insbesondere, wenn

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Summary

Er war einst nur ein Gesicht aus ihrer Vergangenheit – jetzt ist er der Mann, der ihre Gegenwart durcheinander bringt. Hailey und Jacob teilen mehr als nur eine gemeinsame Schulzeit – sie teilen auch eine Geschichte, über die nie gesprochen wurde. Als sie in der Uni wieder aufeinandertreffen, fliegen nicht nur die Fetzen. Jacob hat geschworen, sie auf Abstand zu halten, doch jedes Mal, wenn sie in seiner Nähe ist, bringt sie sein Blut zum Kochen – erst vor Wut, dann aus ganz anderen Gründen. Sie sollte tabu sein, doch sie reizt ihn, verwirrt ihn - und irgendwann hört er auf, sich dagegen zu wehren … #2 forever&always. Enthält sexuelle Inhalte. Alle Rechte vorbehalten.

Status
Complete
Chapters
21
Rating
5.0 5 reviews
Age Rating
18+

i Hailey

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals so sehr auf Mathematik freuen würde. Aber hier bin ich – bewaffnet mit einem nagelneuen Collegeblock, frisch gespitzten Bleistiften und einem lächerlich überteuerten Cappuccino in der Hand – bereit, mein Gehirn endlich wieder in den Lernmodus zu versetzen.

Es fühlt sich seltsam vertraut an, wieder auf dem Campus zu sein. Der Geruch nach Papier, Staub und Kaffee in der Luft. Das rhythmische Klicken von Kugelschreibern, das nervöse Rascheln von Collegeblöcken, das leise Gemurmel von Kommilitonen, die über ihre Hausaufgaben oder die letzte Party tuscheln. Ich wusste nicht, wie sehr ich dieses akademische Grundrauschen vermisst hatte.

Die letzten Jahre? Eine Achterbahnfahrt. Seit meinem sechzehnten Lebensjahr stand ich mit einem Bein in der Modewelt, mit dem anderen im Studium. Ein Balanceakt, der anfangs noch irgendwie funktionierte. Ein Shooting in Paris, ein Runway-Job in Berlin – und dazwischen Prüfungen, Hausarbeiten, Formelsammlungen. Aber irgendwann wurde aus dem Spagat ein Spießrutenlauf. Mathe war immer meine erste große Liebe gewesen, aber das schillernde Versprechen der Modewelt hat mich gelockt – mit Blitzlicht, Designern und Reisen. Ich redete mir ein, ich könne beides haben.

Falsch gedacht.

Und deshalb bin ich jetzt hier. Zurück. Bereit, mein Studium durchzuziehen. Nicht, um irgendwem etwas zu beweisen – außer vielleicht mir selbst. Ich bin mehr als ein hübsches Gesicht auf einem Cover.

Ich nehme einen letzten Schluck Cappuccino, hole tief Luft und betrete den Seminarraum. Kreidestaub hängt in der Luft, und der Raum ist ein wohlgeordnetes Chaos: Einige Studierende überfliegen panisch ihre Notizen, andere lachen entspannt über ihren Kater vom Wochenende.

Ich setze mich bewusst weit nach vorne – ein stilles Versprechen an mich selbst, diesmal fokussiert zu bleiben – und packe meine Sachen aus. Bin gespannt, wer diesen Kurs leitet. Bitte jemand, der Mathematik nicht nur dozieren, sondern auch erklären kann. Jemand, der Beweise nicht wie ein Gedicht aufsagt, sondern zum Leben erweckt.

Dann öffnet sich die Tür.

Und plötzlich fühlt es sich an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen.

Der Mann, der den Raum betritt, sieht aus wie direkt aus einem Editorial für „Intelligenter Chic“. Groß, breite Schultern, schmale Taille. Ein dunkler Pullover, der sich wie maßgeschneidert an seinen Oberkörper schmiegt. Hochgekrempelte Ärmel, die muskulöse Unterarme freilegen – diese verdammten Unterarme – und Haare, dunkelbraun und ein wenig länger als früher, zerzaust auf die „Ich habe keine Zeit, mich zu frisieren, aber seh trotzdem verdammt gut aus“-Art. Sein Gesicht: kantiger als in meiner Erinnerung. Markante Wangenknochen, definiertes Kinn, und diese Augen – stahlgrau, kühl, analytisch. Früher hinter einer dicken Brille versteckt.

Jacob Watson.

Mein Herz stolpert. Das kann nicht sein. Der Jacob Watson, den ich kannte, war … still, süß, brillant und immer ein bisschen überfordert mit der Welt. Ein Bücherwurm mit zu großen Hemden und der Angewohnheit, sich in Diskussionen zu verheddern, wenn er zu leidenschaftlich wurde.

Der Mann vor mir? Absolut keine Spur von unbeholfen.

Ich bin noch damit beschäftigt, mein Gehirn neu zu starten, als mir auffällt, dass der Kurs längst begonnen hat. Seine Stimme ist tief, ruhig – mit einer fast lässigen Ironie. Als würde er genau wissen, dass mindestens die Hälfte von uns gleich den Anschluss verlieren wird.

Und das Merkwürdige?

Er sieht mich nicht an. Nicht einmal flüchtig. Kein Blinzeln des Erkennens, kein verwirrtes Stirnrunzeln. Nichts. Als wäre ich Luft. Eine x-beliebige Studentin im Hörsaal.

Vielleicht … erkennt er mich wirklich nicht?

Aber je länger die Übung dauert, desto deutlicher wird mir: Er erkennt mich. Und er ignoriert mich ganz bewusst.

Ich beobachte ihn heimlich. Seine Bewegungen sind ruhig, fast schon geschmeidig, als hätte er jeden Blick in diesem Raum längst aufgesogen. Er erklärt Aufgaben an der Tafel, beantwortet Fragen, lächelt hier und da ein wenig – aber bei mir? Absolute Funkstille.

Einmal hebe ich sogar die Hand. Nur um zu testen, ob ich mir das alles einbilde.

Sein Blick streift mich – für den Bruchteil einer Sekunde – dann wendet er sich kommentarlos einem anderen Studenten zu.

Wow. Okay.

Die Stunde zieht sich wie Kaugummi. Und als er am Ende seine Unterlagen zusammenpackt, während sich der Raum langsam leert, weiß ich: Das hier lasse ich nicht so stehen.

Ich greife meine Tasche, gehe entschlossen nach vorne – und stelle mich ihm in den Weg.

„Hey, Watson.“

Er reagiert kaum. Hebt den Blick langsam, sein Gesichtsausdruck neutral. Kühl. Fast … professionell.

„Ja?“

Gott, ist sein Blick kalt. Kein Hauch von Wiedersehensfreude, kein Anzeichen von Nervosität.

Früher war er anders – schüchtern, aber warm. Jetzt fühlt es sich an, als hätte ich gerade ein Bewerbungsgespräch für einen Job, den ich sowieso nicht bekommen werde.

Ich verschränke die Arme. „Ist das dein Ernst?“

Seine Augenbraue hebt sich kaum merklich. „Was genau?“

„Vielleicht die Tatsache, dass du mich die ganze Stunde über behandelt hast, als wäre ich unsichtbar?“

Er lehnt sich lässig gegen den Tisch, mustert mich wie eine Gleichung, die er längst gelöst hat. „Ich ignoriere viele Leute. Nichts Persönliches.“

Oh, es ist jetzt definitiv persönlich.

Ich schnaube. „Du willst mir also ernsthaft erzählen, du hast mich nicht erkannt?“

„Sollte ich?“ Er sagt es mit einer perfekt dosierten Mischung aus Gleichgültigkeit und provokanter Überlegenheit.

Ich öffne den Mund – bereit für eine scharfe Antwort, irgendetwas Schlagfertiges – aber mein Hirn liefert nichts.

Er nutzt die Stille, schnappt sich seine Tasche. „Wenn du Fragen zur Übung hast, schreib mir eine E-Mail.“

Eine. E-Mail.

„Im Ernst? Nach all den Jahren ist das alles, was du zu sagen hast?“

Er lächelt. Kein echtes Lächeln – eher ein amüsiertes Zucken der Mundwinkel. „Ich glaube nicht, dass wir uns so viel zu sagen haben, Hailey.“

Boom.

Da ist es. Mein Name. Trocken ausgesprochen. Kein bisschen freundlich. Eher wie eine letzte Bemerkung in einem Streit, den man ganz bewusst gewinnen will.

Ich bin perplex. Sauer. Verwirrt.

Und – Gott hilf mir – vielleicht auch ein winziges bisschen neugierig.

Jacob Watson ist nicht mehr der Junge, den ich kannte.

Und irgendetwas sagt mir: Das hier wird noch komplizierter, als jede Mathe-Vorlesung.


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