast du schon einen Kerl in den Arsch gefickt, ohne es zu wissen.“

Man konnte schon erkennen, wer Engländer und wer von den anderen Ländern des Königreiches kam.

Die meisten lachten derb, aber einer spuckte verächtlich aus.

„Ich bin Engländer und man sperrt mich mit Lauchfressern und Schaffickern zusammen ein. Haltet alle eure Fresse, oder ich schneide euch die Kehle durch.“

Wieder lachten die meisten. Nur dieser Sean nicht und auch die Highlander hoben ihren Kopf, ohne etwas zu erwidern. Sean lehnte sich zu Callahan.

„Halte dich von Brown fern. Das ist der Mann, der gerade sprach. Noch lachen alle, aber ich traue ihm zu, dass den nächsten Halt einige nicht mehr miterleben werden, wenn sie weiter über ihn lachen. Er ist zweifelsfrei ein Engländer, aber man muss auf sein Gehabe acht geben. Er ist ein Verbrecher, während andere hier nur überleben wollten und unser Vergehen eher...harmlos sind.“

Callahan nickte, denn Sean hatte bestimmt Recht. Er besaß keinerlei Erfahrung mit den Engländern, obwohl er schon einige Jahre bei einem englischen Lord in Arbeit stand. Bisher war er unbescholten, aber ein kleiner Fehler, den er wegen des großen Hunger beging, hätte ihm beinahe das Leben gekostet.

Erschöpft lehnte er seinen Kopf an das Gitter.

Er war so müde, denn er hatte kaum geschlafen in der letzten Zeit. Die Zelle, die er mit dreißig weiteren Gefangenen teilen musste, war ein Dreckloch ohne Fenster gewesen. Er bekam die anderen Gefangenen kaum zu Gesicht, da in der Zelle immer Dunkelheit herrschte, die nur einmal am Tag unterbrochen wurde, nämlich dann, wenn die Wärter die Holzeimer in die Zelle traten und sich einen Spaß daraus machten, zuzusehen, wie die Insassen sich um das Essen stritten.

Das erste Mal, als Callahan die Gesichter seiner Mitinsassen sah, wich er erschrocken zurück, denn sie glichen Dämonen aus der Hölle. Er bekreuzigte sich einige Mal und zog sich bis zur Wand zurück.

Dass dies ein Fehler war, merkte er in der darauffolgenden Nacht, denn sein Magen schmerzte vor lauter Hunger und manch einer beschimpfte ihn übel, weil man durch das Magenknurren nicht schlafen konnte.

Am anderen Tag stürmte er auf die Eimer, holte sich die besten Stücke heraus und versteckte sich schnell wieder in der Dunkelheit. Zumindest dachte er, dass die madenverseuchten Brote die besten Stücke seien. Er war froh, dass er nicht sah, was er aß, aber es füllte seinen Magen, auch wenn er am anderen Tag nicht vom Unrat-Eimer herunter kam.

Doch er hatte noch Hoffnung gehabt.

Hoffnung, seine Familie wieder zu sehen.

Hoffnung auf Freiheit.

Hoffnung, dass er wieder in das Land seines Vaters ziehen konnte.

Die Hoffnung war nun gestorben.

Er hörte einiges über die neuen Kolonien. Wer dort als Sträfling landete, der kam nie wieder zurück.

Sieben Jahre?*

Callahan lachte spöttisch, was ihm wieder einen seltsamen Blick von Sean einbrachte.

In sieben Jahren war er vierundzwanzig, wenn er überhaupt noch leben würde. Bis er sich eine Passage zurück nach England leisten konnte, würde er bestimmt dreißig sein. Wen nicht sogar noch älter.

Er sah in die Ferne und versuchte, sich seine Heimat vorzustellen. Nicht die erbärmliche Hütte, in die sein Vater sie gebracht hatte, weil er diesem verfluchten Lord als Pächter dienen wollte.

Sein Vater war ein guter Mann, aber das wurde ihm wohl zum Verhängnis. Keiner wusste, was geschehen war, aber eines Morgens fand man den Leichnam auf seinem eigenen Feld. Der Lord ließ seine Mutter noch auf dem Land bleiben, aber Callahan wusste, warum er das tat. Immerhin kam sein jüngster Bruder über ein Jahr nach Vaters Tod auf die Welt.

Callahan spürte einen Schlag auf den Hinterkopf.

„Sag mal, heulst du?“

Callahan blinzelte einige Male.

„Lass ihn in Ruhe, Highlander. Ich denke, dem Jungen ist gerade klar geworden, dass er seine Heimat nie wiedersehen wird.“, knurrte Sean.

Der Schotte zog seine Nase hoch.

„Bist noch jung, hm? Keine Sorge. Mein Bruder und ich nehmen euch unter unsere Fittiche.“

Sean riss die Augen auf und starrte den Schotten ungläubig an.

„Du willst mich unter deine Fittiche nehmen? Du bist doch derjenige, der keine Ahnung hat.“

Callahan wischte sich mit dem dreckigen Ärmel über das Gesicht.

„Ich komme klar.“, murmelte er, doch die beiden Streithammeln hörten ihn nicht und schimpften munter weiter.

Nach einer Weile fühlte sich Callahan beobachtet. So unauffällig wie möglich wandte er seinen Kopf und sah direkt in das Gesicht des Engländers Brown, der ihn anzüglich an grinste und seine Lippen dann zu einem Kussmund formte.

Callahan wandte sich angewidert ab.

Sean hatte Recht. Von Brown würde er sich fernhalten.



Die Scarborough war bestimmt ein beeindruckendes Schiff, wenn man nicht ein Sträfling war und auf dem Kasten in eine der neuen Kolonien segeln musste.

Callahan zog den fadenscheinigen Kittel, den er nun beinahe seit einem halben Jahr trug, enger um seinen Körper. Es war Mitte Januar und die eiskalte Seeluft, die ihnen entgegen wehte, ließ ihn beinahe glauben, dass ihm die Gliedmaße abfroren.

Er stellte sich unauffällig näher zu Sean, der ihm aber auch keinen großen Schutz gegen den Wind bieten konnte.

„Du musst dich bewegen. Nie stehen bleiben. Schlage dir auf die Arme und Beine, damit Leben in ihnen bleibt.“

Callahan sah zu Duncan McRiley, den Bruder von Hamish McRiley, der sich mit Sean O’Doherty ein blumiges Wortduell geliefert hatte. Duncan war Arzt, bevor ihn die Engländer mit seinen Brüdern angeblich beim Diebstahl erwischten.

Callahan tippelte auf der Stelle und schlug sich die Arme gegen den Körper.

„Was zur Hölle machst du da?“

Sean drehte sich zu ihm um, doch als er Duncan bemerkte, schüttelte er schnaubend den Kopf.

„Soll der Welpe nun bis zu den Kolonien herumhampeln?“

Duncan lachte bitter.

„Glaube mir, irgendwann wird er sich wünschen, er wäre in der Hölle, weil es da bestimmt angenehmer ist, als in der Kolonie. Aber bis dahin sollte er sich warm halten.“

Bevor Sean wieder ausfällig werden konnte, wurden sie weiter getrieben und die vier landeten endlich mit fünfzehn anderen Männern in einem Beiboot, dass sie zu der Scarborough bringen sollte.

„An die Ruder, Männer.“, schallte der Ruf der Wachleute und Callahan griff, gemeinsam mit Sean, nach den Rudern, um kräftig daran zu ziehen. Viele der Sträflinge fluchten laut und schimpften, doch das Vierer-Gespann, dass sich auf der Fahrt bildete, blieb ungewöhnlich still. Ihr Boot war schon mit diesen Wachleuten besetzt, die von „Camden, Calvert & King“, der Reederei, welche die Schiffe stellte, kamen. Sie waren alles andere als angenehm gewesen, denn den meisten von ihnen machte es Spaß, die Sträflinge zu quälen.

Wie aufs Stichwort brüllte einer der Kerle.

„Haltet euer Maul! Wenn ich euch hören will, sage ich es schon.“

Morris war einer der Schlimmsten und gerade er musste in ihrem Boot sitzen. Immer wieder spannte und lockerte er die Peitsche, die selbst Callahan schon zu spüren bekam, weil er nach Morris Meinung, eine patzige Antwort gabe. Es war nur ein Schlag gewesen, aber Callahans Rücken war aufgeplatzt wie eine verfaulte Rübe, die auch noch in der Sonne lag.

Die anderen schienen Morris nicht so gut zu kennen, denn es murrten immer noch einige.

Morris stand auf und die vier, die ihn schon erlebt hatten, senkten sofort ihre Köpfe.

„Wollt ihr mich wütend machen?“, brüllte Morris und seine Knöchel traten weiß hervor, als er die Peitsche fest anpackte.

„Seid ruhig. Seid beim heiligen Jesuskind ruhig.“, murmelte Sean, aber die Kerle dachten nicht daran.

„Wir haben schon genug gelitten und haben Hunger. Wie sollen wir...“

Man hörte das surrende Geräusch der Peitsche, als ihr Leder die Luft durchschnitt, gefolgt vom klatschenden Geräusch, als sie auf das Fleisch eines Mannes traf. Noch fünfmal hob Morris das Leder in die Höhe und ließ es auf die Körper der Sträflinge niederschmettern, bis diese endlich Ruhe gaben.

Morris rollte die Peitsche wieder zusammen und Blut tropfte auf den Boden des Bootes.

„Mir ist es egal, was mit euch geschieht. Ich muss euch nur in Port Jackson abliefern. Tot oder lebendig, es ist uns allen gleich. Ihr könnt es euch mit mir verscherzen, aber das wird euch nichts bringen, denn ich habe die Macht über euch, ob ihr wollt oder nicht.“

Er zeigte mit der Peitsche auf Callahan und das Blut der anderen Sträflinge spitzte auf sein Gesicht.

„Der Junge kennt mich schon. Auch er hat meine Peitsche bereits zu spüren bekommen. Deswegen blieb er ruhig, während ihr Dummköpfe heulend da gesessen habt, weil eure zarten Hände keine harte Arbeit gewohnt sind.“

Er setzte sich wieder hin und machte eine auffordernde Handbewegung. Offenbar hielt er sich im Moment für den König selbst.

„Und nun pullt, damit ich schnell meine Koje beziehen kann.“

Keiner sagte mehr ein Wort. Nicht einmal, als sie bei der Scarborough ankamen und eine Strickleiter hinauf klettern mussten. Auf Deck mussten sie, wieder der Kälte ausgesetzt, darauf warten, bis auch der letzte sich mühsam nach oben gekämpft hatte und stöhnend auf den blanken Holzboden liegen blieb.

„Herrje, kommt hier einer hoch und beschmutzt unser schönes Schiff.“, brüllte Cooper, der ebenfalls wie Morris, zu den Wachleuten gehörte. Er beugte sich zu dem Mann, welcher deutlich die Spuren von Morris Machtdemonstrationen aufwies.

„Du wirst das sauber machen. Beeil dich.“

Er trat nach einem Eimer, den der am Boden liegende Mann gerade noch so vor dem Fall schützen konnte.

„Die anderen werden hier warten, bis das Deck vom Blut befreit ist. Betet, dass er sich beeilt.“

Der Mann nahm stöhnend die Bürste und schrubbte sein eigenes Blut weg. Zumindest versuchte er es, aber man sah, dass ihm die Schmerzen und die Kälte zu schaffen machten. Callahan zitterte nach einer Weile vor Kälte. Auch Duncans Rat, sich immer zu bewegen, half mittlerweile nicht mehr. Seine Zähne schlugen gegeneinander und er spürte seine Ohren und Nase schon nicht mehr, während seine Hände wie Feuer brannten, da er sie immer wieder gegen seinen Körper schlug.

Cooper und Morris standen mit ihren dick gefütterten Mäntel da und lachten über die Versuche des Mannes, sein eigenes Blut zu entfernen.

Irgendwann kamen die nächsten Boote und als ein anderer Wachmann zu ihnen hoch brüllte, dass er sich bestimmt nicht die Eier abfrieren würde, weil ihnen langweilig war, hoben sie den Befehl auf und jagten sie alle unter Deck.

„James wird wohl nicht lange überleben, wenn er es jetzt noch nicht verstanden hat, wer höher als er gestellt ist.“, murmelte Hamish und die anderen nickten.

Unter Deck mussten die vier sich ein vergittertes Abteil mit zwei Walisern teilen. Die schienen sich darüber zu freuen, dass keiner von ihnen Engländer war.

„Mein Name ist Gwalchgwyn ap Owain. Der andere hübsche Kerl ist Brychan ap Llewellyn. Wie ihr unschwer an unserem guten Aussehen erkennen könnt, sind wir Waliser.“

Callahan versuchte verzweifelt, die Namen auszusprechen, bis Brychan anfing zu lachen.

„Versuche es erst gar nicht. Du wirst unsere schöne Sprache nie lernen können. Nenne uns Gale und Bryan.“

Callahan stellte seine löchrigen Schuhe ordentlich unter das Hochbett, legte sich in die unterste Koje und deckte sich mit der fadenscheinigen Decke zu, die man ihnen zustand. Unermüdlich rieb er seine Füße aneinander, bis er endlich wieder Gefühl in den Zehen bekam. Irgendwann wurden seine Bewegungen langsamer. Er hörte den anderen zu, die sich leise unterhielten. Um ihn herum hörte er die anderen Sträflinge. Manche weinten, manche fluchten und andere stöhnten. Ob vor Schmerz oder was anderes vermochte er nicht zu sagen. Seine Lider wurden immer schwerer und die Stimmen vermischten sich zusammen zu einem Gesumme, das auf der einen Seite beängstigend war, aber auf der anderen etwas Beruhigendes an sich hatte. Das würden die Geräusche sein, die ihn nun monatelang begleiten würden, er sollte sich schnellstmöglich daran gewöhnen.

Langsam wurde es dunkel um ihn herum und er fiel in einen unruhigen Schlaf.


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