Ashborne - Erwachen aus der Asche

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Summary

Ich wurde im Feuer geboren. In der Asche gefunden. Und in einem Dorf großgezogen, das mich nie ganz als eine der ihren sah. Zwischen Kräutern, Schattenwesen und leisen Erinnerungen führe ich ein ruhiges Leben im Laden Ash & Roots. Doch unter der Oberfläche flüstert eine andere Wahrheit - eine Magie, die lange geschlummert hat. Als eine Einladung aus der Zwischenwelt eintrifft, geraten meine sorgfältig geordneten Welten ins Wanken. Alte Geheimnisse regen sich. Fremde Augen folgen mir. Inmitten von Glut, Erinnerung und einem Erbe, das ich nie gewollt habe, beginnt meine Reise. Denn manche Feuer brennen weiter - auch lange nach dem letzten Funken.

Genre
Fantasy
Author
Sel
Status
Ongoing
Chapters
14
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Prolog - Wenn Asche atmet

Niemand erinnert sich an den Wind in jener Nacht. Nur an das Feuer.

Es war der sechste Monatstag des vierten Vollmondes im Jahre 1632, als sich der Himmel über dem kleinen Dorf am Waldrand schwärzte – nicht von Wolken, sondern von Rauch. Die Menschen, die später darüber sprachen, taten es nur flüsternd. Als fürchteten sie, das Feuer könne ihre Stimmen hören.

Im letzten Haus der Dorfstraße, dort wo die Wildblumen aufhören zu wachsen und der Wald beginnt, wurde ein Kind geboren. Ein Mädchen. Es kam mit leiser Stimme zur Welt, als hätte es gewusst, dass es keine Zeit zum Schreien gab. Die Mutter, erschöpft, hielt es noch einen Moment im Arm, ihr Blick verschwamm bereits. Der Vater – ein einfacher Holzschreiner mit geschwärzten Händen und sanften Augen – küsste beide ein letztes Mal.

Dann kam das Feuer.

Niemand weiß, wie es entstand. Manche sagen, ein Blitz sei in die alte Eiche am Waldrand gefahren. Andere behaupten, jemand habe gezielt das Haus in Brand gesteckt – aus Angst oder Hass.

Vielleicht war es Zufall.

Vielleicht Schicksal.

Die Flammen verschlangen das Haus in Minuten. Sie leckten an den Mauern, fraßen sich durch Balken und Fensterläden. Funken stoben in den Nachthimmel, wie goldene Schreie. Das Feuer griff über auf den nahen Wald, auf trockene Blätter, morsches Geäst. Ein zweites Haus fing ebenfalls Feuer – doch dort überlebten die Bewohner.

Nicht so hier.

Hier blieb nur Asche.

Doch aus dieser Asche stieg sie wieder empor – wie ein Phönix, geboren aus den Flammen des Todes.

Als Neugeborenes, nackt, verrußt, aber lebendig.

Ihre kleinen Finger zuckten. Ihre Brust hob und senkte sich.

Ein Hauch Leben in der Asche.

Sie hatte dunkles, leicht welliges Haar, kaum mehr als ein Schimmer auf der Kopfhaut. Die Haut war mittlerer Farbe – wie gebranntes Licht – und die Augen, als sie sie öffnete, waren von einem warmen, tiefen Braun.

Und doch… war da etwas Unwirkliches.

Ein Glimmen in der Iris. Ein stummes Wissen in ihrem Blick, das kein Säugling haben sollte.

Die Dorfbewohner, die am Morgen die Reste der Trümmer begutachteten, fanden das Kind – lebendig. Manche wollten es nicht anfassen. Andere sagten, es sei ein Zeichen. Ein Omen.

Doch ein kinderloses Paar – eine einfache Frau mit schwachem Herzen und ein Mann, der einst selbst ein Waisenkind war – nahm sie auf.

Sie nannten sie „Elowen“.

Und niemand ahnte, dass das Feuer sie nicht verbrannt, sondern gezeichnet hatte.

Dass der Tod sie nicht geholt, sondern verwandelt hatte.

Dass das, was in der Asche atmete, kein gewöhnliches Kind war.

Sie war die Erste ihrer Art.

Ein Zufall. Eine Ausnahme.

Ein Geheimnis.

Die Ashborne Witch.