Herz auf Spannung

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Summary

Ein halber Herzschlag reicht manchmal aus, um sich zu verlieben. Lara begegnet Elias auf einer Party – kurz, flüchtig, aber intensiv genug, um ihn nicht mehr zu vergessen. Monate später sieht sie ihn wieder. Doch bevor sie ihm ihre Gefühle gestehen kann, gerät Elias in eine toxische Beziehung. Als er ein Jahr später völlig am Boden zu Laras Geburtstag erscheint, beginnt eine zarte Heilung: ein Spaziergang, ein offenes Herz, eine stille Berührung. Eine berührende Kurzgeschichte über verletzte Herzen, Mut zur Verletzlichkeit – und eine Liebe, die sich trotz allem ihren Weg sucht. Lesezeit: ca. 20 Minuten | Ich-Perspektive, abgeschlossen

Status
Complete
Chapters
1
Rating
3.0 1 review
Age Rating
13+

Herz auf Spannung

Es war eine dieser Partys, zu denen mich meine Freundin Mia mal wieder mitschleppte, obwohl sie genau wusste, wie wenig ich dafür übrig hatte.

„Nun komm‘ schon, Lara“, bettelte sie. „Du kannst doch nicht ständig in deiner Bude hocken.“

„Du weißt genau, wie sehr ich diese Ansammlung von Teenagern hasse, die in der Hoffnung auf ein bisschen Spaß nicht wissen, wann sie genug haben.“

Trotzdem ließ ich mich natürlich auch diesmal von ihr überreden. Denn wenn ich eine Sache noch mehr hasste, als den Abend mit Leuten zu verbringen, die ich kaum kannte, dann war es, am Samstagabend mit meinen Eltern vor der Glotze zu sitzen.

Die Musik war schon von weitem zu hören, als wir an dem modernen Einfamilienhaus in der sonst so ruhigen Wohngegend unserer idyllischen Kleinstadt ankamen. Die Haustür stand offen und aus dem Keller waren laute Stimmen und Gelächter zu hören.

„Na dann…“, sagte ich. „Immer dem Geschrei nach, oder?“ Ich grinste Mia an und folgte ihr über die geschwungene Treppe ins Untergeschoss.

Die Luft roch nach Zigarettenqualm, billigem Aftershave und Schweiß, als wir den großen Partykeller betraten. Jemand hatte dankbarerweise die Fenster geöffnet, um wenigstens ein bisschen frische Luft hereinzulassen. In die Ecke gegenüber der Tür quetschte sich ein kleines Möbelstück, das ich mit viel Wohlwollen als Kellerbar betiteln konnte. Ich sah mich nach meiner Freundin um, doch die war bereits im Getümmel verschwunden.

„Dann eben nicht“, seufzte ich und strebte die kleine Theke an, um mich mit einem Getränk zu versorgen und mich dann im besten Fall für den Rest des Abends unauffällig zu verhalten.

Während ich mich durch die Menge schob, versuchte ich, bekannte Gesichter auszumachen. Doch bislang hatte ich noch niemanden entdeckt, mit dem ich bereits mehr als zwei Worte gewechselt hatte oder der zumindest danach aussah, als könne er zu so jemandem werden. Plötzlich wurde ich unsanft angerempelt und der klebrig süße Inhalt einer Halbliter Flasche Cola ergoss sich über meine Jeansjacke.

„Hey du Trampel, pass doch auf!“, erboste ich mich und sah auf – in die schönsten braunen Augen, die ich je gesehen hatte.

„Sorry“, stammelte er. „Tut mir leid, ich… ich hab‘ dich nicht gesehen.“

Ich atmete tief durch und schluckte den Satz herunter, der mir gerade noch auf der Zunge gelegen hatte. Wie hätte ich jemanden anschreien können, der so verlegen war und mich so entschuldigend ansah, dass meine Knie weich wurden?

„Schon ok“, murmelte ich. „Kann ja mal passieren.“ Als ich mich umdrehte, um das Bad aufzusuchen, spürte ich, wie er eine Hand auf meine Schulter legte.

„Hey…“, hörte ich ihn sagen.“ „Kann… kann ich es wieder gutmachen?“

Ich drehte mich nochmal um, lächelte ihn an und sagte: „Du könntest mir was zu trinken besorgen.“

Als ich aus dem Bad zurückkam, hatte er mir einen alkoholfreien Mojito organisiert und die abgewetzte Ledercouch im Flur mit Beschlag belegt. Ich setzte mich zu ihm, nippte an meinem Getränk und sah ihn herausfordernd an.

„Also… was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, fragte ich und grinste.

„Nichts“, gestand er. „Außer, dass ich eigentlich gar nicht hier sein würde, wenn Niklas mich nicht gezwungen hätte, mitzukommen.“ Er lachte. „Ich bin kein Freund von sowas.“ Er machte eine allumfassende Geste.

„Kann ich verstehen“, entgegnete ich und seufzte. „Aber mein Alternativprogramm für heute wäre auch nicht besser gewesen.“

„Und das hätte wie genau ausgesehen?“ Interessiert schaute er mich an.

„Wetten dass… mit meinen Eltern… auf der Couch“. Ich gähnte demonstrativ. Er lachte.

„Dann sind wir jetzt also sowas wie eine Leidensgemeinschaft?“, fragte ich.

„Sieht wohl so aus.“

Elias entpuppte sich als zurückhaltender, aber humorvoller Gesprächspartner, der ein unglaubliches Gespür für die leisen Töne hatte. Je länger ich mich mit dem blonden Siebzehnjährigen unterhielt, desto mehr Gemeinsamkeiten stellte ich fest. Und desto mehr verliebte ich mich in ihn. Ich hätte ihn gerne nach seiner Nummer gefragt oder danach, ob wir uns wiedersehen würden. Doch als ich von der Toilette kam, war er gegangen.

„Wer war der Typ?“, fragte Mia mich, als wir eine Viertelstunde später auf dem Heimweg waren.

„Bloß ein Leidensgenosse, der auch keine Lust auf die Party hatte“, erwiderte ich und grinste schief.

Meine Freundin wandte mir aufmerksam den Kopf zu. „Und? Seht ihr euch wieder?“

„Ich denke nicht. Wir haben nicht mal Nummern ausgetauscht.“


Wildeshausen war klein. So klein, dass nahezu jeder jeden kannte und während des Schützenfestes, das alle zwei Jahre stattfand, die gesamte Stadt im Ausnahmezustand war. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – war mir Elias in den vergangenen sechs Monaten nicht ein einziges Mal über den Weg gelaufen.

„Mach doch einen Aufruf im Lokalblättchen“, meinte Mia scherzhaft und dekorierte den hölzernen Bollerwagen, mit dem wir Bogenschützen am Umzug teilnehmen würden.

„Sehr witzig“, erwiderte ich bissig. „Vermutlich kommt er gar nicht von hier und war nur durch Zufall auf der Party.“ Ich riss eine weitere Tüte Bonbons auf und schüttete den Inhalt in den Wagen. Obwohl wir uns nach diesem Abend vor einem halben Jahr nicht wiedergesehen hatten, hatte Elias einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.

Was war nur los mit mir? Ich verliebte mich doch sonst nicht so schnell in irgendwelche Typen, die ich nicht kannte. Doch aus einem unerklärlichen Grund ging mir der gutaussehende blonde Junge mit den warmen braunen Augen nicht mehr aus dem Kopf und ich spürte eine Sehnsucht in mir, die ich nicht in Worte fassen konnte.

Immer wieder schweiften meine Augen suchend über die Menschen, die am Straßenrand standen, um dem Umzug vom Rathaus zum Festplatz zu verfolgen. Kinder sammelten Süßigkeiten auf, die aus den Festwagen geworfen wurden wie Konfetti an Karneval. Der laute Marsch der Blaskapelle wechselte mit den typischen Dudelsackklängen der Highland Pipers ab und hallte durch die Straßen. Nachbarn winkten uns zu und ich fühlte mich stolz und besonders – wie jedes Mal, wenn unsere kleine Abteilung mit geschultertem Köcher und dem Bogen in der Hand durch Wildeshausen marschierte.

Als wir in die Nähe des Festplatzes kamen, zog mir bereits die unverkennbare Duftmischung aus Bratwurst, Zuckerwatte und frischen Waffeln in die Nase. Aus dem Festzelt erklang das fröhliche Gelächter derer, die sich lieber direkt einen Sitzplatz gesichert hatten, statt dem Königspaar zuzuwinken.

„Da drüben“, raunte mir Mia zu und zeigte in die Menge schräg vor uns. Neben einem Teenager mit kurzen dunkelbraunen Haaren stand Elias, lässig an den Getränkestand gelehnt, ein Bier in der Hand. Als er in meine Richtung sah und grüßend die Hand hob, hätte ich vor Nervosität beinahe meinen teuren Compoundbogen fallen lassen.

„Na los, geh hin.“ Mia schubste mich freundschaftlich in Richtung der beiden Jungs und grinste. Doch bevor ich mich auf den Weg machen konnte, wurde ich von Mario, unserem Abteilungsleiter mit einem fragenden Blick gestoppt.

„Wohin willst du, Lara?“

„Ich will nur kurz jemandem Hallo sagen“, erklärte ich und zeigte auf Elias und seinen Freund.

„Das kann warten“, entgegnete er und erinnerte mich an das straffe Programm, dass wir heute noch zu absolvieren hatten. Mannschaftsfoto, Show-Wettkampf und nicht zuletzt die Rekrutierung neuer Schützen. „Bierchen trinken kannst du nachher immer noch“, sagte er augenzwinkernd und schob mich zurück in die Gruppe.

In den vergangenen Jahren hatte ich mich immer darum gerissen, interessierte Besucher in die Kunst des Bogenschießens einzuweisen, doch in diesem Jahr hätte ich mich am liebsten davongeschlichen. Jedes Mal, wenn ich Elias einen heimlichen Blick zuwarf, schien es, als würde mein Herz für einen Augenblick ins Stolpern geraten. Ein paar Mal erwischte ich ihn dabei, wie er mich lächelnd ansah und in mir wuchs der Mut heran, ihm später zu sagen, dass ich ihn nicht vergessen hatte. Doch zunächst hatte ich die Aufgabe, Teenagern zu erklären, wie man einen Bogen spannte.

Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel, als ich mir gegen Abend eine Pause gönnte, um etwas zu essen. Während ich an der Bratwurstbude stand und darauf wartete, meine Bestellung aufgeben zu können, sah ich mich suchend nach Elias um. Sein Freund, von dem ich vermutete, dass es sich um Niklas handelte, saß mit einem Mädchen auf einer Bank im Schatten und gestikulierte wild mit den Armen. Von Elias fehlte jede Spur. Schließlich entdeckte ich ihn an der Schießbude. Ich wollte mich gerade mit der Bratwurst in der Hand in Bewegung setzen, als ich sah, wie er der schwarzhaarigen Schönheit neben sich die Rose in die Hand drückte, die er soeben geschossen hatte. Der Anblick war wie ein Schlag in den Magen. Noch vor wenigen Minuten war ich mir sicher gewesen, Elias könnte auch etwas für mich empfinden. Doch nun sah es danach aus, als hätte ich mir alles nur eingebildet. Abrupt drehte ich mich um und stolperte zu meiner Abteilung zurück.

„Was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen“, kommentierte Mario mein blasses Gesicht.

„Nichts“, murmelte ich. „Brauchst du mich noch? Ich glaube, ich möchte lieber nach Hause.“

„Geh nur“, riet er mir und legte mir seine Hand auf den Arm. „Vielleicht ist dir die Sonne etwas zu Kopf gestiegen.“

„Danke“, flüsterte ich, griff meine Ausrüstung und verließ den Festplatz. Mit einem letzten Blick auf das bunte Treiben und dem aufgesetzten Lachen der Schwarzhaarigen im Ohr schlich ich davon. Fest entschlossen, Elias zu vergessen.


Ein Jahr später…

Es war ein Sommer wie aus dem Bilderbuch, als ich gemeinsam mit Mia den Garten hinter meinem Elternhaus für die Party zu meinem achtzehnten Geburtstag vorbereitete. Bunte Lichterketten spannten sich über dem Rasen und auf der Terrasse hatte meine Mutter ein Buffet aus allerlei Köstlichkeiten aufgebaut. Am Vortag hatte mein Vater seinen kleinen Hobbykeller zur Partyzentrale, wie er es nannte, umfunktioniert und dort kistenweise Getränke und Snacks bereitgestellt. Mias Freund Yannik hatte meine Stereoanlage in den Raum getragen und seine großen Lautsprecher zur Verfügung gestellt.

Ich erwartete nicht besonders viele Leute, doch die Einladungen hatte ich Mia überlassen und wartete deshalb gleichzeitig nervös und gespannt darauf, wer diesen Tag wohl mit mir feiern wollen würde.

Als die ersten Gäste eintrafen, wurde es bereits dunkel und ich wurde etwas ruhiger und begann, den Abend zu genießen. Ich setzte mich auf die verwitterte Bank unter dem alten Kirschbaum und genoss für einen Moment die Ruhe in all dem Lärm. Yanniks Achtziger Playlist dröhnte aus dem Keller, von irgendwoher war ein Lachen zu hören und ich erkannte Mias helle Stimme, die mit meiner Mutter diskutierte.

Ich zählte ungefähr dreißig Leute in unserem Garten, die ich hauptsächlich aus der Schule kannte und schon seit einer Weile nicht mehr gesehen hatte. Seit wir nach dem Abschluss unsere eigenen Wege gingen, liefen wir uns nur noch sporadisch über den Weg, doch es war schön, sie mal alle wiederzusehen.

Plötzlich hörte ich ein Auto in unsere Sackgasse einbiegen und fragte mich, wer jetzt wohl noch kommen würde, nachdem die Party bereits in vollem Gange war. Neugierig erhob ich mich von der Bank und schlenderte auf das schiefe Gartentor zu, das unser Grundstück von der Straße trennte. Als ich es beinahe erreicht hatte, gesellte sich Mia zu mir und grinste mich an. „Überraschung“, flüsterte sie mir zu und zeigte auf den Kleinwagen.

Als sich die Fahrertür öffnete, stieß ich einen verblüfften Laut aus. Niklas, Elias‘ Freund, stieg aus dem Opel und kam mit einem breiten Grinsen um den Wagen herum.

„Wieso hast du ihn eingeladen?“, raunte ich meiner besten Freundin zu. „Wir kennen uns doch kaum.“

„Nicht wegen ihm“, antwortete Mia lächelnd und deutete auf die Beifahrerseite. Beinahe zögernd wurde die Tür geöffnet und ein paar blonde Haarsträhnen kamen zum Vorschein. Mein Herz setzte für einen Schlag aus und meine Kehle fühlte sich staubtrocken an. Mit einem unsicheren Lächeln und einem glanzlosen Blick in den braunen Augen sah Elias mich an. Für einen Moment gefror mir das Blut in den Adern.

»Oh mein Gott, Elias«, dachte ich. »Was ist nur passiert?«

Zaghaft trat er näher, während Niklas mich bereits umarmte und mir zum Geburtstag gratulierte. Ich hörte, wie Mia leise mit ihm sprach und ihn dann an der Hand mit sich zog. Plötzlich war ich mit Elias allein.

„Hey…“, begrüßte er mich schüchtern. „Alles Gute…!“ Mit zitternden Fingern streckte er mir ein kleines Päckchen entgegen, das die Form einer CD hatte. „Ich… ich hab‘ dir… ein paar Songs aufgenommen, die ich ganz gut finde. Ich hoffe, du magst sie.“

„Danke… Ich freu mich, dass du hier bist“, sagte ich und lächelte ihm zu.

„Ich…“, er lachte leicht. „Niklas hat mich überredet. Wie immer.“

Ich sah ihn von der Seite an und bemerkte, wie unsicher er war.

„Wollen wir ein Stückchen gehen?“, fragte ich.

Er nickte unschlüssig.

Zögernd griff ich nach seiner kalten klammen Hand und erstarrte, als ich bemerkte, wie fest er sich an meine klammerte. Ich schlug den Weg zum Wald ein und steuerte auf die alte Eiche zu, die mir und Mia schon seit Jahren als Sitzgelegenheit diente.

Als wir uns gesetzt hatten, sah ich ihn von der Seite an und hoffte, er würde etwas sagen. Irgendetwas. Etwas, das erklärte, warum er so seltsam war. Doch er schwieg.

„Elias?“, fragte ich. „Ist… alles okay mit dir?“

Er nickte. Schüttelte den Kopf. Zuckte mit den Schultern und schüttelte wieder den Kopf.

Ich legte meine Arme um ihn und zog ihn an mich. Seinen Kopf an meiner Schulter spürte ich, wie er zitterte und ein paar Mal tief ein- und ausatmete.

„Verdammt, Elias… Was ist denn nur passiert?“

Das war doch alles nur ein Traum, oder nicht? Gleich würde ich aufwachen, vermutlich schweißgebadet und mich fragen, warum zur Hölle ich nach einem Jahr einen solchen Traum von jemandem hatte, den ich gar nicht kannte. Doch niemand kam und weckte mich. Niemand kniff mir in den Arm oder schüttelte mich.

Ich saß hier, auf diesem Baumstamm, mit dem Jungen im Arm, an den ich vor einer gefühlten Ewigkeit mein Herz verloren hatte und redete beruhigend auf ihn ein.

Irgendwann sah er mich mit feucht schimmernden Augen an. „Lara…?“, fragte er zaghaft.

„Ja…?“

„Du bist nicht…so, oder?“

„Wie soll ich nicht sein?“

„So wie… wie Sabrina.“

„Wer ist Sabrina?“, fragte ich. Ich hatte von Elias seit dem Schützenfest weder etwas gesehen noch etwas gehört und nun saß er hier und fragte mich nach einer Person, von der ich nur erahnen konnte, dass sie ihm nicht gutgetan hatte.

„Meine Ex“, antwortete er und berichtete mir stockend von dem Mädchen, mit dem ich ihn damals an der Schießbude gesehen hatte.

Das selbstbewusste Mädchen hatte unverhohlen mit ihm geflirtet, während ich mich um den Nachwuchs der Bogenschützen gekümmert hatte. Zunächst war Elias ihr aus dem Weg gegangen und hatte ihr mehr als deutlich gezeigt, dass er kein Interesse an ihr habe.

„Aber…“, er schluckte hörbar. „Dann hast du diesem Typen deine Hand auf den Arm gelegt und so dicht neben ihm gestanden, dass du fast in ihn hineingekrochen wärst…“ Er stockte.

„Du Dummkopf“, erwiderte ich liebevoll. „Ich musste ihm doch zeigen, wie er sich positioniert.“

„Ich dachte, er wäre dein Freund…“

„Und dann bist du doch auf den Flirt eingegangen“, vermutete ich.

Elias stöhnte leise und nickte.

Doch was anfangs wie eine Partnerschaft auf Augenhöhe aussah, war bald zu einer toxischen Beziehung geworden.

„Du willst damit sagen, sie… sie hat dich manipuliert und gedemütigt?“, fragte ich erschrocken.

Elias fuhr sich mit der Hand durch seine blonden Haare und blickte zu Boden.

„Ich… Es ist mir… unangenehm, aber ich fürchte… ja, das hat sie.“

„Aber… Wieso hast du dir das gefallen lassen?“ Verständnislos schüttelte ich den Kopf.

„Ich weiß es nicht.“ Ein leichtes Seufzen entglitt ihm. „Aber ich war froh, als sie Schluss gemacht hat.“ Er lachte bitter. „Weil sie mit einem Weichei wie mir nichts mehr anzufangen wusste.“

Ich schwang das rechte Bein über den Baumstamm, um mich ganz zu ihm drehen zu können.

„Du bist kein Weichei, hörst du?“ Ich nahm sein Gesicht in beide Hände und wischte ihm sanft die Tränen aus seinen Augen fort.

„Warum hast du es mir gesagt?“, fragte ich, nachdem wir eine ganze Weile geschwiegen hatten.

„Ich weiß es nicht“, antwortete er ehrlich. „Vielleicht, weil ich dir vertraue.“

„Das kannst du“, versicherte ich ihm, griff nach seiner Hand und stand auf. „Komm, lass uns zurückgehen. Die anderen warten sicher schon auf uns.“

Er ließ sich von mir hochziehen und zog mich spontan in seine Arme. „Das wollte ich damals auf der Party schon machen“, flüsterte er rau und gab mir einen sanften Kuss.

„Und ich hätte dir beinahe eine Ohrfeige verpasst“, gestand ich leise und grinste. „Bis ich in die wunderschönsten braunen Augen blickte, die ich je gesehen habe.“Dann legte ich ihm meine Hände in den Nacken und erwiderte den Kuss.