Prolog
Man sagt, Tokio sei eine Stadt der Gegensätze Tradition trifft auf Zukunft, Stille auf Lichterflut, Ordnung auf Chaos. Und irgendwo dazwischen genau zwischen dieser flirrenden Spannung und der Ruhe meiner inneren Stimme traf ich ihn.
Taro Black.
Ich hätte ihn nie bemerken sollen. Nicht in einem Sprachkurs, nicht in einer überfüllten Uni, nicht in dieser Stadt, in der man anonym bleiben kann, wenn man will. Und ich wollte anonym bleiben. Ich war hergekommen, um zu lernen, zu fliehen, zu vergessen. Stattdessen sah ich in diese dunklen Augen und wusste, dass ich alles riskieren würde.
Vielleicht lag es an der Art, wie er “Verlust” aussprach, als wäre das Wort etwas, das ihn nie mehr losließ. Oder an seinem silbernen Ring, der in der Morgensonne aufblitzte, während seine Hände zitterten. Ich wusste damals noch nicht, wer er war Sohn der amerikanischen Black-Mafia, eine lebende Legende in der Schattenwelt. Ich wusste nur, dass er mich ansah, als wäre ich der erste Sonnenaufgang nach einem zu langen Winter.
Ich hätte gehen sollen.
Doch mein Herz fiel zuerst. Und er? Er fiel härter.
Und tief in mir ahnte ich:
Wer sich in der Dunkelheit verliert, kann sich nicht mehr entschuldigen.
Nur hoffen, dass man vergeben wird.