Wenn du nur Meins wärst

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Summary

Lucian hat alles – und gleichzeitig nichts. Mit 28 Jahren führt er erfolgreich seinen eigenen BDSM-Club, hat Angestellte, die ihm loyal ergeben sind, und lebt aus, was er liebt. Nur eines schafft er nie: einen Sub dauerhaft an sich zu binden. Früher oder später laufen sie ihm alle davon. Zu extrem, zu fordernd, zu viel. Bis er auf Lenny trifft. Der junge Mann steht plötzlich vor seinem Club – zur falschen Zeit, am falschen Ort. Lucian spürt es sofort: Lenny gehört ihm. Das Problem? Lenny ist kein Sub. Und er hat genug eigene Dämonen, um daran zu zerbrechen. Triggerwarnung: Diese Geschichte enthält explizite BDSM-Darstellungen (extrem), Themen wie Homophobie, Gewalt sowie selbstschädigendes und selbstverletzendes Verhalten.

Status
Ongoing
Chapters
85
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1

Lenny

Wieder einmal trugen mich meine Schritte die vertraute Straße entlang – dieselbe, die ich Abend für Abend abschritt, nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern wegen dieses Ortes. Der Club. Unscheinbar, kaum mehr als ein Schatten in der grauen Häuserreihe – und doch hatte er mich vom ersten Augenblick an in seinen Bann gezogen. Etwas an ihm flüsterte dunkle Versprechen, reizvoll und gefährlich zugleich. Ich war nie hineingegangen. Nicht, weil ich es nicht wollte – sondern weil etwas in mir zögerte. Vielleicht Angst. Vielleicht Respekt. Vielleicht... Sehnsucht.

Heute jedoch bleibe ich stehen. Zum allerersten Mal. Mein Blick streift die schlichte, einfarbige Wand, die Tür– als würde sie genau wissen, dass sie keine Einladung braucht. Mein Herz klopft schneller, meine Finger kribbeln. „Nach zehn Minuten hier rumstehen solltest du doch langsam wissen, ob du reingehst oder nicht.“ Die Stimme trifft mich wie ein Blitz. Tief, ruhig, ein Hauch Spott darin. Ich zucke zusammen, drehe mich erschrocken – und sehe ihn. Ein Mann. Groß, dunkel gekleidet, selbstbewusst. Seine Augen funkeln im schwachen Licht. „Ähm… ich bin mir tatsächlich noch nicht so sicher.“ Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, fast verschluckt vom leisen Brummen der Stadt um mich herum. Ich merke, wie sie zittert – wie ich zittere. Warum interessiert es mich plötzlich, was dieser Fremde über mich denkt?

Er zieht eine Augenbraue hoch, beinahe amüsiert. Sein Blick gleitet langsam, prüfend über mich – nicht vulgär, eher wie ein Jäger, der Beute mustert. Und trotzdem schnürt mir diese Selbstverständlichkeit die Kehle zu. „Eindeutig ein Sub,“ murmelt er. Die Worte sind leise, doch sie treffen mich wie ein elektrischer Schlag. Seine Stimme ist tief, warm und provozierend – sie gleitet über meine Haut wie ein unsichtbarer Finger. Gänsehaut. „Wir können gemeinsam reingehen,“ fährt er fort, seine Stimme ein dunkles Versprechen. „Ich könnte dir alles zeigen. Deine Neugier stillen. Und noch vieles mehr.“

Sein Ton wird drängender, anzüglicher – ein süßer Tropfen Gift. Ich weiche zurück. Mein Körper entscheidet schneller als mein Verstand. „Nein… danke.“ Meine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch, aber sie reicht. Er lächelt. Nicht freundlich. Besitzergreifend. „Ach komm, Sub. Es wird dir gefallen–“

„Hey, du.“ Eine neue Stimme – scharf, klar, autoritär. Ich zucke zusammen, wieder. Der Mann vor mir dreht sich langsam um, aber ich war schneller: Ich wende mich ab und gehe, einfach nur weg.

„Wohin willst du?“

Neben mir taucht eine Frau auf. Ich bleibe erschrocken stehen. Sie lächelt. Sanft. Warm. Eine völlig andere Energie als der Mann eben.

„Keine Sorge. Du musst keine Angst haben.“ Ihre Stimme ist ruhig, bestimmt. „Der Typ eben war ein Dom, ja. Aber einer, der seine Grenzen gern mal… vergisst.“ Sie winkt ab. „Komm einfach mit.“ Ohne meine Antwort abzuwarten, greift sie nach meinem Handgelenk. Ihre Hand ist warm, fest – nicht unangenehm, aber bestimmend. Ich lasse mich mitziehen.

Wir sind wieder vor dem Club. Der Mann ist verschwunden. Ich blicke mich suchend um. „Er ist weg. Lucian hat ihn rausgeworfen. Aus dem Club. Vom ganzen Grundstück. Du musst dir keine Sorgen machen.“ Sie zieht mich weiter zur Tür. Jetzt sehe ich das kleine, dunkle Schild über dem Eingang: The Cellar. Ein unauffälliger Name für einen Ort, der sich wie eine andere Welt anfühlt.

Sie öffnet die Tür und ein anderer Duft schlägt mir entgegen – schwer, sinnlich: Leder, Parfum, eine Ahnung von Wachs und Hitze. Dunkelrote Lichter flackern, Samtvorhänge dämpfen den Klang, es ist warm, fast zu warm. Sie bleibt stehen, dreht sich zu mir und legt mir eine Kette um den Hals – schlicht, silbern, aber das Gewicht fühlt sich bedeutungsvoll an. „Jetzt kann dir hier niemand mehr etwas tun. Wer diese Kette trägt, ist tabu. Kein Dom hat das Recht, Anspruch auf dich zu erheben.“ „Ich bin also immun?“ Sie lächelt. „Sozusagen.“

Sie führt mich zur Bar, setzt mich auf einen Hocker. Endlich lässt sie mein Handgelenk los und tritt hinter die Theke. „Lia, gib ihm ein Getränk aus. Und sorg dafür, dass ihn niemand auch nur ansieht.“ „Geht klar, Lucian.“ Die Stimme kommt von hinter mir. Tief. Ruhig. Eine Präsenz, die sofort Raum einnimmt. Ich drehe mich nicht um – ich spüre ihn. Sein Atem streift mein Ohr, warm und viel zu nah. „Jemand wie du sollte Abends nicht allein durch diese Straße streifen.“ Seine Stimme ist samtig, gefährlich ruhig. „Er hätte nicht haltgemacht, um dich zu bitten. Er hätte dich genommen.“ Ein Schauer läuft mir über den Rücken. „Ich rate dir, nach diesem Abend nicht wieder hierher zurückzukommen. Tu’s dir selbst zuliebe.“ „Und… was, wenn ich wiederkomme?“ Meine Stimme ist leise, kaum mehr als ein Hauch – und sie zittert, obwohl ich mir größte Mühe gebe, es nicht zu zeigen.

Ein Moment vergeht. Ich höre ihn atmen. Dann:

„Dann hoffe ich für dich, dass du Glück hast… und ihm nicht noch einmal begegnest.“

Sein warmer Atem weicht von meinem Ohr zurück, aber im nächsten Augenblick spüre ich eine flüchtige Berührung an meinem Rücken. So leicht, dass ich nicht sagen kann, ob sie wirklich passiert ist – oder ob ich sie mir nur eingebildet habe. Dann verschwindet er.

Lia dreht sich wieder zu mir um, ihre Augen folgen ihm noch kurz, bevor sie sich mir zuwendet. „Du weißt, wo du mich findest, Lia.“ „Ja klar, Lucian.“ Ein kurzes Nicken, kaum merklich – und dann stellt sie mir ein Glas vor die Nase. Dunkel, sprudelnd. Cola. „Mehr nicht,“ sagt sie schmunzelnd. „Danke.“ Ich nehme das Glas, versuche mich an dem kühlen Rand festzuhalten, um den Rest der Hitze aus meinem Nacken zu vertreiben. „Ähm… was genau ist das eigentlich hier für ein Club?“ Sie schaut mich an. Offen, aber mit einem feinen Lächeln, das andeutet, dass sie die Antwort schon kennt. „Oh, das ist ein BDSM-Club.“

Also hatte ich recht. Mein Verdacht, dieses Gefühl in meinem Bauch – es war kein Zufall.

„Okay.“ Sie zieht eine Augenbraue hoch. Ihr Blick wird forschender, überrascht. „Du weißt, was das ist?“ Ich schüttle leicht den Kopf. „Nicht wirklich.“ „Ach so.“ Sie lacht leise, der Klang angenehm ehrlich. „Ich dachte schon, du kennst dich aus. Du hast so locker reagiert.“

„Muss ich… anders darauf reagieren?“ frage ich zögerlich. Ein Grinsen zuckt über ihre Lippen. „Nein, nicht unbedingt. Aber die meisten tun’s. Viele kriegen große Augen, machen einen Rückzieher oder stellen sofort tausend Fragen. Du bist… anders.“ Ich zucke mit den Schultern. „Ich glaube, ich bin einfach… neugierig.“ „Neugier ist kein schlechter Anfang.“ Sie lehnt sich auf die Bar, legt den Kopf leicht schief. „Aber in einem Club wie diesem… kann Neugier gefährlich werden. Wenn man nicht weiß, was man sucht – oder wem man begegnet.“ Ich nicke langsam.

„Okay, hör zu.“ Lia lehnt sich noch etwas näher zu mir vor, ihre Stimme ist weich, aber ernst. „Einmal die Woche haben wir hier einen offenen Abend, an dem man einfach mal reinschnuppern kann. Wenn du möchtest, komm vorbei. Schau es dir an. Aber ich sag’s dir direkt: Man sieht dir sofort an, dass du ein Sub bist – und kein Dom.“ Sie lächelt sanft. Kein Spott, nur ehrliche Beobachtung. Ich nicke nur. „Das hat der Mann vorhin auch gesagt“, murmle ich. „Tja.“ Sie zuckt mit einem Grinsen die Schultern. „Manche Dinge stehen einem einfach ins Gesicht geschrieben.“ Wieder nicke ich, nehme einen Schluck meiner Cola. Sie schmeckt plötzlich süßer, vielleicht weil sich die Anspannung langsam aus meinem Körper löst. „Was machst du eigentlich gerade?“ fragt sie. Ich zucke leicht mit den Schultern. „Hab grad mein Abi gemacht. Jetzt mal sehen… Ich weiß noch nicht so genau, wohin mit mir.“ „Also ein guter Schüler, hm?“ Ich lache leise, ein bisschen verlegen. „Ja. Leider manchmal zu gut… zumindest für manche meiner Mitschüler.“ Ein Schatten huscht über Lias Gesicht. Ihr Blick wird weich, mitfühlend. „Versteh genau, was du meinst. Als ich erkannt hab, dass Männer mich überhaupt nicht interessieren… haben sie mich in der Schule fertiggemacht. Jeden Tag.“ Ich sehe sie an, schlucke. „Und heute?“ Sie lächelt. Breit, warm, strahlend. „Heute bin ich die glücklichste Ehefrau der Welt.“ Ich kann nicht anders, ich lächle mit. Es ist ansteckend. „Das ist schön. Ich freu mich für dich.“ „Danke.“ Ihre Stimme wird leiser. „Siehst du… auch bei mir war’s nicht einfach. Aber jetzt? Jetzt geht’s mir gut. Und wer weiß – vielleicht wird’s bei dir irgendwann genauso. Vielleicht wirst du mal jemanden haben, der dich wirklich sieht. Vielleicht einen Dom… vielleicht auch nicht. Aber du wirst lächeln. So sehr, dass du Muskelkater bekommst.“ „Ja… wer weiß.“ Ich lächle, greife wieder nach meinem Glas und nehme einen größeren Schluck. Doch kaum berührt das Glas meine Lippen, taucht Lucian wieder auf. Wie aus dem Nichts steht er plötzlich neben mir. Seine Präsenz ist stark, fast greifbar.

„Lia, wir machen heute früher zu.“ Sie dreht sich überrascht zu ihm. „Was? Wieso das denn?“ Es klingt ehrlich verwundert – offenbar kommt das nicht oft vor. „Ich habe gerade erfahren, dass der Mann von vorhin zu einem anderen Club gehört.“ „Aber er ist doch ständig hier!“ „Ja, eben.“ Lucians Stimme ist ruhig, aber da liegt etwas Dunkles darunter. „Und ich glaube, er wollte dem Kleinen hier nicht helfen. Ich glaube, er wollte unseren Ruf zerstören.“ „Oh mein Gott…“ Lia schlägt sich erschrocken eine Hand vor den Mund. Ich spüre, wie mir kalt wird. „Das ist eine Schande für den Club!“ „Natürlich ist es das.“ Lucians Blick ist hart, entschlossen. „Deswegen gehe ich nachher persönlich zu diesem anderen Club. Ich will mit dem Besitzer reden.“ „Ist er dort… ein Dom?“ fragt Lia zögerlich. „Ja“, sagt Lucian knapp. „Das wusste ich allerdings nicht – sonst wäre er nie hier reingekommen.“ „Wie auch? Woher hättest du das wissen sollen?“ Lucian senkt den Blick kurz, als würde er sich einen Moment selbst hinterfragen. „Ich hätte besser recherchieren sollen. Aber das Versäumnis wird heute noch behoben.“ „Lucian… mach dir keine Vorwürfe.“ Lias Stimme wird sanft. „Das hätte jedem passieren können.“ „Sollte es, aber nicht, Lia. Eine Stunde noch, dann schließen wir.“ Lucians Stimme veränderte sich. Eben noch ruhig, jetzt plötzlich schneidend kühl. Wie Eis, das sich über meine Haut legte und eine Gänsehaut verursachte, bevor ich überhaupt wusste, warum. „Natürlich… ich kann später abschließen. Dann kannst du dich um alles kümmern.“ Lia nickte verstehend, ihre Stimme klang jetzt deutlich vorsichtiger. „Danke, Lia. Ich werde hoffentlich nicht lange brauchen.“ „Schon gut, Lucian.“ Er wandte sich noch einmal mir zu – sein Blick traf mich wie ein Schlag. Dominant. Direkt. Kontrolliert. Kein bisschen weich.

Etwas in mir zog sich zusammen, mein Körper reagierte, bevor mein Verstand folgen konnte. Ich wollte mich kleiner machen, mich unter diesem Blick verbergen… doch er drehte sich um und verschwand in die Dunkelheit des Flurs, seine Schritte schwer und gleichmäßig, bis die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.

Ich atmete erst wieder richtig aus, als er weg war. „Ist er… immer so einschüchternd?“ fragte ich leise. Lia lächelte, aber es war ein wissendes Lächeln. Als hätte sie die Frage schon unzählige Male gehört. „Lucian? Ja. Er ist ein verdammt guter Dom – einer der besten. Aber er ist nichts für schwache Nerven.“ Sie nahm ein Tuch und begann, Gläser zu polieren. Ganz ruhig. Ganz sachlich. „Warum?“ fragte ich vorsichtig. „Weil er Ansprüche hat. Er sucht nicht einfach irgendwen. Er braucht Tiefe. Kontrolle. Vertrauen. Und totale Ehrlichkeit. Viele kommen mit dieser Art nicht klar. Und viele… knicken vorher ein.“ Ich sah sie an. „Aber er scheint seine Grenzen zu kennen.“ Sie hielt in der Bewegung inne, schaute mich an. „Oh ja. Das tut er. Lucian ist niemand, der leichtfertig spielt. Wenn er eine Grenze berührt, dann nur, um zu zeigen, dass du sie selbst fühlen kannst. Und wenn du deine eigene Grenze nicht kennst, wird er sie dir zeigen.“ Ich schluckte. Ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit – Furcht, Respekt… und vielleicht sogar ein Hauch von Neugier. „Er hat dich nicht ohne Grund angesehen, weißt du?“ „Wie meinst du das?“ „Er hat gesehen, was in dir steckt. Auch wenn du es selbst noch nicht ganz weißt.“