Codewort Schwarze Rose

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Summary

Brooke ist die Tochter eines angesehenen Bankers aus New York mit politischen Ambitionen. Dummerweise hat sich ihr Vater mit den falschen Leuten angelegt – mit der russischen Mafia. Als er seine Schulden nicht bezahlen kann, wird sie von Maksim nach Russland verschleppt. Seine Aufgabe ist es, Brooke nicht nur gefangen zu halten, sondern sie auch vor laufender Kamera zu foltern und zu vergewaltigen, um ihren Vater unter Druck zu setzen. Monatelang in der Einsamkeit Sibiriens festsitzend, geschieht etwas zwischen den beiden, das einer vorhersehen konnte. Doch kann Brooke unter den gegebenen Umständen tatsächlich Gefühle für den Mann entwickeln, der ihr per Befehl immer wieder Gewalt antut?

Status
Ongoing
Chapters
15
Rating
4.8 6 reviews
Age Rating
18+

Prolog

„Maksim, ich denke, du solltest für eine Weile von der Bildfläche verschwinden. Zumindest, bis sich die Lage hier wieder beruhigt hat.“

Ich reagiere nicht auf diese Feststellung, und vermutlich bin ich der einzige im ganzen, verfickten New York, der unserem Pakhan diese Respektlosigkeit erweisen darf.

Roman Zaitsev ist der Anführer der Bratva, er herrscht nicht nur über den Big Apple, sondern auch noch über weitere, große Gebiete im Osten der Staaten. Die Geschichte, die uns beide miteinander verbindet, ist so alt wie Wodka, der in der Zeit von Breschnew gebrannt wurde – rau, aber immer noch da. Wir sind wie Brüder, haben das hier gemeinsam aufgebaut.

Roman hat immer wieder darauf gedrungen, dass ich der Kapitan an seiner Seite werde, aber ich bin ganz zufrieden mit meiner Rolle des Torpeedo. Ich liebe es, der Mann für das Dreckige zu sein – derjenige, der Rache ausführt, der Vergeltung übt. Meiner Meinung nach ist Romans Bruder Vasili ohnehin der Bessere für die Position seines Stellvertreters. Ich bleibe lieber im Verborgenen.

Nun, ganz so verborgen bin ich jetzt nicht mehr.

Dieser Scheiß Auftrag letztens ist mir gehörig um die Ohren geflogen. Mein Informant hat mir zugeflüstert, dass meine Zielperson bei Nacht und Nebel verschwinden will, und dass ein Helikopter auf dem Dach des St. Regis auf ihn wartet und ihn wegbringen soll. Was mich dort erwartet hat, waren die DHS und der Secret Service. Ich bin ihnen voll in die Falle gegangen.

Grimmig verziehe ich den Mund, als ich daran zurückdenke. Das Bild, wie ich im Kugelhagel von dem Dach flüchte, verfolgt mich immer noch. Der Moment, als die Kugel mich in den Rücken trifft. Der Schmerz des Einschlages. Irgendwie habe ich es geschafft, zu entkommen. Ich bin erst zusammengebrochen, als ich in Sicherheit war.

Es bringt mir nur nicht viel.

Die Homeland Security und der Secret Service kennen jetzt mein Gesicht. Das ist verdammt schlecht für einen Auftragskiller wie mich. Sie haben die Jagd auf mich zu ihrer persönlichen Vendetta gemacht, ich habe zehn von ihren Leuten auf meiner Flucht das Licht ausgeblasen, das mögen die gar nicht, wenn man einer der ihren erschießt. Dazu kommt, dass diese verfluchte Kugel mich beinahe noch in den Rollstuhl befördert hätte. Fünf Millimeter neben meiner Brustwirbelsäule hat sie mich getroffen. Wie durch ein Wunder wurde nichts Lebensnotwendiges verletzt, weder die Wirbelkörper, noch irgendwelche Organe oder Weichteile.

Aber es hängt mir nach. Es ist Monate her, immer noch habe ich Schmerzen und bin in meiner Bewegung eingeschränkt – gar nicht zu reden, was der Mist für das Ego bedeutet. Ich bin Romans gefährlichster Mann und bewege mich wie ein halbseitig gelähmter Krüppel.

Und jetzt soll ich auch noch von der Bildfläche verschwinden?

Blind starre ich aus dem Fenster auf die Brooklyn Bridge, aber ich nehme das imposante Bauwerk überhaupt nicht wahr. In meinem Kopf wirbeln die Gedanken, ich habe Mühe, meinen Zorn im Zaum zu halten. Ich fühle mich verraten. Abserviert. Jetzt soll ich auch noch abgeschoben werden?

„Willst du mich loswerden, Bratan?“

„Nein Maksim. Aber alle Welt kennt nun dein Gesicht. Du musst raus aus dem Fokus, und deshalb habe ich einen speziellen Auftrag für dich.“ Er wartet darauf, dass ich mich zu ihm umwende, doch als ich ihn weiter einfach ignoriere, stellt er sich an meine Seite und starrt ebenfalls hinaus.

Uns zu Füßen liegt das DUMBO – jenes angesagte Viertel in Brooklyn, das sich eigentlich „Down Under the Manhattan Bridge“ nennt. Es ist bekannt für seine alten Industriegebäude, die heute zu Lofts, Kunstgalerien und Tech-Unternehmen umgewandelt wurden und natürlich alle einen sagenhaften Ausblick auf die Bridge haben. Hier hat Roman seine Zentrale eingerichtet, hier sitzt das Hauptquartier unserer Vereinigung.

Ja, und hier soll jetzt über mich gerichtet werden. Zumindest kommt es mir so vor.

Ich rege mich nicht, als er mir brüderlich die Hand auf die Schulter legt. Der Druck seiner Finger verstärkt sich, bis ich mich endlich dazu bequeme, ihn nun doch anzusehen. Unsere Blicke treffen sich, und wo ich eiserne Gnadenlosigkeit und kalte Ablehnung erwarte, sehe ich nur Wärme. Mitgefühl.

Mein Magen verknotet sich. Mitleid ist das Letzte, was ich will und brauche. Ich knurre, doch diesmal ist mein Pakhan es, der ignoriert.

"Maksim, Bruder – es ist nur vorübergehend, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Du musst raus aus New York. Nur für eine Weile, bis unsere Leute die Gelder an die entsprechenden Stellen haben fließen lassen und du aus der Kartei raus bist. Was nützt mir ein Torpeedo, der zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben ist?“

Es liegt nur milder Vorwurf in seiner Stimme. Ich weiß, den Fehler muss ich mir selbst anlasten. Ich hätte die Information exakter überprüfen müssen und mich nicht darauf verlassen dürfen, dass der Informant mir bisher immer gute Dienste geleistet hat. Es ist ehernes Gesetz bei allen Mafia-Gruppierungen: Es gibt immer jemanden, der mehr bezahlt, und dann wirst du verraten.

Genau das ist mir mit meinem Spitzel von der DHS passiert. Er hat sich kaufen lassen und dafür mich verkauft. Ich bin einer der gefürchtetsten Männer New Yorks, doch das hat mir alles nichts genützt. Jetzt haben zwei dämliche Bundesbehörden mich zum Abschuss freigegeben. Ja, sie versuchen nicht einmal, mich zu fangen, sie wissen, dass ich Roman nicht verpfeife. Der elektrische Stuhl ist mir sicher, aber scheiß drauf, eher gebe ich mir selbst die Kugel, als dass sie mich in die Finger kriegen.

An diesem Punkt meiner Überlegungen atme ich tief durch.„Was ist das für ein Auftrag?“

„Er hängt mit Bishop zusammen, und er wird dir gefallen.“

„Kann ich den Scheißkerl endlich liquidieren?“

Jonathan Bishop ist uns allen ein Dorn im Auge. Er ist so dämlich gewesen, und hat Bratva-Gelder veruntreut. Seit Jahren wäscht er in seiner Bank, der JB Capital Trust, Geld für uns und hat sich eine goldene Nase daran verdient. Gar nicht zu reden von den ganzen Gefälligkeiten, die wir ihm deshalb erwiesen haben. Und was tut der Arsch? Veruntreut einen Großteil der Gelder und steckt sie in seinen persönlichen Wahlkampf, weil er unbedingt nach Washington in den Senat will. Ein Banker mit politischen Ambitionen, das klingt auf den ersten Blick gewinnträchtig für uns. Aber das ist alles hinfällig, wenn uns so jemand bescheißt.

„Wie lautet dein Plan?“

Ich bin kein Mann der großen Worte. Mein Pakhan weiß, auf welche Informationen es mir ankommt.

„Ich will vorerst versuchen, dass wir das Geld von ihm zurückbekommen. Er hat über fünfzehn Jahre gut mit uns zusammengearbeitet, es gab nie Probleme. Vorerst werden wir ihm nur eine kleine Warnung zukommen lassen, wie sehr es in seinem Interesse liegt, uns die verschwundene Summe zurückzugeben.“

Er kehrt an seinen Schreibtisch zurück und nimmt eine schwarze Mappe zur Hand, die reicht er mir dann. „Darin findest du alles über die Zielperson. Du wirst sie ausspähen, und wenn Bishop nicht auf meine Warnungen reagiert, dann wirst du tätig.“

Während er spricht, schlage ich die Mappe auf. Ganz oben liegt ein Foto, und alles in mir erstarrt so jäh, dass der Schmerz wie ein glühendes Messer durch meinen Rücken jagt. Kehlig fluche ich vor mich hin. „Das ist ein Kind!“

„Das ist seine Tochter“, erwidert Roman kühl. „Seine Schwachstelle. Und du bist mein Garant dafür, dass er das auch begreift.“ Aufmunternd klopft er mir auf die Schulter. „Ich habe alles arrangiert, du fliegst noch heute in die Schweiz. Sollte es nötig sein, schnappst du sie dir. Dann bekommst du weitere Informationen von mir, wo du sie hinbringen wirst.“

Sein Lächeln ist wie ein Zähnefletschen, es erinnert mich daran, wer hier vor mir steht. Nicht nur mein Bratan aus Kindertagen, sondern mein Pakhan. Der oberste Boss der New Yorker Russenmafia.

„Sieh es von der angenehmen Seite, Maksim. Es ist wie Erholungsurlaub für dich. Du hast jede Reha nach deiner Verwundung abgelehnt. Der Auftrag verhilft dir nun dazu, dass du alle Zeit der Welt hast, um in aller Ruhe vollständig zu heilen. Ich brauche dich im Vollbesitz deiner Kräfte an meiner Seite. Vergiss das nicht. Du bist wichtig für mich – und für die Organisation.“

Scheiße, er weiß genau, wie er mich – verbal gesehen – entwaffnen kann. Ich mag ein eiskalter Killer sein, aber wenn er mir so kommt, dann weiß ich beim besten Willen nicht, wie ich mich ihm noch widersetzen soll.

Also geht es in die Schweiz. Ich spiele Kindermädchen für ein Schulkind.

Das Leben ist echt zum Kotzen. Manchmal wünsche ich mir, die Kugel hätte etwas weiter rechts eingeschlagen, dann wäre mir das alles erspart geblieben!