Prolog
Paris. Eine Stadt der Liebe, des Lichts, der Freiheit. Doch für mich war sie ein goldenes Käfig - wunderschön, aber unentrinnbar.
Ich stand vor dem großen bodentiefen Fenster meines Zimmers, die Hände zu Fäusten geballt. Die Lichter der Stadt spiegelten sich in der Scheibe, doch ich sah sie nicht wirklich. Meine Gedanken waren woanders. Bei meiner Zukunft. Meinem Schicksal. Meiner Gefangenschaft.
Mein Name ist Jade Louanne Roux. Ich bin achtzehn Jahre alt und die Tochter einer der einflussreichsten Mafiafamilien Frankreichs. Mit meinen langen, kupferfarbenden Haaren, den auffallend blauen Augen und der hellen Haut könnte ich auf den ersten Blick wie ein unschuldiges Mädchen wirken - doch ich bin alles andere als das. Ich bin klug genug, um zu wissen, dass meine Schönheit kein Geschenk ist, sondern eine Waffe. Eine, die heute Abend gegen mich eingesetzt wird.
Ich bin der Preis in einem Spiel, das ich nicht gewinnen kann.
Die Tür hinter mir öffnete sich, und ich spürte die vertraute Präsenz meines Bruders Kylian. Zwei Jahre älter als ich, mein Beschützer, mein Verbündeter. Mit seinen blonden Haaren, der starken Statur und diesem lässigen, aber zugleich wachsamen Blick erinnerte er an jemanden, der immer bereit war zu kämpfen - und das war er auch. Doch nicht einmal er konnte mich vor dem schützen, was heute auf mich zukam.
„Es ist soweit, kleine Schwester,” sagte er mit einer Stimme, die sanft klang, aber auch eine unausgesprochene Warnung enthielt.
Ich drehte mich zu ihm um. „Soweit wofür?” fragte ich, obwohl ich die Antwort bereits kannte.
Kylian sah mich mit einem Ausdruck an, der zwischen Mitgefühl und Härte schwankte. „Für ihn.”
Mein Herz schlug schneller. Quentin Emanuel Medici.
Ich kannte seinen Namen, aber nicht ihn. Er war der neue Erbe einer der mächtigsten Mafiafamilien Italiens. Dunkles Haar, stechende braune Augen, eine Aura, die ebenso verführerisch wie gefährlich war. Er war kein Mann, den man herausforderte. Kein Mann, dem man entkommen konnte.
Und er war der Mann, dem ich heute gehören würde.
Ich straffte die Schultern und atmete tief durch. Ich bin Jade Roux. Ich lasse mich nicht brechen.
Aber als sich die Tür wieder öffnete und meine Augen auf die von Quentin Medici trafen, wusste ich: Dies war der Beginn eines Spiels, bei dem ich nur verlieren konnte.