Kapitel 1: Die Ankunft in Blackwood
Der Regen prasselte unaufhörlich gegen die Windschutzscheibe, während Ava die gewundene Straße entlangfuhr. Der dichte Wald zu beiden Seiten der Straße verschluckte das letzte Licht des Tages, und ein leichter Nebel kroch über den Asphalt. Sie zog ihre Jacke enger um sich, auch wenn die Kälte nicht von außen, sondern von innen kam. Es war ein merkwürdiges Gefühl – als würde sie in eine Welt eintauchen, die nicht für sie bestimmt war.
Blackwood. Ein Ort, von dem sie bis vor ein paar Wochen nicht einmal gewusst hatte, dass er existierte. Und nun sollte er ihr neues Zuhause sein.
Ava seufzte und fuhr langsam weiter. Das letzte Stück der Straße war kaum mehr als ein Feldweg, gesäumt von alten Bäumen, deren Zweige sich wie knochige Finger in den Himmel reckten. Es war, als würde der Wald sie beobachten. Sie schüttelte den Gedanken ab – zu viele gruselige Romane gelesen, zu viele Filme gesehen.
Endlich tauchten die ersten Lichter der Stadt auf. Blackwood war klein, abgelegen und wirkte, als sei es in einer anderen Zeit stehen geblieben. Kopfsteingepflasterte Straßen, niedrige Häuser mit steilen Dächern und eine große, alte Kirche im Zentrum. Kaum Menschen waren unterwegs, was allerdings an der späten Stunde liegen konnte.
Ava bog in eine Seitenstraße ein und hielt vor einem zweistöckigen Haus mit weißer Fassade und dunkelgrünen Fensterläden. Ihr neues Zuhause. Ihre Tante Miriam hatte es ihr überlassen, nachdem sie überraschend in eine andere Stadt gezogen war. Ohne große Erklärungen, ohne Abschied.
Mit einem Seufzen zog Ava den Schlüssel aus ihrer Tasche, öffnete die Haustür und trat ein. Ein leichter Geruch von altem Holz und Kräutern hing in der Luft. Die Möbel waren alt, aber gepflegt, und ein Kamin nahm einen Großteil des Wohnzimmers ein.
Sie ließ ihre Tasche fallen und fuhr sich müde durch die Haare. Es war ein Neuanfang. Eine Chance, alles hinter sich zu lassen. Die Erinnerungen an ihr altes Leben, die zerbrochenen Beziehungen, die unausgesprochenen Worte.
Doch schon in dieser ersten Nacht spürte sie es – dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte.
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Ava erwachte mit einem Ruck.
Ihr Herz pochte heftig, und es dauerte einen Moment, bis sie sich orientieren konnte. Das Zimmer war dunkel, nur das fahle Mondlicht fiel durch das Fenster. Sie lauschte in die Stille – nichts. Kein Geräusch. Kein Wind, kein Regen.
Aber etwas war da draußen.
Langsam stand sie auf und trat ans Fenster. Die Straße vor ihrem Haus lag verlassen da, doch im Schatten der Bäume bewegte sich etwas. Eine Gestalt – groß, schlank, mit einer fließenden, fast lautlosen Bewegung.
Ava fröstelte. Ihre Finger krallten sich in den Vorhang, als die Gestalt den Kopf hob – und direkt zu ihr aufsah. Zwei goldene Augen funkelten in der Dunkelheit.
Ein Schauer lief ihr über den Rücken.
Dann war die Gestalt verschwunden.
Ava stolperte rückwärts, ihr Atem ging schnell. War das... ein Tier? Ein Mensch? Oder hatte sie sich alles nur eingebildet?
Sie zwang sich zur Ruhe. Vielleicht war es nur eine Sinnestäuschung. Der lange Tag, die Müdigkeit. Ja, das musste es sein.
Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es mehr war.
Etwas lauerte in Blackwood. Und es hatte sie bereits bemerkt.